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Diskussion: Mehrsprachige Schule

Mehrsprachige Schule: Ein Vorschlag

Nachdem die Beiträge über eine mehrsprachige Schule auf salto.bz lebhaft diskutiert werden, fasse ich Pro- und Contra-Argumente zusammen und unterbreite einen realistischen Vorschlag. Nochmals zur Klärung: Im Konzept der mehrsprachigen Schule, über das diskutiert wird, wird das Fach Sprache zum Medium – das heißt, ein Schulfach wird in einer fachfremden Sprache angeboten. Beispiel: In einer deutschsprachigen Schule wird Geschichte auf Englisch unterrichtet und Biologie auf Italienisch.
Community-Beitrag von Écrasez l'infâme !28.04.2013
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Zusammenfassung:

1. Dieses Konzept hat den unbestrittenen Vorteil der Erhöhung der Sprachkompetenz. Daher wünschen sich viele SchülerInnen (besonders der Sprachenlyzeen, in denen sie ja eine höhe möglichst hohe Sprachkompetenz erlangen wollen) und Eltern ein solches Konzept. 

2. Gegner befürchten, dass es dadurch zu einer Assimilierung der deutschsprachigen Bevölkerung kommt und führen als Beispiel Aosta an. 

3. Als Gegenbeispiel wiederum dazu kann man das „Schulmodell der ladinischen Täler“ anführen: Dort gibt es paritätischen Unterricht. Nach meinen Erfahrungen können die SchülerInnen dort durchschnittlich erheblich besser Deutsch und Italienisch als die Deutschen und Italiener ihre Zweitsprache. Trotzdem „assimilieren“ sie sich nicht.

Mein Vorschlag:

Schulen sollten im Sinne ihrer Autonomie selbst entscheiden, ob sie Fächer in einer fachfremden Sprache WAHLWEISE (!) anbieten oder nicht. Beispiel: Schule XY bietet einen Klassenzug an, in dem einige Fächer (z.B. Biologie, Geschichte) in einer anderen Sprache (Italienisch, Englisch) unterrichtet werden. Wer sich dafür einschreiben will, kann das. Wer das nicht möchte, kann sich in eine traditionelle (muttersprachliche) Klasse einschreiben. 

Vorteil 1: Dieses Modell ist freiwillig – wer eine Assimilierung seiner Kinder befürchtet, kann diese in eine traditionelle Klasse einschreiben. 

Vorteil 2: Der große Vorteil für Südtirol ist, dass die Lehrpersonen, die ein Fach in einer anderen Sprache unterrichten könnten, schon da sind. Natürlich müssen sie für ein solches Modell entsprechend ausgebildet werden.

Vorteil 3: Man könnte mit einem experimentellen (von wissenschaftlichen Erhebungen begleiteten) Modell klein anfangen und sehen, ob es sich bewährt oder nicht und es dann evtl. ausweiten oder wieder abschaffen.

Literaturtipps: Zu diesem Thema wird bei uns an der EURAC (Andrea Abel, Chiara Vettori) geforscht sowie an der Universität Bozen (Rita Franceschini, die international übrigens als Kapazität gilt). Gabriele Di Luca empfiehlt diese Publikation. Siehe auch das Interview von Markus Lobis mit Prof. Franceschini.

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Kommentare

Bild des Benutzers Benno Kusstatscher
Benno Kusstatscher 28.04.2013, 20:34
Hallo milf, Bedenken bezüglich Schulautonomie wurden schon auf Deinem vorherigen Beitrag geäußert: http://www.salto.bz/de/article/26042013/mehrsprachige-schule-die-verteidiger-des-deutschtums Möchte diese Deine Initiative aber nicht demotivieren und bin gespannt, wie das hier weitergeht...
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Greta S 04.05.2013, 16:06
Ich hätte mir in meiner Schulzeit sehr gewünscht, einige Fächer auf italienisch zu haben oder mehr mit Schülern und Schülerinnen aus den italienischsprachigen Schulen zu tun zu haben. Nachdem ich vom italienischsprachigen Kindergarten in die deutschsprachige Schule gekommen bin, hat sich der Kontakt mit meiner Zweitsprache drastisch reduziert, das merke ich heute und es stört mich sehr. Es wird Zeit für mehr Wahlmöglichkeiten für zweisprachigen Unterricht.
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Sepp Bacher 04.05.2013, 17:27
Zwei-bzw. dreisprachige, Schule in den Ladinischen Tälern, die ich in meinem Vorschalg www.salto.bz/de/article/06042013/zweisprachige-schule-und-autonomiestatut als positives Beispiel nehme, ist nicht so wichtig. Wichtig ist, dass etwas weitergeht . Bei dem Vorschlag, einige Fächer - z. B. Geschichte - in Italienisch zu unterrichten, hat auch den Nachteil, dass die Jugendlichen den spezifischen Wortschatz nur auf Italienisch kennen lernen. Interessanter fände ich - wenn machbar - ein Fach von zwei Lehrpersonen in beiden Sprachen zu unterrichten. Das hätte z. B. bei Geschichte nicht nur den Vorteil beide Fachsprachen zu lernen, sondern die Geschichte auch aus zwei verschiedenen - national-kulturellen und persönlichen - Blickwinkeln kennen zu lernen.
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Greta S 04.05.2013, 17:38
Soweit ich weiß, wird das in Schulen in Kärnten mit Slowenisch und Deutsch gemacht. Dort sind dann halt die Lehrpersonen, die die Fächer in beiden Sprachen unterrichten, perfekt zweisprachig, das heißt, sie wechseln einfach jede Woche die Sprache und es scheint zu funktionieren. Dazu könnte man sicherlich jemanden befragen.
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Karl Trojer 23.09.2013, 15:02
Geschaetzte Frau Mazzardis, ich teile Ihre Meinung, dass Sprachkenntnisse am leichtesten spielerisch ueber Freundschaften im Kindes-u. Jugendalter erlernt werden. Grammatik und Vokabeln lernen bleibt allerdings fuer jeden unerlaesslich. Wir deutschsprachigen Suedtiroler sprechen im Freundeskreis am liebsten im Dialalekt und in Anwesenheit von italienisch-sprachigen Personen italienisch, weil wir meinen, sonst nicht verstanden zu werden. Zu wenige von uns, sind in der Lage ein Gespraech in einwandfreiem Deutsch zu pflegen, auch uns taeten oft mehrmonatige Aufenthalte z.B. in Hannover oder Berlin gut ! Von 1952 bis 54 habe ich in Verona die ITI besucht; in den ersten Monaten verstand ich meine Mitschueler kaum, sie sprachen ihren Dialekt... Es wird Ihrer Tochter sehr zugute kommen, ueber Berlin nun in Innsbruck, wo ein breiter gemischtes Studenten-Pubblikum vorhanden ist, ein gutes Deutsch zu erlernen.... deustchsprachige Suedtiroler koennen im tyrolischen Innsbruck allerdings kaum zu einem besseren Deutsch kommen als hier in Bozen. So plaediere ich dafuer, dass jede/jeder sich optimal in ihrer/seiner Muttersprache mitteilen koenne und die/der Andere sie/ihn gut verstehe.
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