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Mikroplastik

Das Ende der Plastikverschmutzung?

In einer kleinen Studie werden erstmals Plastikpartikel in menschlichen Exkrementen nachgewiesen. Die zunehmende Plastikverschmutzung wird zum Problem. Was kann man tun?
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Gerade lese ich auf Zeit Online, dass es Forschern erstmals gelungen ist, Mikroplastik in menschlichen Stuhlproben nachzuweisen. Bei Mikroplastik handelt es sich um kleine Plastikteilchen, welche mit bloßem Auge nicht zu erkennen sind. Diese Partikel werden zum Teil gewollt hergestellt und werden z.B. Kosmetikprodukten wie Shampoos beigemischt. Sie entstehen auch durch den natürlichen Abbau von Plastikmüll.

Das Problem der Plastikverschmutzung wird schon länger thematisiert und es gibt unterschiedliche Ansätze, es zu lösen. Auch Silvia Rier schrieb dazu einen Beitrag, den man hier nachlesen kann. Im Beitrag wird die Möglichkeit eines Plastikverbots diskutiert.

Sind Verbote und gesetzliche Regulierungen wirklich die Lösung? Ich plädiere für eine vom Bürger ausgehende Veränderung, die ohne staatliche, demokratische Institutionen auskommt. Ein Beispiel dafür liefert der heute 24 Jahre alte Bojan Slat. Bojan Slat begann vor fünf Jahren mit dem Projekt OceanCleanUp. Nachdem er im Urlaub von der Plastikverschmutzung im Meer schockiert war, brach er das Studium ab und gründete ein Unternehmen, das sich die Reinigung der Ozeane von Plastikmüll zum Ziel setzte. Finanziert wurde dieses Projekt großteils über Crowdfunding-Plattformen im Internet. Ocean Clean Up startete kürzlich das erste Reinigungsschiff. Bis 2020 soll die gesamte Flotte aufgebaut sein.

 

Die Digitalisierung ermöglicht eine völlig neue Form der Mitbestimmung abseits der klassischen, langsamen demokratischen Prozesse - dezentral, flexibel und ohne Zwang auskommend

Dieses Projekt zeigt die Macht und die ungeahnten Möglichkeiten des Internets. Früher wäre ein derartiges Projekt ohne Großinvestoren oder ohne staatliche Subventionen undenkbar gewesen. Nun führt ein junger Mensch ein Team von über 80 Ingenieuren, Wissenschaftlern und Arbeitern und arbeitet so an der Lösung eines wichtigen Problems. Durch die digitale Vernetzung kann jeder Bürger dieses oder ähnliche Projekte nach eigenem Ermessen unterstützen. Das ist eine völlig neue Form der Mitbestimmung - ermöglicht durch die Digitalisierung. Dezentral, flexibel und ohne Zwang auskommend können so echte Projekte lanciert und umgesetzt werden. Die Möglichkeiten solcher über Crowdfunding organisierten konkreten Projekte sind den zahlreichen Online-Petitionen haushoch überlegen. Diese gehen nach wie vor den umständlichen und meistens nicht zielführenden Weg über die demokratischen Institutionen.

Man muss nicht ein so großes Projekt aufziehen oder spenden, um etwas gegen Plastikverschmutzung tun zu können. Auch bewusster Konsum ist eine gute Möglichkeit. Man muss dafür auch nicht gleich beim Einkaufen völlig auf Verpackungen verzichten, wie es in vielen Städten wie Graz oder Bozen schon tun kann. Da sind junge Leute am Werk, die nicht auf Verbote setzen, sondern sich überlegen, wie sie es dem Konsumenten schmackhaft machen können, auf Plastik zu verzichten oder zumindest den Plastikverbrauch zu senken.

Auch in Supermärkten und Drogerien gibt es häufig schon als mikroplastikfrei deklarierte Shampoos, Zahnpasten und Pflegeprodukte. Jeder kann seinen Beitrag leisten, ohne dass es irgendwelche Verbote braucht.

Ich persönlich halte solche marktwirtschaftlich orientierte Ansätze für besser als irgendwelche Verbote, die letztlich nur zu weiteren Problemen führen. Wer für Verbote eintritt, gesteht damit ein, selbst keine Macht über die eigenen Konsumentscheidungen zu haben. Wer nach dem Staat ruft, anstatt selbst sein Schicksal in die Hand zu nehmen, wird ewig unmündig bleiben.

 

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Kommentare

Bild des Benutzers gorgias

Tut mir leid das ist eine völlige Illusion zu glauben mit solchen Ansätzen weit kommen zu können. Es gibt genug Bücher die darauf hinweisen dass dies nur ein neoliberaler Feuchter Traum ist.
Warum deregulieren wir nicht alles konsequent. Hygienevorschriften, Abgasgrenzen, Spritzmittel, den Gebrauch von giftigen Stoffen in allen möglichen Produkten. Solange man nicht ausdrücklich darauf hinweist gewisse Standards einzuhalten darf halt nichts vorausgesetzt werden.. Konsumenten werden auf solche Garantien vom Produzenten ausschau halten. Dann haben wir einen freien und transparenten Markt.
Den Heilberuf kann man doch auch deregulieren. Natürlich darf sich nur jener als Dr. Med. bezeichnen der die entsprechende Ausbildung vorweisen kann. Aber der Markt wirds schon richten und der Konsument ist ja so mündig,l. Deswegen sind ja die ganzen Ozeane ja voll Plastik.

Bild des Benutzers Oliver H.

Das ist nur bedingt richtig. Ich plädiere in meinem Beitrag schließlich nicht für eine absolute Deregulierung. Vielmehr zeige ich auf, was abseits der üblichen institutionellen Wege möglich ist.

Allein das Projekt OceanCleanUp ist ein Wahnsinn. Hast du dich mal eingehender damit befasst? Was hälst du vom Projekt? Vor Jahren wurde es ja noch als Hirngespinst abgetan.

Bild des Benutzers gorgias

Solche Privatinitiativen sind wertvoll, doch können Sie nur ein Teil der Lösung sein. So sagt Boyan Slat selbst in einem Time-Interview, dass wenn man aufhören würde Plastik zu benutzen das bereits vorhandene Plastik noch für weitere 100 Jahre herumschwimmen würde. Damit möchte ich sagen, dass dieses Projekt auch nur ein Teil der Lösung sein kann, denn es kann nicht die Lösung sein, dass man Plastik an Land produziert, das dann (zum Teil) irgendwann im Ozean herumschwimmt und dann eingesammelt wird und am Land (hoffentlich) wiederverwertet wird.

Ich finde es ist wichtig politischen Entscheidungen Raum zu lassen für solche Initiativen, aber der Markt kann nicht alles Regeln. Ein Markt der dem Allgemeinwohl am besten nützt braucht gesetzliche Rahmenbedingungen in denen er sich dementsprechend entfalten kann. Ein Plastik-verbot kann immer noch als sinnvoll erachtet werden. Oder von mir aus eine Produktionssteuer auf Einwegprodukte aus Plastik.

Interessant wäre es, wenn man einen möglichst geschlossenen Werkstoffkreislauf aufbaut in dem bestimmte Materialien aus Kunststoff verwendet werden, die immer wieder verwertet werden können. Das Recycling ist energiesparender als die Neuerstellung von bestimmten Kunststoffen. Dafür sind staatliche. Damit das aber Funktioniert, braucht es aber eine dementsprechende Regulierung in der man sich auf bestimmte Kunststofftypen einigt und nicht verschiedene Kunststoffe für die selbe Aufgabe verwendet werden.

Doch auf dem Konsumenten alleine zu setzen ist eine Illusion, schon in verschiedenen Büchern erörtert wurde wie: Otto Moralverbraucher, Das Ende der Märchenstunde, Die grüne Lüge, Ende einer Illusion: Warum ökologisch korrekter Konsum die Umwelt nicht retten kann

Bild des Benutzers W Karcher

@Gorgias: "aber der Markt kann nicht alles Regeln"
Der Markt kann gar nichts regeln, und das will er auch gar nicht. Denn der Markt ist keine normsetzend Instanz.

"Ein Markt der dem Allgemeinwohl am besten nützt"
Auch das – dem Allgemeinwohl zu deinen – ist nicht der Zweck oder die Funktion des Marktes. Der freie Markt beansprucht, das beste Mediums des Ausgleichs von Einzelinteressen zu sein. Das scheint mir, hat sich bislang empirisch auch ganz klar gezeigt. Die Sache mit dem "Allgemeinwohl" ist bestenfalls Nebeneffekt dessen – wobei man darin auch bloße Propaganda des 19. Jh. zur Durchsetzung des Marktes sehen kann. Aber auch hier: Es weist bislang alles darauf hin, dass der freie Markt dasjenige System ist, das dem Allgemeinwohl noch am meisten dient. Letztlich wäre der Markt aber auch schon zulässig, solange er dem Allgemeinwohl wenigstens nicht zu sehr abträglich ist.

"braucht gesetzliche Rahmenbedingungen in denen er sich dementsprechend entfalten kann."
Das ist in gewisser Weise ein Strohmann. Auch die härtesten Freier-Markt-Vertreter behaupten ja nicht, dass ein freier Markt keinen positiven Gesetzen unterstehen darf (und dem Naturrecht untersteht er ja sowieso). Erstens braucht ein Markt an sich schon Normen (Vertragsrecht usw.). Zweitens, und wichtiger, ist in keinem Markt "alles" denkbar. Es wird wohl kein geistig gesunder Libertärer vertreten, dass es in einem freien Markt auch eine Dienstleistung "Auftragsmord" geben dürfte.

Das Fehlen gesetzlicher Rahmenbedingungen dürfte hier nicht das Problem sein. Das Problem ist, dass man die hier angesprochenen Katastrophen nicht durch Gesetze bewältigen kann. Ebensowenig wie ihre Bewältigung ein Nebeneffekt freier Markttätigkeit sein wird.

Bild des Benutzers gorgias

>Der Markt kann gar nichts regeln, und das will er auch gar nicht. Denn der Markt ist keine normsetzend Instanz. <

Der Markt regelt den Preis über Angebot und Nachfrage.

>Auch das – dem Allgemeinwohl zu deinen – ist nicht der Zweck oder die Funktion des Marktes.<
Das ist die ethische Voraussetzung für eine Marktwirtschaft. Die Verfolgung des Eigennutzens ist am Ende gut für die Allgemeinheit. Lesen Sie doch die Klassiker.

>Das Fehlen gesetzlicher Rahmenbedingungen dürfte hier nicht das Problem sein. Das Problem ist, dass man die hier angesprochenen Katastrophen nicht durch Gesetze bewältigen kann.<

Es braucht entsprechende Rahmenbedingungen die Umweltbelastung derat stark besteueren, dass alternativen günstiger werden. Würde der Benzinpreis dementsprechend hoch sein, würden die Absätze von SUV zurückgehen. Lokale Kreisläufe würden gestärkt und Langstreckentransporte zurückgehen.

Würde der CO2-Austross stark genug besteuert würde dementsprechend dieser auch zurückgehen:
https://www.zeit.de/wirtschaft/2017-08/co2-steuer-klimawandel-abgas-skandal

Das heisst Verursacherprinzip und ist mit dem Kapitalismus gut vereinbar.

Bild des Benutzers W Karcher

"Der Markt regelt den Preis über Angebot und Nachfrage."
Das tut er nicht. Der Markt dient lediglich der FESTSTELLUNG des Preises. Nicht dessen "Regelung".

"Das ist die ethische Voraussetzung für eine Marktwirtschaft. Die Verfolgung des Eigennutzens ist am Ende gut für die Allgemeinheit."
Falsch. Die "ethische", also naturrechtliche Voraussetzung ist die Trias Life, Liberty & Property. Lesen Sie doch die Klassiker.

"Lesen Sie doch die Klassiker."
Ich habe die Klassiker gelesen, und nicht nur gelesen...

Bild des Benutzers gorgias

Der Markt regelt sich selber. Der Markt besteht aus Individuen die selbstbestimmt ihre Waren und Dienstleistungen gegen Geld oder andere Waren und Dienstleistungen tauschen. Um welchen Preis jemand etwas anbietet/nachfragt hängt auch von anderen Anbietern und Nachfragenden ab. Die Gesamtheit dieser handelnden Individuen, die öffentlich auftreten, bezeichne ich als Markt. Diese Gesamtheit bestimmt den Preis und stellt ihn nicht fest.

Adam Smith rechtfertigt moralisch den Markt dadurch, dass der Einzelne gerade dadurch, dass er aus Eigennutz seine Produktivität und Erträge steigern will, das Interesse der Gesellschaft stärker fördert, als wenn er dieses Interesse direkt hätte fördern wollen.

Haben Sie auch beide Werke Adams Smiths gelesen?

Bild des Benutzers W Karcher

"Der Markt regelt sich selber."
Wenn Sie unter "regeln" das Setzen von Regeln verstehen, dann nein. Wenn Sie einen kybernetischen Regelungsbegriff ansetzen, dann ja. Normativität, Regeln entstehen aber nicht von selbst und fallen nicht vom Himmel. In einem freien Markt ist – per Definitionem („frei“)! – keine Instanz mit Regelsetzungskompetenz präsent (außer freilich eine die Vertragstreue garantierende Instanz; aber selbst hier behaupten manche, dass es eine solche nicht prinzipiell braucht). Der kybernetische Regelungsbegriff ist aber ein völlig anderer und das hat dann auch nichts damit zu tun, dass der Markt sich irgendwelche Regeln selbst geben würde.

"Um welchen Preis jemand etwas anbietet/nachfragt hängt auch von anderen Anbietern und Nachfragenden ab"
Freilich kann das auch davon abhängen. Tut es aber nicht notwendigerweise und darum geht es doch hier: um die notwendigen Bedingungen.
Sie sehen, dass wir hier eine Äquivokation von „Preis“ vorliegen haben. Wenn wir sagen, dass der Markt der Preisfindungsprozess ist, dann meinen wir mit „Preis“ (oder „Wert“) einer Ware den Transaktionspreis, zu dem sie real getauscht wurde. Das Anbieten-/Nachfragen-zu-einem-Preis sagt uns nichts über den tatsächlichen Preis (Wert), den ein Gut auf dem Markt hat(te). All das kann man in Reinform am Börsenhandel beobachten, dort vollziehen sich diese Prozesse weitestgehend abstrahiert von Nebensächlichkeiten. Der Preis einer Ware ist bestenfalls der Preis zu dem sie zuletzt gehandelt wurde. Noch wichtiger: Es gibt keinen objektiv richtigen Preis.
Klar kann die Regierung die Leute zwingen, eine Ware zu einem bestimmten Preis zu tauschen. Das ist dann aber kein freier Markt mehr und das ist dann auch nicht ein „objektiv richtiger“ Preis, sondern ein durch Macht erzwungener.

"Die Gesamtheit dieser handelnden Individuen, die öffentlich auftreten, bezeichne ich als Markt. Diese Gesamtheit bestimmt den Preis und stellt ihn nicht fest."
Ich muss hier mehreres einwenden: 1. dagegen, den Markt als Gesamtheit von handelnden Individuen zu bezeichnen. Das ist nicht abstrakt genug und führt in Unmengen an Paradoxien. Sinnvollerer Vorschlag: Der Markt „besteht“ nicht aus Individuen, sondern aus Markthandlungen. Der Markt ist die Menge aller Markthandlungen. Zirkulär? Nein – nur wenn man glaubt, man müsse nach einem „Ding“ namens Markt suchen.

Dann: in einem freien Markt gibt es nicht "die Gesamtheit“ von Individuen, schon gar nicht als Makro-Subjekt, das irgendwelche Bestimmungsakte vornimmt. Es gibt nur Individuen. Sollen diese zu einer höheren Einheit namens Markt integriert werden, müsste dies entweder durch Zwang geschehen – ergo wären wir aus dem Bereich "freier Markt" raus; oder es müsste durch freie Handlungen geschehen, aber das erscheint mir völlig unmöglich. Gern können Sie aber darlegen, wie durch freie Markthandlungen freier Akteure ein solches System – stabil! – soll hervorgebracht werden können.

Beachten Sie auch, dass – die obige Fassung von „Preis“ vorausgesetzt – ihre Beschreibung schon empirisch falsch ist: "Diese Gesamtheit bestimmt den Preis und stellt ihn nicht fest“. Wo und wann soll eine solche Bestimmung je stattgefunden haben? Selbst in einem kommunistischen System, wo tatsächlich Preise „festgelegt“ werden (falls sie dies mit „bestimmen“ meinen), ist es nicht die „Gesamtheit“, sondern die Regierung diktiert dort die Preise.
Da dies recht absurd ist, nehme ich lieber an, dass ich nicht verstehe, wie Sie das meinen. Person A und B einigen sich darauf, die Ware W zum Preis P zu tauschen und vollziehen die Transaktion. Wo kommt hier eine „Gesamtheit“ ins Spiel, oder auch nur ein dritter Marktteilnehmer C, der vielleicht nicht einmal weiß, dass A und B und W existieren.
Wie ist das mit der "Gesamtheit" gemeint - soll die irgendwann tagen und die Preise "bestimmen"? Warum muss man Ihrer Meinung nach auf mehr als die oben genannten A und B und deren Markthandlung rekurrieren, um den Preis zu "bestimmen"? (Ich meine mit "bestimmen" hier ja feststellen, erkennen. Sie vielleicht "festlegen"?)

"Haben Sie auch beide Werke Adams Smiths gelesen?"
Ja. Aber ich habe diese nicht so präsent, dass ich behaupten will, das hier von mir Gesagte sei bei Smith so nachzulesen.

"Adam Smith rechtfertigt moralisch den Markt dadurch, dass der Einzelne gerade dadurch, dass er aus Eigennutz seine Produktivität und Erträge steigern will, das Interesse der Gesellschaft stärker fördert, als wenn er dieses Interesse direkt hätte fördern wollen."
Sie nennen das nun "Rechtfertigung", was sie zuvor "Voraussetzung" nannten. Ok. Eine Rechtfertigung ist es, vielleicht meint Smith dies sogar in einem "moralischen" Sinne. Ich glaube es zwar nicht, aber selbst wenn dem so wäre, hielte ich es für eine nicht gelungene Rechtfertigung. Ich glaube zwar, dass Smiths Invisible-Hand-These zutrifft, aber ich sehe keinen Nachweis dessen und ein solcher Nachweis wäre für ein moralisches Argument wichtig. Noch wichtiger wäre der Nachweis, dass es geboten ist, „das Interesse der Gesellschaft“ zu fördern. Auch das ist nämlich eine stark explikationsbedürftige Metapher. Individuen haben Interessen. Was „die Gesellschaft“ sein soll und wie diese ein „Interesse“ soll haben können, verstehe ich nicht. So wenig wie "die Gesellschaft" „Gefühle“, „Gedanken“, „Träume“, „Schmerzen“ usw. haben kann.

Bild des Benutzers Paul Stubenruss

Ein Beispiel wie kurzsichtig die Eu das Problem angeht. Ich sehe schon was passieren wird: Entweder die Hersteller der Einweggeschirre produzieren noch zwei Jahren weiter und verkaufen den Müll ins Ausland, oder, was wahrscheinlicher sein wird, sie verkaufen die Maschinen und dann wird in anderen Ländern munter weiterproduziert. Vernünftig wäre gewesen: Den Herstellern eine Verschrottungsprämie und Hilfe für eine Neuorientierung der Betriebe zu geben. Gilt aber nur kurzfristig und so wäre schon in wenigen Monaten jegliche Einwegplastik aus dem Markt. Den Plastikmüll zu reduzieren wäre viel wichtiger als alsbald wieder Banken zu retten.

Bild des Benutzers Paul Stubenruss

Eine Anmerkung zur Wiederverwertung des eingesammelten Plastik. Plastik verliert bei jeder neuen Einschmelzung an Qualität und so am Ende auch an Brauchbarkeit. Also endlose Wiederverwertung ist eine Illusion und nur Verbrennung schafft das Zeug aus der Welt.

Bild des Benutzers Paul Stubenruss
Bild des Benutzers W Karcher

Klingt libertär. Aber so wie es früher hieß „Wer mit Zwanzig nicht Links ist, hat kein Herz. Wer mit Vierzig noch Links ist, hat kein Hirn.“ kann man auch über den Liberarismus sagen, dass er eine ehrenwerte jugendliche Naivität ist. (Heutzutage ist als Jugendlicher Links zu sein keine Frage des Herzens mehr, sondern nur noch der Dummheit.) Jedenfalls tendiert der Libertäre, wenn er reifer wird und mehr Einsicht in das Wesen des Menschen gewinnt, nach Rechts.
Denn zur Bewältigung dieser Probleme ist die einzige Alternative ein linker Totalitarismus.

Bild des Benutzers Oliver H.

Ich denke nicht, dass Libertäre im Alter automatisch nach rechts tendieren. Dieser Eindruck von dir ist meines Erachtens dem Zeitgeist geschuldet und keineswegs in Stein gemeißelt. Vor 100 Jahren hätte man noch gesagt, dass Libertäre eher links sind, da Libertäre aus ihrer Natur heraus die damals vorherrschende Aristokratie durch eine Meritokratie ersetzen wollen und damit das Prinzip des Geburtsrechtes aufbrechen wollten.
Inzwischen haben sich die Rahmenbedingungen geändert und die Linke zeichnet sich leider durch einen beachtlichen Anti-Liberalismus aus. Deshalb gibt es derzeit scheinbar(!) einfach mehr Schnittmengen mit dem konservativen Lager.

Diese Nähe ist jedoch nur scheinbar, denn wenn man sich das Spektrum rechts der Mitte vom Konservatismus bis zum Rechtsextremismus anschaut, erkennt man sofort, dass man als Libertärer die diesen Ideologien zugrunde liegenden Konzepte nicht teilen kann. Der Konservative neigt nämlich dazu, die Rechte des Individuums im Sinne seiner Wertevorstellungen einzuschränken. Der offensichtliche Unterschied ist doch, dass Konservative und Rechte letztlich auch einen starken Staat wollen, um die eigenen Wertvorstellungen umzusetzen. Libertäre hingegen treten für einen schlanken, auf die wesentlichen Aufgaben beschränkten Staat ein.
Insofern kann man sagen, dass Libertäre und Konservative oder Rechte sich nur in Teilbereichen auf gemeinsame Ziele verständigen können..

Libertäre stehen den drei totalitären Erscheinungen des 20. Jh., also dem roten Sozialismus, dem National-Sozialismus und dem Faschismus diametral gegenüber. Sozialismus und National-Sozialismus sind kollektivistische Ideologien, in denen das Individuum nichts wert ist und nur das Wohl des "Kollektivs" im Vordergrund stehen. Bei den Braunen war es das Volk und bei den Roten die klassenlose Gesellschaft. Das Individuum musste im Zweifelsfall für die Umsetzung des Konzeptes das Leben lassen - es musste im Sinne des beliebig definierbaren "Gemeinnutzes" weichen.
Im Libertarismus ist so etwas nicht möglich, da hier die Rechte des Individuums unantastbar sind und nicht einem angeblich höherem Zweck geopfert werden dürfen. Dass dies auch mit Problemen einhergeht, ist völlig klar. Doch damit hebt sich der Libertarismus deutlich mehr von den totalitären Ideologien des 20. Jahrhunderts ab, als es Gruppierungen wie die Antifa oder alle im Bundestag vertretenen Parteien je getan haben.

Insofern finde ich also nicht, dass Libertarismus so gut mit rechten Positionen harmoniert.

Bild des Benutzers W Karcher

Gut argumentiert. Ich akzeptiere die gesamte Argumentation – jedoch eine Voraussetzung nicht und insofern geht die Argumentation an meiner Behauptung vorbei (was die Argumentation aber nicht falsch macht): Ich meine die hier vorausgesetzte Bedeutung von „rechts“ und „konservativ“. Ich will dich somit dazu anregen, genauer zu bedenken, was „rechts“ eigentlich (also ursprünglich) heißt. Das heißt möglicherweise, sich von gewissen Vorurteilen zu lösen, die seit Jahren und Jahrzehnten von Linken gestreut werden: Etwa dass der NS oder der Faschismus Extremfälle von „rechts“ sind. Oder dass „rechts“ ein Extremfall von „konservativ“ sei. Es ist überhaupt auch falsch (und diese Einsicht deutet sich bei dir bereits an), in einem Spektrum dieser Art zu denken: Kommunismus - Sozialismus - Links - Mitte - Konservativ - Rechts - Nazi. – Man sieht, dass dieses Schema gesprengt wird, weil „Libertär“ ja dort gar nicht drin ist und auch nicht reinpasst. (Keinesfalls ist „Mitte“ = Liberal/Libertär)
Natürlich wäre jetzt ein wenig mehr dazu zu sagen, was ich mit „rechts“ meine. Das ist mir jetzt aber zu viel. Ein andermal...
„automatisch“ wollte ich ja gar nicht behaupten. Aber dass dies eben in unserer Zeit so ist, freilcih, so sehe ich das. auch

Bild des Benutzers Oliver H.

Mit dem Begriff "rechts" ist es wie mit dem Begriff "neoliberal". Diese Begriffe werden heute vom Gros anders verwendet als ursprünglich. Eigentlich meinte "neoliberal" ja die "soziale Marktwirtschaft" - also das, wofür Sozialdemokraten eintreten. Meine Argumentation baut auf der heute von den meisten Menschen verwendeten Begriffsinterpretation auf. Welches Spektrum erscheint dir geeigneter, um diese Positionen einzustufen?

Bild des Benutzers W Karcher

"Meine Argumentation baut auf der heute von den meisten Menschen verwendeten Begriffsinterpretation auf.“
Aber warum? Begriffe strukturieren das Denken und die Denkmöglichkeiten. Ich finde man sollte das eigene Denken nicht an unserer geistlosen Zeit und an dem (Un-)Geist der Masse ausrichten. Da bleibt man ja so weit hinter den Möglichkeiten zurück.

"Welches Spektrum erscheint dir geeigneter, um diese Positionen einzustufen?“
Ich halte ein eindimensionales Spektrum für ganz ungeeignet. Es ist alles viel zu komplex, um in so einfachen Schubladen zu denken, wie das zu viele der Kommentaristen hier auf salto.bs tun, für die sich alles in „Rechts“, „populistisch“ und Gegen Rechts“ oder in gut und böse teilt. Man muss diese Leute vergessen, die sich nicht einmal um die eigene begriffliche Entwicklung kümmern, sondern ihre armseligen zwei, drei Denkkategorien aus Öffentlichkeit und Massenmedien her eingespeist bekommen haben.

Die Komplexität ist schon eine der Perspektivenvielfalt – sprechen wir über Fragen der Moral? Der Anthropologie? Der Politik? Der Gesellschaft? und so weiter. Und dann die Frage der Integration dieser vielfältigen Perspektiven.
Einige Punkte:
- „Libertär“ – Als moralphilosophische Positionierung ist dieser völlig klar und überzeugend. Kann ein Libertarismus aber in Fragen der Anthropologie, der Politik, des Sozialen usw. etwas Substanzielles sagen – und zwar ohne den eigenen Libertarismus gleich wieder zu konterkarieren? Deshalb meine Bemerkung, dass wer diese vielen anderen Fragen durchdenkt, sich früher oder später von der radikallibertären Position entfernen wird. Aber muss ja nicht heißen, sie gleich ganz aufzugeben.
- Die angesprochene "soziale Marktwirtschaft“ ist illibertär. Sofern sie nicht „sozial" im Sinne von Adam Smiths „Invisible Hand“ sein soll, wird sie auf Umverteilung setzen müssen, also nicht rechtfertigbare Eingriffe in die Freiheit des Individuums vornehmen.
- Was „konservativ“ ist, lässt sich wohl nur formal angeben. Inhaltlich ist es zu jeder Zeit etwas anderes, das dürfte klar sein. Es ist die armselige Position des Besitzstandwahrertums.
- „Rechts“ heißt eigentlich nicht „gegen Ausländer“, „Antisemit“ oder so einen Blödsinn, sondern ist im Kern die Position, dass eine Gesellschaft (Gemeinwesen) aus Tradition hergeleitete Schichtung aufweisen muss, sofern sie irgendwie von Dauer sein soll. Das ist, in alten Worten gesprochen: Ständewesen und Aristokratie, und jedenfalls anti-massendemokratisch. Dieser Haltung stehen zwei andere gegenüber, deren Verhältnis auf den ersten Blick nicht ganz klar ist (denn beide bedienen sich beispielsweise der Ideologie der Massendemokratie):
1) Der radikale Individualismus („neoliberalismus“; ein missgebürtlicher Abkömmling des Liberalismus) wendet sich zwar gegen die durch Tradition überlieferte Schichtung der Gesellschaften, behauptet also eine totale soziale Mobilität (und verlangt tatsächlich eine totale soziale Mobilisierung), erzeugt aber tatsächlich dauernd neue „funktional“ legitimierte Schichtungen (die Rede von „Funktionselite“ usw.), die jedoch tatsächlich enorm dynamisiert sind, also keinen längeren Bestand haben, immer wieder zerfallen und entsprechend auch nichts zur Stabilisierung von Gesellschaften leisten. Eher schon können wir beobachten, dass ein solcher Pseudoliberalismus Gesellschaft zersetzt und auflöst.
2) Der Linke behauptet, die soziale Schichtung (Klassen) abschaffen zu wollen. Das heißt natürlich zunächst Zwang, Zwangsarbeit, Mord. Das so etwas nicht lange funktioniert, hat sich längst gezeigt.

Kurz gesagt: neben der Frage, ob du die moralphilosophische Position von Locke, Rothbard oder Nozick teilst, stellen sich noch viele andere Fragen, deren Antworten m.E. nicht schon ohne Weiteres aus dieser Positionierung abgeleitet werden können, die aber allererst auch entscheiden, wo du tatsächlich stehst. Das passt nicht auf das eindimensionale Spektrum.

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