Umwelt | Pestizide

Pestizidrückstände auf Kinderspielplätzen

Bei Umweltschützern schrillen die Alarmglocken. Mixturen von bis zu sieben unterschiedlichen Schadstoffen aus Proben von Biotopen, Fahrradwegen und Kinderspielplätzen.

Im Mai diesen Jahres führte die Umweltschutzgruppe Vinschgau eine unabhängige Untersuchung zu Pestizidrückständen in den Gemeinden Schluderns, Prad am Stilfserjoch, Laas, Latsch und Naturns durch. Dabei wurden unterschiedliche Wasser- und Grasproben aus Biotopen, von Kinderspielplätzen und Sportanlagen entnommen und zur Analyse an die Prüf- und Inspektionsstelle LVA GmbH in Wien geschickt.

Der schockierende Befund: In allen Proben wurde eine Mixtur aus unterschiedlichen Gefahrenstoffen nachgewiesen.  So konnten Rückstände von Substanzen mit der Risikokennzeichnung R40, R42 und R43 entdeckt werden und das genau an jenen Orten, wo sie eigentlich nichts zu suchen haben. Nämlich auf Kinderspielplätzen und Sportanlagen. Darunter waren auch giftige Stoffe wie Captan, Boscalid oder Quinoxyfen. Einige von ihnen stehen in Verdacht Krebserkrankungen zu begünstigen. Zur Interpretation der Daten beauftragte  die Umweltschutzgruppe Vinschgau den Umweltmediziner und Biochemiker Werner Wurtscher von der österreichischen Umweltschutzorganisation Global 2000. Dieser bekräftigte, dass sich die Subtanzen nur dann als Rückstände in Gras- und Wasserproben absetzen können, wenn  sie sich vorher in der Atemluft befanden.

Seit dem Beschluss der Landesregierung Nr. 817  vom 1. Juli sind die Gemeinden dazu verpflichtet, das  Abdriften dieser schädlichen Pestizide auf sensible Zonen des öffentlichen Raums zu verhindern. Die Umweltschutzgruppe Vinschgau wandte sich deshalb schriftlich an die verantwortliche Bürgermeistern der betroffenen Gemeinden, um sich darüber zu informieren, welche Maßnahmen nun getroffen werden, damit solche Vorfälle in Zukunft verhindert werden. Bis jetzt gab es jedoch noch keine konkrete Antwort.

Auf Nachfrage von Salto.bz stellte der Präsident der Bezirksgemeinschaft Vinschgau Andreas Tappeiner  die Vorgehensweise der Umweltschutzgruppe allerdings in  Frage. Die Gras- und Wasserproben wurden der Bezirksgemeinschaft nicht vorgelegt und es wurde ihnen nicht mitgeteilt, in welchem Ausmaß die Rückstände festzustellen waren. Außerdem entfiel der Zeitraum an dem diese entnommen wurden noch vor dem Inkrafttreten der neuen Rahmenrichtlinien. Die Bezirksgemeinschaft werde die Umweltschutzgruppe dazu einladen, gemeinsam mit ihr eine erneute Untersuchung diesbezüglich durchzuführen. Sollte sich tatsächlich herausstellen, dass die schädliche Substanz im erhöhten Werten festzustellen sind, wollen die Gemeinden darauf reagieren.

Insgesamt, so die Bezirksgemeinschaft, sei die Rechtslage diesbezüglich aber noch sehr ungenau. So ist unklar, in welchem Abstand zu sensiblen Zonen der Einsatz der gefährlichen Substanzen untersagt ist. Die konkreten Vorgehensweisen werde den Bürgermeistern vom Gesetzgeber erst ab Oktober diesen Jahres Mitgeteilt.

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Mensch Ärgerdi… Fr., 08.08.2014 - 18:21

Ich spiele wieder mal des Teufels Anwalt:
"die Subtanzen nur dann als Rückstände in Gras- und Wasserproben absetzen können, wenn sie sich vorher in der Atemluft befanden"
1. Es sind SubStanzen, sonst handelt es sich wahrscheinlich um Unterwassertänzerinnen
2. Ist das nicht zwangsläufig so? Wie sollen die Substanzen sonst dort hinkommen, durch heilige Erscheinung?
3. Eine Angabe zur Menge der aufgefundenen Substanzen wäre wirklich mehr als angebracht, überhaupt wenn man mit Wörtern wie "schockierend" den Artikel öffnet...

Fr., 08.08.2014 - 18:21 Permalink
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Oskar Egger Fr., 08.08.2014 - 19:55

Die Landesregierung bastelt an Massnahmen: den privaten Gartenbesitzern soll auf die Finger geschaut werden. Damit ist das Problem gelöst!

Fr., 08.08.2014 - 19:55 Permalink
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DervomBerge Tratzer So., 10.08.2014 - 19:58

Der Bauernbund hat letzten Herbst behauptet, dass die Proben der Umweltschutzgruppe unsachgemäß gemacht wurden. Das Amt für Umweltmedizin hat selbst Proben gezogen und natürlich keine Rückstände gefunden. Daraufhin habe ich mir vom zuständigen Amt die Daten schicken lassen. Diese haben sie mir nur sehr wiederwillig ausgehändigt, aber dann doch. Die Proben waren aber äußerst unwissenschaftlich, keinerlei Angaben über Menge, DatumUhrzeit, Probenlokalisation, Tiefe der Entnahme, Anwesende Personen bei der Entnahme, keine Angabe darüber ob Gras oder Boden untersucht wurde. . . .

So., 10.08.2014 - 19:58 Permalink