Peter Handke
APAweb /AFP/Jonathan Nackstrand
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Wer nicht lesen will muss schweigen

Nicht allen gefällt die Auszeichnung Peter Handkes mit dem Literaturnobelpreis. Doch welches Recht hat der wütende Mob, eine Meinung zu verteten?
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Ritratto di Heinrich Zanon
Heinrich Zanon 8 Dicembre, 2019 - 07:56

Handkes Werke seiner frühen Schreibzeit kenne ich seit damals und habe ich mit viel Interesse verfolgt. Späteren Arbeiten konnte ich nicht mehr so viel abgewinnen, bis ich mir dann die Lektüre seines "Das Jahr in der Niemandsbucht" antat: es ist dies ein autiobiographischer stiller, grandioser Bericht über eine besondere Lebensführung, viele hundert Seiten lang, aber keinen Augenblick langweilig.
Die Ansichten und Einschätzungen Handkes zu den Ereignissen und Katastrophen der jüngeren Zeit im zerfallen(d)en Jugoslawien teile ich nicht und muss man auch nicht teilen. Der Balkan scheint eine Weltgegend zu sein, in der sich Grausamkeit und Ungeheurlichkeiten (vor denen ja die Geschichte herauf kaum irgendwelche Völkerschaften gefeit waren) noch besonders hartnäckig bis in unsere Tage herein gehalten haben. Es waren dort allerdings sicherlich nicht nur die Serben, die sich dabei ausgiebig ausgezeichnet haben.
Zurück zu Handke: er ist eindeutig ein ganz Großer, der möglicherweise mehr als verschiedene Preisträger der jüngeren Vergangenheit die Ehrung verdient hat und dessen Werke das Renommee des Nobelpreises unterstreichen und heben können sollten.

Ritratto di Sepp Bacher
Sepp Bacher 8 Dicembre, 2019 - 09:40

Ich kann dem Autor Christoph Waldboth voll zustimmen in seiner Grundhaltung. Ich habe nichts von Handke gelesen, weil ich kaum Bücher lese. Ich erinnere mich aber, das Peter Handke vor Jahrzehnten bei den alternativen politisierten jungen Menschen ziemlich in war.
Bezüglich Unterstützung von Serbien: diesbezüglich kann ich Heinz Zanon zustimmen. Ich kann mir gut vorstellen, dass wenn die gesamte westliche Welt gegen Serbien und Milošević war, ein den Westen kritisierender Intellektueller eben die Serben und dessen Führer unterstütz hat. Wahrscheinlich hatte er auch einen freundschaftlichen Kontakt zu den Serben, die damals vielleicht das zerbrechende Jugoslawien retten wollten; oder wie auch immer.
Analog laufen wir alle Gefahr nach Jahren verurteilt zu werden, wenn wir sagen, Putin braucht es, es braucht ein Gegengewicht zur Weltmacht USA. Dabei heißt es nicht, dass wir einverstanden sind mit dem Krieg in Ost-Ukraine, die illegale Aneignung der Krim, von Abchasien und Südossetien, Regionen von Georgien. Ebenso heißt es nicht, dass wir sein Regime unterstützen. Aber in einigen Jahren werden die Kritiker sich nur an ersteres erinnern!

Ritratto di Servus Leute
Servus Leute 8 Dicembre, 2019 - 10:02

Die Brutalität war im Bosnienkrieg sehr ungleich verteilt.
Handke hat Genozid und Massaker verleugnt oder bagatellisiert. Kritik ist da berechtigt. Diese als "der wütende Mob" abzuwerten, mehr als bedenklich.

Ritratto di Georg Lechner
Georg Lechner 8 Dicembre, 2019 - 11:57

Ich kenne die Äußerungen von Handke nicht im Wortlaut, ich weiß nur um den Streit darum, was er gesagt hat und was ihm unterstellt wurde. Ich weiß aber, dass die NATO im Kosovo-Krieg ganz massiv log: https://www.derstandard.at/story/2000101791505/vor-20-jahren-log-die-nat...
Ich kenne auch die Aussagen der früheren britischen Labour-Abgeordneten Alice Mahon vor dem Jugoslawien-Tribunal in Den Haag (sie war die letzte Zeugin vor dem Tod von Milosevic): https://www.icty.org/x/cases/slobodan_milosevic/trans/en/060301IT.htm
Demnach gab es das angebliche Massaker von Racak (das den offiziellen Kriegsgrund darstellte) realiter gar nicht und der Krieg gegen Serbien wurde bereits viel früher geplant, was sich mit den Ausführen von Heinz Loquai in der FAZ vom 25.9.1998 deckt, der dafür die Erpressung der USA durch den damaligen Verteidigungsminister Volker Rühe mit dem ansonsten bevorstehenden Ende der NATO beim NATO-Gipfel am 28.5.1998 erwähnte.
Der Oberkommandierende des Kriegs 1999, Wesley Clark, berichtet in seinem Buch "Waging Modern War", dass die Regierungen Deutschlands und Großbritanniens auf diesen Krieg gedrängt haben und bestätigt damit mittelbar die Detailsichten von Mahon und Loquai.
Die Regierungen Deutschlands haben schon lange die ethnische Filetierung Jugoslawiens betrieben. Kohl hat die Zustimmung zum Maastricht-Vertrag von der Anerkennung Sloweniens und Kroatiens als eigenständige Staaten durch den Rest der EU abhängig gemacht, Genscher hat um 800 Mio DM die direkte Kontrolle des BND über den kroatischen Inlandsgeheimdienst erkauft. Das US-amerikanische Militärmagazin "Defense Foreign Affairs Strategic Policy" berichtete am 21.12.1992, dass der Krieg in den früheren jugoslawischen Republiken durch ein massives und komplexes System von Waffenlieferungen per Schiff nach Kroatien und Bosnien-Herzegowina angeheizt wurde, finanziert und organisiert von Deutschland. Damit ist klar, woher Karadzic und Mladic und die Nachfahren der Ustascha die Waffen für die Gräuel von Srebrenica etc. hatten.

Ritratto di Fabio Marcotto
Fabio Marcotto 8 Dicembre, 2019 - 22:50

1972 waere Handke das Wort "Beitrag" eine Metapher gewesen....

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