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Trockenrasen

Trockenrasen artenfrei?

Trockenrasen sind Lebensräume von besonderer Bedeutung für den Erhalt der Artenvielfalt und das Wissen über die Lebensräume ist wichtig für den Artenschutz.
Community-Beitrag von Biodiversität und Naturschutz26.04.2020
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Südtirols natürliches Erbe zeichnet sich durch einen besonderen Lebensraum aus, nämlich durch die kontinentalen Trockenrasen, wie sie am Vinschgauer Sonnenberg in der Landschaft gut sichtbar sind. Das baumfreie trockene Grasland beherbert eine Vielzahl von spezialisierten Arten, die nur in kontinentalen Trockenrasen gedeihen. Das Attribut kontinental bezieht sich dabei auf das Klima, das kontinentale Klima das von Trockenheit und hohen Temeraturen im Sommer gekennzeichnet ist. Die weiten Steppen der Mongolai gehören zu den Trockenrasen, Grasland prägt die Landschaft. Arten dieser Steppenlandschaften kommen auch in Europa vor, die Pusta Ungarns und die Steppenhänge am Vinschgauer Sonnenberg haben diese kontinental geprägten Trockenrasen gemeinsam. Das Murmeltier im Grasland der alpinen Matten und Almen der Alpen hat im Grasland der Steppen einen nahen Verwandten, das Ziesel. Dieses kommt bis in den Osten Österreichs vor und gräbt in Trockenrasen und trockenen Wiesen seine Baue.

Andreas Hilpold leitet das Biodiverstitätsmonitoring in Südtirol und in der “Dolomiten” vom 24/25/26. April 2020 mit dem Titel “Weit mehr als trockenes Ödland”, sagt er: ”Innerhalb einer Tier-oder Pflanzenart ist eine hohe genetische Vielfalt essentiell, um etwa Krankheiten oder anderen widrigen Einflüssen standzuhalten und ihren Fortbestand zu sichern.” Der Schwarzflügelige Heidegrashüpfer am Vinschgauer Sonnenberg unterscheidet sich nämlich genetisch von seinen Verwandten in den Steppen Innerasiens, fanden die Forscher heraus. “Doch wäre es keinesfalls egal, wenn die Populationen im Vinschgau verschwinden würden, weil sie sich genetisch eben deutlich von den asiatischen Populationen unterscheiden”, warnt Hilpold in der Zeitung.

Diese Warnung wird jedoch hinfällig, wenn man berücksichtigt, wie auch in der Einleitung des Artikels richtig geschrieben steht, dass die Trockenrasen Südtirols ein “isoliertes inneralpines Steppengebiet” sind. Würde der genetisch unterschiedliche Grashüpfer am Vinschgauer Sonnenberg aussterben, so hätte dies auf die asiatischen Artgenossen keine Auswirkung, da die Vorkommen isoliert sind und es zu keinem Austausch zwischen den Populationen in Asien und dem Vinschgau kommt. Nur mit einer Verbindung und dem genetischen Austausch zwischen den Populationen kann die genetische Vielfalt Krankheiten oder etwaigen anderen widrigen Einflüssen standhalten und dadurch den Fortbestand einer Art in einem Lebensraum sichern. Ist in einem isolierten Lebensraum im Vinschgau die Heuschreckenart ausgestorben, so wird sie sicher nicht wieder aus Asien zurückkehren, es handelt sich nämlich um isolierte Vorkommen.

Es ist keinesfalls egal, ob Heuschreckenarten oder irgendwelche andere Arten verschwinden, da sich sowohl Südtirol, der Staat, die EU und die internationale Staatengemeinschaft durch die Biodiverstitätskonvention zum Erhalt der Artenvielfalt entschlossen haben. Einige Trockenrasenbiotope wurden auch als Natura 2000 Gebiete ausgewiesen, EU- Schutzgebiete, für welche auch die rechtliche Verpflichtung besteht, die Artenvielfalt zu erhalten. Sensiblilisierungsarbeit für die Trockenrasen hat das inzwischen umbenannte Amt für Landschaftsökologie durchgeführt, Broschüren wurden herausgegeben und Infotafeln aufgestellt. Was die Flora betrifft, wurden die Lebensräume botanisch von Larsen 2017 wieder beschrieben und bewertet und Ergebnisse in Kurzform auf den Internetseiten der Autonome Provinz Bozen-Südtirol sehr übersichtlich dargestellt: http://www.provinz.bz.it/natur-umwelt/natur-raum/naturschutz/rasen-und-wiesen-trocken-frisch-beschreibung-lebensraum.asp?news_action=4&news_article_id=595379

Im Gegensatz zu den Seiten der Autonomen Provinz Bozen bietet das Biodiversitätsmonitoring der Eurac einfach gar nichts Konkretes zur Artenvielfalt auf den Webseiten und das Informationszeiteitalter scheint vollkommen an der Eurac vorbeigegangen zu sein. Eine Veranstaltung mit Vorträgen zu Trockenrasen ist geplant, aber coronabedingt verschoben. Die Vermittlung von Informationen über die Biodiversität für die breite Öffentlichkeit im Rahmen des Biodiversitätsmonitoring scheint der Eurac nicht wichtig zu sein. Dem Direktor des Naturmuseums Bozen, welches am Biodiversitätsmonitoring beteiligt ist, habe ich noch vor Corona Zeiten einmal darauf hingewiesen, dass Inhalte von Biodiversitäts-Vorträgen auch öffentlich zugänglich gemacht werden sollten. Geht es bei Vorträgen nur darum, Wissen und Erkenntnisse einem kleinen Kreis von Zuhöreren im Museum oder der Eurac zu verkünden? Geht es darum, Informationen der breiten Öffentlichkeit zu vermitteln oder geht es nur darum, dass jemand Geld für einen Vortrag kassiert? Warum werden Ergebnisse des Monitorings nicht der Öffentlichkeit zugänglich gemacht?

"Am Ende werden wir nur schützen, was wir lieben. Wir werden nur lieben, was wir verstehen. Und verstehen können wir nur, was man uns lehrt."
(Baba Dioum), Zitat aus dem Beitrag auf Salto zum City Nature Challange.

Selten, zu selten, finde ich einen Grund, die Arbeit von Ämtern zu loben, doch was den Beitrag der Eurac und des Naturmuseums zur Information über die Biodiversität Südtirols über das Internet betrifft, so verdient die öffentliche Verwaltung mehr Lob als die Eurac und das Naturmusum. "Nach der Bestimmung im Labor und der Berechnung der Indikatoren wird eine Datenbank angelegt, die für die Öffentlichkeit und die Behörden zugänglich sein wird.” hieß es in der Presseaussendung des Landes am 21.08.2018. Wo die erhobenen Daten versteckt sind, wurde noch nicht kommuniziert. Blickt man auf die Seite des Biodiversitätsmonitorings, hüpft keine Heuschrecke in einem Trockenrasen herum. 

Aufgrund des Datendefizts des Biodiversitätsmonitorings wird hier, um den Wert eines Trockenrasens zu beschreiben, auf zuverlässige andere Quellen zu Trockenrasen zurückgegriffen. Nicht weniger als 19 Pflanzenarten, welche in der Roten Liste der gefährdeten Pflanzenarten als gefährdet oder potentiell gefährdet aufscheinen, sind in den Erhebungen von Larsen (2017) aufgelistet und auf den Internetseiten des Landes für die Öffentlichkeit zugänglich- Trockenrasen berherbergen also viele gefährdete Pflanzenarten. Ein Verleich: Tal-Fettwiesen der kollinen bis untermontanen Stufe (Arrhenatherion) berhergen nach dieser Einstufung keine gefährdete Arten, Montan-subalpine Fettwiesen (Polygono-Trisetion) nur 2 gefährdete Arten.

Obwohl Trockenrasen nur relativ kleine Flächen einnehmen, so sind die Trockenrasen Südtirols Lebensraum von vielen gefährdeten Arten. Darüberhinaus beherbergen die Trockenrasen Südtirols auch Endemiten, Arten die es nur in einem begrenzten Gebiet gibt, wie etwa das Schweizer Meerträublein oder den Blasentragant. Beide Arten kommen in wenigen Gebieten in Trockenrasen der Alpen vor, für ihre Erhaltung trägt das Land eine besondere Verantwortung. Denn verschwinden sie lokal, verschwinden sie auch global.

In der Roten Liste der gefährdeten Pflanzenarten Südtirols überwiegen jene von Feuchtlebensräumen, gefolgt an zweiter Stelle von den Arten der Trockenrasen. Der Lebensraum Trockenrasen selbst ist gefährdet und auch viele Pflanzenarten der Trockenrasen sind gefährdet.

Im Landschaftsleitbild von Südtirol (2002) ist die Verteilung der Tierarten der Roten Liste auf die unterschiedlichen Lebensräume dargestellt. Arten der Kiesbett-und Schlammfluren der Bäche sind mit über 140 Arten am meisten gefährdet, in den Trockenrasen sind es über 80, gefolgt von Auwäldern mit über 70 Arten. “Die Verteilung gefährdeter Tierarten auf die unterschiedlichen Lebensräume wurde ausgewertet und graphisch dargestellt und lässt so einen Rückschluss auf die Gefährdung unterschiedlicher Lebensräume zu”, steht im Landschaftsleitbild.

Trockenrasen sind Lebensräume für gefährdete Schmetterlingsarten und Tarmann (2009) hat für die Trockenrasen im Vinschgau viele Schmetterlingsarten nachgewiesen, die in der Roten Liste aufscheinen:

  • Obervinschgau, Patzlair: 23 Rote Liste Arten
  • Obervinschgau, Laatsch, St. Cäsar: 21 Rote Liste Arten
  • Obervinschgau, Taufers: 21 Rote Liste Arten
  • Obervinschgau, Matsch: 22 Rote Liste Arten
  • Obervinschgau, Matsch, Schlosshof: 20 Rote Liste Arten

Die Trockenrasen sind hochwertige Schmetterlingslebensräume und ausgesprochen artenreich. Viele spezialisierte Arten, die an Pflanzenarten der Trockenrasen gebunden sind, etwa als Nahrungsfutterpflanzen für Raupen, brauchen Trockenrasen. Tarmann listete die Arten und Artenzahlen der Trockenrasen auf:

  • Obervinschgau, Patzlair: 64 Arten
  • Obervinschgau, Laatsch, St. Cäsar: 63 Arten
  • Obervinschgau, Taufers: 62 Arten
  • Obervinschgau, Matsch: 62 Arten
  • Obervinschgau, Matsch, Schlosshof: 52 Arten
  • Obervinschgau, Schloss Rotund: 48 Arten
  • bervinschgau, Ruine Lichtenberg: 46 Arten

Trockenrasen sind jedoch auch durch Pestizideintrag kontaminiert und weisen deshalb geringere Artenzahen auf:

  • Untervinschgau, Latscher Sonnenberg: 13 Arten
  • Untervinschgau, Ratitschhof: 7 Arten
  • Mittelvinschgau, Laaser: 5 Arten

Im Gegensatz zum Biodiversitätsmonitoring geben Erhebungen zur Schmetterlingsfauna von Tarmann einen guten Einblick in die Vielfalt und den Wert der Trockenrasen für die Biodiversität Südtirols. Schmetterlinge sind Bioindikatoren und wo es viele Schmetterlinge gibt, sind auch andere Tiergruppen wie Käfer, Heuschrecken mit hohen Artenzahlen anzutreffen. Auf der Berchtholdsdorfer Heide bei Wien, einem Trockenrasen in dem auch das Ziesel Gänge wühlt, wurden 47 Heuschrecken und Fangschreckenarten nachgewiesen, von denen 23 Arten in der Roten Liste aufscheinen und mehr als 460 Käferarten.

Die Kontinentalen Trockenrasen in Südtirol und ganz Europa sind gesetztlich geschützt, durch die FFH- Richtlinie der EU sind sie prioritär zu schützende Lebensräume und auf Landesebene sind sie auch durch das Naturschutzgesetz geschützt. Die Trockenrasen gehören zu den herausragendsten Lebensräumen in Südtirol.

“Die interessantesten Flächen haben heute reliktären Charakter und finden sich an steilen und schwer zugänglichen Standorten. In der Vergangenheit gab es Wiederaufforstungen mit Schwarzkiefer, von denen man fortan absehen muss, will man diese einzigartigen Trocken-Lebensräume erhalten. Eine ernsthafte Bedrohung stellt auch die Invasion durch die Robinie und den Götterbaum dar. Zu vermeiden sind Düngungsmaßnahmen (davon ausgenommen ist die Düngung durch das Weidevieh) und auch Maßnahmen, die auf erhöhte Produktivität und auf einen leichteren Zugang zu den Weideflächen abzielen. Natürlich muss bei diesen Betrachtungen auf die Rechte der Eigentümer und auf Traditionen Rücksicht genommen werden. Die Tatsache, dass sich die Trockenrasen-Flora bis in unsere Tage erhalten konnte, macht es uns zur Pflicht, im Sinne der FFH-Richtlinie zu handeln, um ihr auch eine Zukunft zu garantieren.” steht in der Publikation “Natura 2000 Lebensräume in Südtirol”, Projekt realisiert von der Autonomen Provinz Bozen-Südtirol, Abteilung Natur und Landschaft, mit der Kofinanzierung durch die Europäische Union und des italienischen Staates im Rahmen des Programms Ziel 2 im Zeitraum 2000–2006.

Bis auf die Pestizidproblematik wurden bereits in vielen amtlich gültigen Dokumenten Gefährdungsursachen angesprochen und die Grundlage für konkretes Handeln zum Erhalt und zur Verbesserung des Erhaltungszustandes der Lebensräume und zum Erhalt der Artenvielfalt gelegt. Die FFH-Richtlinie und die Biodiversitätskonvention verpflichten zum Erhalt der Artenvielfalt. Negative Einflüsse, wie Überweidung, Pestizideintrag usw. müssen unterbunden werden, um die Artenvielfalt zu erhalten bzw. den Zustand von Lebensräumen auch zu verbessern.

Das Biodiversitätsmonitoring der Eurac wird vor allem Daten dazu liefern, wie sich der Klimawandel auf die Biodiversität auswirkt. Dabei ist schon bekannt und auch mit dem Hausverstand ist einleuchtend, dass der Klimawandel die Trockenrasenlebensräume und deren Arten viel weniger gefährden wird, als etwa Feuchtgebiete. Da Trockenrasen an trocken-heisse Umweltbedingungen angepasst sind, diese Umweltbedingungen geradezu brauchen, um überhaupt zu bestehen, werden Trockenrasen durch die Klimaerwärmung sicher nicht weniger werden. An Dürreperioden sind Trockenrasenarten ebenfalls gut angepasst- niederschlagsreiche Jahre sagen vielen Insekten der Trockenrasen nicht zu.

Was die Verbuschung betrifft, stellen invasive Baumarten wie Götterbäume jedoch eine Bedrohung dar, Götterbäume kommen mit Trockenheit besser zurecht als heimische Baumarten und dringen in Trockenrasenflächen ein, Grasland verbuscht und die Trockenrasenarten verschwinden dadurch. Trockenrasen gibt es nicht nur im Vinschgau, bei Brixen gibt es etwa aufgeforstete Trockenrasenflächen mit Föhren auf den Hängen bei Elvas. Diese Trockenrasen verschwanden weitgehend und sind heute Wald. In der ersten Roten Liste der Käfer Südtirols wird vom Verschwinden der Trockenrasen und den dortigen Käferarten durch Aufforstung berichtet. Unsinniges Gepflanze von Bäumen hat noch nie etwas gebracht.

Trockenrasen in Südtirol sind “weit mehr als trockenes Ödland” wie im Titel in der “Dolomiten” richtig stand. Es sind gesetzlich geschützte Lebensräume, deren Schutz international verankert ist, sie sind Lebensraum für eine Vielzahl an gefährdeten Arten und ausgesprochen artenreich. Werden Trockenrasen erhalten oder auch der Erhaltungszustand verbessert, so wird ein bedeutender Teil der Südtiroler Artenvielfalt den kommenden Generationen langfristig erhalten. Das Wissen und die Wissensvermittlung über den Zustand der gemeinsamen Schutzgüter Trockenrasen und der Artenvielfalt der Trockenrasen muss verbessert werden, denn nur was man kennt, schützt man auch. Nur was einem erklärt wird, kann man auch verstehen.

Empfehlenswerte Links: 

Schmetterlinge der Vinschgauer Trockenrasen: https://www.researchgate.net/publication/275032653_Tarmann_G_M_2009_Die_Vinschger_Trockenrasen_-_ein_Zustandsbericht_auf_Basis_der_Bioindikatoren_Tagfalter_und_Widderchen_Lepidoptera_Rhopalocera_Zygaenidae_Wissenschaftliches_Jahrbuch_der_Tiroler_Lande

Trockenrasen allgemein: http://biodiversitaet.bz.it/wiesen/trockenrasen/

Biodiversitätsmonitoring Südtirol: keine Daten zur Artenvielfalt in Trockenrasen verfügbar

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Kommentare

Bild des Benutzers Andreas Hilpold
Andreas Hilpold 26.04.2020, 16:38

Sehr geehrter Martin Hilpold,
freut mich, dass Sie den heimischen Trockenrasen einen so großen Stellenwert geben. Das Interesse teilen wir uns zu 100%.
Zu einigen offenen Fragen die Sie angesprochen haben: die Vorträge der Plattform Biodiversität sind durchwegs öffentlich und werden über die Homepage der Eurac (https://biodiversity.eurac.edu/de/home-2/) als auch über Facebook und Twitter beworben. Ich lade Sie herzlich ein, das nächste Mal dabei zu sein! Leider finden die nächsten Veranstaltungen Corona-bedingt erst im Herbst statt. Die Vorträge werden in Zukunft im Naturmuseum stattfinden und werden dann auch über das Veranstaltungsprogramms des Naturmuseums beworben.
Bezüglich Resultate des Biodiversitätsmonitorings: eigentlich hätten erste Resultate Ende März präsentiert werden sollen. Aufgrund der derzeitigen Umstände musste die Präsentation leider verschoben werden. Wie Sie sicher verstehen, handelt es sich dabei natürlich nur um Teilresultate, zumal die erste Phase dieses Langzeit-Projektes ja auf 5 Jahre ausgelegt ist und das Projekt erst 2019 begonnen hat. Der Fokus des Monitoring liegt sowohl auf dem Klimawandel aber noch vielmehr auf dem Landnutzungswandel, was durch eine hohe Anzahl von landwirtschaftlich geprägten Lebensräumen (Wiesen, Weiden, Obstanlagen, Weinberge, Felder), welche im Rahmen des Projektes untersucht werden, deutlich wird.
Bezüglich der Museumsdatenbank: Wie Sie vielleicht wissen, ist der Großteil der Daten des Museums über die Seite www.florafauna.it einsehbar. Bislang umfasst die Seite die Gefäßpflanzen, Moose, Kieselalgen, Heuschrecken und Fangschrecken, Wanzen, Tagfalter, Fledermäuse und Kleinsäuger, Amphibien, Reptilien, Spinnentiere, Libellen, Regenwürmer, Nesseltiere und Zehnfußkrebse. In Kürze werden auch die Vögel dazukommen. Aus Gründen des Naturschutzes als auch der Privacy können die Daten natürlich nicht eins zu eins ins Netz gestellt werden. Die Kolleginnen und Kollegen vom Naturmuseum sind aber sehr offen was eine Forschungszusammenarbeit betrifft. Wenn Sie also weitergehende Datenanalysen durchführen möchten, empfehle ich Ihnen, sich an sie zu wenden. Die Daten des Monitorings werden auch in diese Datenbank einfließen. Im Moment werden die technischen und rechtlichen Voraussetzungen dafür geschaffen.
mit freundlichen Grüßen,
Andreas Hilpold

Lieber Andreas Hilpold,

es geht bei Trockenrasen doch nicht um den Stellenwert den ich ihnen beimesse, sondern eben um eine Verpflichtung, die Artenvielfalt zu erhalten zu erhalten, wie sie im Konsens der Staaten und in Südtirol besteht.
Wir leben doch in einer Zeit, in der ganz einfach einige wichtige Dinge wie Artenzahlen oder Anzahl gefährderter Arten und andere wichtige Dinge über die Lebensräume auch für alle leicht zugänglich gemacht werden könnten.
Es kann doch nicht sein, dass alle Vorträge gehen sollen, um möglicherweise zu erfahren, wie viele gefährdete Arten in einem Trockenrasen laut Biodiversitätsmonitoring vorkommen.
Das Biodiversitätsmonitoring hat eine Homepage, nur fehlen dort viele Dinge, welche die Leute vielleicht interessieren.
Auf Florafauna.it steht nichts von Trockenrasen und ihrer Biodiversität.

Laut Interview im WIKU ist es um die Artenvielfalt in Weinbergen gut bestellt. Tja, da können doch nur die gefährdeten Arten der Weinberge vollkommen vergessen worden sein.
Also nur Zählen und in Datenbanken eintragen ist etwas wenig. So wie man Käfer nicht schützen kann und den Verpflichtungen nachkommen, die Artenvielfalt zu erhalten, indem man sie in einem Museum auf Nadeln aufspießt, so kann die Artenvielfalt auch nicht erhalten werden, wenn man nur Computer mit Daten füttert. Die Biodiversität ist nicht nur eine Beschäftigung für die Wissenschaft.

mit lieben Grüßen
Martin Hilpold

Bild des Benutzers Andreas Hilpold
Andreas Hilpold 27.04.2020, 08:15

Lieber Martin Hilpold,
ich denke es ist wichtig, dass wir, die wir in wissenschaftlichen Institutionen arbeiten, gute Arbeit leisten. Nur so haben wir die Grundlagen um auch fundierte Aussagen treffen zu können. Die von Ihnen zitierten Studien, etwa die Roten Listen oder die Tarmann-Studien basieren auf jahrzehntelange Grundlagenarbeit. Ich will damit nicht sagen, dass wir Jahrzehnte warten müssen, bis wir uns zu Wort melden. Allerdings muss das, was wir in der Öffentlichkeit sagen, auf guten Daten und sauber erarbeiteten und publizierten Studien basieren. Ansonsten verlieren wir als Forschungsinstitution unsere Glaubwürdigkeit und damit wäre niemandem gedient. Abgesehen davon gebe ich Ihnen vollkommen recht, dass es auch wichtig ist, Öffentlichkeitsarbeit zu machen und auf Gefahren für die Biodiversität hinzuweisen. Ich denke, wer mein Curriculum kennt, wird sehen, dass ich das auch regelmäßig getan habe und auch weiterhin tun werde. Allerdings, wie gesagt, brauchen wir keine Schnellschüsse sondern fundierte Aussagen.
Manche, von Ihnen angesprochene Argumente, liegen außerdem in der Natur der Dinge. Das Naturmuseum besitzt eben eine andere institutionelle Aufgabe wie das Amt für Natur der Provinz Bozen oder die Eurac. Ein Museum ist Vermittlungs- und Dokumentationszentrum für die heimische Biodiversität. Diese Aufgaben werden vom Museum im Rahmen der personellen und finanziellen Möglichkeiten auch hervorragend erfüllt.
beste Grüße,
Andreas Hilpold

"Stipa-dominated dry meadow near Schluderns/Sluderno"
https://biodiversity.eurac.edu/research-sites/agricultural/
"Von Federgras dominierte, beweidete Trockenrasen bei Schluderns"
https://biodiversity.eurac.edu/de/wo-erheben-wir/gruenland/
Ja, es ist wichtig dass die Wissenschaft gute Arbeit leistet, deshalb sollte das Bild des Trockenrasens im Vinschgau auch als pasture und nicht als meadow übersetzt werden. Auf Deutsch ist es richtig- wobei Trockenrasen in Südtirol auch primäre=natürliche Trockenrasen sind, also keine Flächen, die durch die Landwirtschaft entstanden.

Bezweckt das Biodiversitätsmonitoring auch über den Landnutzungwandel Aussagen treffen zu wollen, dann hätte man Fernerkungdsmethoden oder vorhandenes flächendeckendes Kartenmaterial von Südtirol verwenden müssen. Punktaufnahmen geben keinen Einblick in die tatsächlichen Veränderungen durch Landnutzungsänderungen.
Die Gefährdungsursachen für die Biodiversität sind hinlänglich bekannt- eigentlich müssten diese in Südtirol nicht nochmals wissenschaftlich untersucht werden (konkret für Heuschrecken in Trockenrasen etwa liegen klare Erebnisse vor- dokumentiert wurde, der Öffentlichkeit vermittelt aber weniger).
Das grundsätzliche Problem des Monitorings ist doch auch das, dass 2019 angefangen wird und 2024 die ersten Ergebnisse vorliegen. Das Insektensterben ist bereits eingetreten, die meisten Magerwiesen gingen schon verloren, viele Feuchtgebiete wurden bereits zerstört, der Auwald Brixen wird zerstört und Arten sterben aus, etwa der Laubfrosch und auch die Welchselkröte gibt es jetzt nur noch in einem Biotop.
Das Monitoring beginnt in einem Jahr, in dem die Biodiversität bereits stark abgenommen hat und Natur verloren ging. Dieser ganze Biodiversitätsverlust wird vom Monitoring nicht berücksichtigt. Das Biodiversitätsmonitoring wird nur die Veränderungen beschreiben, welche sich von 2019 auf 2024 ergeben und das auch nur in den Punkten der Erhebung und dem Umfeld der Punkte.
Es ist wahrscheinlich so, dass deshalb das Monitoring nicht ergeben wird, dass es ein Insektensterben gibt, dass Feuchtgebiete oder Magerwiesen verloren gehen, dass Pestizide der Biodiversität schaden, dass Waldrodungen zum Biodiversitätsverlust führen, dass die Nutzungsintensivierung zum Biodiversitätsverlust führt, dass der Wolf wieder da ist usw.
Lieber Andreas Hilpold, es freut mich jedenfalls, dass mein Beitrag gelesen wurde. Gut zu wissen, dass es Menschen gibt, die sich für Biodiversität und Naturschutz interessieren.
Was den Auwald Brixen betrifft, habe ich mich zwar mit der UG Eisacktal in Verbindung gesetzt und wollte von Andreas Hilpold Infos haben, die Kommikation war aber derart mühsam, dass Hopfen und Malz verloren ist. Eigentlich hätte ich gerne die vollständige Liste der Vögel im Auwald haben wollen und die Entwicklung der Laubfrösche, doch diese Dinge sind top secret.
Zusammenarbeit und Öffentlichkeitsarbeit sind aber wichtig, Verbände mit einer Vielzahl an Mitgliedern wie etwa der Alpenverein sind ebenfalls für den Erhalt der Biodiversität und den Schutz unserer Natur. Doch die vielen Tausend Mitglieder werden sicher nicht alle Vorträge gehen können.
Wir wissen wie wir uns erreichen, wir haben auch schon miteinander telefoniert. Eine Zusendung der beobachteten Vogelarten im Auwald Brixen, würde mich freuen. Vielleicht fliegen die jetzt daher- ich lass mich überraschen.

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