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Gossensasser Trassen-Hick-Hack

Seit gefühlten Ewigkeiten fordern die Bürger der Gemeinde Gossensaß eine Umfahrung. Nun ist sie in greifbarer Nähe – also aller Wahrscheinlichkeit nach 2026 oder 2027.
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Foto: Google Street View
 
Entweder kommt die Umfahrung in Gossensaß oder wir gehen auf die Straße, polterte Martin Alber, Bürgermeister der Gemeinde Brenner. Erleichtert zeigt man sich nun darüber, dass die Landesregierung grünes Licht gegeben hat und mit der Genehmigung der technischen Eigenschaften die konkrete Planung starten kann. Voraussichtlich wird die Ausschreibung der Arbeiten Ende 2024 erfolgen. Das dauert dem streitbaren Bürgermeister der Gemeinde Brenner allerdings zu lange: „Fünf Jahre, das können wir nicht akzeptieren.“
 
 
 
Das Hick-Hack um die Umfahrung zieht sich nun bereits seit etlichen Jahren hin. Dabei wäre gerade in dieser verkehrsgeplagten Ortschaft eine Umfahrung dringend notwendig. Das Dorf wird von der Brennerstaatsstraße quasi in zwei Hälften geteilt. Bei Stoßverkehr wird das Überqueren zu einer Herausforderung. Dass die Gemeinde Brenner nicht ganz unschuldig an der Zeitverzögung sein könnte, darauf hat Landeshauptmann Arno Kompatscher jüngst verwiesen, als er den Beschluss für die Genehmigung vorgestellt hat. „Das Vorprojekt bzw. die Trassenführung musste geändert werden, weil irgendjemand, das erlaube ich mir zu sagen, ein Gebäude im Trassenbereich genehmigt hat“, erklärte Kompatscher. Schuld an der Verzögerung sei also nicht die Landesverwaltung, sondern die Gemeinde.
 

„Maßgeblich erschwert“

 

„Unter meiner Vorgängerverwaltung wurde der Bau eines Kondominiums genehmigt. Das hat aber mit der Umfahrung nichts zu tun, die Trasse wäre ja unterirdisch verlaufen“, beharrt Martin Alber und betont, dass das sicher nicht der Hauptgrund gewesen sein könne. Ganz so einfach ist die Geschichte jedoch nicht: Grabungsarbeiten und Bodenbewegungen unter einem Gebäude können zu Instabilität und zu Rissen an der Struktur führen. In der zuständigen Landesabteilung widerspricht man deshalb der Behauptung von Bürgermeister Alber, wonach der Bau des Gebäudes keinen Einfluss auf das Umfahrungsprojekt hatte.
 
Der Bau des Gebäudes hat die weiteren Projektierungsmaßnahmen maßgeblich erschwert.
 
„Der Bau des Gebäudes hat die weiteren Projektierungsmaßnahmen maßgeblich erschwert“, so der zuständige Sachbearbeiter. Auch sei die Gemeinde Brenner permanent und intensiv in die Planungsarbeiten eingebunden gewesen und es habe unzählige Gespräche der jeweiligen Sachverständigen über Trassenverlauf und das Projekt gegeben. Wie der zuständige Landesbeamte weiters erklärt, werden nämlich grundsätzlich keine Großprojekte geplant, seien es nun Straßen-, Eisenbahnprojekte oder andere Großbauten, ohne die jeweilige Gemeinde mit einzubinden. Die Ausschreibungen der Planungen und der Arbeiten werden anschließend vom Land durchgeführt. Bei der Bewertung der Mehrkosten, welche die alternative Trassierung mit sich bringt, habe man beachtet, dass sich die Landesverwaltung durch diese neue Lösung ein bereits vorgesehenes Bauvorhaben ersparen kann, und zwar die Verbreiterung der Staatsstraße im Anschluss an die ursprüngliche Umfahrung und eine einfachere Gestaltung der Nord-Einfahrt. Was die zeitliche Verzögerung anbelangt, erklärt der Landesbeamte, dass das gesamte Vorprojekt neu erstellt werden musste. „Das hat natürlich einige Zeit gekostet.“
 
 

Ein Blick zurück

 
Blickt man zurück, so ergibt sich ein komplexes Bild. Es ging mit der Umfahrung einmal mehr und einmal weniger voran. Der Wunsch nach einer Beruhigung des Dorfkernes reicht bereits in die 1960er Jahre zurück. 2005 legten die Ingenieure Aribo Gretzer und Karl Pardeller dem Technischen Landesbeirat ein Vorprojekt vor, dessen Kosten auf knapp 35 Millionen Euro geschätzt wurden. Das Projekt sah eine rund zwei Kilometer lange Strecke vor, eine Untertunnelung mit 1,3 Kilometern Länge und ein Viadukt über den Eisack.
 
 
 
„Als ich zum Bürgermeister gewählt wurde, war die Sache mehr oder weniger wieder eingeschlafen“, erzählt Franz Kompatscher, der dieses Amt von 2009 bis 2020 inne hatte. Nach Amtsantritt seines Namensvetters Landeshauptmann Kompatscher hat sich die Landesregierung zwar für eine Umfahrung ausgesprochen, diese sollte allerdings nicht die Kosten sprengen. Die Gemeinde hat daraufhin eine Machbarkeitsstudie über eine weit kürzere und damit kostengünstigere Trasse durchgeführt. Das Ingenieurbüro Pasquali Rausa, an welches die Planungsarbeiten vergeben wurden, hat diese kurze Variante dann verworfen und an einer neuen Variante zu arbeiten begonnen. „Die neue Variante ist sicher die optimalere Lösung“, so Kompatscher, denn einerseits wäre nicht das gesamte Dorf umfahren worden und zudem wären Schwierigkeiten bei der Enteignung der Gründe absehbar gewesen. Auch das Baustellenmanagement bringe mit dieser Variante sicher weniger Beeinträchtigungen und Belastungen für das Dorf.
 
Es bringt nichts herumzudiskutieren, weshalb und wieso so viel Zeit verloren gegangen ist. Wir haben jetzt sicher die bessere Lösung.
 
Das Ingenieurbüro erarbeitete eine somit längere und weiter östlicher gelegene Umfahrung, die im Bereich der Autobahn liegt. Wie Franz Kompatscher erklärt, habe die Klärung über Grenzabstände und andere Fragen, welche die Autobahn tangieren, tatsächlich etwas Zeit gekostet, sprich einige Monate. Es folgten Untersuchungen und geologische Probebohrungen und Vermessungen. „Aber eine Neutrassierung hätte nicht diese Zeitverzögerung nach sich ziehen dürfen und wir sprechen hier vom Jahr 2020“, ist Kompatscher überzeugt. Bezüglich der Gebäude, die in der Trassenführung genehmigt wurden und angeblich zu dieser Zeitverzögerung geführt haben, erklärt der ehemalige Bürgermeister, dass die Konzessionserteilung bereits unter seiner Vorgängerverwaltung erfolgt sei. Die Baugenehmigung sei zwischenzeitlich verfallen und man habe deshalb eine Neugenehmigung in Form eines Urbanistikvertrages erteilt. Mit der jetzigen Trassenführung sei man jedenfalls zufrieden. Im Gegensatz zur kürzeren, die teils untertunnelt und teils halboffen angedacht war, biete diese einen besseren Schutz des gesamten Dorfes. „Es bringt nichts herumzudiskutieren, weshalb und wieso so viel Zeit verloren gegangen ist. Wir haben jetzt sicher die bessere Lösung“, zeigt sich Kompatscher überzeugt.
 

Am Ende doch alles gut?

 
Alber zeigt sich ebenfalls erleichtert darüber, dass man einen Schritt vorangekommen ist. „Es ist ein positives Signal, jetzt geht es noch darum, die Zeit bis zum Baubeginn zu verkürzen“, so der Bürgermeister der Gemeinde Brenner. Wenn mit der Ausschreibung der Arbeiten Ende 2024 gestartet werden kann, dann könnte – vorausgesetzt der Wettbewerb läuft ohne Probleme ab – im Herbst 2025 mit dem Bau begonnen werden. Wie Alber betont, rechne er allerdings realistischerweise mit einem Baubeginn im Jahr 2026 – schlimmstenfalls 2027.
Übrigens wird trotz der Zusage der Landesregierung demonstriert, und zwar am 17. September.