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Nicole Thaler
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Landwirtschaft

Zukunftsmodell SoLaWi?

Private Haushalte tragen die Kosten eines landwirtschaftlichen Betriebes, bringen sich ein und erhalten dafür Ernteanteile.
Von
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Sophia Gummerer01.08.2020
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Vor einigen Jahren hat Nicole Thaler auf den Bühlerhof geblickt und festgestellt, dass sich etwas ändern muss. Am Erbhof mussten Investitionen getätigt werden, die Landwirtschaft war wirtschaftlich nicht mehr tragbar. Da Not, wie bekannt, erfinderisch macht, hat sie, gemeinsam mit ihrer Familie, beschlossen, einen neuen Weg einzuschlagen. Der Weg zur Solidarischen Landwirtschaft war geebnet. 

 

Was ist SoLaWi?

 

Solidarische Landwirtschaft, kurz SoLaWi, beruht darauf, dass mehrere private Haushalte die Kosten eines landwirtschaftlichen Betriebes tragen und als „Dank“ Ernteanteile erhalten. Es wird also nicht das Lebensmittel per se mit einem Preis versehen, sondern das Konzept der Solidarischen Landwirtschaft als Ganzes. Jede Woche erhalten die Mitglieder eine Kiste landwirtschaftlicher Produkte, je nach Erntesaison mal mehr oder weniger. Der finanzielle Beitrag, der alle zwölf Monate getätigt wird, garantiert den Bauern eine kostentragende Ernteabnahme, faire Löhne und Mithilfe am Hof.

 

Bezug zum Endprodukt

 

Diese Stabilität und Kontinuität war für Franz Laimer vom Bachguterhof in Dorf Tirol ausschlaggebend, sich gegen den Bauernmarkt oder den Ab-Hof-Verkauf und für die Solidarische Landwirtschaft zu entscheiden. Weiters befürwortet er den Austausch und die Berührung zwischen Landwirt und Konsumenten. Für ihn ist es zielführend, wenn der der Konsument sich einmischt, aktiv mitwirkt und auf das Geschehen am Hof Einblicke bekommt. Er selbst zeigt sich über seine momentane Situation, immerhin 50 Haushalte unterstützen seinen Betrieb, zufrieden. „Insgesamt ist viel Luft nach oben, aber gleichzeitig ist der Weg auch sehr mühsam“, schildert Laimer seine Erfahrung. Für ihn ist es auch wichtig, dass die Menschen wieder einen Bezug zur Landwirtschaft bekommen, wieder verstehen, dass nicht jede Gemüse- und Obstsorte das ganze Jahr über verfügbar ist.

Franz Laimer
„Viel Luft nach oben“: Franz Laimer vom Bachguterhof (Foto: Facebook/Franz Laimer)

 

Gemeinsam

 

Das Zusammenwirken von Landwirt und Konsument bildet auch auf dem Bühlerhof in Natz-Schabs die Basis. In der Mitgliederversammlung am Anfang des Jahres wird gemeinsam beschlossen, welche Gemüsesorten angebaut werden. Neben der monatlichen Zahlung zwischen 80 und 120 Euro sind die Mitglieder auch aufgefordert mitzuhelfen, wenn Not am Mann/an der Frau ist. „Es macht einen großen Unterschied, ob man beispielsweise beim Unkrautjäten zu zweit oder zu zehnt ist. Im Umkehrschluss bedeutet das, wenn niemand der Mitglieder hilft, müssen Erntehelfer angestellt werden, dadurch würden die Kosten steigen“, erklärt Nicole Thaler, Landwirtin des Bühlerhofs.

 

Platz für Neues

 

Finanzielle Sicherheit bietet mehr Platz für Kreativität und Innovation: Alte Sorten können angebaut, Vielfalt gelebt und mit Neuem (Beispiel Buchweizen) kann experimentiert werden. Eine gewisse Portion an Risikobereitschaft der Mitglieder ist notwendig. „Voriges Jahr hatten wir beim Kohl einen Ernteausfall von 100 Prozent, heuer sind es nur 40 Prozent – bei derselben Anbaumethode. Da wir in der Sitzung beschlossen haben, beim Kohl nur mit Mist vom Hof und Brenesseljauche zu arbeiten, bleibt ein gewisses Risiko des Ernteausfalls“, erklärt Nicole Thaler. Die Mitglieder beteiligen sich an Positivernten, haften aber auch bei Ernteausfällen.

Brotbacken am Bühlerhof
Nicole Thaler (links) bei einer ihrer vielen Tätigkeiten: der Bühlerhof bietet neben anderen Tätigkeiten auch einmal im Monat einen Brotbacktag für Interessierte an (Foto: Facebook/Solidarische Landwirtschaft Bühlerhof)

 

Der Prosument

 

Nicole Thaler beschreibt den Konsumenten als Prosumenten, einer Mischung aus Konsument und Produzent, da er an allen Teilen der Wertschöpfungskette miteinbezogen wird. „Die größte gedankliche Herausforderung ist, sich an Projekten zu beteiligen und als Gegenleistung Essbares zu erhalten“, schildert die Landwirtin ihre Eindrücke. Zudem würde sie sich, neben neuen Mitgliedern, für das Jahr 2021 auch wünschen, dass noch mehr Höfe zu SoLaWis werden. Vielleicht, fügt sie hinzu, könnte man ja irgendwann einen Verband gründen oder Höfe könnten gegenseitig Produkte austauschen.

Sicher ist, die Soziale Landwirtschaft reduziert Lieferketten, stärkt die Position der Landwirte in der Wertschöpfung und stellt einen Bezug zwischen Konsumenten und Endprodukt her. Würde SoLaWi in einem Werbespot beschrieben werden, wären die Begriffe lokal, nachhaltig, miteinander, selbstbestimmt und vielfältig sicher treffend.

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