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an den bischof

Das Problem nicht aussitzen

Sehr geehrter Herr Bischof Muser, bitte setzen Sie jetzt schon neue konkrete Schritte zur Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs in der Diözese!
Un contributo della community di Robert Hochgruber07.04.2022
Ritratto di Robert Hochgruber
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Mit Verwunderung und Enttäuschung habe ich aus der Pressemitteilung der Diözese vom 31. März 2022 entnommen, dass die konkreten Projekte zur Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch im Herbst vorgestellt werden sollen. Das kommt meines Erachtens einer unnötigen Verzögerung gleich, die auch als Versuch von Aussitzen des Problems ausgelegt werden könnte.

So ersuche ich Sie und den Fachbeirat, das dargelegte Vorgehen zu überdenken und mit zwei Projekten noch in diesem Frühjahr zu beginnen: 1. Analyse von dem, was an sexuellem Missbrauch in der Diözese geschehen ist und 2. Einrichtung eines Betroffenenbeirates.

P. Hans Zollner SJ hat im Rahmen einer von der Diözese organisierten Tagung am 4.3.2022 in Bozen deutlich gemacht, dass als erster Schritt in Richtung Aufarbeitung eine Analyse von dem, was geschehen ist, notwendig ist. Daraufhin müsste das Bekennen der Vergehen sich und anderen gegenüber stattfinden. Das sollte zu Schritten in eine Wiedergutmachung führen. Damit könnte deutlich werden, dass die Kirche etwas gelernt und sich verändert hat. Die Analyse, Herr Bischof Muser, halte ich jetzt schon für nötig und möglich. Darauf aufbauend könnten im Herbst die weiteren Schritte und die neuen Projekte vorgestellt werden.

Ich erachte die Einrichtung eines Betroffenenbeirates, den es in fast allen deutschen Diözesen gibt, für nötig. Dadurch würde jenen, die Gewalt und Leid erlitten haben, eine Stimme gegeben und ein Stück Würde zurückgegeben. Die Diözesanleitung kann dadurch zeigen, dass sie den Betroffenen in der Weise Gerechtigkeit verschafft, wie sie es wünschen und nötig haben. Auch könnte der Beitrag von Betroffenen zur Aufarbeitung wesentlich sein und ist deshalb ernst zu nehmen. Ich habe Ihnen, Herr Bischof, sowie Gottfried Ugolini von der Dienststelle, dem Fachbeirat und Maria Sparber von der Ombudsstelle am 9. März einen konkreten Vorschlag für ein Statut eines Betroffenenbeirates zugesandt und hoffe, dass er als Grundlage für die Diskussion um die Einrichtung eines Betroffenenbeirates dienen kann.

Sehr geehrter Herr Bischof, das Konzept für eine Studie in Südtirol, erarbeitet im Laufe des vergangenen Jahres, wurde von Ihnen zunächst abgelehnt. Ende Jänner 2022 erklärten Sie, dass es als Basis für ein neues Konzept dienen würde, das zu einer gründlichen Aufarbeitung führen sollte. Am 4. März fand die Tagung mit P. Hans Zollner statt. Nun erklären Sie, dass die ersten Projekte im Herbst vorgestellt werden sollen. Dieser lange Zeitraum ist für mich nicht nachvollziehbar und erneut eine Ankündigung ohne konkreten Inhalt. Für Betroffene wie auch andere Mitglieder der Kirche könnte meiner Meinung nach dadurch der Eindruck entstehen, dass die Aussage „die Diözese übernehme die Verantwortung, dass den Betroffenen Gerechtigkeit zuteil werde“ (Pressemitteilung vom 31.3.2022) eine leere Floskel ist, ebenso wie, dass die „Aufarbeitung der Missbrauchsfälle in der Kirche ein wichtiges Anliegen der Diözese“ sei. Ich bin überzeugt, dass Sie und alle Gläubigen ein großes Interesse daran haben, dass die Menschen Vertrauen in die Priester bzw. in die Kirche insgesamt haben. Die aktuelle Astat-Umfrage zeigt allerdings, dass die Priester in Bezug auf Vertrauen an drittletzter Stelle stehen. Das könnte durch konkrete Taten verändert werden.

Ich bitte Sie deshalb, zeigen Sie sowie die anderen Verantwortlichen der Diözesanleitung und der Ordensgemeinschaften den Mut und die Kraft, der Wahrheit in die Augen zu schauen und leiten Sie bereits jetzt neue konkrete Schritte der Aufarbeitung in die Wege.

Mit hoffnungsvollen, friedlichen Grüßen.

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