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FAIRweile bei Manuela Savoi im Fair-Trade-Shop in Leifers.
Fair Trade Leifers

Die Tatkräftige

Was Frauenfreundschaften ausmacht und Männer in den Weltladen bringt.
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Sie verkauft, berät, räumt ein und auf. Dabei strahlt Manuela Savoi über das ganze Gesicht. Als eine Freundin sie vor acht Jahren einlud, den Fair-Trade-Shop der Sozialgenossenschaft „Le Formiche – die Ameisen“ in Leifers kennenzulernen, fuhr sie hin. Sie schaute genau und blieb. Vor einem Vierteljahrhundert ist Manuela Savoi der Liebe wegen von Bozen nach Terlan gezogen. Um Zugang zur Bevölkerung zu finden, engagierte sie sich im Kulturbereich. Nach 23 Jahren kündigte sie ihre Arbeit im Sanitätswesen und kümmerte sich hauptsächlich um die Familie. Die beiden Töchter sind inzwischen erwachsen: Die Ältere lebt in Ravenna und arbeitet im Umweltbereich, die Jüngere als Krankenpflegerin in Bozen. Nach der intensiven Familienzeit war Manuela Savoi 2010 für Neues bereit. Jeden Donnerstagnachmittag ist sie im Weltladen in der Kennedy-Straße 110 in Leifers anzutreffen. Die 20 Minuten Autofahrt nimmt sie gern in Kauf.

Anfangs kümmerte sich eine hauptamtliche Mitarbeiterin um die Bestellungen, heute bestellen die Freiwilligen eigenverantwortlich, fahren zu Verkaufstreffen der Importgenossenschaft CTM nach Verona oder schauen sich neue Kollektionen in Mailand an. Die Verantwortung wiegt schwerer, doch der Identifikation der Ehrenamtlichen mit dem Fair-Trade-Shop tut es gut. Manuela Savoi ist für die Bestellung des Kunsthandwerks zuständig. Eine Kollegin kümmert sich um die Lebensmittel, eine dritte dekoriert. Die 57-Jährige Terlanerin kann mittlerweile gut abschätzen, was die Kundinnen und Kunden wünschen. Frauen, sagt sie, kämen hauptsächlich ins Geschäft, weil ihnen Artikel in den Schaufenstern gefallen, weil sie biologische Produkte suchen und den Geruch des Ladens mögen. Die Anzahl der männlichen Kunden ist zwar geringer, aber deren Entscheidung für den fairen Handel mindestens genauso bewusst. Dasselbe beobachtet Manuela Savoi auch bei Jugendlichen.

Die Solidarität unter den 25 Leiferer Freiwilligen – zu 80 Prozent weiblich – ist groß: Neue Freundschaften und profunde Gespräche ergeben sich: „Hier entfaltet sich die positive Energie der Frau, die Essenz des Weiblichen“, sagt Manuela Savoi. Wenn es einer nicht gut geht, ist auch außerbetriebliches Nachfragen üblich.

Taschen aus Fischernetzen

Stolz zeigt sie auf Taschen der Sozialgenossenschaft Smateria. Zwei Italienerinnen haben die Genossenschaft im Jahr 2006 in der Hauptstadt von Kambodscha gegründet: Mit lokalen Handwerkerinnen entwickeln sie in Phnom Penh hochwertige Recyclingartikel. Aus materieller Not geboren und von einem großen Erfindergeist getragen, sichert Smateria mehr als 100 Mitarbeiterinnen und 15 Familien in Heimarbeit das Einkommen. Manuela Savoi hat das Projekt in Kambodscha vor zwei Jahren mit 17 Freiwilligen der „Ameisen“ besucht. Alda Vulcanica, eine weitere Ehrenamtliche des Weltladens hat die Studienreise organisiert. Manuela Savoi freut sich, dass die aktuelle Taschenkollektion von Smateria aus farbigen Moskitonetzen mit dem modernen und hochwertigen Design gut ankommt. Die Handtaschen verfügen über besondere Material- und Farbeffekte, sind robust und leicht.

Die freiwillige Arbeit hat Monika Savoi sensibel gemacht. Seit sie im Weltladen in Leifers arbeitet, hat sie in Europa keine Stadt mehr besucht, ohne nach einem Weltladen zu fragen. Das ist ihr Inspiration und Freude. Interne Weiterbildungen tun ihr gut, um weltweite Handelsmechanismen zu durchblicken. Sie will im Kleinen für das Große wirken, sich mit ihrer Kraft den ausbeuterischen Methoden der Multinationalen entgegenstellen. „Alles, was wir tun – was wir essen, wie wir uns kleiden oder leben – wirkt sich auf das Ganze aus und betrifft uns letztendlich selbst“, sagt Manuela Savoi. Sie ist selbst gute Kundin im Weltladen. Dass im Betrieb ihres Mannes zu Weihnachten faire Produkte verschenkt werden, hat mit ihrer Überzeugungsarbeit zu tun. Sie packt an und lächelt dabei. Die Methode hat Erfolg.

(Maria Lobis)

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