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Denkmal

Eine Schar von Schützern

Appelle für den Erhalt des Hotel Post kommen aus immer kurioseren Kreisen. Und das Kuratorium für technische Kulturgüter fordert den Denkmalschutz zu überdenken.
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Der Kunstkritiker Vittorio Sgarbi, der Kunsthistoriker und Pustertal-Liebhaber Francesco Vincenti, Süd-Tiroler Freiheit und CasaPound: Es ist eine seltsame Front, die sich um die Forderung schart, das Hotel Post in Toblach zu erhalten. Und auch das Kuratorium für technische Kulturgüter lanciert einen – neuen – Appell.

Extrem einig

Über 3.000 Unterschriften hat die Online-Petition, die der Kunsthistoriker aus Bologna, Francesco Vincenti ins Leben gerufen hat, inzwischen erreicht. Damit fordert Vincenti, dass das Hotel Post im Ortskern von Toblach nicht abgerissen, sondern renoviert und restauriert wird. Wie berichtet soll das Gebäude, das nach dem Ersten Weltkrieg erbaut wurde, abgebrochen und neu errichtet werden. Zum Missfallen vieler, die nun ihre Stimme erheben. So wie Bernhard Zimmerhofer. Der Pusterer Landtagsabgeordnete der Süd-Tiroler Freiheit zeigt sich in einer Pressemitteilung verwundert, dass es vor allem italienische Urlaubsgäste sind, die sich mit der Online-Petition für den Erhalt des Hotel Post einsetzen. “Anscheinend sind wir schon soweit, dass sich die italienischen Mitbürger für den Erhalt unserer Tiroler Kulturgüter einsetzen müssen, während sich die Landesregierung mit viel Steuergeld lieber für die Aufhübschung faschistischer Relikte einsetzt!”, schreibt Zimmerhofer.

Hotel Post

Das Hotel Post in Toblach: Appelle aus verschiedensten Richtungen

Einer dieser “italienischen Mitbürger”, der sich an der “Aufhübschung faschistischer Relikte” gar nicht stößt, ist Andrea Bonazza. Doch auch er, der regionale Koordinator der neofaschistischen CasaPound, streckt seine Fühler bis nach Toblach aus. Und versucht sich als Denkmal- und Heimatschützer. Als Südtiroler Heimatschützer wohlgemerkt – von wegen “Prima gli italiani!”. Aber wenn die “Faschisten des 3. Jahrtausends” eine Chance wittern, sind sie flexibel.
Wie Zimmerhofer bezeichnet auch Bonazza das Hotel Post als “Kulturgut”. Allerdings nicht als “Tiroler”, sondern “unser aller”. Bonazza lässt sich – ebenfalls in einer Pressemitteilung – auf deutsch zitieren: Es sei “das italienische Reich” gewesen, das das Hotel Post nach Kriegsende neu aufgebaut habe, damit es “in neuer Schönheit” habe glänzen können – “wenn auch in einem österreichisch-ungarischen Baustil”. Heute hingegen, hätten “blinde, geldgierige Talebanen (sic!) die Absicht, die Schönheit dieses Landes zu vernichten”.

Wen er damit meint, verrät Bonazza nicht. Für Zimmerhofer ist hingegen klar, wo der Schuldige zu suchen ist: Es sei die Landesregierung, die am Zug sei und nicht tatenlos zusehen dürfe, wie das Hotel Post abgerissen wird.

Denkmalschutz überdenken

Einen Appell an die Landesregierung richtet auch das Kuratorium für technische Kulturgüter. Ein vermutlich letztes Mal melden sich die Verfechter der Negrelli-Halle in der Sache zu Wort. Das Verwaltungsgericht hat am Dienstag (28. November) grünes Licht für den Abriss der Halle am Bozner Bahnhofsareal gegeben. Der Einsatz des Kuratoriums und seiner Mitstreiter für den Erhalt war vergebens gewesen. In einem langen Schreiben bedankt sich das Kuratorium den Bürgern, Vereinen und Initiativen, die sich für die Negrelli-Halle eingesetzt haben. Und bedauert erwartungsgemäß die Entscheidung der Verwaltungsrichter, die Abrissgenehmigung nicht zu annullieren.

Im Urteil sei festgehalten, “dass in Südtirol das Land und nicht der Staat für den Schutz von Gebäuden – auch wenn sie seit über 70 Jahren in öffentlichem Besitz sind – zuständig ist”, schreibt das Kuratorium und fordert die Landesregierung eindrücklich auf, zu handeln. Denn die Bestimmungen in Sachen Denkmalschutz in Südtirol seien “willkürlich”: “Ob ein Bauwerk als schutzwürdig bestimmt wird oder nicht, liegt im Ermessen der Landesregierung, egal was das zuständige Amt für Denkmalpflege vorschlägt. Wenn man aber bewusst die Fristen verstreichen lässt, wie im Falle Negrelli-Halle, adé Schutzwirkung: Der Weg ist automatisch frei für den Abbruch. Autonom ist gut, aber müssen wir deshalb mit schlechtem Beispiel vorangehen? Wenn also eine Lehre aus diesem Rekurs zu ziehen ist, dann folgende: Die willkürlichen Bestimmungen in Sachen Denkmalschutz sind schleunigst abzuschaffen!”

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