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Landespolitik

Die ignorierte Landesrätin

Heute findet in Franzensfeste eine Veranstaltung zum Thema Mehrgenerationendorf statt. Das Programm mit der Referentenliste ist dabei sehr aufschlussreich.
Von
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Astrid Tötsch24.11.2022
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Veranstaltet wird die Herbsttagung von der Organisation „Plattform Land“, die im Jahr 2013 als Interessensgemeinschaft vom Südtiroler Bauernbund und dem Gemeindenverband gegründet wurde. Zu den weiteren Mitgliedern zählen neben dem Land, die größten Verbände wie Handelskammer Bozen, Handels- und Dienstleistungsverband (hds), Hoteliers- und Gastwirteverband (HGV) und Wirtschaftsverband Handwerk und Dienstleister (lvh). Andreas Schatzer, Bürgermeister der Gemeinde Vahrn und Präsident des Gemeindeverbandes, steht der Organisation als Präsident vor, Geschäftsführer ist Ullrich Höllrigl, gleichzeitig Vize-Direktor des Südtiroler Bauernbundes (SBB). Dass der Bauernbund eine gewichtige Position in diesem Verband inne hat, lässt sich auch daran erkennen, dass Leo Tiefenthaler, Obmann des Bauernbundes, gleichzeitig als stellvertretender Präsident der Plattform fungiert. Aufgabe und Ziel dieses Verbandes ist es, eine Südtiroler Allianz für lebendige ländliche Räume und intelligente Flächennutzung zu schaffen. Letztens hat sich Plattform Land insbesondere mit dem Thema Leerstand, dessen Erhebung und sinnvolle Nutzung auseinandergesetzt. Auch verschiedene Veranstaltungen stehen auf dem Programm, wie eben jene, die heute (24. November) in der Festung Franzensfeste abgehalten wird.

 

Franzensfeste
Festung Franzensfeste: Die Organisation Plattform Land organisiert heute (24. November) eine Tagung zum Thema Mehrgenerationendorf. (Foto: LPA/Georg Hofer)

 

Nach der Begrüßung durch den Präsidenten Andreas Schatzer sind mehrere Vorträge und Impulsreferate unter anderem zum Thema Seniorengenossenschaft, Kinderbetreuung, Wohnen im Alter und Jugendarbeit geplant. Laut Programm ist weiters eine Diskussion vorgesehen, an welcher Georg Lun, Direktor des Wirtschaftsforschungsinstituts – WIFO, Armin Bernhard, Präsident der Bürgergenossenschaft Obervinschgau BGO, Oswald Mair, Direktor des Verbandes der Seniorenwohnheime, Tanja Rainer, Vorsitzende des Südtirolers Jugendring, – und last but not least Waltraud Deeg, Landesrätin für Familie, Senioren, Soziales und Wohnbau, teilnehmen werden. Ohne Zweifel eine kompetente Referentenrunde, wobei eines auffällt: Die Bauernbund-Organisation „Mit Bäuerinnen lernen – wachsen – leben“ wurde offenbar nicht eingeladen. Die Sozialgenossenschaft, die 2006 gegründet wurde, schafft Erwerbsmöglichkeiten für Frauen im ländlichen Raum, welche soziale Dienstleistungen anbieten, so wird seit 2007 im ganzen Land eine Kinderbetreuung angeboten und seit 2014 engagiert sich die Sozialgenossenschaft in der Seniorenbetreuung. Umso mehr verwundert das „Übergangen werden“, wenn man sich ansieht, welche prominente Person der Sozialgenossenschaft vorsteht: Maria Hochgruber Kuenzer, gleichzeitig Landesrätin für Raum- und Landschaft.

 

Während die Soziallandesrätin also eingeladen wird, muss die Raumordnungslandesrätin draußen bleiben.

 

Während die Soziallandesrätin also eingeladen wird, muss die Raumordnungslandesrätin draußen bleiben. Auch was das Ressort betrifft, gäbe es wiederum eine Vielzahl von Schnittstellen zum Thema Mehrgenerationendorf, ist doch das Thema Gemeindeentwicklungsprogramm derzeit in aller Munde. Bei Hochgruber Kuenzer nachgefragt, zeigt sich die Landesrätin und Präsidentin der Sozialgenossenschaft darüber verwundert. Die Veranstaltung und das gewählte Thema seien zwar eine sehr gute Idee, „denn dieses trifft genau den Puls der Zeit“, so Hochgruber Kuenzer, die Entscheidung, sie nicht einzuladen, sei für sie aber nicht nachvollziehbar. „Auch wir hätten einen wertvollen Beitrag zu dieser Veranstaltung aufgrund unserer langjährigen Erfahrungen zum Thema Kinder- und Seniorenbetreuung leisten können – schade“, erklärt Hochgruber Kuenzer. Mehr als 130 Frauen sind im ländlichen Raum in der Kinderbetreuung tätig, weitere in der Seniorenbetreuung. Auch zum Thema Raumordnung, insbesondere was die Nutzung des Leerstandes betrifft, gäbe es einiges zu sagen. So stellt sich die Frage, weshalb die zuständige Landesrätin ignoriert wurde?

 

„Bemühen  uns um Ausgewogenheit“

 

Wie Geschäftsführer Ulrich Höllrigl auf Nachfrage von Salto.bz erklärte, bemüht sich die Organisation Plattform Land bei allen Veranstaltungen um eine Ausgewogenheit bei den Themen und die entsprechende Berücksichtigung der Referenten. Nachdem dieses Mal der Fokus auf den sozialen Aspekt gerichtet war, sei es nur natürlich gewesen, die Referentinnen der Sozialgenossenschaft Tagesmütter sowie Soziallandesrätin Deeg für die Diskussionsrunde einzuladen. Von den Themenschwerpunkten hätte es sich natürlich auch angeboten, Landesrätin Hochgruber Kuenzer als Präsidentin der bäuerlichen Sozialgenossenschaft „Mit Bäuerinnen lernen – wachsen – leben“ einzuladen, allerdings habe man bei der Referentenliste auf Vorschläge der Mitglieder aus dem sozialen Bereich zurückgegriffen, weshalb auch die Wahl auf die Sozialgenossenschaft Tagesmütter fiel.
 
Wichtig ist jedoch, dass das Thema im Vordergrund steht.
 
Hochgruber Kuenzer habe bereits des Öfteren an den Veranstaltungen teilgenommen und sei als Sprecherin aufgetreten. „Wir versuchen alle Aspekte abzudecken und alle Mitglieder zu berücksichtigen“, so Höllrigl, der erklärt, dass es manchmal bei allem Bemühen nicht gelinge, alle zu Wort kommen zu lassen. „Wichtig ist jedoch, dass das Thema im Vordergrund steht“, ist der Geschäftsführer von Plattform Land überzeugt.

 

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Kommentare

Bild des Benutzers rotaderga
rotaderga 24.11.2022, 12:55

Die Anwesenheit selbst scheint generell für PolitikerInnen nicht wichtig zu sein.
Ein Foto in der Presse ist nachhaltiger.

Bild des Benutzers Margot Wittig
Margot Wittig 26.11.2022, 11:46

Raumplanung und Gemeindeentwicklungsplanung ist offensichtlich bei so einem Thema nicht wichtig;-))) Visionen und Einbeziehung der Bürger braucht es nicht...

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