App Immuni
github.com
Advertisement
Advertisement
Gastkommentar

Der Staat als „Big Brother“

Warum die App „Immuni“ kein Begleiter für den Alltag mit Corona ist.
Von
Bild des Benutzers Rudolf Benedikter
Rudolf Benedikter27.05.2020
Advertisement
Salto Plus

Liebe/r Leser/in,

dieser Artikel befindet sich im salto.archiv!

Abonniere salto.bz und erhalte den vollen Zugang auf etablierten kritischen Journalismus.

Wir arbeiten hart für eine informierte Gesellschaft und müssen diese Leistung finanziell stemmen. Unsere redaktionellen Inhalte wollen wir noch mehr wertschätzen und führen einen neuen Salto-Standard ein.

Redaktionelle Artikel wandern einen Monat nach Veröffentlichung ins salto.archiv. Seit 1.1.2019 ist das Archiv nur mehr unseren Abonnenten zugänglich.

Wir hoffen auf dein Verständnis
Salto.bz

Abo holen

Bereits abonniert? Einfach einloggen!

Der Lockdown ist vorüber. Die Krise ist es nicht. Mit einem salto-Abo unterstützen Sie unabhängigen und kritischen Journalismus und helfen mit, salto.bz langfristig zu sichern!

Advertisement

Weitere Artikel zum Thema...

coronavirus, app
Pixabay
Paul Köllensperger
Südtirolfoto/Othmar Seehauser
Advertisement

Kommentare

Bild des Benutzers Chris Mair
Chris Mair 27.05.2020, 19:18

Hi,

zumindest im Ansatz scheint Immuni vom Datenschutz durchaus gut
durchdacht zu sein. Die offiziellen Angaben widersprechen Benedikters
Kommentar:

https://github.com/immuni-app/immuni-documentation

Es gilt sicher aufzupassen, dass die Politik nicht reingraetscht und dann
doch last-minute Datenkrake spielt. Keine Frage. Aber vielleicht warten
wir besser noch mit dem Sau-durch's-Dorf-Treiben?

-- Chris

Bild des Benutzers G. P.
G. P. 27.05.2020, 20:08

"Die offiziellen Angaben ..."
Wer mag, soll den offiziellen Angaben glauben ... ich jedenfalls nicht.

Bild des Benutzers Chris Mair
Chris Mair 27.05.2020, 21:17

@ G.P.

> Wer mag, soll den offiziellen Angaben glauben ... ich jedenfalls nicht.

Open Source ist der Client schon mal, und wenn sie die Problematik "reproducible builds" angehen, faellt dieser Einwand auch weg:

https://github.com/immuni-app/immuni-app-android/issues/18

Ich sag's jetzt mal so: informatisch gesehen ist da jemand dahinter, der weiss wie's richtig gemacht wird.

Freilich gibt es die App noch nicht. Da kann noch vieles schief gehen. Zumindest sieht es bis jetzt nicht schlecht aus, besonders was Datenschutz betrifft. Ich finde Benedikters Verriss (zu diesem Zeitpunkt) nicht gerechtfertigt.

-- Chris

Bild des Benutzers Hannes Mayr
Hannes Mayr 28.05.2020, 11:14

Hätte mir nicht gedacht, dass es zur App so eine detaillierte technische Beschreibung und offene Entwicklung gibt. Nachdem auch die Schnittstellen zum Backend des Sanitätsinstituts dokumentiert sind könnte man sich theoretisch auch seine eigene App entwickeln.
Wenn die Umsetzung der App im Bezug auf Datenaustausch wirklich so erfolgt kann von "Big Brother", wie im Artikel, keine Rede sein.

Bild des Benutzers Eduard Gruber
Eduard Gruber 27.05.2020, 19:50

Ich kenne die App Immuni (noch) nicht. Nach allem was ich bis jetzt darüber gehört habe, scheint mir eine Angabe über eingenommene Medikamente und Krankheitsgeschichte allerdings nicht zielführend und kann mir daher auch nicht vorstellen,dass diese Angaben wirklich gefordert werden. Ist wohl ein Missverständnis.
Zur Benutzung einer App selbst kann ich nur auf die Erfolge von Südkorea hinweisen. Wieso also gibt es bei uns immer diese Querdenker?

Bild des Benutzers Andreas Mozzelin
Andreas Mozzelin 27.05.2020, 20:00

Immuni arbeitet ohne Ortung, und alle ausgetauschten Daten werden anonym und nur lokal gespeichert. In der persönlichen Dateneingabe, kann jeder im Grunde angeben, was er will. Die App gibt den Tests die notwendige Intelligenz, um eine erneute Ausbreitung sofort einzugrenzen und zu kontrollieren. Für mich ist sie besser als viele andere Massnahmen.

Bild des Benutzers Andreas Mozzelin
Andreas Mozzelin 27.05.2020, 20:07

Mit für mich besser meine ich: weniger einschneidend und leichter zu ertragen

Bild des Benutzers Georg Zeller
Georg Zeller 27.05.2020, 20:23

Es wundert mich sehr, den letzten Argumentationspunkt von einem Juristen zu hören: Die Social-Media-Marktgiganten würden als "privat" und nicht als "Big Brothers" empfunden und man könne sich bei Datenmissbrauch an den Staat wenden. Facebook weigert sich bekanntermaßen seit jeher erfolgreich, dem Senat der Vereinigten Staaten selbst strafrechtlich relevante Informationen zu geben. Auch Gerichte in anderen Staaten tun sich sehr schwer, die Einhaltung ihrer Datenschutzgesetze bei diesen global operierenden Konzernen durchzusetzen. Solch einem Konzern sollen wir also problemlos persönliche Vorlieben, Aufenthaltsorte, Interessen, Beziehungen etc. preisgeben. Aber einem Rechtsstaat, indem wir bis zu Beweis des Gegenteils ja leben, sollen wir nicht vertrauen und daher nicht die App benutzen.
Die App hat ein konkretes Ziel, gesellschaftlich solidarisch die Verbreitung des Virus unter Kontrolle zu halten. Das halte ich für ein moralisch wesentlich höheres (und unriskanteres) Ziel, als das Streicheln des eigenen Egos auf Social Media.
Sagt jemand, der Social Media benutzt (und dort definitv größeren "sozialen Stress" empfindet, als bei Nutzung von Immuni)...

Bild des Benutzers elisabeth garber
elisabeth garber 27.05.2020, 20:52

Irgendwie habe ich bei Lektüre des Beitrags dasselbe gedacht wie A. Mozzelin, G. Zeller und andere, die die App nicht so skeptisch sehen.

Bild des Benutzers Jonas Stecher
Jonas Stecher 27.05.2020, 21:28

In der aktuellen Version der app Immuni gibt es nicht die Möglichkeit anagrafische Daten oder ein klinisches Tagebuch einzugeben und wird auch nicht verlangt, es muß nur die Provinz angegeben werden in der man sich aufhält. Es werden auch keine Geräteinformationen gespeichert oder Ortungen durchgeführt. Selbst die Eingabe bei positiven Test ist freiwillig und wird vom Gesundheitspersonal bestätigt.
Flächendeckende Test sind absolut nicht für eine effektive Funktion der app nötig. Flächendeckende Tests sind eher für Statistiken sinnvoll. Geziehlte, schnell, umfassende, Kontaktvervolgung (mit Tests) sind für die Eindämmung oder Verhinderung einer vermehrten Ausbreitung sehr effektiv.
Mich stressen ganz besonders Meinungen und Vorurteile wie im obigen Artikel.
Irreführend ist die Aussage dass der Staat der "gute" ist wenn er uns von den "bösen" sozialen Netzwerken schützen soll und dann der "böse" wenn er die gleiche "Kontrolle" wie die Sozialen Netzwerke übernehmen könnte aber ohne der Technischen Voraussetzung.
Der Autor sollte sich auch dringendst damit Auseinandersetzen welche Daten von wem und für was mit, ohne oder indirekt Zustimmung gesammelt, verkauft und mißbraucht werden, jeden Tag und jede Sekunde auf der ganzen Welt.... und 1984 lesen der Titel ist mehr als unangemessen.

Bild des Benutzers Anna Renzler
Anna Renzler 27.05.2020, 21:36

Ich bin ganz glücklich, dass wir "Querdenker" haben. Sie machen uns bewusst, dass wir gut überlegen sollten, ob und wem wir wann unsere Daten überlassen. Es muss uns auch klar sein, dass wir damit ein Werkzeug schaffen, das zukünftig für alles mögliche, ob erwünscht oder nicht, genutzt werden kann.

Bild des Benutzers Meister Haus
Meister Haus 27.05.2020, 21:47

So viel mir bekannt ist, kennen die "östlichen Kulturen" nicht das Individuum mit seinen Persönlichkeitsrechten, so wie wir es verstehen und gerne leben. Vor dem Individuum steht der Staat, die Familie .... und irgendwann auch das Individuum. Deshalb haben die Menschen dort auch relativ wenig Probleme, sich allen vom Staat verordneten Massnahmen zu unterwerfen. Ich weiß, das ist alles ein bisschen sehr allgemein gesagt und ich bin froh, wenn es da Präzisierungen, Korrekturen gibt.
Jedenfalls graust mir vor den "erfogreichen" chinesischen oder koreanischen Massnahmen zur Bekämpfung des Virus.

Bild des Benutzers Georg Lechner
Georg Lechner 28.05.2020, 08:03

Die letztlich einzig wirksamen Maßnahmen gegen die Virusausbreitung sind die Unterbindung der Infektion (Mund-Nasen-Schutz, Abstandhalten, Tröpfchenfallen in Umluftanlagen via Durchleitung durch Flüssigkeiten). Das Virus kann sich nur im Körper vermehren, die technische Verhinderung weiterer Ansteckungen bringt die Pandemie zum Erliegen wie schon bei SARS in den Nullerjahren.
Die Ansteckungsmöglichkeit via Umluftanlagen (dort bleiben Tröpfchen länger in Schwebe und können damit eingeatmet werden) wird von der Handy-App nicht erfasst.

Bild des Benutzers Christoph Gatscher
Christoph Gatscher 28.05.2020, 10:54

Herr Lechner hat den Nagel auf dem Kopf getroffen

Bild des Benutzers Andreas Mozzelin
Andreas Mozzelin 28.05.2020, 20:05

Die App ist ein Mittel, die von Ihnen beschriebenen Massnahmen nicht überall und dauerhaft, sondern nur in zeitlich begrenzten Intervallen und Zonen anzuwenden. Natürlich könnte man die App technisch weiter ausreizen, aber schon so fürchten viele um ihren Seelenfrieden.

Bild des Benutzers Klemens Riegler
Klemens Riegler 29.05.2020, 10:25

Es geht nicht nur um Seelenfrieden, sondern um eine falsche Sicherheit. Die App ist keine Impfung und auch kein Medikament.

Bild des Benutzers Klemens Riegler
Klemens Riegler 29.05.2020, 10:20

Die APP ist neben den anderen Maßnahmen EINE weitere Möglichkeit die Verbreitung einzudämmen. Sich nur darauf zu verlassen, wäre allerdings fahrlässig. Andere, wichtiger Dinge wie sie Georg Lechner im Kommentar beschreibt bleiben wohl wichtiger.
Warum?
- Weil die Voraussetzungen für die sinnvolle Nutzung (zeitnahe Tests in großer Anzahl) derzeit immer noch nicht gegeben sind. Selbst in Südkorea, wo trotz App und hoher Testkapazitäten immer wieder Ausbrüche gemeldet werden, scheint es nicht die Finale Lösung zu sein.
- Offene Frage: wie arbeitet Immuni mit den anderen Apps in Europa zusammen? Speziell in Grenz- und Urlaubsregionen immens wichtig!
- Währen wir uns mit der App zu viel in Sicherheit? Es kann schließlich bis zu 10 Tage oder mehr dauern bis ich eine Nachricht erhalte, dass ich mit einem Infizierten in Kontakt war. Bis dahin könnte ich theoretisch hunderte andere abgesteckt haben ... und diese auch schon wieder viele andere.
- Wie hoch ist die Fehlerquote? Wieviele erhalten einen Warnhinweis? Und können diese dann auch alle zeitnah getestet werden ... oder müssten sie einfach 3 Wochen in Quarantäne? Und damit auch alle anderen „Kontakte“. Oder womöglich mit zweifelhaftem Testergebnis ... https://www.salto.bz/de/article/23052020/wo-leben-wir
- Wieviele werden die App wieder löschen, wenn sie sehen, dass ihr Akku nur mehr bis Mittag hält (wenn Bluetooth im Dauerbetrieb usw. / bzw. betrachten dann wohl viele FB wichtiger als Immuni)
- Datenschutz!?! Warum dann nicht gleich eine EU-App nach dem Vorbild der Deutschen ... mit komplett dezentraler Datenspeicherung?
Für mich gibt es noch zu viele offene Fragen. Mal sehen was nach der Testphase in den drei Regionen herauskommt.

Bild des Benutzers Klaus Griesser
Klaus Griesser 29.05.2020, 11:51

big brother Staat? Spätestens seit Snowden wissen wir um die technologischen Möglichkeiten "unserer" Geheimdienste jeden von uns jederzeit abzuhören, können die praktischen Anwendung in den amerikanischen Spionagefilmen studieren. Die Verflechtung der Privatfirmen wie Facebook, Amazon, Google... mit dem tiefen Staat (deep state) ist auch schon lange Realität, da hatte auch Frau Merkel keine Chance. China/ Huawei ist vielleicht technologisch in Bezug auf Massenüberwachung (Fiebermessung) noch weiter voran, die Warnungen der USA vor chinesischer Überwachung sind aber reine Handelskrieg-Krokodilstränen. Das derzeitige Spiegelgefecht Trump mit Twitter darf uns nicht täuschen: er will völlige Freiheit rechtsradikaler Propaganda durchsetzen. Zur gegenständlichen App möchte ich aber keineswegs Conte mit einem Trump vergleichen, was wäre aber, falls sich COVID-19 nochmals verschärft und ein Salvini ans Ruder kommt? "Unseren" Geheimdiensten wäre es ein leichtes - ähnlich wie bei den Imkern mit ausgebüxten Bienenvölkern - die von selber fleißig gesammelten und "geschützt" in unseren smartphones gespeicherten Daten einzusammeln.
Ich finde es daher angezeigt, unser liebes Handy als potentiellen Verräter anzusehen.

Bild des Benutzers elisabeth garber
elisabeth garber 29.05.2020, 14:19

Zustimmung @K. Griesser - "Big Brother" ist längst unter uns...

Bild des Benutzers Georg Zeller
Georg Zeller 02.06.2020, 04:54

Jetzt wo Immuni verfügbar ist, kann ich bestätigen, dass keine der folgenden, im Artikel gemachten Angaben der Wahrheit entspricht: " „Immuni“ verlangt vom Smartphone-Besitzer nicht nur alle „anagrafischen“ Daten, Geschlecht, Alter, sondern auch ein regelrechtes „diario clinico“ mit der Eingabe von: bisherigen Krankheiten, Verwendung vom Medikamenten, eigenen Krankheitssymptomen."

Bild des Benutzers Andreas Mozzelin
Andreas Mozzelin 05.06.2020, 22:20

Heute die App installiert. Gefragt werden nur Provinz und Zugang zum Bluetooth.

Advertisement
Advertisement
Advertisement