Rohrer, Madeleine
Dachverband
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Tourismus

„Wir müssen eine Grenze ziehen“

Während die Gemeindevertreter, Hotelier- und Gastwirte Einschränkungen fürchten, fordert der Dachverband für Natur- und Umweltschutz eine Zügelung des Tourismus.
Di
Ritratto di Astrid Tötsch
Astrid Tötsch04.03.2022
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Ritratto di Herta Abram
Herta Abram 4 Marzo, 2022 - 15:21

Danke Frau Rohrer!!!
...„Beim LTEK war der Partizipationsprozess gleich Null und auch die Durchführungsbestimmungen werden in Form von Beschlüssen von der Landesregierung erlassen – ein offener Prozess rund um die Frage, in welche Richtung sich Südtirol entwickeln muss, ist somit ausgeschlossen.“
- So ein Demokratieverständnis ist zum Verzweifeln, oder?
Die Welt ist mit drei existentiellen Krisen konfrontiert: die Klimakrise hat sich verschärft zum Klimanotstand!, die Ungleichheitskrise und der Krise der Demokratie. Und dennoch geben uns die – hier von Frau Rohrer geschilderten – „etablierten Macher“, nicht den leisesten Hinweis darauf, dass wir ein Problem haben könnten.
Das Drama ist, dass alles, was über den Karrierehorizont einzelner Politiker und Verbandsvertreter hinausgeht, nicht ernst genommen wird.
Links zum Weltklimaratbericht, - welcher ernst genommen werden muss:
https://www.derstandard.at/story/2000133686789/weltklimarat-bisherige-an...
https://www.derstandard.at/story/2000133712868/reaktionen-auf-weltklimar...

Ritratto di Heinrich Tischler
Heinrich Tischler 4 Marzo, 2022 - 21:53

Die Aussagen von Madeleine Rohrer sind wie immer so klar und einleuchtend, so angenehm zu lesen. Aber warum gibt es keine Kommentare von den Touristikern? Qui tacet,­ consentit? Wer schweigt, stimmt zu?

Ritratto di Kurt Resch
Kurt Resch 6 Marzo, 2022 - 00:58

Dann möchte ich einmal versuchen als Hotelier zu antworten, aber ich ticke nicht so wie die meisten meiner Kollegen. Daher ist das eher eine Ergänzung zum Interview mit Beispielen aus der Praxis.

Madeleine kann ich als Hotelier in allem nur zustimmen, wir brauchen dringend einen Bettenstopp. Allerdings ist das Thema doch sehr komplex. Ein Bettenstopp würde sich in einer Touristenhochburg wohl kaum bemerkbar machen, in einem kleinen Dorf, könnten 10 Betten für ein Gasthaus überlebensnotwendig sein und wenn erst das Gasthaus zu ist, dann wird es leer im Dorf. Daher macht eine Bettenbörse durchaus Sinn.
Ich glaube, dass sich der Bettenstopp in Zukunft von selbst lösen wird. Das wird sich schon in diesem Jahr zeigen, wenn wir im Tourismus keine Arbeitskräfte finden. In Wolkenstein z.B. bieten vier Betriebe mit ca. 200 Betten nur noch Zimmer mit Frühstück an, weil sie kein Küchenteam finden können. Die Babyboomer, zu denen auch ich gehöre, gehen in Rente und werden in den nächsten zehn Jahren ein Loch in den Arbeitsmarkt fressen. Meine Kollegen verstehe ich daher nicht, wenn sie weiter Betten dazu bauen. Dabei schadet eine Verknappung des Angebotes niemandem. Niemand braucht 100 Betten um wirtschaftlich zu arbeiten, das beweisen wir kleinen Betriebe.

Die Südtiroler identifizieren Hoteliers gerne mit den Dorfers, Adlers oder anderen umsatzstarken Hoteliers. Wir alle scheinen im Geld zu schwimmen, in der Realität arbeitet ein Großteil der Hoteliers in kleineren Strukturen mit der ganzen Familie, die sicher gut verdienen, aber auch dementsprechend hart arbeiten. Während andere die Viertagewoche fordern, kommen wir Gastwirte in der Saison von der Siebentagewoche nicht weg.

Bei Airbnb bieten auch Urlaub auf dem Bauernhof Betriebe, Privatvermieter, Gasthäuser und Pensionen Zimmer an. Für alle anderen Airbnb Unterkünfte braucht es klare Regeln, denn von der ursprünglichen Idee, seine Wohnung zu vermieten, wenn man nicht zu Hause ist, ist nicht mehr viel übriggeblieben. Diese „professionellen Vermieter“ sind eher den Privatvermietern gleichzusetzen.
Zum Urlaub auf dem Bauernhof kann ich nur sagen, dass viele Bauern die Betten fürs Überleben des Hofes brauchen. Ich kenne aber auch viele UaB, die so einen Luxus bieten, das kann sich sonst niemand leisten. Man darf so etwas in Südtirol nicht sagen: Liebe Bauern, ab einem gewissen Umsatz muss euer Gewinn versteuert werden.

Für uns Touristiker, wie auch für alle anderen Branchen, gilt es, CO2 zu reduzieren und die Pariser Klimaziele zu erfüllen. Dafür haben wir nicht mehr viel Zeit, das sind nur noch 8 Jahre. Erste zaghafte Versuche gibt es bei den Touristikern schon, aber meist eher, weil Nachhaltigkeit ein Modewort geworden ist und es sich gut verkaufen lässt. Für einige Hoteliers sind mehr Betten auch nachhaltig, denn das schafft Arbeitsplätze. Die Frage ist nur, wo denn die Arbeiter herkommen sollen!

Dass nachhaltiges wirtschaften im Tourismus durchaus möglich ist, beweisen wir Biohotels, denn der durchschnittliche CO2 Ausstoß eines Biohotels beträgt pro Übernachtung 7,5 kg CO2, für die Verpflegung kommen nochmal gut 2 kg dazu. Ein konventionelles Hotel verbraucht zwischen 30 und 40 kg CO2 und ein Kreuzfahrtschiff je nach Auslastung unglaubliche 200 bis 350 kg CO2.
Deutlich verschlechtert wird die Klimabilanz durch die Anreise, dabei wäre die Fahrt mit dem Auto zum Flughaben, Flug, Fahrt mit dem Auto zum Hafen, Schiffsreise und alles wieder zurück, der Obergau, aber leider ist das oft die Realität.

Ein großes Problem ist der viele Verkehr. Wir waren heute, an einem Samstag, im Pustertal unterwegs. Also ich möchte dort nicht leben, geschweige denn Urlaub machen. Denken die puschtra Bürgermeister nicht etwas zu wenig weit?
Die Verlagerung des Reiseverkehrs auf die Schiene muss schneller gehen, verbessert und mehr beworben werden. Bei uns im Hotel nehmen die Zugreisenden jährlich zu, wahrscheinlich weil wir eine etwas andere Zielgruppe ansprechen.
Der HGV gibt sich gerne klimaneutral, wirbt aber mit dem Bozner Flughafen, das passt nicht zusammen, das ist nicht glaubwürdig und da müsste man einige Vorstandsmitglieder bei den Ohren ziehen. Nebenbei brauchen wir diese Flugtouristen nicht, es kommen genug Gäste zu uns.
Ich kenne einige Mitarbeiter im HGV, dort wurde ein kleines Nachhaltigkeits Team ausgebildet und die ziehen in die richtige Richtung. Das ist gut! Sehr gut gefällt mir auch die IDM, die derzeit an einigen Projekten arbeitet, aber gebt dem Thomas vom Nachhaltigkeitsteam mehr Unterstützung und Mitarbeiter, sonst dauert die Umsetzung zu lange.

Die CO2 Bilanz ist ein gutes Instrument für Betriebe, um zu messen wie hoch der CO2 Ausstoß des Betriebes ist, erst dann kann man schauen wo man CO2 reduzieren kann und den Rest wird kompensiert. Daher gehört eine CO2 Erfassung ganz klar zur Pflicht eines jeden Betriebes (nicht nur im Tourismus) und als Vorschrift bei Ansuchen von Landesbeiträgen. Die Gemeinwohl Zertifizierung würde auch gut dazu passen.

Beim Klimaschutz gibt es noch so viel zu tun, die Zeit drängt und ich biete meinen Kollegen gerne meine Hilfe an. Naturnahes Wirtschaften ist nicht schwierig, man muss es nur wollen!

Ritratto di Michael Kerschbaumer
Michael Kerschbaumer 7 Marzo, 2022 - 12:12

Danke Herr Resch. Wie gut wäre es zu wissen, dass mehrere Hoteller so denken und handeln wie Sie!

Ritratto di Sigmund Kripp
Sigmund Kripp 8 Marzo, 2022 - 07:16

Danke Herr Resch für Ihren Kommentar! Alles genau so! Aus meiner Sicht wird tatsächlich der Abreitskräftemangel die Grenze ziehen: Hotels finden keine Mitarbeiterinnen mehr, und wenn, dann oft schlecht ausgebildet, mit geringen Fremdsprachenkenntnissen und dem Hang zu sehr volatilen Arbeitsverhältnissen. Es gibt die Flucht aus der Saisonarbeit, die momentanen Beschränkungen durch CoViD, weil Impfungen aus Ostländern nicht anerkannt sind, und wir haben generell ein massives demografisches Problem: Wo früher 4 Kinder zur Hotelnachfolge bereit standen, sind es heute 2 oder eines oder keines. Nein, ein unendliches Wachstum kann es nicht geben, und wenn, nur auf Kosten der Qualität in den Hotels selbst.

Ritratto di Albert Pürgstaller
Albert Pürgstaller 6 Marzo, 2022 - 08:37

Ich möchte Herrn Resch für die klare Stellungnahme danken. Er hat mir aus der Seele gesprochen.

Ritratto di Karl Trojer
Karl Trojer 7 Marzo, 2022 - 11:04

Das IMMER MEHR ist nicht zukunftsfähig, es zerstört selbst jene die es propagieren.

Ritratto di Dietmar Nußbaumer
Dietmar Nußbaumer 7 Marzo, 2022 - 22:27

Als Nichthotelier denke ich mir zum Bettenstop, dass wenig erschlossene Gebiete vielleicht durchaus noch am Kuchen mitnaschen sollten, Disneylands sollten es aber keine werden. Das Gastgewerbe bringt Jobs, keine Frage und ist volkswirtschaftlich wichtig. Es gilt aber zu Bedenken, dass der Tourismus auch zu einer Verteuerung der Lebenshaltungskosten führt. Hier kommt eben die Politik ins Spiel, die regulierend eingreifen muss.

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