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Schule

Vorweihnachtliche Improvisation

Weil die Politik mit der Schulöffnung vor Weihnachten unbedingt die Wähler beeindrucken will, hat man bis zum allerletzten Moment ein absurdes Krippenspiel aufgeführt.
Kolumne von
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Christoph Franceschini14.12.2020
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Die Zustände sind absurd.
Am Sonntagvormittag verschickt die Bildungsdirektion eine Rundmail an die Direktoren. Es ist ein Schreiben, das den Schulführungskräften, dem Lehrpersonal und Tausenden von Schülerinnen und Schülern endlich Klarheit darüber verschafft, was sie 20 Stunden später tun müssen.
Es sind einige wenige lapidare Sätze, die an diesem schulfreien Sonntag von Bildungsdirektor Gustav Tschenett und Landeschuldirektorin Sigrun Falkensteiner verschickt werden.
 
„Nachdem das Unterrichtsministerium zwar grünes Licht für eine Öffnung der Schulen der Oberstufe vor Weihnachten gegeben hätte, das Gesundheitsministerium dazu trotz zahlreicher Bemühungen aber keine Rückmeldung gibt, bleiben die Schulen der Oberstufe weiterhin im Fernunterricht, mit Ausnahmen laut dem letzten Rundschreiben aus den 3 Bildungsdirektionen.“
 
Am frühen Sonntagnachmittag erhalten dann auch die Eltern und die Schülerinnen und Schüler endlich die Information, dass der Fernunterricht bis zu den Weihnachtsferien fortgesetzt wird.
In welcher Form ab dem 7. Jänner 2021 der Unterricht fortgesetzt wird, ist im Moment noch unklar, da offen ist, ob Südtirol auch hier wieder versuchen wird, einen Sonderweg zu gehen oder nicht“, heißt es im Schreiben.
Da das Gesundheitsministerium  trotz zahlreicher Bemühungen keine Rückmeldung gibt, bleiben die Schulen der Oberstufe weiterhin im Fernunterricht.
Seit Wochen redet man davon, dass man an den Südtiroler Oberschulen mit 14. Dezember den Präsenzunterricht wieder aufnehmen möchte. Weil die Elternverbände Druck machen, haben Südtiroler Bildungspolitiker klare Zusagen in dieser Richtung gemacht.
Doch bis Sonntag wusste niemand etwas Genaues. Es gab keine klare Dienstanweisung. Südtirols Schulen und Lehrpersonal stehen seit Tagen stand by. Während man in der Politik und in der Öffentlichkeit über eine mögliche Rückkehr in die Schule debattierte, mussten die Lehrpersonen den Online-Unterricht für die kommende Woche vorbereiten. Ohne zu wissen, ob es diesen noch geben wird oder nicht.
Dabei kritisieren Schulführungskräfte, Lehrpersonen oder auch Heimleiter seit längerem offen, dass eine Öffnung ohne klaren Vorlauf kaum sinnvoll sei (man bedenke die Schwierigkeiten etwa für die Heimschüler). Vor allem aber würde diese vollkommene Unsicherheit in der Planung den Bildungsauftrag der Schulen nachhaltig gefährden.
Die Landespolitik scheint sich davon nicht beeindrucken zu lassen, denn man hielt anscheinend bis zum allerletzten Moment an dem Vorhaben fest. Laut der offiziellen Information sei die Umsetzung nur an der noch ausstehenden Antwort des römischen Gesundheitsministeriums gescheitert. Hätte Rom demnach am Samstag Ja gesagt, hätten Schüler und Lehrer am Sonntag erfahren, dass sie am Montagfrüh in der Schule zu erscheinen haben.
Die Schulöffnung vor Weihnachten wäre als Propagandashow für die Politik vielleicht sinnvoll gewesen, für die Schülerinnen und Schüler wohl kaum.
Die Öffnung der Oberschulen vor Weihnachten war anscheinend der Politik so wichtig, dass man alle organisatorischen und pädagogischen Bedenken beiseite schieben wollte. Dabei zeigt sich auf den ersten Blick, welche Schnapsidee man hier ausgebrütet hat.
Durch die Corona-Maßnahmen dürfen nicht alle Schüler gleichzeitig in die Schule. Demnach hat die halbe Klasse eine Woche Fernunterricht, während die andere halbe Klasse in die Schule kommt. (In vielen Schule ist die Teilung auch anders organisiert). Jene Schüler, die in der kommenden Woche im Fernunterricht gewesen wären, hätte dann genau für drei Tage Präsenzunterricht gehabt, bevor die Weihnachtsferien beginnen.
Sinnvoll?
Vielleicht als Propagandashow für die Politik.
Für die Schülerinnen und Schüler wohl kaum.

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Kommentare

Bild des Benutzers Sebastian Felderer
Sebastian Felderer 14.12.2020, 07:58

Corona ist fast wie Krieg. Gut aber, dass es kein Krieg ist. Mit solchen Politikern und Führungskräften würden wir jeden Krieg verlieren. Aber schon Covid ist schlimm genug und wird durch solche "Spielchen" auf dem Rücken der Betroffenen einfach unerträglich. Ich denke, die Quittung dafür wird erst ausgestellt. Und es ist gut so.

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G. P. 14.12.2020, 09:39

Unbedingt die Wähler beeindrucken? Mir ist nicht bekannt, dass Wahlen anstehen. Und länger als maximal drei, vier Wochen erinnert sich der Wähler sowieso nicht zurück ...

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Harry Dierstein 14.12.2020, 10:31

Alfreider wurde letzte Woche mit der Aussage zitiert, dass er fünf Arbeitstage (!) bräuchte, um den Schülertransport wieder hochzufahren und Achammer schwurbelt noch letzten Freitag über eine Schulöffnung am heutigen Montag und das Duo Tschnett/Falekensteiner verschickte gestern dieses sinnlose E-Mail.
Ein totaler Dilettanten-Stadl.

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Ulrike Tschugguel 14.12.2020, 10:32

Ein sehr guter Kommentar und mir total aus der Seele gesprochen. Die Politiker sind zu Marionetten geworden und nicht imstande eigenständige, gut durchdachte Lösungen vorzuschlagen. Politiker mit Rückgrat und vernünftigen Entscheidungen bleiben wahrscheinlich Wunschdenken.

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Florian Hinteregger 14.12.2020, 11:11

LR Achammer verunsichert mit seinen Aussagen das ganze Land und das nicht zum ersten Mal. Leider hat er in der Bildungspolitik noch nichts Herzeigbares geleistet. Leere Kampfansagen ohne ein wirkliches Interesse was zu verändern. Verwunderlich nur, dass er selbst nicht versteht, wie unprofessionell und unseriös er auf die Bevölkerung wirkt. Möchte sich gerne als Macher positionieren und erreicht das genaue Gegenteil. Ob es um die geforderten Konsequenzen nach dem 600€ Skandal oder um die Schulöffnung geht, das Muster ist immer das Gleiche. Medienwirksam auf den Tisch klopfen und dabei gar nichts erreichen.

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Nössing Norbert 14.12.2020, 12:24

Lieber Herr Franceschini,
vielen herzlichen Dank für diesen Artikel! Endlich wieder mal was zur Oberschule. Und ich habe schon geglaubt, man hat sie abgeschafft.
Das, was unsere Jugendlichen denken und fühlen, interessiert sowieso niemanden.....
Da tickt aber eine gewaltige Zeitbombe.....tick, tick, tick....
Aber wir sind ja auf dem richtigen Kurs....mit solchen Kapitänen am Steuer kein Wunder....

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Fabio Marcotto 14.12.2020, 16:05

Il giochetto del furbetto. Esige di riaprire le scuole il 14, pur sapendo che è tecnicamente impossibile e didatticamente insensato. Si erge a paladino delle scuole, dopo avere ignorato insegnanti, proteste, boicottato la Carta del docente, silurato il bonus...Chiaramente è Roma responsabile di tutto. I lettori (e gli elettori) non sono tutti coglioni

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S. Bernhard 14.12.2020, 16:22

Da sieht man mal wieder die Prioritäten in Süd..ääh...Sauftirol? Dorfbars offen, wo sich augenscheinlich niemand um Masken, Abstände schert, Schulen zu. Anscheinend ist es wichtiger sich die paar übriggebliebenen Gehirnzellen wegzusaufen, anstatt was zu lernen. Hauptsache die härteste Droge fließt wieder in Strömen, dann ist im Schein-"heiligen" Land wieder alles in Ordnung.

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Manfred Gasser 14.12.2020, 20:09

Ich habe mal gehört, dass es auch viele Menschen gibt, die ins Dorfgasthaus gehen, um einen Café, oder einen Tee zu trinken, die Zeitung zu lesen, oder einfach ein wenig zu ratschen. Und Sie werden es nicht glauben(wollen), aber viele tragen sogar noch eine Maske!
Ich würde mal sagen, Ihre Verallgemeinerungen sind einfach nur dumm, oder besser, typisch.

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S. Bernhard 15.12.2020, 07:55

Den Spiegel vorgehalten zu bekommen ist nun mal nicht fein. In 90% der Fälle ist es leider nun mal so, dass auf die Regeln gepfiffen wird, wenn ein halbes Bier konsumiert wurde. Sperrstunde 18 Uhr? Fehlanzeige! Zur Genüge beobachtet. Wie gesagt, jedes Volk hat nun mal andere Prioritäten. Ist ja auch in Ordnung, in einem Saufland wird nun mal gesoffen.

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Manfred Gasser 15.12.2020, 13:15

Das stimmt so zum Glück nicht! Bei den meisten wird es erst nach dem 7. Bier kritisch. ;-)

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Thomas Strobl 14.12.2020, 19:28

Irgendjemand sollte Landesrat Achammer darüber in Kenntnis setzen, dass der Welpenschutz für ihn endgültig passé ist. Sehr lange Zeit gab sich das diesbezüglich nicht eben verwöhnte Publikum damit zufrieden, dass dieser ambitionierte junge Mann so schön reden kann: Ein richtiger Hans-Dampf in allen Gassen! Der Lorbeer der frühen Jahre ist aber längst verdorrt, geblieben ist viel heiße Luft und das verlässliche Schlagzeilen-Geklapper seiner Claqueure an der Druckerpresse. Schwierige Zeiten lassen solchen Luftnummern jedoch wie Soufflés implodieren - nicht zum ersten Mal zeigt sich, dass die Pandemie die herrschenden Verhältnisse gnadenlos ans Licht bringt: Seriöse, überlegte, auch selbst-kritische Handlungsweisen scheidet sie klar von reflexhaft lancierten aktionistischen Blendgranaten, die vor allem der Selbstvermarktung dienen und machtpolitische Spielchen regeln sollen. Und vielleicht wirkt die Krise tatsächlich auch als Anlass zur Selbsterkenntnis und Einsicht, dass es nicht der erstrebenswerteste Lohn allen Ehrgeizes sein kann, als Philipp der Wortreiche in die Annalen einzugehen, sondern dass es vielmehr deutlich verdienstvoller ist, beständig und verlässlich, um- und weitsichtig seiner sicher nicht einfachen Arbeit nachzugehen - in steter Bemühung um das Wohl aller...

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Harry Dierstein 14.12.2020, 22:21

Ein Kommentar vom Allerfeinsten von Thomas Strobl. Den liest man auch gerne dreimal durch und erfreut sich an den vorzüglichen Formulierungen.

Leider bin ich pessimistischer als der Verfasser des Kommentars und glaube, dass das Konzept Achammer funktionieren wird, weil er ja keine Wahl hat und die Südtiroler Rechtsaußen Kompatscher loswerden wollen.

Achammer hat nur einen "Plan A", nämlich mit Hilfe von Ebners Athesia Politik zu machen und seinen Sessel zu sichern, denn einen Beruf hat er ja nicht.
(Miss Südtirol samt Zett sind zudem auch nur Mittel zum Zweck).

Sie werden sehen, das funktioniert!
Ich suche mir schon einmal eine Bleibe in Rom und wandere aus....

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G. P. 15.12.2020, 19:54

Ja, genau so wird's am Ende sein. Bin eigentlich nie ihrer Meinung, diesmal aber schon. :-)

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Silke Raffeiner 14.12.2020, 22:48

Ich möchte daran erinnern, dass die Öffnung der Oberschulen ursprünglich schon für den 9. Dezember (so gut wie) angekündigt worden war, doch diesen Termin ließ man sang- und klanglos verstreichen.
Dass noch immer nicht bekannt gegeben wird, ab welchem Datum und in welchem Ausmaß der Präsenzunterricht an den Oberschulen wieder aufgenommen wird, ist einfach unsäglich. Das unkoordinierte, plan- und perspektivenlose Vorgehen ist eine Zumutung für alle Lernenden und Lehrenden an den Oberschulen. Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass es Landesrat Achammer in den letzten Tagen in erster Linie darum ging, sich zu profilieren.

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Toni Schgaguler 16.12.2020, 08:16

Wenn man die, sehr diplomatisch gehaltenen Aussagen der Schulverantwortlichen im Fernsehen mitverfolgt hat, dann war wohl allen klar, dass ein so kurzfristig angesetzter Präsenzunterricht eher keinen Sinn macht. Aber anscheinend kommuniziert der LR mit den Direktor*innen nicht oder will sich bewusst darüber hinwegsetzen!

Bild des Benutzers Karl Trojer
Karl Trojer 05.01.2021, 10:20

Wie hätte wohl das Theater ausgesehen, wenn all die entrüsteten Kritiker der "unfähigen" Politiker die gestressten Bürger aus diesem Corona-Eiertanz hätten führen müssen... ?

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