Wirtschaft | Eisacktal

Die Mission der Tüftler

Wie sechs Unternehmen beweisen wollen, dass Südtirol “mehr als nur Tourismusland ist”.
Leuchtturm
Foto: Pixabay

“Südtirol ist mehr als nur ein Tourismusland.” Die sechs Unternehmer treten selbstbewusst auf – zurecht. Alupress, ACS Infominds, Barbieri Electronic, Duka, Microtec und Progress sind allesamt international erfolgreiche Betriebe. Und noch etwas haben sie gemein: den Standort im Eisacktal. Im “Tal der Tüftler”, wie sie ihren Heimatbezirk bezeichnen, haben die Sechs ein Netzwerk für Standortentwicklung gegründet: “InnoValley”.

 

Gemeinsam Herausforderungen angehen

 

Am Anfang stand der Fachkräftemangel, der die sechs Unternehmen beschäftigte und zum Zusammenschluss bewegte. Das Rennen um die schlauesten Köpfe wurde der gemeinsame Treiber, das Hauptziel: den Wirtschaftsraum Eisacktal und damit auch Südtirol als attraktiven Wirtschafts- und Arbeitsstandort mit all seinen Besonderheiten sichtbarer zu machen, zu stärken und dadurch gut ausgebildete Menschen als Arbeitnehmer zu gewinnen.

“Der Fachkräftemangel und der daraus resultierende, stark spürbare Wettbewerb der europäischen Regionen auf dem internationalen Arbeitsmarkt übt auch auf heimische Unternehmen zunehmend Druck aus”, fasst Wolfgang Knollseisen zusammen. Dabei biete Südtirol gar einiges, ist der Geschäftsführer der Alupress AG und Präsident des Netzwerks InnoValley überzeugt: “Es gilt, die einzigartige Verbindung aus Wohn- und Freizeitraum mit all seinen vertrauten landschaftlichen und kulturellen Vorzügen und der Attraktivität der Arbeitsplätze innovativer Arbeitgeber, die auf dem Weltmarkt tätig sind, zu nutzen – ein Potential, aus dem in dieser Form nicht viele Standorte in Europa schöpfen können.”

 

Was das Eisacktal kann

 

Tätig ist das Netzwerk InnoValley bereits seit einigen Jahren. Im Spätsommer 2016 bekundeten eine Reihe von Eisacktaler Betriebe Interesse, eine Initiative zur Standortentwicklung zu starten – von Unternehmen für Unternehmen. In einem Prozess der Selbstanalyse kam man zur Erkenntnis, “dass die Leidenschaft zu Technik und Technologie gepaart mit der Attitüde zum Tüftlertum das Unternehmertum im Eisacktal auszeichnen”, heißt es von den sechs Unternehmen, die sich in InnoValley zusammengetan haben.

Ein Projekt, das heuer realisiert wurde, ist Covision Lab – ein Konsortium, in dem sich Technologieunternehmen aus dem Eisacktal und darüber hinaus zusammengeschlossen haben, um Kompetenzen zu bündeln. Forscher und Ingenieure aus den Bereichen Computer Vision, künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen arbeiten zusammen, “um künftig Herausforderungen für eine Vielzahl von Branchen zu lösen”, erklärt der Präsident des Unternehmerverbandes Südtirol Federico Giudiceandrea, Inhaber von Microtec und Mitbegründer von Covision Lab und InnoValley.

 

“InnoValley Eisacktal begreift Covision Lab als seinen ‘Leuchtturm’”, erklärt Wolfgang Knollseisen. “Seine Strahlkraft im Bereich der angewandten Forschung und Spitzentechnologie soll dem Wirtschaftsstandort internationale Sichtbarkeit geben. Die ersten Erfolge zeichnen sich bereits ab: Bei nur drei ausgeschriebenen Stellenangeboten in diesem Bereich gingen über 300 Bewerbungen aus aller Welt ein.”

 

Leuchtturmfunktion verstärken

 

Seit Kurzem ist die Initiative, die bisher rein ehrenamtlich betrieben wurde, ein Programm mit eigener Rechtsform. Dazu heißt es in einer Aussendung: “Nachdem 2020 alle angebahnten Projekte von InnoValley eine Tiefe erreicht haben, wurde es unerlässlich, rund um das Kernteam herum Personalstrukturen aufzubauen und diese in einer entsprechenden Gesellschaftsform abzubilden. Das ‘GO!’ zu diesem wichtigsten Schritt hinsichtlich der Weiterführung von InnoValley als künftige Arbeitgebermarke ist mit 29. Oktober 2020 mit der Gründung als Unternehmensnetzwerk (rete soggetto) erfolgt.”

 

Die nächsten Projekte sind bereits abgesteckt: im Eisacktal soll ein “Campus InnoValley” entstehen – die Vorauswahl der Standorte ist abgeschlossen –, und die technische Ausbildung junger Menschen soll forciert werden. “Gespräche zur Entwicklung der Technischen Fachoberschule (TFO) in Brixen und der Landesberufsschule Tschuggmall in Richtung ‘Höhere Technische Fachschule’ im landesweiten Kontext sind angelaufen”, berichtet der Geschäftsführer von InnoValley, Michael Reifer.