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Naturschutz

Bedrohte Gehölze Südtirols

In Südtirol wurde erst spät eine Rote Liste der Pflanzen erstellt und einige Gehölzarten sind bereits ausgestorben.
Community-Beitrag von Biodiversität und Naturschutz30.12.2019
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Die Rote Liste der gefährdeten Pflanzen Südtirols wurde im Jahr 2006 veröffentlicht. In der Einleitung steht:“ Rote sind ein maßgebliches Instrument in der Naturschutzarbeit. Davon zeugt auch die Tatsache, dass in Mitteleuropa beinahe für jede Region eine Rote Liste der gefährdeten Gefäßpflanzen zur Verfügung steht. Auch die an Südtirol angrenzenden Gebiete wurden diesbezüglich schon bearbeitet. Die Autonome Provinz Bozen- Südtirol ist eines der letzten Gebiete, für die das noch nicht zutrifft.

Der Dachverband für Natur- und Umweltschutz hat erst kürzlich darauf hingewiesen, dass die Rote Liste der Tiere alt ist. Die Rote Liste der Tiere stammt nämlich aus dem Jahr 1994 und es ist der Autonomen Provinz Bozen- Südtirol als Pluspunkt zuzuschreiben, dass 1994 eine Liste für Tiere erstellt wurde. Erst sehr spät kam eine Rote Liste der Pflanzen dazu, wodurch ein wichtiges Mittel für die Naturschutzarbeit nicht zur Verfügung stand. „Leider ist die Rote Liste der gefährdeten Tierarten bereits 25 Jahre alt und schon alleine dies zeigt, welchen Stellenwert und welche Priorität dieses Thema zumindest bisher hatte“, bemängelte der Dachverband für Natur- und Umweltschutz und forderte von der Politik zu handeln, obwohl diese bereits vor bereits 25 Jahren die Gefährdungsursachen für eine Vielzahl an verschiedenen Tiergruppen erarbeitet hat, welche die Grundlage für die Naturschutzarbeit seit 25 Jahren bilden sollten. Ob Pestizide, Monokulturen, Zerstörung von Auwaldresten oder das Verschwinden von Ufergehölzen, bereits seit 25 Jahren könnten alle um die Gefährdung und die Gefährdungsursachen der Tierarten Bescheid wissen und durch Beseitung der Gefährdungsursachen den Fortbestand der gefährdeten Arten sichern.

Das Fehlen einer Roten Liste für Pflanzenarten war ein Mangel, der in Südtirol erst 2006 behoben wurde und die Rote Liste gibt Auskunft über die Gefährdung der Pflanzenarten. Während in der Roten Liste der Baumarten Europas keine einzige Baumart als ausgestorben eingestuft wurde, weder auf regionaler Ebene noch auf dem Kontinent, scheinen in der Roten Liste Südtirols Gehölze auf, welche bereits ausgestorben sind. Von den Heckenrosen sind zwei Arten bereits ausgestorben: Rosa gallica (RE) und Rosa rhaetica (RE). Diese beiden Arten gab es einst in Südtirol, sie sind aber regional ausgstorben und fallen unter die Kategorie RE, das bedeutet, dass sie in Südtirol ausgestorben sind aber noch in anderen Regionen vorkommen. Einige weitere Rosenarten sind in hohen Gefährdungskategorien: Rosa montana (EN), Rosa pimpinellifolia (VU) und Rosa tomentella (VU) sind gefährdet. Neben Rosen ist auch eine Brombeerenart ausgestorben, Rubus praecos (RE) und einige Arten in hohen Gefährdungskategorien wie Rubus constructus (VU), Rubus grabowskii (EN), Rubus macrophyllus (EN), Rubus montanus (EN), Rubus nessensis (VU).

Baumarten sind in Südtirol noch keine ausgestorben, jedoch ist die Stechpalme (Ilex aquilegifolium) vom Aussterben bedroht. Nur wenige Bäume dieser Art gibt es bei Salurn und die Art steht kurz vor dem Aussterben. Gefährdet ist auch die Stieleiche (Quercus robur VU). Die Stieleiche ist eine Art, welche auch in Hartholzauwäldern vorkommt und in Südtirol z..B. in den Stegener Ahrauen wächst. Dort wird aber immer wieder der Wald im Zuge von Revitalisierungen/Renaturierungen gerodet und weggebaggert (siehe https://www.suedtirolnews.it/wirtschaft/stegener-ahr-auen-revitalisierung-im-auwald-biotop-wird-fortgesetzt) und damit verschwinden ganze Wälder. Auch Weidenarten sind gefährdet, Salix triandra ssp. triandra ist vom Aussterben bedroht und Salix hegetschweileri (VU) und Salix glaucosericea (VU) sind gefährdet.

Für einige Arten gibt es nicht genügend Daten und sie wurden nicht eingestuft. Eine Baumart, die in Südtirol nur sehr selten vorkommt ist die Flatterulme, Ulmus laevis. Die Flatterulme ist eine charakteristische Art der Hartholzauwälder und ist Baum des Jahres 2019. In der Roten Liste Südtirols und auch in der Roten Liste der Baumarten Europas ist sie als DD eingestuft -data deficient, es gibt zu wenig Daten und Wissen. Der Status der Flatterulme ist in Südtirol auch dahingehend noch nicht geklärt, ob die Art natürlich in Südtirol vorkommt oder nicht. Es ist durchaus möglich, dass die Art in Südtirols Auwäldern ausstibt, bevor die Wissenschaft geklärt hat, ob die Art in Südtirol überhaupt natürlich vorkommt oder nicht. Einige gehen davon aus, dass sie auf Pflanzungen zurückgeht, wobei es eher unwahrscheinlich ist, dass in den Auwäldern am Eisack jemand auf die Idee kam, Flatterulmen zwischen Pappeln, Weiden und Erlen zu pflanzen. Die Flatterulme kommt entlang der großen Flüsse und ihren Auen in Mitteleuropa natürlich vor und ist ein charakteristischer Baum der Hartholzauwälder (Natura- 2000 Lebensraum Kode 91F0). Die Flatterulme vertägt lang anhaltende Überschwemmungen und bildet als einziger Baum Mitteleuropas Brettwurzeln (Bilder auf https://www.waldwissen.net/wald/baeume_waldpflanzen/laub/wsl_flatterulme/index_DE).

Die Flatterulme ist in Österreich z.B. im Bundesland Salzburg bereits ausgestorben, im Bundesland Tirol gibt es keine Flatterulmen und in Italien kommt die Baumart nur selten vor. Im Auwald in der Industriezone Brixen wächst eine große alte Flatterulme. Dieser Baum scheint nicht in der Verbreitungskarte des Naturmuseums auf. In der Verbreitungskarte ist ein Baum in der Schrambacher Au eingetragen, ansonsten fehlt die Baumart in fast ganz Südtirol.

Um die Zukunft der Flatterulme in ihrem natürlichen Lebensraum ist es in Südtirol schlecht bestellt, da Lebensräume wie Auwälder gerodet werden und so auch die letzten Exemplare ihrer Art in der Natur Südtirols verschwinden. Auch das Vorkommen im Auwald in der Industriezone Brixen ist in Gefahr, für immer zu verschwinden. Wie aus der Roten Liste der Pflanzen Südtirols schon seit 2006 bekannt ist, sind vor allem Arten der Feuchtgebiete in ihrem Bestand gefährdet und zu den Feuchtgebiten gehören auch die Auwälder.

„Artenschutz bedeutet Lebensraumschutz!“, steht in der Überschrift der Roten Liste der Pflanzenarten Salzburgs mit einem Ausrufezeichen. Zum Schutz der Pflanzenarten ist zuallerst der Schutz der Lebensräume notwendig. Diese Binsenweisheit ist aber noch nicht in den Köpfen vieler Menschen verankert und wertvolle Lebensräume verschwinden weiter.

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