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Salto Gespräch

Tatort Kino

Das Ehepaar Nemec präsentierte beim Filmfestival in Bozen einen "Tatort" und den preisgekrönten Dokumentarfilm "Vom Lieben und Sterben". Ein öffentliches Festival-Verhör:
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Salto.bz: Sie haben 2013, nach über einem Jahrzehnt zusammen, entschieden „heimlich“ zu heiraten, habe ich nachgelesen. Wer hat den Fall aufgedeckt?
Katrin Nemec: Die Bild-Zeitung. Alles was man der Bild-Zeitung nicht direkt sagt, ist heimlich.
Miroslav Nemec: Ich habe noch keinen Vertrag mit jemandem von der Presse, um mitzuteilen wann ich heirate. Heimlich war es eigentlich nicht. Wir haben nur nicht angegeben, wo wir heiraten. Wir hatten hundert Gäste und die wussten alle wo sie hinkommen müssen. Nur die Presse nicht, das wollten wir auch so haben.
Katrin Nemec: Wir haben es danach nicht einmal an die Presse verkauft.
Miroslav Nemec: Obwohl wir es nötig gehabt hätten.

Neben Ihrer Ehe verbindet Sie auch eine große Liebe zum Film…
Katrin Nemec: Es ist sicher ein verbindendes Element.
Miroslav Nemec: Wir haben schon unterschiedliche Meinungen was Filme angeht, oder die Rezeption ist anders, aber wir haben einen ähnlichen Humor. Es verbindet uns auch, dass wir gemeinsam sehr gerne Dokumentarfilme anschauen. Auch Serien.
Katrin Nemec: Wir haben uns auch durch die Filmgeschichte geguckt.
Miroslav Nemec: Am Anfang als wir uns kennengelernt haben, da hatte ich noch eine VHS-Kassetten-Sammlung, ich bin ein großer Fan von Fellini, Hitchcock, Truffaut, Nouvelle Vague.

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Bekannt als Kriminalhauptkommissar Ivo Batic. Im richtigen Leben ist er der Schauspieler und Musiker Miroslav Nemec / Foto: Matthias Wagner

Musiklieber sind sie auch…
Miroslav Nemec: Musik ist natürlich immer mein Lebenselixier gewesen: Klavier, Gitarre, Posaune, Schlagzeug. Auch Flöte hab ich gelernt, am Mozarteum in Salzburg. Ich durfte ja noch Karajan erleben, in Salzburg, bei meinem Musikstudium. Er leitete Carl Orffs letzte Oper De temporum fine comoedia. Ich war damals im Bewegungschor, verdiente während des Sommers Geld damit. „Herbertl“, wie Karajan genannt wurde, dirigierte höchstpersönlich. Das war prägend.
Katrin Nemec: Wir waren im vergangenen Sommer aber auch bei Sting in der Arena von Pula.
Miroslav Nemec: Open-Air, gutes Wetter. Geil!

Sie haben bereits in Südtirol gedreht?
Miroslav Nemec: Das war vor einigen Jahren. Wir haben in den Bergen den Zweiteiler „Gefährliche Diamanten“ gedreht, unter anderem mit Heiner Lauterbach. Ich hab damals einen Pfarrer gespielt, der ein Verhältnis mit einer Beamtin hat, was hier sonst – im katholischen Südtirol – nie vorkommt.

Nun ist sogar mein zweiter Krimi fertig – eine Dame darin, kommt aus Südtirol.

Frau Nemec, in Ihrem mit dem bayrischen Fernsehpreis ausgezeichneten Film „Vom Lieben und Sterben“ geht es um einen Musiker, um Robert Wolf, den begnadeten Gitarristen, der nach einem Autounfall querschnittsgelähmt und fast völlig von fremder Hilfe abhängig ist. Wie kam es dazu?
Katrin Nemec: Die Geschichte hat ihren Ursprung im Jahr 2003, als mein bester Freund Erich Hallhuber gestorben ist. Seit diesem Moment hat sich bei mir eine Angst manifestiert, dass sich eben von der einen auf die andere Sekunde alles ändern kann.
Man kann eigentlich gegen alles eine Versicherung abschließen, aber es kann sich durch eine Diagnose, eine Trennung, einen Unfall, alles ändern. Plötzlich.

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Foto: Matthias Wagner

Sie haben den Protagonisten über mehrere Jahre begleitet und beleuchten im Film auf differenzierte Weise das Thema Sterbehilfe. War der Todesplan Roberts vorhersehbar?
Katrin Nemec: Der Film hätte sich in jede Richtung entwickeln können. Robert wollte sich diesen Zeitpunkt vorbehalten. Es gab dann auch immer wieder Momente der Hoffnung, als er etwa wieder seine Zehen bewegen konnte. Richtig klar war es für ihn erst dann, als sich herausstellte das alle Nerven durchtrennt sind.

Sie haben einen poetischen Einstieg für Ihren Film gewählt, ein Gedicht, gelesen von Miroslav Nemec…
Katrin Nemec: Das Gedicht von Pablo Neruda am Anfang, wurde vom Seelsorger auf Roberts Beisetzung gelesen. Es passte auch gut zur Liebesgeschichte zwischen Robert und seiner Frau Angelika. Ich finde es ist eine schöne Möglichkeit in ein Thema einzuführen, es hat einfach alles auf den Punkt gebracht.

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Aus dem Film: „Vom Lieben und Sterben“  / Fotoquelle: Tangram-Film

Welche Rolle nimmt Angelika im Film ein, die wesentlich jüngere Partnerin des Musikers?
Katrin Nemec: Angelika ist der Gegenpart zu Robert, die Hoffnungsträgerin, die am Leben festhält, die sagt: „Alles ist möglich, auch mit einer so schweren Behinderung.“
Miroslav Nemec: Bei Robert war es so, dass am Anfang tatsächlich noch die Chance Bestand, dass sich die Nerven aktivieren. Er war vom Hals abwärts gelähmt, er konnte eigentlich gar nichts mehr machen. An dem Moment hat er aufgegeben.
Er war ja kein Hawking, sondern ein Gitarrist.

Der beim BFFB-Festival gezeigte Tatort „Freies Land“ wird am 3. Juni gesendet. Es geht um Selbstmord?
Miroslav Nemec: Der nicht wie einer aussieht. Und dem mussten wir nachgehen. Es geht vor allem aber um ein gesellschaftlich relevantes Thema, um die sogenannten Reichsbürger, Menschen die Justiz, die Polizei, den Stadt nicht anerkennen.

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Foto: Matthias Wagner

Im TV und in den Buchgeschäften boomen Krimis. Sie haben sich auch schon mal an einem Kriminalroman versucht. Wie war`s?
Miroslav Nemec: Nun ist sogar mein zweiter Krimi fertig  eine Dame darin, kommt aus Südtirol.

Warum eine Südtirolerin?
Miroslav Nemec: Aus reiner Sympathie. Der Krimi spielt in Kroatien und sie ist mit einem Kroaten verheiratet. Südtirol hat Gemeinsamkeiten mit Kroatien und Istrien. Hier wie dort gibt es zweisprachige Ortsschilder. Sie kommt also in ein Land, wo es auch um Zugehörigkeit geht, um Identitätsgeschichten. Der Krimi wird sich Kroatisches Roulette nennen und kommt zur Buchmesse Frankfurt im Herbst.

Frau NemecSie haben einen Film über eine Frau mit einem Tumor im Kopf gemacht, die ihr Kurzzeitgedächtnis verliert, über Hidschra in Indien. Und nun arbeiten sie an einem Film über Eltern von Mördern. Was reizt Sie an schwer zugänglichen Themen.
Katrin Nemec: Es sind Themen, die mich zunächst überfordern und an denen ich mich auch abarbeiten kann, die eine Fragstellung implizieren, die sich nicht einfach beantwortet lässt.

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Foto: Matthias Wagner

 

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