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Fritto Misto

(K)Ingomar

Der Pusterer Unternehmer ist für viele ein rotes Tuch. Dabei muss man eigentlich den Hut vor ihm ziehen.
Colonna di
Ritratto di Alexandra Kienzl
Alexandra Kienzl13.02.2019
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Heute muss ich mich outen, jawohl. Ich kann mit meiner Bewunderung für einen Südtiroler Unternehmer und Kunstmäzen, ja, ich würde ihn geradezu einen Renaissance-Mann nennen, nicht länger hinter dem Berg halten: Perfektion, dein Name sei Ingemar. Oder Ingomar. Weiß der Guggu, nennen wir ihn einfach Ing*mar. Ja, ich weiß, ich stehe (noch!) mit meiner Verehrung weitgehend da wie ein Pendler an einer verwaisten Bushaltestelle, aber ich wette, wenn Sie diesen Text zu Ende gelesen habe, sind Sie ebenso ein Fan des Pusterer SAD-„SIO“ und Multitalents. Ich meine, wie kann man ihn nicht bewundern?
Wir Südtiroler sind doch, wenn wir ehrlich sind, ein Volk von Golden Retrievern. Immer lieb, immer lustig, fressen jedem aus der Hand und wälzen uns für ein bisschen Heitschi unterwürfig auf dem Boden. Nicht so Ing*mar. Ing*mar ist der kleine Kläffer, der uns ans Bein pinkelt und nach uns schnappt, wenn wir ihn halbherzig zwischen den Ohren kraulen wollen. Das ist nicht despektierlich gemeint. In einem Volk von Retrievern dieser kleine Kläffer zu sein, dazu gehört schon eine gehörige Portion Mut zur Unbeliebtheit, oder eben ein beachtliches Ego. Mit Mut und diesem Ego sind wir nicht serienmäßig ausgestattet. Ing*mar hingegen verfügt über beides in geradezu erstaunlichem Ausmaße.
Ich wette, wenn Sie diesen Text zu Ende gelesen habe, sind Sie ebenso ein Fan des Pusterer SAD-„SIO“ und Multitalents. Ich meine, wie kann man ihn nicht bewundern?
Während andere Unternehmer Sozialpartnerschaften eingehen, Flüchtlinge beschäftigen und anderen anthroposophischen Firlefanz aufführen,  hat Ing*mar nur eines im Sinn: BIG BUSINESS. Kann man’s ihm vorwerfen? Endlich einer, der für eine ordentliche Arbeitsmoral eintritt und der generellen Laschheit entgegentritt. Busfahrer, was braucht ihr Geld, macht doch mehr Stunden, dann habt ihr keine Zeit, Geld auszugeben! Sollen sie doch Kuchen essen! Wer ihm beim businessen in die Quere kommt, wird verklagt, vorzugsweise das Land (mit bislang zweifelhaftem Erfolg , aber auch Privatpersonen wie Liedermacher „Doggi“ Dorfmann, der den tüchtigen Doppeldoktor Ing*mar, man kann nur annehmen in totaler Verkennung seines Genies, einen „Schlatterer“ nannte. Tatbestand der Majestätsbeleidigung, sonnenklar.  
 
Gatterer
Ingomar Gatterer in Öl: Natürlich im schweren Goldrahmen
Würden Sie es nicht genauso machen, wenn Sie die Knete hätten? Klagen, klagen, klagen, mit Vollgas? Aber nein, uns Normalsterbliche hindert neben dem fehlenden Kleingeld auch eine seltsame Zurückhaltung und Demut, die Ing*mar, zu unserem Glück, gänzlich abzugehen scheint. Ing*mar liebt die Kollision, den Frontal-Crash. Er ist unser Denver-Biest, unsere Alexis Carrington: Wie langweilig wäre es ohne ihn!  Seine auserwählte Nemesis, den Landeshauptmann nennt er „Loser Arno“, lässt in der „Dolomiten“ Kindergarten-Kritzeleien schalten, die die Landesregierung bloßstellen oder lädt zu Pressekonferenzen, in denen er mit raumgreifenden Gesten und gleichermaßen an Kinski und Louis Quatorze gemahnender Attitüde die vertrottelten Landesbeamten an den Pranger stellt. Würden Sie doch auch alles machen, wenn Sie bloß die Kronjuwelen dazu hätten, oder? „Ich gebe nie nach!“, so sein Schlachtruf auch jetzt wieder: Sollen die Schlappis von LIBUS doch klein beigeben, Ing*mar klagt munter weiter um die PPP. Wenn das kein Fanal gegen die allgemeine Verweichlichung unserer Gesellschaft ist, dann weiß ich auch nicht.
Aber Ing*mar hellt nicht nur mit seiner kläfferhaften Streitlust unseren drögen, von einem geradezu naiven Harmoniebedürfnis geprägten Alltag auf, er bringt auch etwas, zu dem uns Bauernvolk gänzlich die Begabung fehlt, in die muffige Stube: den Glamour der weiten Welt.
Und natürlich sind wir neidisch! Haben Sie etwa ein Schloss? 
Während unser Durchschnittspromi mit dem Rucksack in Popelhausen urlaubt (man denke an die alljährliche „Wo machen Sie heuer Urlaub?“-Umfrage der Tageszeitungen), jettet Ing*mar mir nichts dir nichts um die halbe Welt. Trinkt Schampus in St- Moritz, macht Party in Kitz, dinniert „with my MAMMI“ in den feinsten Restaurants, während am Nebentisch Sly Stallone gelangweilt in die Runde blickt. All das wird nicht etwa verschämt verschwiegen, wie’s die gute Tiroler Tradition gebieten würde, sondern freimütig auf Facebook zur Schau gestellt, garniert mit weltmännischem Englisch. Right so! So darf auch seine geduldige Belegschaft erfahren, dass „my next car will be a Rolls Royce“ oder „big friends from Russia“ zu Gast in seinem Schloss waren.
Ja, ich vergaß, ein Schloss hat er auch. Wer seine Schnappschüsse aus der Welt der Reichen und Schönen hämisch kommentiert, dem unterstellt er prompt, neidisch zu sein. Und natürlich sind wir neidisch! Haben Sie etwa ein Schloss? Nein, ich habe auch keins. NEID. Der ins Unermessliche  wächst, sobald Sie sein Facebook-Profilbild sehen: Ein in Öl verewigter Ing*mar in Macherpose, natürlich im schweren Goldrahmen. Da weicht der Neid erleichterter Resignation: Er spielt einfach in jeder Hinsicht in einer anderen Liga. Da können wir gar nicht mithalten.
Gott möge ihn uns noch lange erhalten.
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Ritratto di Benno Kusstatscher
Benno Kusstatscher 13 Febbraio, 2019 - 19:43

Man kann es auch so sehen: Leute wie Gatterer sind die beste Garantie dafür, dass die Exekutive Direktiven erlässt, die hieb- und stichfest sind. Das ist eine Art von Qualitätssicherung. Wenn man in Zukunft keine unterbezahlten Busfahrer will, dann darf man nichts mehr dem Zufall oder dem Gutwill überlassen, sondern muss Nägel mit Köpfen machen. Dass die Deutungshoheit vergangener Vereinbarungen auf dem Prüfstand steht, ist an und für sich auch nicht verwerflich. Der politischen Opposition stehen gewisse Mittel gar nicht zur Verfügung. Ein Kläffer am Bein kann also durchaus Mehrwert bringen.

Ritratto di Marina Rubatscher Crazzolara
Marina Rubatscher Crazzolara 13 Febbraio, 2019 - 19:53

"Ich wette, wenn Sie diesen Text zu Ende gelesen habe, sind Sie ebenso ein Fan des Pusterer SAD-„SIO“ und Multitalents. Ich meine, wie kann man ihn nicht bewundern?"

WETTE VERLOREN!
Frage mich immer noch nach der Sinnhaftigkeit eines solchen Artikels, unabhängig davon, wie man zur angesprochenen Person oder deren politischen Vorgehensweise auch steht.
Südtirol, in erster Linie ein Neidland!
Schade, dass der Text von einer Frau geschrieben wurde. Schade...!

Ritratto di Paul Schöpfer
Paul Schöpfer 13 Febbraio, 2019 - 21:23

Ich finde den Beitrag wunderbar. Grosses Kompliment!
..und was bitte hat es zur Sache, ob ein Artikel aus der Hand einer Frau oder eines Mannes stammt?

Ritratto di Sepp Bacher
Sepp Bacher 13 Febbraio, 2019 - 22:08

Sie haben wohl keinen Sinn für Humor, für Ironie und Satire? Ich finde den Beitrag köstlich. Schade, dass es Humor, Ironie und Satire sowie politisches Kabarett in der politischen Diskussion in Südtirol nicht öfters gibt!

Ritratto di Manfred Klotz
Manfred Klotz 14 Febbraio, 2019 - 11:56

"Zu einer ironischen Bemerkung gehören immer zwei: Einer, der sie macht und einer der sie versteht." (Otto Weiß, 1849 - 1915)

Ritratto di Servus Leute
Servus Leute 13 Febbraio, 2019 - 22:44

endlich gute Satire hierzulande. Danke.

Ritratto di Mathias U.
Mathias U. 14 Febbraio, 2019 - 00:32

Wunderbare Kolumne. Selbst zehn Minuten nach dem Lesen muss ich noch drüber schmunzeln.

Ritratto di kurt duschek
kurt duschek 14 Febbraio, 2019 - 07:29

.....diese feine Ironie, immer wieder gepaart mit beispiellosen Begebenheiten, Verhalten und Reaktionen von Gatterer, Kompliment mit subtiler Klinge geschrieben!

Ritratto di rotaderga
rotaderga 14 Febbraio, 2019 - 07:45

Ich würde mich , wäre ich an Stelle Gatterers, bei Alexandra Kienzl mit einem Blumenstrauß bedanken.
Soviel Bewunderung und Anerkennung ist ihm schon lange nicht mehr widerfahren.

Ritratto di Christa Volgger
Christa Volgger 14 Febbraio, 2019 - 08:13

Herrlicher Beitrag, wird anscheinend von einigen nicht verstanden...

Ritratto di Heinrich Zanon
Heinrich Zanon 14 Febbraio, 2019 - 08:29

Das Allerbeste, auch von der Sprachqualität her, was wir bisher auf Salto serviert bekommen haben!

Ritratto di Alfonse Zanardi
Alfonse Zanardi 14 Febbraio, 2019 - 08:44

Wieder ein sehr gelungener "Fritto misto" dessen wundersam bewundernder Tonfall dem guten Ingomar sich nicht Grund zur Klage (sic!) geben wird.

Ritratto di Manfred Klotz
Manfred Klotz 14 Febbraio, 2019 - 11:59

Ich ziehe meinen Hut vor Ihnen Alexandra! Köstlich.

Ritratto di Oliver H. (gesperrt)
Oliver H. (gesperrt) 14 Febbraio, 2019 - 18:14

Sehr schöner Beitrag! Da kann man sich was davon abschneiden.

Ich finde Bennos Gedankengang hervorhebenswert: Jede Gesellschaft braucht Eiertreter. Sie sind der natürliche Stresstest fürs System. Die Gatterers dieser Welt sorgen dafür, dass die Landesregierung und -verwaltung besonderes Augenmerk auf die ausghandelten Verträge legen muss. Dadurch kommt mehr Seriösität in den Laden und es wird verhindert, dass sich eine Wurschtigkeit einschleicht.

Ritratto di Manfred Klotz
Manfred Klotz 15 Febbraio, 2019 - 07:33

Der Besagte scheint mir nicht unbedingt ein gutes Beispiel für Bennos These zu sein. Anderen den Spiegel vorzuhalten ist gut, nur muss man sich auch selbst ohne Scham ins Auge blicken können.

Ritratto di ceteris paribus
ceteris paribus 15 Febbraio, 2019 - 08:43

gefällt mir!

Ritratto di △rtim post
△rtim post 18 Febbraio, 2019 - 14:10

Was hat (K)Ingomar nur mit dieser schreibenden Verehrerin bloß angestellt?
Nur er weiß es - vielleicht. Ist das jetzt eine besondere Kultpflege einer Bestfan nach dem Motto: "Ich will ein Kind von ihm", ein Anwanzen oder gar Stalking?
Die Leser-innen sind sicher schon gespannt.

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