Wolken am Himmel
renate mumelter
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#alsodann

Mein Kater

Gestern am Telefon mit einer Freundin: Wir fragen uns, ob es besser ist, sich resignierend aufs Altenteil zurückziehen oder weiter zu machen und noch einmal aufzudrehen.
Kolumne von
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Renate Mumelter27.10.2018
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Damals, als ich langsam zum Denken kam, waren die Wunden noch nicht verheilt, die Faschisten und Nationalsozialisten geschlagen hatten. „Nie wieder“ hieß es. Die Welt war zwar nicht heil, aber es sah ganz so aus, als würde sie heilen. Jetzt, wo ich gelebt habe, werde ich das Gefühl nicht los, dass wir wieder von vorne anfangen. Allerdings nicht dort, wo ich langsam zum Denken kam, damals in den frühen 1960ern, sondern vorher, dort, wo das Unheil evident und grausam wurde, in späten 1920ern.

Heute lebe ich mit dem Gefühl, die Nazis und Faschisten könnten bald wiederkommen. Dann müssten wir aufs Neue durchstehen, was wir aus Erzählungen und unseren ererbten Traumata kennen. Obendrüber noch eine Prise Klimawandel. Gäbe es den nicht, sähe es fast so aus, als hätte ich nicht gelebt.

Aus meiner resignierten Schmollecke wird aber nichts.

Die Träume von einer gerechteren Gesellschaft verpufft, die Hoffnung auf etwas mehr Gleichheit auch für Frauen am Schwinden, gesetzliche Errungenschaften am Kippen, der Wunsch nach mehr Umweltbewusstsein von der Wirtschaft umgangen. Nur die Berge sind weiter schön. die Schneeflocken, das Klopfen des Regens auf der Zeltplane.

Aus meiner resignierten Schmollecke wird aber nichts. Ich werde meinen Kater nicht kraulen bis er schnurrt, ich werde das Maul aufreißen und weiter hoffen, hoffen auf die, die nachkommen, auf die, die wir großgezogen haben. Niemand kann mich dazu zwingen, nicht gelebt zu haben.

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Kommentare

Bild des Benutzers Oliver H. (gesperrt)
Oliver H. (gesperrt) 27.10.2018, 17:41

Frauen waren noch nie so gleichberechtigt wie heute. Noch nie gab es so wenig Armut wie heute. Es gab auch noch nie so wenig Hungerleidende wie heute.

Dieser Beitrag ist eine unverschämte Verharmlosung der Geschehnisse des 20. Jahrhunderts.

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Manfred Klotz 28.10.2018, 08:23

Guter Oliver, wenn man deine Beiträge liest, wird man das Gefühl nicht los - ich betone GEFÜHL, dass du auf die ganze Welt sauer bist. Da ist einmal die ehemalige Stasi-Mitarbeiterin der Amadeu-Antonio-Stiftung, die die gesamte Stiftung in Verruf bringen soll (ganz nach dem Motto mitgegangen, mitgefangen, mitgehangen offensichtlich) und hier ist es wieder ein Gefühl von Renate Mumelter - ich betone GEFÜHL, das du mit Fakten zu widerlegen versuchst. Abgesehen von der Tatsache, dass es per sé ein Wagnis ist Gefühle zu widerlegen, versuchst du das sogar mit falschen Aussagen.
Hier ein aktuelles Zitat aus dem Welthungerindex der der WHO "Die Statistiken sind so erschütternd wie ernüchternd. Etwa 124 Millionen Menschen leiden unter akutem Hunger, ein markanter Anstieg gegenüber den 80 Millionen vor zwei Jahren. "
Ich glaube es Robert Hochgruber hat den Nagel eher auf den Kopf getroffen als du.
Wo du, wo doch von "könnten" und "müssten" die Rede ist, von Verharmlosung schreiben kannst, ist mir dann doch ein Rätsel.

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Oliver H. (gesperrt) 28.10.2018, 10:17

Manfred, schau dir doch die von mir unten verlinkte Statistik an. Der Trend geht seit Jahrzehnten eindeutig in Richtung weniger Hunger und weniger Armut. Das kannst du nicht leugnen. Hier nochmal extra für dich eine Statistik - eingeteilt nach Subkontinenten:
https://ourworldindata.org/grapher/prevalence-of-undernourishment?tab=chart

Und hier noch eine Statistik zur absoluten Armut, die zeitgt, wie viele Bürger weltweit in absoluter Armut leben. Dabei ist anzumerken, dass es zu einer Bevölkerungsexplosion kam. Trotzdem sind die absoluten Zahlen gesunken. Das ist mehr als nur bemerkenswert.

https://ourworldindata.org/wp-content/uploads/2013/05/World-Poverty-Sinc...
und noch beeindruckender:
https://ourworldindata.org/grapher/world-population-in-extreme-poverty-a...

Manfred, wer liegt also falsch? Der Trend ist ganz klar. Dass es der Trend nicht mathematisch stetig ist und es in den letzten zwei Jahren einen Ausreißer gab, nehme ich zur Kenntnis. Die Zahlen zeigen jedoch ganz deutlich, dass das aktuelle System mit all seinen Makeln und Verbesserungsmöglichkeiten in die richtige Richtung geht.

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Manfred Klotz 28.10.2018, 16:37

Ganz klar und knapp: Du liegst falsch. Hast du die Aussage aus dem Welthungerindex gelesen? 124 Mio gegenüber 80 vor zwei Jahren. Wie erklärt sich das mit deinen Daten? Weil du Unterernährung mit Hunger gleichsetzt. Als Beweis für deine These ist die Armutstatistik nebenbei nicht aussagekräftig. "Armut" ist in der Statistik ganz klar definiert und nicht unbedingt mit Hunger zu tun. So kann ein Bauer in Papua Neuguinea zwar arm sein, aber nicht hungern. Von daher vollkommen unbrauchbare Links.Wieso nicht auch gleich die generellen Wetterdaten von Zimbabwe von 2012 bis 1027 zitieren?

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kurt duschek 28.10.2018, 09:16

..lieber Oliver, Du hast den Beitrag nicht gelesen oder willst nicht die politische Entwicklung der heutigen Gesellschaft verstehen.

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gorgias 27.10.2018, 18:41

Anstatt dass Linke endlich den Kopf aus dem eigenen Hinterteil bekommen antworten Sie mit übermäßigen Allarmismus.

Ich kann nur die Lektüre von Angst für Deutschland empfehlen, dort wird auch darauf eingegangen was die etablierten Parteien verpasst haben. Aber dann muss man auch den Finger in die Wunde legen.

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Robert Hochgruber 27.10.2018, 19:06

Ich teile die Sorgen von Renate Mumelter und bin der Meinung, dass wir "Alten" - ich gehöre mit 64 Jahren ja auch dazu - weiterhin unseren Beitrag für eine gerechtere menschlichere umweltverträglichere Welt leisten sollten, auch wenn wir dann von manchen als Linke bezeichnet werden. Ich als Christ tröste mich da mit einem gewissen Jesus von Nazareth, der ja auch ein Linker war.
Ob es noch nie so wenig Hungerleidende gab, bezweifle ich. Wir sollten die materiell ungerechte Verteilung auf der Welt ansehen. Und was mich sehr nachdenklich stimmt, ist, dass es wohl noch nie so viele und so hochtechnisierte Waffen auf der Welt gab bzw. so viel Waffenhandel.
Trotz allem bin ich zuversichtlich, dass die Menschheit in ihrer Gesamtheit einen guten Weg für alle finden wird, wenn es auch Rückschläge wie derzeit in Italien und in den USA gibt.

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W Karcher 27.10.2018, 19:12

"Jesus von Nazareth, der ja auch ein Linker"

Und Mohammed war Feminist.

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Servus Leute 27.10.2018, 23:57

Karcher ist jetzt auch Religionswissenschaftler.

Bild des Benutzers W Karcher
W Karcher 28.10.2018, 09:59

Nö, Islamfeind.

Bild des Benutzers Oliver H. (gesperrt)
Oliver H. (gesperrt) 27.10.2018, 20:19

Robert: hier eine Statistik. Dann musst du nicht mehr zweifeln: https://ourworldindata.org/grapher/prevalence-of-undernourishment?tab=chart

Wie gorgias richtig anmerkt, ist der oft betriebene Alarmismus völlig kontraproduktiv. Ich bin noch jung und habe trotzdem schon mindestens vier "neue Hitler" erlebt.
Ich empfehle auch das Buch: "Die Angstmacher - 1968 und die neue Rechte"
Darin geht es auch darum, wie "eure" Generation den Erfolg der neuen Rechten erst ermöglichte. >>Insofern wäre es vielleicht besser, wenn gerade ihr still seid. Schließlich sind wir Jungen diejenigen, die die Suppe auslöffeln dürfen, die ihr uns beschert habt. <<

Das könnte ich sagen - wenn ich denselben Alarmismus wie die Autorin betreiben würde und nur das Schlechte anschaue. Versucht doch bitte objektiv zu bleiben.

Bild des Benutzers Manfred Klotz
Manfred Klotz 28.10.2018, 08:27

Oliver, ich bin nicht mehr ganz so jung wie du, aber so weit rechts angesiedelte Politiker, die ganz unverblümt Aussagen tätigen, die sie noch vor einigen Jahren vor Gericht gebracht oder der Ächtung der Gesellschaft ausgesetzt hätten wie jetzt, habe ich bisher noch nicht erlebt.

Bild des Benutzers Oliver H. (gesperrt)
Oliver H. (gesperrt) 28.10.2018, 08:52

Manfred, ist das wirklich so? Wir können ja die Probe machen: Anfang der 90er hielt ein Bundesfinanzminister der BRD eine Rede beim Schlesiertreffen. Schau dir das Video an und beantworte mir dann folgende Frage: Was würde passieren, wenn heute ein Minister eine derartige Rede halten würde?

https://www.youtube.com/watch?v=Fuwr2NQVtIg

Denn in Wirklichkeit ist genau das Gegenteil eingetreten: Heute werden weitaus harmlosere Positionen als jene von Theo Waigel einer Ächtung ausgesetzt.

Bild des Benutzers Manfred Klotz
Manfred Klotz 28.10.2018, 16:27

Oliver du brauchst den einzigen Anhaltspunkt für deine These, den du ins Feld führst nicht immer wieder verlinken, das ist trotzdem kein Beweis, der der Realität standhält. Wenn du das in deinem Eifer den rechten Rand der Gesellschaft zu schützen nicht einsiehst, wirst du keinen Schritt weiterkommen.
Ich habe das Video gesehen, das verharmlost aber in keiner Weise die Sager, die wir heute Tag für Tag zu hören bekommen. Niemals. Führe dir die rechten Kameraden vom Schlage Höckes, Weidels, von Storch, Salvinis usw. zu Gemüte und dann versuche nochmals allen Ernstes den Ausrutscher von Theo als brisanter hinzustellen...

Bild des Benutzers Manfred Klotz
Manfred Klotz 28.10.2018, 16:46

Wie gesagt, ich bin wesentlich älter wie du und habe deshalb eine andere Übersicht. Es ist ganz klar so, dass das Niveau heute Ausmaße erreicht hat, gegenüber die der Waigel-Ausrutscher eher harmlos klingt (obwohl ich dir schon recht gebe, dass das ein grober Fehltritt war). Vergleichbare Aussagen gibt es heute zuhauf. Die Zurschaustellung rechtsextremen Gedankengutes beschränkt sich auch nicht mehr auf das Verbale. Das hat es noch vor 10 Jahren so nicht gegeben.
Wenn du deinen Schutzreflex zugunsten des rechten Randes mal kurz ablegst und dir die Höckes, Salvinis, Wedels und wie sie noch so heißen zu Gemüte führst, dann musst du das einfach kapieren. Außer du willst nicht.

Bild des Benutzers Oliver H. (gesperrt)
Oliver H. (gesperrt) 28.10.2018, 17:33

Manfred, hast du die Debatte um Triggerwarnings und safe spaces verfolgt? Der Trend geht in die Richtung, unkonventionelle oder nicht genehme Ausdrucksformen oder Meinungen aus öffentlichen Räumen wie Universitäten zu verbannen. Das, was "sagbar" ist, wird also eingeschränkt - nicht umgekehrt.
Hier ein kleiner Einblick, falls du das Thema noch nicht am Schirm hattest.

https://www.sueddeutsche.de/kultur/risiken-der-redefreiheit-man-wird-ja-...

Wer sagt, man müsse die "Grenzen des Sagbaren" dahingehend verschieben, dass weniger sagbar wird, macht sich verdächtig, die Meinungsfreiheit einschränken zu wollen. Sich für Grenzschließungen auszusprechen, ist z.B. noch lange nicht rechtsextrem. Wenn jemand sagt, er wünsche sich dass im Mittelmeer alle Einwanderungswilligen ertrinken, werde ich diese Person scharf kritisieren, weil das eine kranke Einstellung ist. Doch zwischen diesen beiden Aussagen liegen Welten.

Bild des Benutzers Manfred Klotz
Manfred Klotz 30.10.2018, 17:56

Du outest dich immer als Spiegelkletterer. Bei dem "Sagbaren" geht es um die Art und Weise wie mit Themen umgegangen wird und nicht nur um die Themen selbst. Das scheinst du nicht zu differenzieren.
Wenn jemand sinnvoll und konstruktiv über die Probleme der Migration (da es eines deiner Lieblingsthemen ist) argumentiert, verschiebt er damit die Grenze des Vertretbaren weder thematisch noch formell und wird auch bei jedem Gehör finden. Wenn jemand das Thema aber dahingehend aufarbeitet, die Lösung in einem Beschuss der Migranten zu verorten (O-Ton Frauke Petry), dann spricht er zwar das gleiche Problem an, hat aber die Grenze überschritten. Reden wir gar nicht von dem, der im Zusammenhang mit dem neu aufflammendem Antisemitismus und dem Shoah-Mahnmal in Berlin von "Denkmal der Schande" spricht. Die Grenzen des Sagbaren äußern sich auch in Bildern. Das T-Shirt mit der Aufschrift "Auschwitzland" das die FN-Parteigängerin Selene Ticchi kürzlich zur Schau stellte, ist der beste Beweis dafür, dass die Narrenfreiheit tatsächlich ein Niveau erreicht hat, das nicht mehr tragbar ist.
Der von dir verlinkte Artikel tut aber erneut gar nichts zur Sache.

Bild des Benutzers kurt duschek
kurt duschek 28.10.2018, 09:17

...teile voll und ganz diese Deine Ansichten.

Bild des Benutzers kurt duschek
kurt duschek 28.10.2018, 12:10

...wollte sagen, die Meinung und den Artikel von Renate.

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