Nachthimmel
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#alsodann

Viecher

Beim Einschlafen, beim Aufwachen, in Gesprächen, kommen sie immer wieder hoch, jene Themen, die mich nicht mehr loslassen.
Colonna di
Ritratto di Renate Mumelter
Renate Mumelter15.12.2018
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Kürzlich unterhalte ich mich bei einer Einladung mit einer sympathischen, gebildeten Frau. Rasch sind wir uns einig darüber, dass die Zeit, die wir gerade erleben müssen oder dürfen nicht die beste ist, eine unmenschliche. Die Frau ist keine verbissene Esoterikerin und doch kommt sie auf die aktuellen Konstellationen zu sprechen, jene Sterne, die grad auf Zerstörung stehen. Wenn's gut geht, wird daraus Veränderung. Das destruktive Potential werde auf jeden Fall andauern, sagen die Sterne, die heute so ähnlich stehen wie in den 1930er Jahren. Aha. Der Vergleich legt sich immer wieder nahe.

Ach ja, die Achse Berlin-Rom wird auch wieder genannt. Und wie wär's mit einer coolen Option?

Da wäre zum Beispiel diese Tierliebe, die so tut als wäre sie eine, wenn wir Hunde in Kinderwägen spazieren führen, markenbewusst einkleiden und auf die Schnauze küssen, wenn wir keinen Honig essen, um die Bienen nicht zu berauben, wenn wir so tun, als hätten wir alle Viecher unglaublich lieb - wo's grad leicht geht, natürlich.

Bei den Menschen nehmen wir's weniger genau. Die können ersaufen, verhungern, dahinvegetieren, wenn sie nicht in unser Konzept passen. Kürzlich verkündete unser verbrecherischer Oberpopulist, das Schächten einstellen zu wollen – zum Schutz der Tiere. 1933 war's genau so. Das deutsche Tierschutzgesetz gab erstmals vor, Tiere um ihrer selbst willen schützen zu wollen. Sein Hintergrund war antisemitisch. 1933 nahm man es mit dem Schutz der Menschen auch nicht so genau. Ach ja, die Achse Berlin-Rom wird auch wieder genannt. Und wie wär's mit einer coolen Option?

Bis Mittwoch fallen derweil die Sterne vom Himmel.

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Ritratto di Oliver H. (gesperrt)
Oliver H. (gesperrt) 15 Dicembre, 2018 - 15:28

Hat Salto wirklich ein solch billiges Clickbaiting mittels Nazivergleich notwendig?

Das passt aber sowieso gut zum Zeitgeist. Glaubt man einigen deutschen Stiftungen, erkennt man völkisch gesinnte Eltern daran, dass ihre Töchter gezopfte Haare tragen. Da ist es nur logisch, dass man Nazis daran erkennt, dass sie gegen Schächtungen sind.

Spielen wir das spiel doch weiter und begeben uns auf das zweite Betätigungsfeld von Frau Mumelter, den Feminismus: Wer sich gegen Beschneidungen der Frau einsetzt, ist auch ein Nazi und islamophob.

Zusammengefasst kann man sagen: Egal um welches gesellschaftspolitische Problem es sich handelt: Wenn man es von links kritisiert, verdient man Applaus und Lob. Wenn man es aber von einer nicht linken Position heraus kritisiert, ist man ein Nazi, Sexist oder was für Stigma halt sonst gerade so passt.

Und wenn wir schon bei Parallelen zu den 30ern sind: Genau jene, die vorgeben gegen ein Revival der NS-Zeit vorzugehen sind letztlich diejenigen, die sich selbst NS-Methoden bedienen. Ob das nun die Bespitzelung von Kindergartenkindern oder der Boykott oder gar eine gewalttätige Aktion gegen politisch Andersdenkende ist.
Ich denke es hat mehr von 1933 wenn man öffentlich zum Boykott eines Gastwirtes aufruft, in dessen Gastwirtschaft Stammtische der AfD stattfinden als wenn jemand das Schächten kritisiert.

Daran erkennt man sehr schön das Messen mit zweierlei Maß, welches uns in die derzeitige politisch völlig festgefahrene Situation geführt hat.

Ritratto di Manfred Klotz
Manfred Klotz 16 Dicembre, 2018 - 08:28

Schon wieder Oliver? Du klinkst dich bei A ein um das Thema auf B zu lenken.
Deine Behauptung, die Nazis waren überzeugt das Richtige zu tun hinkt, denn so einfach ist es nun wieder nicht. Wer dem Machtwahn verfällt, mag vielleicht wirklich überzeugt sein, aber der „Erfolg“ lag eher an der Bereitschaft großer Teile der Elite in militärischen und wirtschaftlichen Kreisen mit dem Regime zusammenzuarbeiten, weil sie sich dadurch Vorteile versprachen. Um Überzeugung geht es da kaum, wenn nicht um die Überzeugung für sich selbst etwas zu tun.

Ritratto di Oliver H. (gesperrt)
Oliver H. (gesperrt) 16 Dicembre, 2018 - 08:54

Du könntest genausogut schreiben: "Schon wieder Renate? Du klinkst dich bei A ein um das Thema auf B zu lenken."

Die Nazikeule bringt den Diskurs nicht weiter, wer sie anwendet, verschlimmert die Situation eigentlich nur.
Was du über Machtwahn und Opportunismus sagst ist zutreffend und steht in keiner Weise in Widerspruch zu meinen Aussagen.

Ritratto di Peter Gasser
Peter Gasser 15 Dicembre, 2018 - 15:36

"Und wenn wir schon bei Parallelen zu den 30ern sind: Genau jene, die vorgeben gegen ein Revival der NS-Zeit vorzugehen sind letztlich diejenigen, die sich selbst NS-Methoden bedienen".
Bei den heutigen Populisten (Trump, Orban, Erdogan, AFD, Lega, ...) und deren Art, Politik zu betreiben verbunden mit deren narzisstischer Selbstverliebtheit und manipulierender Verlogenheit, einen Vergleich zu den 30-iger Jahren des letzten Jahrhunderts zu machen, liegt eher Nahe, als dass es weit her geholt erscheint.
Der oben zitierte Satz entbehrt jeder innewohneneden Logik und dient einzig und allein dialektischer Provokation - eine leere Oberhandtechnik.

Ritratto di Oliver H. (gesperrt)
Oliver H. (gesperrt) 15 Dicembre, 2018 - 20:55

Peter, du argumentierst wie ein NPC.

Vielleicht solltest du einmal durchatmen und meinen Kommentar unvoreingenommen lesen und dich fragen, was ich eigentlich sage.

Denn ich habe in keiner Weise die Politik von Leuten wie Trump, Orban, Erdogan, AFD, Lega,... verteidigt. Ich kritisiere, dass sofort die Nazi-Keule gezogen wird.

Der von dir zitierte Satz aus meinem Kommentar ist durchaus logisch nachvollziehbar. Wenn der Satz so offensichtlich unlogisch ist, dann sollte es für dich ein Leichtes sein, das auszuführen. Leider passt der Satz "Es ist kein Faschismus, wenn wir es tun." sehr gut zu manchen Vorkommnissen im heutigen politischen Diskurs. Das ist ein großes Problem.

Wer wirklich antifaschistisch gepolt ist, darf eben nicht nur darauf achten, was die Rechtspopulisten tun. Nein, wer wirklich antifaschistisch gepolt ist, der muss auch oder ganz besonders darauf achten, nicht selbst in Denk- und Verhaltensmuster zu fallen, die faschistischem Denken entsprechen.

Du musst nämlich eines bedenken: Die Nazis dachten nicht, dass sie die Bösen sind. Sie waren davon überzeugt, das Richtige zu tun. Und wer davon überzeugt ist, das Richtige zu tun, der läuft Gefahr Grenzen zu überschreiten, die man nicht überschreiten sollte.

Ritratto di Peter Gasser
Peter Gasser 15 Dicembre, 2018 - 22:21

Es ist unhöflich, in einer Diskussion einen Teilnehmer kindergartenhaft & ad personam zu belehren. Ich kenne sowohl diese einfachen Oberhand-Techniken, als auch die sehr umfangreiche eristische Dialektik Schopenhauers. Beides ist hier unangebracht. Es geht weder a priori ums Üben reiner Dialektik, noch geht es um Sie und schon gar nicht um mich.
Der Trend weg vom zugegebenermassen oft langatmigen kooperativen Lösen von Problemen und hin zu einfachen populistischen Betrachtungen mit einfachen und falschen Versprechen für Lösungen komplexer Sachverhalte ist eindeutig feststellbar. Das wird noch sehr sehr schwierig für die Zukunft. Nicht das Geringste meines Lebens würde ich freiwillig Rattenfängern wie Trump oder Salvini anvertrauen, schon gar nicht die Zukunft unsere Kinder.

Ritratto di Peter Gasser
Peter Gasser 15 Dicembre, 2018 - 22:24

zudem: die Nazis wussten genau, dass sie die Bösen sind.

Ritratto di Oliver H. (gesperrt)
Oliver H. (gesperrt) 16 Dicembre, 2018 - 05:44

woran machst du das fest? Ich habe mich relativ eingehend mit der NS-Ideologie beschäftigt und bin zu einem völlig anderen Schluss gekommen. In der NS-Ideologie geht es hauptsächlich um die Gemeinschaft. Du bist nichts, dein Volk ist alles. Zum Wohle des Volkes sind in der NS-Ideologie einige Dinge unumgänglich. Welche Folgen hat das: Der Tod eines deutschen Soldaten auf dem Schlachtfeld für das größere Wohl des Volkes ist in dieser Logik notwendig und edel. Dasselbe gilt für den Tod der Juden. In der NS-Logik ist der Tod der Juden ein notwendiger Schritt in eine bessere Zukunft. Der Jude erfüllt seine Pflicht an der Gemeinschaft, indem er in die Gaskammer geht und trägt damit zu einer besseren Zukunft bei.

Aus heutiger sicht klingt diese Sichtweise krank und verstörend. Sie klingt nicht nur so, sie ist es auch. Innerhalb dieser Ideologie werden Verbrechen wie Krieg und Judenverfolgung sowie Zensur, Gesinnungsterror etc. legitimiert. Sie dienen einem scheinbar höheren Zweck.
Aus der national-sozialistischen Sicht könnte man also sagen: Nicht die Abschlachtung der Juden ist ein Verbrechen, nein, es wäre ein Verbrechen, wenn man nichts gegen dieses Problem unternimmt. Denn wer sehenden Auges ein Problem wie die Judenfrage nicht angeht, der handelt langfristig gegen das Gemeinwohl.

DAS ist der Quellcode des National-Sozialismus. Insofern würde ich schon sagen, dass sich die Nazis für die Guten hielten. Mir stellt es die Nackenhaare auf, während ich das schreibe, weil die NS-Ideologie so krank ist, dass es mir unangenehm ist, die Denkweise der Nazis zu paraphrasieren.
Dass viele am Holocaust Beteiligte Gewissensbisse hatten, da sie wussten, dass das nicht in Ordnung ist, stelle ich gar nicht in Abrede. Ohne Mitläufer ist so ein Wahnsinn ja ohnehin nicht möglich. Die Macher waren jedoch Überzeugungstäter.
Hier empfiehlt sich auch Hannah Arendts Sichtweise zu berücksichtigen. Wir stellen uns die Nazis gerne als böse Ungeheuer vor - als Archetyp des absolut Bösen. Zu sagen, die Nazis seien alles Psychopathen gewesen wäre aber viel zu bequem.

Daher frage ich dich noch einmal´: Woran machst du fest, dass die Nazis wussten, dass sie die "Bösen" waren?

Ritratto di Karl Lunger
Karl Lunger 15 Dicembre, 2018 - 22:53

Ich lese diese Kolumne immer gerne, sogar alle Kommentare darunter, aber warum das Thema Hunde so negativ besetzt ist, das versteh ich nicht und dann juckt mich immer die Tastatur. Unsere dominante Religion hat nichts gegen Hunde und sogar in unserer Geschichte gab es die Hunde. Im guten alten Pompeji finden wir schöne Zeugnisse dafür :

https://it.wikipedia.org/wiki/Cave_canem

Ob ich also meinen Hund in meinem Bett schlafen lasse oder einen Zweibeiner, das darf ich zum Glück in Europa noch selbst entscheiden.

Ritratto di Mensch Ärgerdichnicht
Mensch Ärgerdichnicht 16 Dicembre, 2018 - 11:15

Zwei Frauen die beim Kaffeekränzchen über Astrologie und Geschichte sinnieren... den restlichen Kommentar spar ich mir lieber.

Ritratto di Andreas gugger
Andreas gugger 17 Dicembre, 2018 - 12:13

meinen sie Oliver h und Gasser?

Ritratto di Mensch Ärgerdichnicht
Mensch Ärgerdichnicht 17 Dicembre, 2018 - 12:46

Nein, das sind doch Männer. Sollte die Frage oben einen schlechten Witz kaschieren, dann muss ich empört darauf hinweisen, dass einen Mann als Frau darzustellen extrem sexistisch und unangebracht ist.

Ritratto di Herta Abram
Herta Abram 17 Dicembre, 2018 - 13:56

Diese Doppelconférence zum Thema Sexismus, zwischen MENSCH ÄRGEREDICHNICHT und ANDREAS GUGGER, - ist absolut Kabarettwürdig!!

Ritratto di gorgias
gorgias 17 Dicembre, 2018 - 14:04

Diese simplizistischen Pauschalurteile zeigen höchstens, dass Sie im Grunde nichts zu sagen haben.

Ritratto di Peter Gasser
Peter Gasser 17 Dicembre, 2018 - 14:38

Herta Abram: ich würde zu diesem Kommentar gerne herrlich sagen, wenn man dies nicht missverstehen könnte (HERRlich), so bediene ich mich des Adjekivs „himmlisch“.

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