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Interview

Die Brücke zwischen Wirtschaft und IT

Die Uni Bozen bietet als erste Universität Italiens einen Studiengang in Wirtschaftsinformatik an - Studiengangsleiter Prof. Markus Zanker im Interview.
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unibzone .31.05.2019
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Der dreisprachige Studiengang ist eine Kooperation zwischen der Fakultät für Informatik und der für Wirtschaftswissenschaften und kombiniert fächerübergreifend betriebswirtschaftliches Fachwissen mit Informatik-Know-how. Wir haben Prof. Markus Zanker von der Fakultät für Informatik dazu interviewt:

 

Was ist das neue an diesem Abschluss?

Prof. Markus Zanker: Wirtschaftsinformatik an sich ist kein neues Fach und beispielsweise in Deutschland und Österreich gibt es so ein Kombinationsstudium schon länger, in Italien gab es bisher entweder reine Informatikstudien oder verschiedene Wirtschafts- und Management Studien, aber nicht die Kombination aus beiden. Der neue Bachelor in Wirtschaftsinformatik bildet Informatiker mit umfangreichen , kombiniert also fächerübergreifend Informatik-Know-how  mit betriebswirtschaftlichem Fachwissen. Selbstverständlich verbinden im Berufsalltag jetzt schon Informatiker fächerübergreifend Technik mit Wirtschaft, aber ein Wirtschaftsinformatikstudium bereitet eben bereits im Studium auf eine Mittlerrolle zwischen Technik und betriebswirtschaftlichen Fachfunktionen vor.

 

Warum sind immer öfter Wirtschafts- UND Informatikkompetenzen gefragt?

In der IT-Beratung, internen IT-Abteilungen und überall dort wo es um die Einführung und Adaption von Informationssystemen geht, bedarf es Wirtschafts- UND Informatikkompetenzen. Informatiker müssen eine sehr detaillierte Kenntnis von  Prozessabläufen haben, wenn sie diese Prozesse formalisieren, modellieren und mit Systemen unterstützen wollen. Mit der fortschreitenden Digitalisierung braucht inzwischen fast jedes Unternehmen mit einer hauseigenen IT-Funktion solche Fachkräfte. Also nicht nur in großen Unternehmen und mittleren Betrieben, sondern auch in kleinen Firmen. Durch die Digitalisierung wird auch die Auswertung der gesammelten digitalen Daten immer wichtiger. Deshalb sind beim neuen Studiengang Wirtschaftsinformatik auch Kurse zum Data Mining und zur Datenanalyse zur Unterstützung unternehmerischer Entscheidungen vorgesehen.

 

Für welchen Beruf bildet dieses Studium aus, was macht man später damit?

Dieses Bachelorstudium bildet sowohl für die Berufstätigkeit aus, als auch für ein weiterführendes Studium, wie z.B. dem Master in Computational Data Science, der ebenfalls an der Fakultät für Informatik in Bozen angeboten wird. Bei Data Science liegt der Fokus mehr auf dem weiterführenden Datenmanagement und der Datenanalyse, während es im Wirtschaftsinformatikstudium mehr um das Verständnis zum Entstehen der Daten geht. Die wirtschaftlichen Grundlagenkurse lehren Volkswirtschaftslehre und ökonomische Grundprinzipien, Rechnungswesen, Management Skills usw.
Der Schwerpunkt des Studiums ist eben die Schnittstelle zwischen IT und Betriebswirtschaft. Konkrete Kurse an dieser Schnittstelle sind beispielsweise Prozess und Datenmodellierung, ERP-Systeme, also betriebliche Informationssysteme die sämtliche wirtschaftlichen Abläufe unterstützen oder das IT Management.

 

Welchen konkreten Bedarf sehen Sie dafür in Südtirol?

Die Südtiroler Unternehmen sind schon recht weit in der Digitalisierung, deshalb ist der Bedarf an IT-Fachkräften enorm.
Daher ist der Studiengang beispielsweise auch beim Unternehmerverband Südtirol auf großes Interesse gestoßen. Wir haben bereits zahlreiche positive Rückmeldungen von Unternehmen erhalten, die einen großen Bedarf an Wirtschaftsinformatikern haben und auf die ersten Absolventen des Studiengangs warten.  

 

Markus Zanker
Markus Zanker ©unibz

 

Wie ist der Studiengang aufgebaut?

Der Studiengang ist aus der Kooperation mit der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften entstanden, daher sind auch beide Fakultäten im Studiengangsrat vertreten. Prof. Maurizio Murgia und ich haben gemeinsam mit Kollegen den Studienplan entwickelt, bei dem von Anfang an Informatikfächer und Wirtschaftswissenschaften gelehrt werden. Im ersten Semester beispielsweise Mathematik und Einführung in die Programmierung, und parallel dazu Volkswirtschaftslehre und Rechnungswesen. Im zweiten Semester folgen dann überwiegend IT-Kurse zur Daten- und Prozessmodelierung, Datenbanken, Web und Internet- Engineering oder ein Projekt zur Anwendungsentwicklung.
Ab dem zweiten Jahr gibt es neben strategischen IT Management  auch zwei Anwendungsspezialisierungen, nämlich Digital Finance und Financial Markets und Digital Marketing und Advertising, d.h. mit Finanzdienstleistern und Handel jene Branchen welche durch die Digitalisierung grundlegende Transformationen ihrer Geschäftsmodelle erfahren haben bzw. aktuell noch erfahren.

 

Wie ist das mit der Dreisprachigkeit geregelt, welche Fächer werden in welcher Sprache unterrichtet?

Dreisprachiger Bachelor bedeutet, dass die Absolventen am Studienende mit einem hohen Sprachniveau in Deutsch, Italienisch und Englisch abschließen. Für die Aufnahme in den Studiengang müssen die Bewerber zwei der drei Sprachen schon auf einem guten Niveau nachweisen können. Das erste Jahr bzw. die ersten beiden Jahre wird vorwiegend auf Englisch unterrichtet, damit alle Studierenden den aufbauenden Lehrveranstaltungen gut folgen können. Im dritten Jahr sind die Lehrveranstaltungen dann in gleichem Maße auf alle drei Sprachen verteilt, da wir bis dahin erwarten, dass  unsere Studierenden auch die dritte Unterrichtsprache gut beherrschen.

 

Wie viel Studienplätze sind für diesen Kurs vorgesehen und woher kommen die Bewerber?

In der ersten Ausschreibung waren es erst einmal 30 Studienplätze und in der nächsten kommen nochmal zehn dazu, also insgesamt 40 Studienplätze. In der ersten Runde hatten wir aber bereits doppelt so viele Bewerber, sodass wir für das kommende Jahr die Anzahl der Studienplätze auf alle Fälle erhöhen werden.
Die Hälfte der Bewerber kommt aus Südtirol, die andere Hälfte sind sowohl deutschsprachige Studenten aus dem Ausland als auch Studenten aus dem Oberitalienischen Raum.

 

Welche Vorkenntnisse sollte man mitbringen?

Mathematisches Verständnis ist prinzipiell wichtig und notwendig. Die Rangordnung für die Studienplatzvergabe richtet sich daher auch nach den Mathematiknoten der letzten Oberschuljahre. Die Fähigkeit zu Abstrahieren, zu Formalisieren, in formalen Strukturen zu denken, kurz ein solides Mathematik Schulniveau, ist neben der Begeisterung für Informatik und Wirtschaft und guter Kommunikationsfähigkeit sicher erforderlich. Sollten die Schulleistungen am Anfang etwas schwächer sind gibt es aber auch die sogenannten OFA (obblighi formativi aggiuntivi) aufgrund welcher zusätzliche Förderkurse angeboten werden.

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