Nordlicht
Mike Kaiser
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Gastbeitrag

Ein Feuer im Schnee

Der Senizid in einer neuen Gesellschaft.
Von
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Werner Beikircher28.11.2020
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Das Leben ist der Güter höchstes nicht!

Der Übel größtes aber ist die Schuld.

Friedrich Schiller

 

Es ist Nacht, im Schnee am Rande des Eises brennt ein Feuer. Davor sitzt ein alter Mann, den Rücken gegen den schneidenden Wind. Seine Familie, eine hungernde Horde vom Stamm der Amassalik Inuit, ist weitergezogen, den Robben hinterher. Bald wird das Feuer erloschen sein, dann kommt die große Kälte.

 

Von der Antike bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts berichten Ethnologen und Reiseschriftsteller von einem besonderen Brauch in verschiedenen Kulturen der Welt, die alten Menschen betreffend. Sie erzählen, wie diese irgendwann ausgesetzt, erdrosselt, erschlagen oder von Klippen gestürzt werden.

Die Altentötung (Senizid, Gerontozid) als wissenschaftlicher Begriff unterscheidet nicht zwischen aktiver oder passiver Tötung (etwa durch Entzug von Nahrung oder Betreuung) und war praktisch immer gekoppelt mit Hungersnot oder anderem Prekariat der eigenen Sippe. Der Alte als Last, als nutzloser Esser, als unproduktives Mitglied der Familie.

Diese Tötung ist kulturell überwunden, aber in der Gegenwart sehen wir eine zunehmende Altersdiskriminierung, der hochbetagte Mensch, ein wirtschaftlicher Klotz am Bein einer umgekehrten Alterspyramide. Senioren werden abgeschoben, isoliert in privaten oder öffentlichen Bunkern, der Horizont heißt Einsamkeit. Inwiefern diese Entwicklung auch Einfluss hat auf den Alterssuizid in unserem Land ist nicht erforscht, ob der Senizid diesbezüglich einer Begriffserweiterung bedarf, sollte angedacht werden.

Sardinien
Aus Sardinien beschreiben ethnologische Quellen, dass alte Menschen mit Erreichen des 75. Lebensjahres von hohen Felsen und Klippen gestürzt wurden. Auch gibt es dort die „Femina Accabadora“, eine mythologische Frauenfigur, die bei Bedarf aktive Sterbehilfe in fremden Familien geleistet haben soll. Dieser Stoff wurde in einem in mehrere Sprachen übersetzten Roman verarbeitet (Accabadora von Michela Murgia; 2009). (Foto: privat)

 

Was geht uns das alles an? Was soll das hier bei uns, in einer modernen, aufgeklärten Gesellschaft? 

Es ist eine ungeklärte Gesellschaft. Anfang Mai dieses Jahres, gegen Ende der ersten großen Pandemiewelle, erläuterte uns ein Südtiroler Automechaniker mit politischem Migrationshintergrund das Phänomen des „zeitnahen“ Sterbens von älteren Covid-19-Kranken. Demnach wären – so der selbsternannte Demograf – „viele von ihnen 2-3 Monate später auch ohne Corona gestorben“. Das ist eine präzise Zeitangabe, das Virus also lediglich ein leicht vorauseilender Händchenhalter auf dem Weg ins Drüben; das Retten von „todesnahen“ Mitbürgern Ressourcenverschwendung.

Diese Aussage – plagiatorisch entlehnt bei Boris Palmer aus Tübingen – war immerhin mutig und das Echo in den Giftspalten der digitalen Flachwurzelportale nicht nur negativ; diese Follower zeigen, so ein Schneidiger steht nicht alleine da mit seiner Sicht der  Dinge.

Bei Palmer waren die Kritiken vernichtend, so dass wenigstens er sich entschuldigt hat: von menschenverachtend bis Nazivergleich klangen die Reaktionen. Was ist es also: nur Tabubruch oder Anstiftung zum Senizid?

 

Medizinisch ist die Aussage falsch. Komorbiditäten spielen kaum eine Rolle bei einer „vorverschobenen“ Sterblichkeit von alten Menschen durch Covid-19, so Walter Hasibeder, zukünftiger Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Anästhesie, Reanimation und Intensivmedizin vor kurzem gegenüber der APA. Es sei praktisch immer das Virus, das eine schwere Erkrankung mit Todesfolge auslöst. Hier bieten auch die von vielen Coronaskeptikern gerne zitierten Herztodesfälle keinen statistischen Seitenausgang: das Virus führt durch Schäden am Reizleitungssystem direkt zu tödlichen Rhythmusstörungen und über die Schädigung der Kranzgefäße ebenso direkt zu Infarkten. 

Als Reaktion auf die Äußerungen von Palmer erschien im Frühsommer ein Forschungsergebnis aus Glasgow, das für die Patienten mit den schwersten Vorerkrankungen mindestens 1-2 „verlorene“ Lebensjahre durch Covid-19 errechnet hat, im Schnitt sind es 9 Jahre. Also wohl doch ein passiver Senizid, wenn wir dieser Bevölkerungsgruppe eine medizinische Hilfe vorenthalten.

Raben
„The Ballade of Narayama“ ist ein preisgekrönter Film (Goldene Palme; Cannes 1983) nach der Erzählung von Fukazawa Shichiro  und schildert das Leben in einem kleinen, von Hunger geplagten Bergdorf in Japan. Die Eltern werden, so sie denn 70 Jahre alt geworden sind, von den Söhnen auf einen bestimmten Gipfel getragen und dort zurückgelassen. Oben „warten ein Haufen alter Skelette und hungrige Raben“. (Foto: privat)

 

Ethisch nicht minder heikel ist ein Vorschlag aus den USA (American Institute for Economic Research; Massachusetts) zur Bewältigung der Krise, publiziert am vergangenen 4. Oktober und zur öffentlichen Unterzeichnung ins Netz gestellt. Diese „Great Barrington Declaration“ ist auf den ersten Blick faszinierend, sie enthält alle Perspektiven für eine ungebremste Wirtschaft und gleichzeitig den Schutz von sozial und gesundheitlich schwachen Bevölkerungsschichten.

Zentrale Idee ist der gezielte Schutz (Focused Protection)  von alten, gebrechlichen und unterprivilegierten Menschen, während parallel dazu das Virus ungehemmt durchlaufen soll, um möglichst schnell eine natürliche Herdenimmunität aufzubauen und den jüngeren Menschen mit minimalem Sterberisiko ein normales Leben zu ermöglichen. Dazu soll in Pflegeheimen Personal mit erworbener Immunität eingesetzt werden, um die Insassen zu schützen.

Diese Idee ist nicht neu (einige Staaten haben sie anfänglich probiert), sie ist nun aber „wissenschaftlich“ verbrämt und trifft gerade den Nerv einer gegenüber Restriktionen zunehmend überdrüssigen Gesellschaft; die Zustimmung an Stammtischen wird durchaus lauter. Dass in der Unterschriftenliste dieser Declaration viele Fakenamen kursieren ist mittlerweile bekannt; dass die verantwortliche Organisation dahinter weit im rechten politischen Spektrum und nicht zu knapp von Klimaleugnern finanziert wird, sei nur am Rande erwähnt.

10 Tage nach dieser Veröffentlichung hat sich – wie nicht anders zu erwarten – eine Gegenbewegung zu Wort gemeldet, die mit dem „John Snow Memorandum“ die amerikanische Deklaration zu entkräften versucht (The Lancet, 14. October 2020). Initiatoren sind 80 bedeutende Wissenschaftler aus der ganzen Welt, inzwischen haben sich ebenso international mehrere tausend Ärzte, Epidemiologen, Virologen, Politiker angeschlossen, ein definierter politischer Block dahinter ist bis jetzt nicht zu erkennen.

Die wesentlichen Gegenargumente:

  • „Eine natürliche (nicht impfgetriggerte) Herdenimmunität ist ein gefährlicher Trugschluß“. Es gibt bis jetzt keinen Hinweis, ob eine lang anhaltende Herdenimmunität für Covid-19 überhaupt möglich ist; niemand weiß, wie lange eine solche Immunität anhalten würde (bei eng verwandten Coronaviren ist sie relativ kurz). Bei repetitiven offenen Pandemiewellen wäre die Opferzahl unkalkulierbar. Die Frage der Reinfektion nach durchgemachter Krankheit ist ungeklärt.
  • Wie definiert man Risikogruppen für eine Focused Protection? Welches Alter, Prämorbidität, Lebensautonomie zählt? Wird das tabellarisch ermittelt oder per Selbsterklärung, wer darf/muß ins Exil, wer darf/muß weiterarbeiten? Wo liegt eigentlich das unternehmerisch/monetäre Kapital, vielleicht doch ein Stück weit in den deutlich  mitgefährdeten Intermediate-Jahrgängen? Neueste Untersuchungen zeigen, dass auch jüngere, gesunde Menschen ohne schweren Verlauf in 50% der Fälle verborgene Organschäden davontragen (Myokarditis, Herzrhythmusstörungen, Lungenschäden). Die bisher benützte Gleichung asymptomatischer Infizierter = Nichtkranker ist nicht mehr zu halten.
  • Wie will man die gefährdeten Bevölkerungsgruppen schützen? Die Great Barrington Declaration – a priori sehr allgemein gehalten – liefert keine Handlungsrichtlinien oder Strategien dazu. Es würde auf eine lange Kasernierungszeit oder private Isolation hinauslaufen, bis eine Herdenimmunität erreicht ist. Wie kommt man zu ausreichenden Zahlen von „immunisierten“ Pflegekräften und Ärzten in Spitälern und Pflegeheimen? Eine freiwillige, aktive Infizierung ohne Impfschutz ist wohl  indiskutabel.
  • Viele Experten sind davon überzeugt, dass man definierte Bevölkerungsgruppen auch im Exil  nicht dauerhaft schützen kann, wenn daneben das Virus hemmungslos durchläuft. Das haben nicht nur die Altersheime in Schweden gezeigt (wobei man das damalige Erfahrungsdefizit hier natürlich einrechnen muss), das zeigen aber auch die aktuellen Entwicklungen trotz aller forcierten Vorsichtsmaßnahmen.
  • Eine ungebremste, gewollte Durchseuchung fordert Opfer nicht nur in der alten Bevölkerung, sondern auch in jüngeren Schichten; Karl Lauterbach rechnet in einem solchen Fall in Deutschland mit mindestens 400.000 Toten.

Fasst man die Argumente für oder wider eine geförderte, natürliche Herdenimmunität ohne Impfung zusammen, dann ist dieses Experiment zugunsten von Wirtschaft, Bildungskontinuität, hypothetischer Wohlfahrt und Hedonismus ein riskantes Abenteuer mit unbekanntem Ausgang, für manche ist es ein Pakt mit dem Teufel.

Spuren
Derzeit werden weltweit bisher nicht gekannte Anstrengungen unternommen, um der Coronapandemie Herr zu werden. Sollte das nicht gelingen und auch eine zukünftige Impfung nicht ausreichend funktionieren, dann wird die demografische Solidarität auf eine schwere Probe gestellt mit der Gefahr einer Spaltung der Gesellschaft und einer de facto Opferung der Senioren. (Foto: privat)

 

Schon jetzt zahlen die Alten in unserer Gesellschaft die Zeche für diese Pandemie, zumindest in Hinblick auf gestohlene Lebenszeit; sollte allerdings eine der hier besprochenen Strategien jemals zur Anwendung kommen – der Enzianklauber oder die Great Barrington Declaration – dann kommt es für diese Menschen zur humanitären Katastrophe. Wir können uns inzwischen überlegen, wie eine zukünftige Geschichtsschreibung darüber urteilen würde:

Holocaust 2.0? Dazu fehlt die xenophobe Komponente

Genozid X.0? Es trifft ja nur die Nutzlosen

Euthanasie? Dazu fehlt das griechische eu

Wahr ist, es wäre nichts anderes als kalkulierter, passiver Senizid. 

Derweil haben wir berechtigte Angst vor einer Klimaerwärmung. Kommen wird vorerst eine große Kälte.

 

Werner Beikircher ist Bergführer und Arzt.

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Kommentare

Bild des Benutzers Christoph Mayr
Christoph Mayr 28.11.2020, 19:08

Ein längst überfälliger Beitrag und, wie vom Autor gewohnt, grandios geschrieben.....und bebildert.

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Manfred Gasser 28.11.2020, 21:27

Die grosse Kälte ist schon da. Unsere junge(oder auf jung gemachte?) moderne, ach so aufgekärte Gesellschaft hat vergessen, oder verdrängt, dass wir alle, früher oder später, "todesnahe" Mitbürger sein werden.
Darum sollten wir heute gut überlegen, welche Werte wir der nächsten Generation vorleben, und mitgeben, sonst enden wir mit 70+ nicht mehr im Altersheim,sondern. . . . . . .

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Klemens Riegler 28.11.2020, 23:57

Ein wunderbarer Beitrag, toll geschrieben, mit viel Tiefgang... und sehr Gedankenanregend. Zumindest 99,95% davon, denn ganz zum Schluss heißt es: "... zumindest in Hinblick auf gestohlene Lebenszeit" ... Heute ist es "geschenkte Lebenszeit", denn wir wurden noch nie so alt wie derzeit. Ist nur so ein zusätzlicher "Gedanken".

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Peter Gasser 29.11.2020, 10:33

Danke für diesen Beitrag.
Dazu Eugen Roth, “Zivilcourage”:
.
“Ein Mensch erfährt, dass unsre Zeit
voll sei von Rücksichtslosigkeit.
Doch sieht aus Feigheit, aus bequemer,
er ringsum lauter Rücksichtnehmer.
Die Freiheit geht wohl doch im Grunde
aus solcher Rücksicht vor die Hunde.”

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Oskar Egger 29.11.2020, 10:35

Ich finde den Artikel zwar gut geschrieben, habe auch lange über ihn nachgedacht: finde ihn aber doch äußerst pessimistisch und Angst einflössend. Wenn man z.B. die liebevolle Zuwendung vieler Frauen/Männer gegenüber ihrer alten Eltern betrachtet, finde ich die Schilderungen fast ein Bisschen zynisch. Eine Pandemie, bei der Alle zu verlieren haben mit Szenarien aus der Geschichte zu vergleichen, in denen Generationen Alte geopfert wurden, finde ich doch etwas weit hergeholt. Ich verstehe, dass Notfallmediziner oft ein Schreckenszenarium zu verarbeiten haben, aber von da aus einen so harten Blick auf die gesamte Gesellschaft zu werfen, das rechtfertigt nicht einmal Corona, finde ich.

Garber Elisabeth 29.11.2020, 11:32

Da ist leider gar nichts "weit hergeholt"...@Oskar Egger

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Martin Koellensperger 29.11.2020, 14:10

@OskarEgger Der Notfallmediziner fürchtet um seine Patienten, der alte Mann um sein Leben

Bild des Benutzers Oskar Egger
Oskar Egger 29.11.2020, 19:41

Das ist allerdings sehr wahr!

Bild des Benutzers Maximi Richard
Maximi Richard 09.12.2020, 09:45

Zyniker sind aber letztendlich nur unsympathische Realisten.

Bild des Benutzers Sepp Bacher
Sepp Bacher 29.11.2020, 18:35

Senizid und Gerontozid sind für mich zwei neue Begriffe und die historischen Beispiele kannte ich nicht. Ich finde dieses Thema aber interessant und man muss darüber diskutieren. Langfristig muss sich das gesellschaftliche Bewusstsein verändern.
Unsere westliche Wohlstands-Gesellschaft ist demografisch stark im Ungleichgewicht, was nicht gut ist. Eine Pandemie könnte die Überalterung unserer Gesellschaft ein bisschen reduzieren und die Alterspyramide minimal ins Gleichgewicht bringen. Aber wir lassen es nicht zu.
Ich habe schon vor einem Jahr versucht mit einem Beitrag dieses Thema anzusprechen und aufzuzeigen, dass es auch eine andere Seite gibt und zwar jene, dass es heute kaum noch möglich ist, eines natürlichen Todes zu sterben. Es wird sogar alles getan, dass die Menschen immer Älter werden, trotz der ganzen Probleme, die daraus entstehen.
Es gibt Leute, die hoffen, eines natürlichen Todes z.B. infolge eines Herzinfarkt zu sterben, sie haben kaum eine Chance. Und es gibt auch Menschen, die sich eine aktive Sterbehilfe wünschen. Aber darüber will niemand reden; das Thema ist tabuisiert. Man kann nicht alles tun, um das Leben zu verlängern und nichts dafür tun, um es auf Wunsch auch zu verkürzen oder zu beenden. In der Folge die Links zu zwei Beiträgen, die sie auf diesem Portal finden:
https://www.salto.bz/de/article/31102019/tod-und-sterben-ein-tabu-1
https://www.salto.bz/de/article/23092018/weder-freitod-noch-aktive-sterb...

Bild des Benutzers Werner Beikircher
Werner Beikircher 30.11.2020, 12:52

Danke für Ihren Beitrag. Ist zwar ein bisschen off topic zu meinem Thema, aber im erweiterten Kontext wichtig. Ein wesentlicher Beitrag dazu ist zweifellos die Patientenverfügung. Leider kommen wir in Südtirol damit nur schwer in die Gänge, sie könnte - falls wirklich angekommen in der Bevölkerung - in der prekären Bettensituation der Intensivstationen helfen. Leider ist auch Patientenverfügung und Palliativmedizin nicht in jedem Fall eine Lösung, beim Entschluss eines Bilanz-Freitodes gibt es für die Betroffenen noch keine Alternativen zu Pillen, Strick, Zug oder Brücke.
Darüber nicht mal eine Diskussion zuzulassen, ist nicht nur Zynismus, es ist Sadismus.
Glauben Sie mir, am Bett eines aussichtslosen Patienten zu stehen und nicht alles weiterzumachen, was das Arsenal hergibt (bei nicht bekanntem Patientenwillen), ist die schwierigste Entscheidung überhaupt; sie ist offenbar nicht vorstellbar für alle, die aus sicherer Distanz gerne über die Schläuchemedizin lästern.

Bild des Benutzers Christian I
Christian I 05.12.2020, 17:30

Wie ich in meinem Arbeitsalltag sehen konnte, hat die Patientenverfügung seine grosse Grenzen. Wenn's so weit kommt, überlegt man es sich oft noch ganz anders... wie gross der eigene Überlebenswille ist versteht man erst wenn es so weit ist!

Bild des Benutzers Werner Beikircher
Werner Beikircher 05.12.2020, 18:13

Das ist völlig richtig. Aber genau deswegen kann eine Patientenverfügung jederzeit abgeändert oder widerrufen werden. Sie ist aber dann eine Hilfe, wenn keine Kommunikation mit dem Patienten mehr möglich, der zeitnahe diesbezügliche Patientenwille nicht eruierbar und die Angehörigensituation derart diruptiv ist (Stichwort unaufgearbeitete Konflikte, Erbstreitigkeiten), dass jeder Entscheider froh ist, eine mutmaßliche Grundeinstellung des Patienten berücksichtigen zu können.
Die Patientenverfügung ist ein Quantensprung in der Geschichte der Humanethik.

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Jul Bruno Laner 30.11.2020, 07:43

Enzianwurzelgräber.
Gedanken, klug getrennt und schnell,
Hat Beikircher mit dem Skalpell;
Hat das Problem genau seziert
Das an des Menschen Ethik rührt:
Solln alte Leut aus Essensgründen
Von der Bildfläche verschwinden?
Fehlen uns Robbenfleisch und Brot?
Leiden die Kinder Hungersnot?
Sind wir alle nicht bereit
Zum Aufwand von der Freien Zeit
Unter des Konsumes Trümmern
Uns um die Alten noch zu kümmern?
Wo ist, subtil, der Unterschied
Zwischen Mord und Senizid?
Fragt doch mal die Auto - Streber
Und die Einzianwurzel Gräber.

Bild des Benutzers Werner Beikircher
Werner Beikircher 30.11.2020, 12:31

Ein Danke, lieber Jul, dem edelsten der Barden, Minne - und Bänkelsänger!
Welchen Leps empfiehlst Du mir, um auch nur 10% Deines Esprit zusammenzukriegen?
Alles Gute, bleib gesund!

Bild des Benutzers Seiwert Mario
Seiwert Mario 30.11.2020, 09:56

Was für ein irreführender (und zum Teil reißerischer) Beitrag.

Der Autor scheint sich mit der GBD (Great Barrington Declaration) höchstens peripher auseinander gesetzt zu haben.

Anders kann ich mir kaum vorstellen, wie er herzzerreißende Bilder (Altentötung bei den Inuit, ect.) mit den in der GBD aufgezeigten Lösungswegen in Verbindung bringt.

Es geht in der GBD eben NICHT darum, die Alten von der Klippe zu stürzen, wie der Autor Tränendrüsen drückend herbei metaphert, und es geht auch NICHT um einen „impffreien“ Weg zur Herdenimmunität (im Gegenteil, alle Autoren sind in Impfstoff-Entwicklung involviert).

Es geht lediglich darum, JETZT eine Weg zu finden, damit wir als Gesellschaft wieder funktionieren können.

Und es ist eben so, dass die Krankenhäuser deutlich entlastet würden, wenn „Focussed Protection“ betrieben würde, d.h. wenn ältere Menschen ihre Einkäufe (Lebensmittel, Medikamente) nach Hause geliefert bekämen, wenn Risikopersonen mehr an der frischen Luft und in der Sonne spazieren gingen, statt täglich vor Apotheken und an Supermarktkassen Schlange zu stehen, wenn medizinisches Personal (In KH/Alterheimen) noch öfter (alle 1-2 Tage) getestet würden, usw. (alles Vorschläge der GBD Autoren)…

Das größte Manko des Artikels ist aber (wie üblich bei Kritikern der GBD) ein völliges Fehlen an alternativen Lösungen. Die „Gegenargumente“ das Jon Snow Memorandum sind nichts anderes, als der erste Teil des Wortes: Gegen. Aber die Frage ist, was sonst?

Irgend etwas MUSS geschehen.

Denn, Herr Beikircher, was ist mit den vereinsamten Kindern, was mit der Perspektivlosigkeit bei Jugendlichen, was mit den Abertausenden Unternehmern (und ihren Familien), die Lockdown-bedingt Konkurs angemeldet habe (und werden, wenn die staatlichen Schutzmechanismen ablaufen)? Was mit dem Anstieg an Angst, Depression, häuslicher Gewalt?

Dass ältere Menschen (insbesondere mit Vorerkrankungen) besonders gefährdet sind, haben wir uns nicht als Gesellschaft so ausgesucht. Das hat das Virus ganz allein so entschieden.

Was soll sonst die Lösung sein, als Schüler und Studenten wieder ein normales Leben leben zu lassen, und die Wirtschaft funktionieren zu lassen wie sie soll - und wie es die Gesellschaft braucht, und ältere Menschen mit besonderen Maßnahmen zu schützen und zu pflegen?

Ich glaube der Alte der Inuit hätte die GBD gerne unterschrieben.

Garber Elisabeth 30.11.2020, 12:54

Brüderle-TV, Servus-TV und Corona-Ausschuss? @Seiwert Mario

Bild des Benutzers Seiwert Mario
Seiwert Mario 01.12.2020, 08:44

Herz & Hausverstand, Wissenschaft und Verhältnismässigkeit! @Elisabeth Garber

Bild des Benutzers Maximi Richard
Maximi Richard 09.12.2020, 09:56

Ich möchte wissen wer sich alle zwei Tage einen Abstrich machen lässt, außer eventuell gegen Entschädigung.

Bild des Benutzers Seiwert Mario
Seiwert Mario 16.12.2020, 12:30

Ich möchte wissen, wer das nächste Mal wochenlang seine Firma, Betrieb, Fitnessstudio, Salon, Restaurant, Café usw. schliesst, "außer eventuell gegen Entschädigung."

Bild des Benutzers Peter Gasser
Peter Gasser 11.01.2021, 12:28

Je weiter die Zeit fortschreitet, umso aktueller erscheint dieser Beitrag.
(In Schweden hat sich der König beim Volk für den “falschen Weg” entschuldigt, der verantwortliche Chefepidemiologe ist enthoben, Grossbritannien versinkt im langen und harten Lockdown in epidemiologischer Dunkelheit).

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