Politics | Anello Dolomiti

Dolomiten-Flirt mit Ring

Nachdem Arno Kompatscher und Luca Zaia sich jetzt beide positiv über die Neuerschließung der Bahnstrecke Toblach-Cortina-Calalzo geäußert haben...

Strampelt man pedales (im Sinne des geldspendenden Interregs) von Lienz kommend ab Toblach ins Höhlensteinstal, betritt man nicht nur den Zauber der bleichen Berge, sondern erschließt dabei auch einen historischen Pfad. Interreg sei Dank ist die Trasse der ehemaligen Dolomitenbahn als Radweg ausgebaut worden.

Quelle: radtouren-atlas.de

Über alte Schmalspur-Brücken, vorbei an schönen Seen geht’s mühsig aufwärts durch beleuchtete Tunnels, zwischen berühmten Gipfeln bis dann irgendwann beim Gemärk Isaac Newtons Gravitation greift und die Höhenmeter mit dem Fahrtwind verfliegen, ohne dass man die Sprachengrenze zwischem dem Ladinischen und Italienischen punktgenau festmachen konnte.

Wie halt jede Bahnstrecke wurde auch diese für die Schrecken des Ersten Weltkriegs gebaut. Von Niederdorf her von K.K.-Truppen, von Calalzo her von den Italienern – bis letzterer Niederlage zu Caporetto den Frontverlauf dem Piave entlang bis irgendwo bei Valdobbiadene verschob. Die Lücke bei Cortina war alsbald geschlossen. Bis Calalzo bald umgespurt. Die Feldbahn diente.

Quelle: Nuovo Cadore

Für den Zivilbetrieb wurde 1921 die Spur erneut verbreitert und die Trasse an den Toblacher Bahnhof angeschlossen. Mit den Normalspurbahnen im Pustertal und südlich von Calalzo blieb das Rollmaterial zwar inkompatibel, wurde dafür aber bereits 1929 mit Gleichspannung elektrifiziert. (Die Pustertalstrecke hingegen erst in der 1980er Jahren, die Strecken Calalzo-Belluno und weiter bis heute nicht.)

Wem Muse gegeben, der vermochte auf der 65 Kilometer langen Strecke für gute zwei Stunden die Dolomiten genießen. Um eine Haar hätte die Modernisierung zu den Olympischen Winterspielen 1956 die Normalspurbreite gebracht. Aber dann kam das Schmalspurschicksal, das im Automobilzeitalter in einem dünn besiedelten Gebiet kommen musste. 1962 wurde der seit jeher weniger frequentierte Nordteil stillgelegt. Zwei Jahre später auch der durch doch dichter besiedeltes Gebiet führende Südteil.

Natürlich können Radfahren auch südlich noch von Calalzo auf neu erschlossenen Pisten den Langen Weg der Dolomiten fortsetzen. Es soll angeblich gar ganz Verrückte geben, die durch Valbelluna und Valsugana bis nach Trient radeln - ganz friedfertig neben dieselbetriebenen, einspurigen Bahngleisen. Nur ab Feltre verliert man kurz dessen Begleitung: Die Bahn kratzt in Richtung besagtem Valdobbiadene die Kurve. Will man nicht lebensmüde durch den San-Vito-Tunnel, steht ab Arsiè noch einmal eine Bergstrecke namens Scala an.


Quelle: Wikipedia

Endlich in der Valsugana steht man dann plötzlich am völlig überdimensionerten Bahnhof  von Primolano, jener Ortschaft diesseits der Brentaschlucht, die exklavenmäßig zur Gemeinde Cismon del Grappa jenseits der Schlucht gehört. Ja, bei seiner Erbauung war der Bahnhof von Primolano halt noch ein stolzer, internationaler Grenzbahnhof. Heute stellt sich bei dessen Betrachtung unweigerlich die Frage, warum die Valsuganabahn eigentlich einspurig und immer noch nicht elektrifiziert ist und warum nicht auch eine San-Vito-Röhre für die Eisenbahn getrieben wurde. Irgendwie fehlt da eine logische Lebensader zwischen dem Trentino und dem Bellunesischen.

Diese Frage stellten sich schon viele. Das Reizwort heißt Anello delle Dolomiti, also eine geschlossenen Bahnstrecke von Belluno nach Trient, und über Bozen, Brixen, Bruneck, Toblach und Calalzo wieder zurück. Etwa die Strecke, die Radler als Gran Tour Cicloturstico bezeichnen, nur halt als Eisenbahn. Inklusive Wiederbelebung der Dolomitenbahn, inklusive Röhre bei San Vito und natürlich inklusive der Elektrifizierung der restlichen Strecke. Ein FLIRT zur Regionalerschließung. Dabei ist die Finanzierung wenigstens der Dolomitenbahn gar nicht so abwegig. Interreg und der Grenzgemeindenfond stehen bereit und zur Skiweltmeisterschaft 2021 muss rund um Cortina sowieso investiert werden. Luca Zaia würde auch der Finanziaria Veneto Sviluppo in die Taschen greifen. Überetscher dürfen an dieser Stelle erblassen.

Beschreibung

Anello Dolomitico

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Die Frage nach dem Warum ist freilich eine politische. Wie berichtet gibt es im Veneto Strömungen, die in den Alpen nur Verkehrshindernisse sehen. Alemagna und Supervalsugana sind noch lange nicht endgültig zu Grabe getragen. Die Valdastico Nord sowieso nicht. 380kV Hochspannungstrassen der Terna stehen auch auf dem Programm. Allerdings gibt es im Bellunesischen auch Strömungen, die für Erhalt von Landschaft, Natur, Kultur und vor allem gegen die Abwanderung aus den Tälern stemmen. Konsequenterweise ist dies die selbe Szene, die auch die Nähe zu Südtirol und Trentino sucht.

So gibt es auch innerhalb der Confindustria nicht nur Alemagna-Befürworter, sondern auch aktive Unterstützer der Dolomitenbahn, die schon vor ein paar Jahren das Thema systematischer erschlossen hatten. Auch hatten einige BARD-Veteranen ein eigenes Komitee gegründet. Bei einem Treffen neulich mit dem M5S-Parlamentarier Frederico d’Incà einigte man sich auf die Formel:

L’autostrada non porta da nessuna parte, il treno ci porta nel futuro del turismo.

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Benno Kusstatscher Tue, 09/08/2015 - 00:43

Hallo Salto-Technik, solltet Ihr das mitlesen: Ich kann meine zahlreichen Tipp- und Rechtschreibfehler nicht ausbessern, weil der Editor den Hauptext nicht lädt. Außerdem muss mir ja die neue Formatierung der Bildunterschriften nicht gefallen, vor allem dann nicht, wenn sie den nächsten Absatz gleich mit formatiert. Viel Erfolg noch.

Tue, 09/08/2015 - 00:43 Permalink