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Wohin zielt die Uni?

Gülle vermindert die Biodiversität!

Ich meine damit nicht ganz allgemein die Gülle, sondern das System Gülle in Südtirol, wie es im Interview von Prof. Gauly beschrieben wird.
Un contributo della community di Klaus Griesser08.01.2020
Ritratto di Klaus Griesser
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Ich habe lange nachgedacht über das Interview von Prof. Gauly über Gülle mit dem eigenartigen Titel „Der Südtiroler ist ja intelligent!“. Jeder Südtiroler der  über einen Grünland-Feldweg wandert, kann auch als intelligenter Laie einen deutlichen Unterschied sehen, wenn er den Pflanzenbestand vergleicht auf der Seite des mit Jauche ausgiebig bespritzten Zauns mit jener unmittelbar hinter der sauber verbliebenen Zaunseite am Wegesrand; er kann feststellen, dass die Vielfalt an Pflanzen auf dem naturbelassenen Randstreifen ungleich größer ist.  Abgesehen davon kann sich jede(r)  Grauhaarige noch sehr gut erinnern, wie schnell er/sie  als Kind der Mutter wunderschöne, bunte Blumensträuße in der nächsten Wiese pflücken konnte. Da war sicher eine höhere Biodiversität vorhanden! Es wird ja im Artikel zugegeben, dass zuviel Jauche/ha  anfällt wegen der (subventionierten) Großställe mit den Superkühen, was statistisch nicht aufgefangen werden kann durch die (nicht subventionierten) Kleinbauern mit  ihren (für Subventionierung) zu kleinen Grundstücke und ihren Tieren. Prof. Gauly umgeht die Frage, was die Überschuss- Gülle mit der Biodiversität macht. Ich kann nicht glauben, dass sie sie erhöht. Sollte das trotzdem beim universitären Biodiversitäts-Monitoring rauskommen, würden  wir wohl für „nicht intelligent!“ verkauft worden sein.

„Tierschutz“? Es wird von Prof. Gauly nicht kritisiert, dass bei jeder GVE ein Maximum an Milch herausgepresst werden muss, was ohne Zusatzfütterung nicht möglich ist, die Lebensdauer der Superkühe reduziert und zumeist auch nicht ohne Antibiotika abgeht. Das deutet auf einen wirtschaftsgebundenen Tierschutz. Um die Biodiversität geht es dabei nie, zumal der Schutz offensichtlich bei den Nutztieren aufhört, schließlich geht es um die „Nährstoffflüsse“ und  nicht etwa um die Schmetterlinge im Ökosystem Wiese oder um die ungeschützten Kleinlebewesen im Ökosystem Boden. Es sind ja nicht nur die Meliorierungen, die Pestizide und Kunstdünger die die natürlichen Bodenorganismen dezimieren, sondern auch Übersäuerung/ Antibiotisierung aus der überschüssigen Gülle, die „aus der flächenunabhängigen Tierproduktion“ kommt. 

Kurzum- die Böden werden de facto in Südtirol wie Dreck behandelt – wie dumm! Wer weiß schon im intelligenten Südtirol,  „Ohne Bakterien und Pilze sähe es auf der Erde aus wie auf dem Mars!“ – sollte es nach der bisherigen SBB-Methode gehen, werden wir wieder soweit kommen! His masters Voice im (offiziell nie geäußerten) Klartext und in bezug auf das Wirtschaftsystem lässt Gauly raus mit der Behauptung  „müssen wir uns sicher von den kleinen Betrieben der Berglandwirtschaft verabschieden“, also  keine Chance für die Berglandwirtschaft - erschreckend!

Das Urteil des Oberlandesgerichts schafft endlich freie Luft gegenüber dem Mief in gewissen Kreisen, nach welchem es ein Verbrechen sei, sich der systematischen, gnadenlosen Jagd nach immer mehr Reichtum entgegenzustellen, wenn einer darauf hinweist, dass das Gemeinwohl dabei unter die Räder geraten ist/ wird.

Dass Prof. Gauly nach seinem Plädoyer für Gülle und Tierschutz a bissl für den Malser Weg eintritt lässt mich hoffen, dass die Freie Universität Bozen nicht die SBB- Begleitmusik „Weiter so wie bisher!“ dazu liefert.  Auch weil das keine Option ist.

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Ritratto di Georg Lechner
Georg Lechner 8 Gennaio, 2020 - 17:32

Zumindest in Ö. ist es so, dass ein gewisses Mindestmaß an bewirtschafteter Fläche je GVE gegeben sein muss, sonst gibt es keine Förderung aus dem ÖPUL (Österreichisches Programm für Umweltschutz und Landwirtschaft). Ohne diese Förderung kann aber kleinräumige Landwirtschaft nicht lebensfähig sein.
Bei der Gülle kommt es neben der Menge pro Fläche ("Die Dosis macht das Gift" sagte schon Paracelsus) auch auf den Ausfaulungsgrad in der Wirkung auf das komplexe System "Bodenleben" und damit auf dessen Indikator "Biodiversität" an. Zu viele Ammoniumverbindungen und deren Vorstufen (wie Harnstoff), die bei unzureichender Ausfaulung vorhanden sind, stören diverse biochemische Prozesse; besonders jene, in denen sie Aminosäuren Konkurrenz machen (Aufbau von körpereigenem Eiweiß, Synthese der Purin- und Pyrimidinbasen des genetischen Materials) . Der menschliche Körper reagiert beispielsweise besonders empfindlich auf Ammoniak und Ammoniumsalze und hält deren Konzentration durch eine relativ energieaufwändige Synthesekette zu Harnstoff möglichst niedrig.

Ritratto di Klaus Griesser
Klaus Griesser 8 Gennaio, 2020 - 18:42

Auch mir ist die Förderung der Kleinbauern ein Anliegen (Siehe auch https://www.salto.bz/de/article/16092017/ueberlegenheit-der-kleinraeumig... u.a. Artikel), ich möchte nur darauf hinweisen dass in der Schweiz die Bergbauern berechtigterweise finanziell unterstützt werden als Landschaftsgärtner; abgesehen davon halten sie seit Jahrhunderten Kleintiere die ebenfalls bei Kleinproduktion den Erhalt der Biodiversität garantieren.
Mit der Gülle habe ich - wie erwähnt- das System Südtirol gemeint, wo durch Massenproduktion bei wenig Grünlandfläche riesige Mengen an Jauche anfallen die schnellstmöglich auf die Wiesen gespritzt werden, einzelne Bauern würde am liebsten automatisierte Pipelines als "Minimaleingriffe" aufstellen. Abgesehen davon: wer kann sagen ab welchem Faulungsgrad die Gülle den Bodenlebewesen schadet?

Ritratto di Georg Lechner
Georg Lechner 8 Gennaio, 2020 - 19:14

Wie vorhin erwähnt, kommt es sowohl auf die Menge als auch auf den Faulungsgrad an, letztlich wohl auf die Menge Ammoniumsalze pro Quadratmeter. Der andere Punkt ist die noch individuell unterschiedliche Empfindlichkeit der verschiedenen Kleinlebewesen im Boden, womit man bei der Frage des Bewertungsmaßstabs ist - woran mache ich welchen Schädigungsgrad fest/ wie kopple ich Daten der Zusammensetzung der Mikroorganismen im Boden mit makroskopischen Daten (Pflanzenwuchs/-vielfalt, fressen die Kühe noch das Gras (im Winter das Heu) von dort?

Ritratto di Biodiversität und Naturschutz
Biodiversität und Naturschutz 9 Gennaio, 2020 - 12:14

Der Agrarwissenschaftler hat im Interview erklärt: "Nehmen wir das Konzept der Heumilch. Dort wird von vornherein gesagt, bestimmte Anteile der Milch – konkret 70 Prozent der Energie, die der Kuh gefüttert wird – müssen aus Grundfutter stammen. Dieses kommt zu mehr als 90 Prozent aus Südtirol. Sprich, nur noch 30 Prozent der Energie kommt aus dem importierten Kraftfutter von außerhalb der Region." 30% der Energie eines Südtiroler Qualitätsproduktes wie Heumilch kommt aus importierten Kraftfutter, also Soja aus Südamerika und Mais aus Nachbarländern usw. und vom Grundfutter (=Heu) kommt auch nicht immer 100% aus Südtirol. In der Milch steckt viel Importfutter.

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