Umwelt | Wohnen in Zukunft

Nachhaltiges Wohnen

Wie schaut klima- und umweltfreundliches Wohnen aus?
Ist es das kleine Haus am Waldesrand mit dazugehörendem See in unberührter Natur?
Hinweis: Dieser Artikel ist ein Beitrag der Community und spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung der SALTO-Redaktion wider.
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Foto: Ploner Andreas

Das Bild vom kleinen Haus am Waldesrand und dazugehörenden See mit unberührter Natur wird gern vermittelt für die Träume vom Eigenheim in unserer Gesellschaft. Abgesehen davon, dass sich dieses „Häuschen“ in unserer ungleichen Gesellschaft nur wenige – als weiteres Statussymbol – leisten können, ist ein solches Haus für alle mit den Ressourcen unserer Umwelt nicht vereinbar. Dies wird den meisten noch einleuchten, schwieriger wird es aber schon beim eigenen 110 m² Haus mit eigenem Garten und Garage.

Der Erdüberlastungstag – Datum an welchen die Ressourcen aufgebraucht wurden, die im Laufe eines Jahres regeneriert werden – ist heuer auf den 28.07.2022 gefallen. Einen bedeutenden Beitrag hinsichtlich des Verbrauches der natürlichen Ressourcen leistet auch bei uns das Bauen und die Versiegelung der Umwelt. Versiegelte Fläche dient nicht mehr als natürliche Kohlenstoffsenke, trägt bei zum Verlust natürlicher Lebensräume und verstärkt die Risiken durch Hochwasser. Zudem fallen in Europa 40% des gesamten Energieverbrauches auf den Bausektor, wobei davon 80% von fossilen Energieträgern stammen. Insbesondere die in den Nachkriegsjahren errichteten Gebäude sind gewaltige Energieverbraucher und müssten dringend saniert werden. Bei den verwendeten Rohstoffen ist der für den Beton verwendete Zement für 8% der globalen Treibhausgasemissionen verantwortlich. Abbruch- und Bauabfälle machen über ein Drittel aller in Europa produzierten Abfälle aus.

Modernes Bauen ?

Mittlerweile ist in der EU bei Neubauten das „Fast-Null-Energiehaus“ Standard. Problematisch ist aber der geringe Renovierungsgrad der bestehenden Gebäude und der große Leerstand. Für die Bewertung des Energie- und Ressourcenverbrauchs einer Bausubstanz ist daher der gesamte Lebenszyklus und die Nutzung des Gebäudes entscheidend. Energetischer und ökologischer Fußabdruck, Lebensdauer und Wiederverwendbarkeit der Baukomponenten rücken in den Vordergrund.
Für eine ökologische Wende und zur Vermeidung umweltschädlicher Emissionen muss der Einsatz von Ressourcen (Energie, Material und Boden) verringert werden, indem weniger und kleiner gebaut wird, indem bestehende Substanz genutzt, renoviert und wiederverwendet wird und indem nachwachsende Rohstoffe verwendet werden.

Als Beispiele für nachwachsende Rohstoffe können Holz und Hanf angeführt werden.
Holz:
Durch die nachhaltige (!) Verwendung des Baumaterials Holz (d.h. aufgrund eigener Bewirtschaftung und Regulierung dieser nachwachsenden Ressource und durch die Wiederverwendung bei Abriss von Gebäuden) könnte die Speicherfähigkeit des Holzstammes für CO2 sogar für eine Reduzierung der Treibhausgasemissionen beitragen.

Hanf:
Der schnell (nach-) wachsende Rohstoff kann in Form von Hanffaserplatten für Dämmungen und in Form von Hanfziegel für nicht tragende Wände verwendet werden. Durch die Absorption von CO2 weist auch Hanf eine negative Klimabilanz auf. Hanf brennt nicht, bildet keinen Schimmel und trägt neben guten energetischen und akustischen Dämmeigenschaften auch zu einen angenehmen Raumklima bei.

Regeln für klimafreundliches Bauen und Wohnen:

  • Man achte auf einen optimalen Wärmeschutz, eine luftdichte Gebäudehülle und vermeide Wärmebrücken
  • Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung
  • Verwendung von umweltschonenden Energien aus regenerativen Quellen und von nachwachsenden, wiederverwendbaren Baumaterialien
  • Reduzierung der Pro-Kopf-Wohnfläche und Förderung von gemeinschaftlich genutzten Wohnflächen.
  • Vorzug von bestehenden Strukturen gegenüber Neubauten (die sauberste Energie ist jene die gar nicht benötigt/produziert wird). Es sollte vermehrt auf Gebäudesanierung, Vermeidung von Leerständen und Reduzierung von Wohnflächenverbrauch gesetzt werden.
  • Hinterfragung der Ausstattung mit High-Tech-Komfortanlagen
  • Schaffung von Temperaturzonen in der Wohnung
  • Stoßlüften und regelmäßiges Entlüften des Heizkörpers
  • Energieeffizientes Sanieren mit natürlichen Materialien

Wie kann der Südtiroler Klimaplan im Bereich „Energie & Gebäude“ verbessert werden ?
Dies kann hauptsächlich durch die Verringerung der Emissionen im Bereich Wärmeenergie vollzogen werden.

Das Bündnis für Klimaaktion Südtirol „Climate Action“ erhebt folgende Forderungen:

  1. Verbesserung der Information:
    - Kompetenzzentren für Energieeffizienz und erneuerbarer Energien
    - Ausbildung von Fachleuten im Bereich Wärmeerzeugung mit regenerativer Energie
    - Möglichkeiten des Energiesparens (Beleuchtung, Warmwasser, Haushaltsgeräte, ...)
  2. Massive Entwicklung der Photovoltaik:
    - das Ziel im Klimaplan sollte verdoppelt werden
    - Erweiterung der Möglichkeiten für die Nutzung der Photovoltaik, z.B. über Parkplätzen, Gewächshäusern, Mülldeponien, in der Landwirtschaft, … usw.
  3. Sofortiger Stopp für den Ausbau des Methangasnetzes
  4. Aufbau von Mikronetzen zur Optimierung der Nutzung von lokal erzeugtem Hackgut, Biogas, Solar- oder Geothermie und Photovoltaik.
  5. Förderung von Wärmepumpensystemen und verpflichtender Einbau von Wärmerückgewinnungssystemen
  6. Erfassung der geothermischen Potenzials in der Provinz
  7. Anreize zur Förderung bestehender Bioenergieanlagen

Diese Forderungen sind Teil von einem Paket von 12 Forderungen & Maßnahmen an die Landesregierung im Bezug auf den vorgestellten Klimaplan (https://climateaction.bz/).

Quellen:
Lantschner Norbert (2022): „Wie geht klimafreundliches Wohnen in einer Alpenregion“, in: Thomas Benedikter (Hrsg.): "Klimaland Südtirol? Regionale Wege zu konsequentem Klimaschutz", Arca edizioni 

Wie den Klimaplan verbessern? Was die Thementische dazu sagen (https://climateaction.bz/klimaplan-verbessern-diskutier-mit/).