Scuola, Bolzano
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Salto Afternoon

Eine neue Herausforderung

Homeschooling und Theaterproben online: der Tagesablauf einer Schülerin und Schauspielerin in ungewöhnlichen Zeiten.
Von
Bild des Benutzers Nora Viehweider
Nora Viehweider26.03.2020
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Ich wache auf, weil mein Wecker läutet. Es ist nicht spät, aber dennoch später als sonst. Mein Alltag hat sich in den letzten Wochen sehr stark verändert. Durch das Coronavirus und seine Konsequenzen muss ich morgens nicht mehr zur Schule gehen und auch meine Kurse und Nachmittagsaktivitäten fallen großteils aus. Im Grunde ist ein Wunschtraum von mir und von vielen anderen Jugendlichen wahr geworden: Endlich können wir aufstehen, wann wir wollen. Auch aus wissenschaftlicher Sicht ist es für Jugendliche besser, später aufzustehen. Fahrschüler/innen haben am Morgen endlich mehr Zeit und können länger schlafen. Ich ziehe mich an, um mir selbst klarzumachen, dass dies ein produktiver Tag werden soll und frühstücke. Jetzt habe ich mehr Zeit für ein gesundes und nährreiches Frühstück. Zu Schulzeiten war ich morgens immer im Stress und ich konnte nicht immer richtig frühstücken.
Ich werfe einen Blick in meinen Kalender, in dem ich mir notiert habe, was ich heute alles zu erledigen und wann ich Onlineunterricht habe. Diese Art von Unterricht ist in den letzten Wochen zur Realität für viele Schülerinnen und Schüler geworden. Die Lehrpersonen benutzen hauptsächlich die Plattform „Zoom“, aber auch Apps wie „Dropbox“ und natürlich das digitale Register. In letzterem werden Hausaufgaben eingetragen und unter der Rubrik „Mitteilungen“ können die Lehrpersonen mit den Schülerinnen und Schülern kommunizieren und sie zu „Meetings“ einladen.

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Foto: Nora Viehweider


Jeden Tag schicken die Lehrpersonen neue Mitteilungen an die Schüler/innen
Heute steht für mich Englischunterricht auf dem Plan. Es ist die zweite Unterrichtsstunde dieser Art und es bestehen noch immer Probleme vonseiten der Schüler, sich rechtzeitig und im richtigen Ort einzuloggen. Zehn Minuten nach dem eigentlichen Beginn des Unterrichts sind alle online. Nicht alle zeigen ihr Bild, was mich vermuten lässt, dass sie wahrscheinlich immer noch den Schlafanzug tragen oder einfach keine Lust haben, sich zu zeigen. Der Unterricht dauert etwa eine Stunde und der Lehrer achtet darauf, dass jede/r mindestens einmal zu Wort kommt. Was man allerdings nicht überprüfen kann, ist die Aufmerksamkeit der Schüler/innen. Der Lehrer sieht nicht, was die Schüler noch so während des Unterrichts machen und von Videospielen, Chatten bis Kartenspielen ist alles dabei. Mit dem Verbot, die Kamera auszuschalten, könnte man einiges davon unterbinden, aber es kann mit Onlineunterricht niemals eine vollständige Kontrolle über die Aufmerksamkeit der Jugendlichen geben.
Während ich also vor dem Computer sitze und über amerikanische Politik lerne, kommt meine kleine Schwester ins Zimmer. Ohne auf meine verscheuchenden Handbewegungen einzugehen, setzt sie sich neben mich und zeigt auf einen Zettel. „Kannst du mir da mal kurz helfen? Bitte!“ Ich vertröste sie mit einem „Später“ und verschließe diesmal die Tür. Zum Glück hat mein Lehrer nichts gemerkt. Natürlich bin ich nicht böse mit meiner Schwester. Sie besucht zurzeit die 5. Klasse Grundschule und bekommt fast gleich viele Arbeitsaufträge wie eine Oberschülerin. Bei ihren Aufgaben ist sie auf Hilfe angewiesen und da meine Eltern selbst beschäftigt sind, vom Homeoffice aus zu arbeiten, kommt sie natürlich zu mir.
Ein weiteres Problem, das in mehrköpfigen Familien herrscht, ist die Frage, wer denn nun den Computer zu welcher Zeit benutzen darf. Häufig überschneiden sich die Unterrichtsstunden der Kinder und wer nicht im Besitz mehrerer Computer / Laptops ist, hat ein Problem.

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Foto: Nora Viehweider

 

Natürlich sind Online-Unterrichtsstunden auch nicht so einfach für die Lehrpersonen. Manche Schüler/innen haben Verbindungsprobleme und nicht immer kann man alles verstehen. Es braucht also viel Geduld von beiden Seiten. Zuhause besteht, wie auch in der Klasse, viel Ablenkungsgefahr, wenn nicht sogar mehr. Viele Schüler/innen arbeiten vom Laptop oder Smartphone aus und sie werden häufig von Pushnachrichten unterbrochen; sei es von ihren Freunden, als auch von Nachrichtenportalen, die die neuesten Nachrichten über die aktuelle Pandemie veröffentlichen. Somit können die Jugendlichen auch nicht ungestört arbeiten. Es wäre also ratsam, diese beim Unterricht und beim Lernen zu deaktivieren.
In meiner Schule hat man bis jetzt noch keine Tests und Prüfungen über Internet abgehalten. Unser Direktor hielt das nicht für sinnvoll, da die Möglichkeiten zum Schwindeln viel zu groß sind und man sich nie sicher sein kann, ob der Schüler oder die Schülerin die Lerninhalte wirklich gelernt hat. Man weiß ja nie, wer ein Zettelchen auf den Bildschirm geklebt hat oder wer hinter dem Computer noch so sitzt.
Am Nachmittag versuche ich mir noch ein paar Fächer anzuschauen, um nicht völlig den Anschluss zu verlieren. Ich schätze es sehr, mir meine Zeit endlich selbst einzuteilen. Sechs Stunden Frontalunterricht habe ich schon immer als sehr anstrengend empfunden. Außerdem werden wir vorbereitet auf das Leben als Erwachsene, in dem Einteilung und eigenständiges Arbeiten eine große Rolle spielen. Trotzdem birgt diese neue Form des Unterrichts eine Gefahr: Schülerinnen und Schüler, die sich in der Schule auch schon immer schwer taten mitzukommen, können sehr leicht den Anschluss verlieren. Beim Aufschieben von Aufgaben türmt man sich selbst einen Berg aus unerledigten Arbeitsaufträgen. Diesen dann abzuarbeiten kann sehr mühsam werden.
Ich schaue in meinen Kalender und bemerke, dass ich in zehn Minuten eine Theaterprobe habe. Selbstverständlich über Zoom. Denn auch wenn unsere Vorstellungen, die im April geplant waren, wegen der Pandemie abgesagt wurden, haben wir dennoch nicht mit dem Proben aufgehört. Das Theaterstück „Tschick“, das von der „Murx-Academy“ angeboten wird, wurde auf den Sommer verschoben und unsere Proben laufen momentan über das Internet. Nach etwa eineinhalb Stunden sind wir fertig. Der Text wurde wiederholt und wir alle freuten uns, dass wir uns wieder einmal sahen.

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Quelle: MurX


Zusammen mit einer Freundin mache ich später ein Workout, während wir facetimen. Auch wenn wir nicht aus dem Haus dürfen, wollen wir uns dennoch fit halten. Viele Jugendliche aus meiner Bekanntschaft trainieren in dieser Zeit häufiger als sonst, da sie normalerweise nicht immer die Zeit finden.
Am Abend rufe ich dann meistens meine Freunde über eine App an, die es uns erlaubt, mit mehreren Personen gleichzeitig zu telefonieren. Es tut gut, wieder einmal andere Gesichter zu sehen und sich auszutauschen. Im Online-Unterricht fehlt das Gemeinschaftsgefühl, das man sonst innerhalb einer Klassengemeinschaft hat. In Zeiten wie diesen merke ich erst, wie wichtig soziale Kontakte für Menschen sind.
Um produktiv zu sein, brauchen die meisten einen geregelten Tagesablauf und Struktur. Das bietet die Schule den Jugendlichen und Kindern. Online-Unterricht ist nicht jedermanns Sache. In dieser Krisenzeit bietet er aber eine gute Lösung, um die restliche Zeit sinnvoll zu nutzen und um die Schüler/innen am Ball zu halten.

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Kommentare

Bild des Benutzers elisabeth garber
elisabeth garber 27.03.2020, 15:04

"Im Online-Unterricht fehlt das Gemeinschaftsgefühl, das man sonst innerhalb einer Klassengemeinschaft hat."
Ich denke damit trifft die junge Autorin und Schülerin (neben anderen reifen und weitreichenden Überlegungen...) einen ganz wichtigen Nagel auf den Kopf. Virtuelle Welten sind und bleiben Parallelwelten.
Wir haben nicht umsonst 5 Sinne mitbekommen, um unser irdisches Dasein bestmöglichst zu bewerkstelligen.

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