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Ein Türchen für die Filmförderung

Mit einem gemeinsamen Schreiben nehmen der Filmverband "FAS" und die "Fachgruppe Film im HDS" Stellung zu den jüngsten Diskussionen über die Zukunft der IDM.
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Foto: Salto.bz

„Wir haben in den vergangenen Wochen mit Befremden zur Kenntnis genommen, dass der Filmfund in den Diskussionen um die Zukunft der IDM wiederholt zum Nebenschauplatz kritischer Stellungnahmen gegenüber der Gesamt-Institution missbraucht wurde“, heißt es in einer von Georg Zeller und Nela Märki vom Filmverband FAS, sowie von Markus Frings und Michela Parlavecchio von der Fachgruppe Film im HDS signierten Aussendung. Die Filmschaffenden vermuten erneut eine Haltung, die auf „fachlicher Unkenntnis und populistischen Interessen“ aufbaue. Bereits im April des vergangenen Jahres machten stillschweigende Streichungen der IDM-Filmförderung – allerdings erst nach einem Aufschrei der FAS – aufhorchen. Ansonsten wären die vorgesehenen Gelder für die gut funktionierende Filmwirtschaft wohl gestrichen worden. Dabei wird die über ein Jahrzehnt alte Geschichte der Südtiroler Filmförderung immer wieder gerne als Erfolgsgeschichte erzählt. So auch beim Festakt im September 2021 im Bozner Haydn-Auditorium. 
 


„Mit einem sehr überschaubaren und gewiss ausbaufähigen Jahreshaushalt“ heißt es im aktuellen Schreiben von FAS und Filmgruppe im HDS, wurde „der Aufbau einer stetig wachsenden Infrastruktur vorangetrieben, die es heute zahlreichen Filmschaffenden ermöglicht, von ihren unterschiedlichsten Berufen in dieser Branche ein Lebenseinkommen zu bestreiten.“ Dies gelte nicht nur für lokale Regisseurinnen und Regisseure, Darstellerinnen und Darsteller (die zur Umsetzung ihrer Projekte sogar vermehrt aus dem Ausland nach Südtirol zurückkehren), sondern auch für alle anderen künstlerischen, technischen und Produktionsberufe dieser Branche. Nicht vergessen werden, sollen zudem die zahlreichen weiteren Berufsfelder, die direkt oder indirekt an Filmproduktionen beteiligt sind. So sichere die gut funktionierende Wirtschaftsförderung dem Land „einen Rückfluss der investierten Mittel von beachtlichen 198%.“
Mit dem Schlüssel der Filmförderung wurden bisher an die 79 Mio. Euro im Südtirol ausgegeben, rund ein Drittel davon waren Gagen für Filmschaffende, der Rest ging an Dienstleister, Motivmieten, Unterkünfte und sonstige Ausgaben. 
Anhand der Förderergebnisse der letzten Jahre – die künstlerische und wirtschaftliche Qualität der antragsstellenden Projekte wird von einer aus Fachleuten zusammengesetzten Kommission beurteilt – lässt sich zudem feststellen, dass eine steigende Anzahl an Projekten gefördert wurde, die direkt aus Südtirol heraus oder unter starker Südtiroler Beteiligung entstanden sind. 
 


Mittlerweile gibt es rund 700 Filmschaffende in Südtirol, deren Tätigkeit „ganz oder teilweise durch die Existenz des Filmfunds“ ermöglicht wird. Insbesondere „filmspezifische Unternehmen haben in den vergangenen Jahren“ große Investitionen getätigt, Personal aus- und fortgebildet und die Entwicklung von Südtiroler Filmprojekten vorangetrieben. „Um diese Entwicklung werden wir von unseren Nachbarregionen beneidet“ heißt es im Schreiben der Filmvereinigungen. So wäre in Tirol „seit Gründung der Cine-Tirol keine vergleichbare Film-Infrastruktur aufgebaut“ worden, da die Förderung dort „als Teil des Destinationmarketings konzipiert ist“, also „regelmäßig Tiroler Landschaften tourismusfördernd in Szene setzt“, jedoch „ohne eine gezielte Einbindung lokaler Filmschaffender und fachspezifischer Infrastrukturen.“  Die Tiroler Filmbranche wirbt deshalb seit einigen Jahren sogar mit dem Südtiroler Modell als Vorbild für eine dortige neue Förderstruktur. Ähnlich gestaltet sich die Situation auch im Trentino, „wo mithilfe des kleinen Fördertopfes vorwiegend Produktionen aus anderen Regionen“ angezogen werden, die zu einem Rückfluss von 120% der Fördersumme verpflichtet werden. 
Leider hätten es jene politischen Kräfte, die nun die „Notwendigkeit der Südtiroler Filmförderung auf den Prüfstand stellen“ möchten, versäumt, im Vorfeld ihres Beschlussantrags „den Dialog mit uns zu suchen, oder sich auch nur über die produktionstechnischen Hintergründe der Filmproduktion zu informieren.“ FAS und Fachgruppe Film im HDS stehen – so heißt es am Ende des Schreibens – „gerne für Gespräche und weitere Informationen zur Verfügung.“