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Salto Afternoon

Identitätssuche: Südtirol 1919-2019

100 Jahre nachdem Südtirol Italien zugesprochen wurde, gilt es als Modell für eine funktionierende Autonomie. Doch wie steht es mit dem Zusammenleben der Sprachgruppen?
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Der Film Auf der Suche nach Identität: Südtirol 1919-2019 macht sich auf die Suche nach der Südtiroler Identität der Gegenwart und zeigt auf, wie die jungen Bewohner Südtirols von der wechselvolle Geschichte geprägt werden und ihre Zukunft gestalten wollen.

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Filmstill: Langbein & Partner Media


Von „Los von Italien!“ bis  „Hier sind wir was Besonderes, das wären wir in Österreich nicht“ reichen die Meinungen zur Positionierung Südtirols als autonomer Region Italiens. Diese Sonderrolle hat Südtirol reich gemacht: Der Tourismus boomt, namhafte internationale Unternehmen haben sich zwischen Brenner und Salurner Klause angesiedelt, die Arbeitslosigkeit tendiert Richtung Null, die Mehrsprachigkeit der Bevölkerung wird – zumindest von außen – als Glücksfall angesehen.
Doch trotzdem: Noch 100 Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkrieges und neuer Grenzziehungen zwischen Österreich und Italien polarisiert das Thema der nationalen Identität gerade hier die Menschen und es wird befeuert durch Populisten und Nationalisten überall in Europa. Dazu blickt der Film zurück.

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Foto: Langbein & Partner Media


2019 jähren sich drei Ereignisse, die für Südtirol von historischer Bedeutung sind. Mit dem Friedensvertrag von St. Germain, unterzeichnet am 10. September 1919, wurde Südtirol der Siegermacht Italien zugesprochen. 20 Jahre später, bis Ende 1939, mussten sich die Südtiroler entscheiden, im italienischsprachigen Südtirol zu bleiben oder ins Deutsche Reich auszuwandern. Diese sogenannte Option, ein Pakt zwischen Hitler und Mussolini, hinterließ wie der italienische Faschismus tiefe Spuren innerhalb der Familien, die bis heute nachwirken. Ende November 1969 wiederum wurde das sogenannte Paket angenommen, dem jahrelange zähe Verhandlungen zwischen Österreich und Italien und auch Jahre des Terrorismus vorausgegangen waren. Die Vereinbarung mit insgesamt 137 Maßnahmen zum besseren Schutz der Minderheit leitete schließlich die Südtiroler Autonomie ein, die heute weltweit als vorbildhaft bezeichnet wird.

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Foto: Langbein & Partner Media


Aber wie erleben die Südtirolerinnen und Südtiroler selbst ihre Autonomie? Dazu kommen im Film vor allem junge Leute und ihre Familien zu Wort. Das Filmteam besucht dazu Südtirolerinnen und Südtiroler in den Dolomiten, im städtischen Industrie- und Arbeiterviertel, auf ihrem idyllischen Bergbauernhof und bei der Apfelernte. Die filmische Dokumentation nimmt die Argumentation der verschiedenen Meinungsgruppen auf und beleuchtet ihre historischen Hintergründe.
Was bedeutet Nationalität in dieser Region, die so klare österreichische Wurzeln hat und doch schon immer mediterran-italienisch beeinflusst ist? Wie stehen die Südtirolerinnen und Südtiroler zur Machtausübung politischer Kräfte, denen sie in der Vergangenheit ausgesetzt waren? Und welche Rolle kann Südtirol, können die Südtiroler spielen in einer Zeit, in der überall in Europa Nationalisten an Stammtischen wieder Grenze und Herkunft als Kriterien predigen?

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Foto: Langbein & Partner Media


Der Film von Regisseurin Birgit-Sabine Sommer, das Drehbuch stammt von Thomas Hanifle, will zum 100. Jahrestag des Vertrages von St. Germain, 80 Jahre Südtiroler Option und zum Paketabschluss vor 50 Jahren seinen Beitrag für den europäischen Geist im kleinen-großen Raum leisten.
 

 

​Der Film feiert seine Premiere am 29. August um 20.30 Uhr im Filmclub Bozen, außerdem wird er am 30. August um 20 Uhr in der Volkshochschule Urania Meran und am 5. September um 20.30 Uhr im Kolpinghaus von Bruneck gezeigt. Nach den Filmvorführungen finden Diskussionsrunden statt.

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Kommentare

Bild des Benutzers Karl Trojer
Karl Trojer 10.08.2019, 10:56

Südtirols IDENTITÄT ergibt sich heute, mehrr den je, aus der Vielgestalt an Landschaften, Dialekten, Sprachen, Ethnien, Traditionen. Diese friedfertige Vielgestalt, durch gegenseitigen Respekt ermöglicht und wertgeschätzt, kann heute Südtirols primäre IDENTITÄT sein.

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Karl Egger 11.08.2019, 10:36

Im Spiegel ist vor Kurzem ein Artikel zu diesem Thema erschienen; die wesentlichen Punkte waren folgende:
- Der „Konflikt“ zwischen deutsch- und italienischsprachiger Bevölkerung ist nicht gelöst, sondern nur eingefroren, wird aber jedesmal wieder zum Vorschein kommen wenn in Italien die Wirtschaft abschmiert
- Realistischerweise muss man von einem friedlichen Nebeneinander- (statt Zusammen-)leben sprechen
- Dieser „Frieden“ (bzw. die Tatsache dass viele Südtiroler mit dem Status Quo leben können) wurde durch den Wohlstand erkauft

...ich finde das fasst die Lage ganz gut zusammen... und wer schon mal (so wie ich) im „richtigen“ Italien gelebt hat, der weiß auch dass die Italiener zwar herzliche Menschen sind, wenn man ihnen aber erklärt, dass man sich als Südtiroler nicht wirklich als Italiener fühlt, dann erntet man Herablassung und Unverständnis, und zwar über Alters- und Parteigrenzen hinweg! In dieser Hinsicht sind die Italiener geeint (zumindest die wenigen Italiener, die überhaupt wissen dass es in Italien eine deutschsprachige Minderheit gibt): man habe sich gefälligst als Italiener zu fühlen und die Südtiroler Autonomie wäre lieber heute als morgen abzuschaffen... Ich habe mit dem Thema Identität seither gehadert; bevor ich die Südtiroler Blase verlassen hatte, konnte ich auch relativ gut damit Leben (auf dem Papier) Italiener zu sein.

Bild des Benutzers Karl Trojer
Karl Trojer 12.08.2019, 09:28

Nichts ist vollkommen... Wenn man auf die Ebene der konkreten Arbeitswelt heruntersteigt, wird man schnell fündig : Da gibt es problemlose Zusammerabeit, gegenseitigen Respekt und ein gelingendes Miteinander. Das Thema "qui siamo in Italia" ist im konkreten Zusammenleben, nach meiner Erfahrung, kein Thema mehr; die meisten, hier lebenden BürgerInnen italienischer Muttersprache schätzen die Südtirol-Autonomie, und viele wandern sonntags genüßlich, mit einem "Sarner", durchs Gebirge...

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Sepp Bacher 12.08.2019, 09:42

Da hast du wohl noch nie in den mehrheitlich italienischen Vierteln Bozen gelebt und gearbeitet, Karl!

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Karl Egger 12.08.2019, 13:54

In der Hinsicht habe ich leider auch schon (neben positiven) gegenteilige Erfahrungen gemacht... Aber solange man sich sprachlich angepasst hat (d.h. jederzeit italienisch sprechen, nicht nur mit italienischsprachigen Arbeitskollegen, sondern auch in deren Gegenwart) und das „siamo in Italia“ niemals in Frage gestellt hat, gab es keine Probleme...

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