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Carsharing Südtirol Alto Adige
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Mobilität

Mein, dein, unser

Autos im Privatbesitz stehen die meiste Zeit über still am Parkplatz. Carsharing ist trotz seiner Vorteile für Klima und Geldtasche noch nicht wirklich durchgestartet.
Von
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Anna Luther22.09.2022
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Verkehr ist in Südtirol ein heißes Thema. Nicht nur wegen dem Anreiseverkehr der Gäste und dem Gütertransport über den Brennerpass, sondern auch wegen der hohen Anzahl der PKW pro 1.000 Einwohner:innen, laut einer kürzlich veröffentlichten Eurostat-Statistik sind das 871 PKW. Nachhaltigkeitsexpert:innen weisen seit Jahren darauf hin, dass der motorisierte Individualverkehr reduziert werden muss. Zum einen macht das die Eindämmung des Klimawandels notwendig, zum anderen die hohe Verkehrsbelastung für Anrainer:innen viel befahrener Straßen.
 
PKW Regionen Europa
PKW-Dichte in der EU: Fünf der zehn Regionen mit der höchsten Motorisierungsrate liegen in Italien. (Grafik: Eurostat)
 
Eine der Möglichkeiten, den motorisierten Individualverkehr zu reduzieren, ist neben öffentlichen Verkehrsmitteln oder Fahrrädern die gemeinschaftliche Nutzung von Autos. Schließlich stehen eigene Fahrzeuge mehr als 90 Prozent der Zeit still und werden daher nur zu 10 Prozent ihres Lebenszyklus genutzt, wie die italienische Nachrichtenagentur ANSA schreibt. Die gemeinschaftliche Nutzung eines Autos kann etwa durch Fahrgemeinschaften organisiert werden oder durch die Autoverleihung, das sogenannte Carsharing. Auch in Südtirol kann man für eine Grundgebühr und einen günstigen Stundenpreis verschiedene Wagenmodelle für einen kurzen Zeitraum mieten.
 

Autobesitzen leicht gemacht

 
Die Situation ist nicht nur wegen der steigenden Temperaturen angespannt: Sollte sich das Verkehrsaufkommen in den nächsten Jahren nicht wesentlich ändern, drohe laut dem Direktor des Kompetenzzentrums Tourismus und Mobilität der Universität Bozen, Thomas Bausch, ein beängstigendes Zukunftsszenario für Südtirol. Denn laut Prognosen versinke die Provinz spätestens 2030 in ein ständiges Verkehrschaos, wie es heute nur zu Spitzenzeiten im August gemessen wird. Neben der Anreise der Gäste sei der Verkehr in den letzten Jahren wegen dem Bevölkerungswachstum, dem großen Wirtschaftswachstum und dem Anstieg bei den Beschäftigungszahlen gestiegen.
Durch den hohen Wohlstand und die im Vergleich zu anderen Regionen Italiens niedrigen Steuersätze bei KFZ-Haftpflicht, Zulassung und Umschreibung von PKWs gedeiht der Automarkt hierzulande, unter anderem wegen der Mietwagenfirmen. Im vergangenen Jahr waren von den rund 81.000 zugelassenen Neuwagen in Südtirol fast 74.000 Autos von Mietwagenfirmen. Die Mietwagen werden dann meist italienweit eingesetzt. Auch das Carsharing zählt zur Autovermietung und war eine der Branchen, die durch die Lockdowns der Pandemie am meisten litt.  
 

Carsharing in Südtirol

 
Lisa Ploner von Carsharing Südtirol Alto Adige bestätigt, dass während der Corona-Pandemie die Nutzung des Autoverleihs stark zurückgegangen ist. „Mit dem Lockdown im Frühling 2020 ist unser Umsatz fast gänzlich eingebrochen, erst im Sommer 2022 konnten wir wieder das Vor-Corona-Niveau erreichen“, so Ploner.
Allerdings sei die Anzahl der Firmenkunden zurückgegangen, da viele Sitzungen weiterhin online abgehalten werden. „Früher hatten wir 60 Prozent private Kunden und 40 Prozent Firmen, nun sind die privaten Nutzer:innen auf 70 Prozent gestiegen. Wir gehen davon aus, dass das so bleiben wird“, sagt Lisa Ploner mit Blick auf die fortschreitende Digitalisierung in der Arbeitswelt.
 
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Lisa Ploner: „Unsere Zielgruppen sind gemischt, von Alt bis Jung, weiblich und männlich.“ (Foto: Carsharing Südtirol Alto Adige)
 
Carsharing Südtirol Alto Adige hat einen Fuhrpark mit 36 Fahrzeugen, drei davon sind elektrisch. Die Autos können bei 23 Stationen in zehn Südtiroler Gemeinden (Bozen, Meran, Bruneck, Brixen, Klausen, Schlanders, Lana, Mals, Mauls und Stilfs) abgeholt werden. Die Kleinwagen, Fünf- und Siebensitzer werden von Volkswagen an den Carsharing-Dienst verliehen, auch ein Nissan Leaf der Energiegenossenschaft des Elektrizitätswerk Stilfs wird von ihm verwaltet. Für das nächste Jahr ist eine Aufstockung des Fuhrparks mit E-Fahrzeugen geplant.
Zurzeit nutzen rund 1.000 Personen aus Südtirol das Carsharing. „Unsere Zielgruppen sind gemischt, von Alt bis Jung, weiblich und männlich. Auch bei den Sprachgruppen sind etwa 50 Prozent italienisch und 50 Prozent deutschsprachig“, erklärt Ploner. Vor allem für Führerscheinneulinge seien die Kleinwagen des Autoverleihs attraktiv.
 
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Ein ungewohntes Bild: Noch zählt Carsharing zu einer Nischen-Dienstleistung in Südtirol. (Foto: Carsharing Südtirol Alto Adige)
 

Billiger und klimafreundlicher

 
Sowohl Private als auch Firmenkunden nutzen Carsharing, um Kosten zu sparen und das Klima zu schützen. Beispielsweise verzichten Firmen auf die Anschaffung oder Erweiterung ihrer eigenen Autoflotte und setzen auf Carsharing. „Eines unserer Ziele ist es, den Verkehr zu reduzieren. Wenn Menschen Carsharing nutzen, dann in ausgewählten Fällen. Sie haben das Auto nicht immer bei sich und fahren so öfters mit den öffentlichen Verkehrsmitteln, was wir begrüßen“, sagt Ploner.
Im Rahmen dieser Strategie arbeitet Carsharing Südtirol Alto Adige mit dem Carsharing-Dienst Flinkster der Deutschen Bahn zusammen. „Rund zwölf Kunden von uns nutzen Flinkster regelmäßig. So kann man beispielsweise mit dem Zug nach München und dort dann mit dem Auto weiterfahren“, erklärt Ploner. Durch die Kooperation mit der Deutschen Bahn und ihren Partnern stehen den Kunden insgesamt weitere 3.000 Fahrzeuge in Italien (Trient, Brescia, Rovereto, Riva del Garda), Deutschland und in der Schweiz zur Verfügung.
 
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Francesco Imbesi: „Carsharing ist für Personen dann eine interessante Möglichkeit, wenn sie ein Auto nicht regelmäßig brauchen und die Nutzung vorzeitig planen können.“ (Foto: Verbraucherzentrale Südtirol)
 
Auch die Verbraucherzentrale Südtirol empfiehlt Carsharing, sofern es die eigene Lebenssituation erlaubt. „Carsharing ist für Personen dann eine interessante Möglichkeit, wenn sie ein Auto nicht regelmäßig brauchen und die Nutzung vorzeitig planen können“, sagt Francesco Imbesi von der Verbraucherzentrale. Eine spontane Nutzung, um mit dem Auto eine Runde zu drehen, sei dabei schwieriger. Positiv sei, dass durch die klare Planung der Autonutzung auch die Kostenkontrolle dafür erleichtert wird. „Der einzige Kritikpunkt ist, dass Carsharing oft digital umgesetzt wird. Das macht den Zugang für Menschen ohne Handys schwierig“, erklärt Imbesi.
 

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Kommentare

Bild des Benutzers Dietmar Nußbaumer
Dietmar Nußbaumer 23.09.2022, 21:54

Das Auto ist bei uns immer noch ein Statussymbol, auch daher wird die "Transformation" schwierig. Zudem ist man am Land abhängig vom Auto, solange die öffentlichen Verkehrsmittel nicht eine brauchbare Alternative sind.

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