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Lockdown-Tagebuch

Tag 4: Katzenjammer

Es ist ein Affront, wenn dein Personal plötzlich deinen kuscheligen Tagesablauf (Heia – Fressi – Heia – Fressi) mit seiner Dauerpräsenz stört.
Colonna di
Ritratto di Alexandra Kienzl
Alexandra Kienzl12.11.2020
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Liebes Tagebuch,

ich habe ja alles versucht. Ich habe ihr die Ohren zugehalten, wenn im Radio das L-Wort fiel. Habe ihr lecker Schmacki hingestellt, damit sie die TV-Nachrichten nicht mitkriegt. Habe laut gesagt, „So, ich fahre jetzt zur Oma!“, und habe mich dann eine Stunde lang im Bad versteckt. Aber jetzt hat sie es doch gemerkt: Diese nervigen Typen hängen wieder den ganzen Tag in der Bude ab. Die nervigen Typen, das sind wir. Sie, das ist meine Katze. Die Katze mag das nicht. Die Katze will alleine in der Wohnung sein. Die Katze glaubt, die Wohnung gehört ihr. In gewisser Weise tut sie das ja auch, denn die Katze tut, was sie will. Sie wetzt ihre Krallen am Sofa, obwohl streng verboten. Sie legt sich zum Schlafen in unser Bett. Sie legt sich auf den Laptop, wenn ich schreiben will und signalisiert mir: Abfetzen. Ich will jetzt, genau jetzt, hier, genau hier, auf diesem ungemütlichen Laptop a Rasterle machen. Geh weg. Du bist mir lästig. Entfernt man die Katze mehr oder minder sanft, reagiert sie ungehalten. Beleidigt. Es ist ein Affront, wenn dein Personal, das sich bitte unauffällig im Hintergrund zu halten und nur in Erscheinung zu treten hat, wenn es als Tür- oder Dosenöffner gebraucht wird, plötzlich deinen kuscheligen Tagesablauf (Heia – Fressi – Heia – Fressi) mit seiner Dauerpräsenz stört. Der Butler sitzt ja auch nicht neben der Queen auf der Couch und sieht laut TV. Die Katze hatte schon im Frühling hart am Lockdown zu knabbern, jetzt sehe ich wieder dieselbe Fassungslosigkeit in ihren Augen: Das darf doch nicht wahr sein. Gestern hat sich die Katze mit anderen Katzen getroffen, zumindest sah das so aus. Ich vermute ein Komplott. Erledige du meine, dann erledige ich deine. Auch das große Küchenmesser finde ich nicht mehr. Ich bin ein bisschen nervös. Auch deshalb darf der Lockdown nicht allzu lange dauern. Hat irgendwer eigentlich mal an die Katzen gedacht? Alles wird gut, miau.

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Ritratto di Georg Markart
Georg Markart 12 Novembre, 2020 - 17:24

Ja Frau Kienzl,ich denke jeden Tag an die Katzen,aber im negativen Sinne.
Ich gehe vor die Haustüre und sehe jeden Tag die nassen Flecken ,ich gehe in den Garten und sehe und rieche daß sie wieder niedergeschissen haben.Es sind nicht meine Katzen ich habe ja keine,es sind die Katzen der Nachbarn und das sind im meinem Falle mindestens vier von verschiedenen Nachbarn,ich sehe sie jeden Tag.Frau Kienzl sollten sie es noch nie gerochen haben,Katzendreck stinkt schrecklich,auch deßhalb mage ich keine Katzen.

Ritratto di Christoph Mayr
Christoph Mayr 12 Novembre, 2020 - 20:00

Mag auch keine Katzen. Aber ich mag die Geschichten von Frau Kienzl.

Ritratto di Georg Markart
Georg Markart 12 Novembre, 2020 - 21:09

Auch ich mag und lese immer gerne die Geschichten von Frau Kienzl.
In diesem Falle habe ich nur auf die Frage geantwortet ob jemand an die Katzen gedacht hat.
Übrigens,für mich war die beste Geschichte von Frau Kienzl es "Robnbratl"

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