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Landesdenkmalamt
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Kulturerbe

Wie aus leben Erbe wird

Im Rahmen des Studium Generale der Universität Bozen befasst sich eine Vorlesungsreihe diesen Herbst und Winter mit Kulturerbe und zeigt, wie dieser zur gesellschaftlichen Ressource für die Gegenwart wird.
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Ritratto di unibzone .
unibzone .12.12.2019
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Was versteht man unter dem vielzitierten Begriff Kulturerbe? „Es ist wohl eine der schwierigsten und zugleich spannendsten Definitionen überhaupt,“ sagt Waltraud Kofler Engel, die Leiterin der Plattform Kulturerbe/Kulturproduktion an der Fakultät für Design und Künste der Freien Universität Bozen, „auch weil Kulturerbe nicht allein aus gewachsenen Kulturlandschaften, aus Architektur, Kunst und anderen historischen Zeugnissen, die aus der Beziehung von Menschen mit Orten, Werten, Traditionen hervorgegangen sind besteht. Kulturerbe entwickelt, verändert sich, Kulturerbe wird im Heute.“

Kofler Engl hat die neue Vorlesungsreihe gemeinsam mit Prof. Gerhard Glüher konzipiert. In acht Vorlesungen und einer Exkursion wird Kulturerbe aus unterschiedlichen – mitunter sehr persönlichen – Blickpunkten betrachtet und stets die Brücke ins Heute geschlagen. Etwa wenn der Historiker Siegfried De Rachewiltz über das Flicken und Wiederverwerten im historischen Tirol referiert oder Archivarin Erika Kustatscher anhand zahlreicher Beispiele vor Augen führt, was Archive über das Leben der Menschen und über die Machtverhältnisse vergangener Zeiten erzählen.

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© Waltraud Kofler Engl
Waltraud Kofler Engl hat die Veranstaltungsreihe „Alter Ego. Wie aus leben Erbe wird“ gemeinsam mit Prof. Gerhard Glüher konzipiert.

 

„Kulturerbe ist zwar in der Vergangenheit entstanden und von uns ererbt aber ihm sind naturgemäß immer wieder neue zeitliche Schichtungen zugewachsen, erstens durch den Umgang damit bzw. durch neue Funktionen oder Funktionsänderungen, aber auch durch neue Wahrnehmungsschichten und Praktiken. Kulturerbe ist kein fertiges Produkt, sondern eine dynamische soziale Produktion“, erklärt Kofler Engl. Deutlich macht sie das an einem gebauten Beispiel, dem Komplex des Dominikanerklosters in Bozen. In unmittelbarer Nähe zur Universität gelegen zählt es zu den spannendsten Bauensembles der Stadt.

Seit der Aufhebung 1784 war das mittelalterliche Kloster Kaserne, später Kunstgewerbeschule. Während der Zeit des Faschismus wurden die neugefundenen Malereien aus der Zeit nach Giotto kulturpolitisch instrumentalisiert und der Platz vor der Kirche im rationalistischen Stil umgestaltet. Heute befindet sich in unmittelbarer Nähe die Universität Bozen und beherbergt neben der italienischen Pfarrgemeinde das Musikkonservatorium. „Ein Ensemble zu dem sich vieles erzählen lässt und an dem deutlich wird, wie aus Gelebtem Erbe wird und daraus neue Funktionen und wieder Erbe entsteht. Kulturerbe wird zu jeder Zeit unterschiedlich definiert und gelebt. Es ist zeit- und gesellschaftsgebunden und das macht es so spannend“, sagt Kofler Engl.

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In acht Vorlesungen und einer Exkursion wird wie schon im Sommersemester 2019 Kulturerbe aus unterschiedlichen – mitunter sehr persönlichen – Blickpunkten betrachtet und die Brücke ins Heute geschlagen. Foto: Waltraud Kofler Engl

 

“Alter Ego. Wie aus leben Erbe wird“ ist eine aktuelle Vorlesungsreihe im Rahmen des Studium Generale der Freien Universität Bozen, die von der Fakultät für Design und Künste / Plattform für Kulturerbe und Kulturproduktion organisiert wird. Infos und Termine hier.

Kulturerbe konsolidiert

 

Die Verabschiedung der Faro-Konvention von 2005 durch den Europarat unterstreicht den Wert des kulturellen Erbes für die Gesellschaft, Demokratie und den sozialen Zusammenhalt. In Artikel 4 der Konvention wurde das Recht auf Kulturerbe verankert:
a. jeder Mensch, allein oder als Mitglied einer Gemeinschaft, das Recht besitzt, einen Nutzen aus dem Kulturerbe zu ziehen und zu seiner Bereicherung beizutragen;
b. jeder Mensch, allein oder als Mitglied einer Gemeinschaft, die Verpflichtung besitzt, das Kulturerbe anderer genauso zu achten, wie das eigene Kulturerbe und folglich auch das gemeinsame kulturelle Erbe Europas;
c. die Ausübung des Rechtes auf Kulturerbe nur jenen Beschränkungen unterworfen werden kann, welche in einer demokratischen Gesellschaft zum Schutz des öffentlichen Interesses sowie der Rechte und Freiheiten Dritter notwendig sind.

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