Kulturzeitschrift ARUNDA, Dr. Hans Wielander, Schlanders, 1988

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Alois Kuperion, der Bettelmaler

Die Arunda-Ausgabe Nr. 24 von 1988 ist gänzlich dem Vinschger Künstler Alois Kuperion gewidmet. Roland Kristanell und Paul Preims beschäftigen sich mit seinem Werk.
Community-Beitrag von Sebastian Felderer22.11.2014
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Ich habe schon im Mai dieses Jahres über das Vinschger Unikum berichtet, einem Künstler, der zu Lebzeiten überhaupt und auch lange nach seinem Tode im Jahre 1966 weit unter seinem effektiven Wert behandelt und „gehandelt“ wurde.

Ein Epilog

Der „Bettelmaler“ war standesgemäß, d. h. völlig vergessen, gestorben und interessierte vorerst nicht mehr. Einzig die „Dolomiten“ konnte sich zu einem kleinen Nachruf aufraffen. Es fehlte wohl auch die nötige Distanz, um objektiv über einen so subjektiven Fall wie Kuperion berichten zu können.

Im April 1974 sorgte ein empörter Leserbrief in den „Dolomiten“ für Schlagzeilen. Ein Herr Karl Gruber mokierte sich, dass man es gewagt habe, eine neugegründete Meraner Galerie mit dem Namen eines Dilettantenmalers auszuzeichnen. Die Reaktion blieb nicht aus. Vor allem Karl Plattner brach für Kuperion eine Lanze, indem er den Wunsch äußerte, „dass die neue Meraner Kuperion-Galery durch ihre Exponate auch dem Namen Ehre machen möge“.

Anlässlich des zehnten und zwanzigsten Todestages sorgten vor allem die Kritiker Boschesi im „L'Adige“ (Kuperion, l'artista felice) und Serravalli im „Alto Adige“ (Buon clochard meriti una vera mostra) für informative Rückblicke auf Leben und Werk. Eva Kreuzer-Eccel verfasste in ihrem Sammelwerk „Aufbruch, Malerei und Grafik in Nord-, Ost- und Südtirol“, 1982 , einen einfühlsamen Text.

Auf Antrag des Meraner Gemeinderates Renzo Baldessarielli sollte eine neue Straße in der eben erschlossenen Handwerkerzone Kuperions Namen tragen. Als Begründung für die Annahme lesen wir im Gemeinderatsbeschluss vom 28. Juni 1979: „Der Name passt gut in die Handwerkerzone, in der oft einfache Leute hohe schöpferische Fähigkeiten entwickeln“.

Anlässlich der Meraner Gedächtnisausstellung 1986 verkaufte der ehemalige Kurpräsident Giuseppe Maviglia ein Kuperion-Ölgemälde aus seinem Besitz an die Provinz Bozen, die das Bild an das Meraner Museum weitergab. Den Erlös stellte Maviglia der Gemeinde zur Verfügung, mit der Auflage, für Kuperions Ruhestätte einen würdigen Grabstein errichten zu lassen.

Kuperion, der Bettelmaler, der Bauernknecht, dem keine Arbeit von den ungelenken Händen ging, der „Tercher“ und Säufer, der manchmal erheiterte, dem man aber auch ungestraft jede Gemeinheit ins Gesicht sagen konnte, der Schwachkopf, der es nie zu etwas bringen würde. So sahen ihn die meisten Leute, für die Kunst, wie jedes andere Geschäft, -wenn schon- etwas einbringen muss.

Aber Kuperion, dessen Bilder um hundert bis fünfhundert Lire Besitzer wechselten, konnten solche Erwartungen nicht entsprechen. Sagt man diesen Leuten, dass Kuperion ein wunderbarer, eigenständiger Maler war, dass sich Kenner eingehend mit seinem erstaunlichen Werk auseinandergesetzt haben, so wittern sie gleich Spekulationen und dahinter -wie auch anders- finanzielle Interessen.

Der Kunsthandel, freilich, leistet solchen Überlegungen in der Tat oft Vorschub, indem er zu gegebener Zeit rücksichtslos Künstler zu „machen“ versucht, auch da, wo die gestaltende Substanz nicht ausreicht.

Im Fall Kuperion kann von mangelnder Qualität allerdings nicht die Rede sein. Nach Einsichtnahme in die umfangreiche Bibliographie, die in der Überzeugung Karl Plattners gipfelt, dass Kuperion europäisches Niveau erreichen konnte, vor der Evidenz der fast vierhundert fotografierten Werke aus allen Schaffensperioden, sind wir der Ansicht, dass man die besten Arbeiten des Tarscher Malers den bedeutendsten Vertretern der klassischen Moderne an die Seite stellen darf.

Was den Mensch Kuperion betrifft, so lesen wir am besten seinen eigenhändig verfassten Lebenslauf. Dann wird jeder Unvoreingenommene zumindest ahnen, dass er, dem ein bürgerlicher Aufstieg versagt blieb, zum Pinsel greifen musste, mit dem er sozusagen aufgewachsen war, und der ihm sein kleines Recht in der Gesellschaft zu verbürgen schien. Die Malerei, die immer sein „innerstes Anliegen gewesen“ sei, sicherte ihm eine bescheidene Existenz, aber auch eine Ebene, auf der sich Missverständnisse und Anpöbelungen, die sowohl seine körperliche Schwäche, als auch seine gesellschaftliche Naivität betrafen, leichter ertragen ließen.

Beim Fotografieren für diese Monografie konnten wir in Gesprächen feststellen, dass die meisten Besitzer gerade zu ihren Kuperion-Bildern ein besonderes Verhältnis haben, dass sie sie besonders schätzen, weil sie befreien und beglücken. Kein einziger stellte die spekulative Frage nach dem heutigen Marktwert. Dass Kuperion solche Anhänglichkeit zu vermitteln wusste, erstaunt nicht, denn er selbst war -trotz aller widriger Lebensumstände- ein glücklicher, von seiner Kunst erfüllter Mensch.

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