Advertisement
Protest

Bozner Aufstand gegen den Verkehr

Es reicht, sagen nun nicht nur die Grieser, sondern BoznerInnen aus allen Stadtvierteln in Sachen Verkehrsbelastung. Und gehen am Donnerstag auf die Straße.
Advertisement

„Bozen erstickt im VerkehrBolzano soffocato dal traffico“ ist in diesen Tagen auf Ankündigungen in der ganzen Stadt, auf Facebook oder WhatsApp zu lesen. Der Hintergrund? Eine Protestaktion gegen die Verkehrsbelastung, die am Donnerstag Nachmittag dieser Woche geplant ist. Um 17 Uhr wollen sich Bürgerinnen um Bürger am Mazziniplatz treffen, um in einem Protestzug zum Rathausplatz zu ziehen. „Die Grenzwerte der Luftqualität in Bozen werden seit Jahren systematisch überschritten. Und das nicht nur nahe der Autobahn, sondern insbesondere auch in belebten Wohnvierteln: In der Vittorio-Veneto-Straße, Freiheits- und Romstraße, Drususstraße, Claudia-Augusta-Straße und vielen weiteren“, heißt es in einer Pressemitteilung, die von „besorgten BürgerInnen -  Cittadini/e preoccupati/e“ unterschrieben ist. „Zur belasteten Luftqualität, welche Atemwege und Lungen schädigt, gesellen sich starke Lärmbelastungen durch den immer noch ansteigenden Individualverkehr. Besonders der Grenzwert der Stickoxide (als Indikator für gesundheitsschädliche Emissionen) wird seit 10 Jahren überschritten.“

Feststellungen, die kürzlich auch von Umweltlandesrat Richard Theiner zu hören waren. Doch erstmals begehrten nun auch die BewohnerInnen der Stadt gemeinsam gegen die Belastungen auf. Als Kontaktpersonen scheinen auf der Pressemitteilung Melitta Pitschl und Irene Egger auf, also zwei Mitgliedern der Initiative Verkehr Gries, die im vergangenen Jahr bereits mit mehreren Aktionen gegen die Verkehrsbelastung in Gries protestiert haben. Nun jedoch sind auch Bürgerinnen und Bürger aus allen anderen Stadtvierteln mit dabei, um ein öffentlichkeitswirksames Signal gegen die Beeinträchtigung ihrer Gesundheit und Lebensqualität auszudrücken. Und können dabei auf die Rückendeckung gleich mehrerer Organisationen wie Dachverband für Natur - und Umweltschutz, Legaambiente, Ambiente & Salute, Arci Bolzano, Lab BZ und CGIL zählen, die in der Pressemitteilung als Unterstützer der Aktion aufscheinen.

„Jede Umfahrungsstraße, die in den letzten Jahren rund um Bozen erstellt wurde, förderte den meist nur mit einer Person bestückten Autoverkehr und dessen Beschleunigung in Richtung Bozen."

„Die geografische Lage der Stadt im Talkessel und das daraus folgende Stadtklima Bozens erfordern besondere Maßnahmen, um eine gute Luftqualität und damit auch die Lebensqualität in dieser Stadt zu bewahren bzw. wiederherzustellen“, schreiben die „besorgten BürgerInnen“. Die drei vorangegangenen Protestaktionen der Initiative Verkehr Gries hätten zwar kleine Verbesserungen für die Sicherheit der Kinder auf dem Schulweg erbracht. Leider gäbe es aber noch immer viele weitere Gefahrenzonen für Kinder, aber auch für erwachsene FußgängerInnen und RadfahrerInnen, für ältere und/oder beeinträchtigte Menschen. „Auch gehen die Stickoxid- und Feinstaubbelastungen voll zu Lasten der Gesundheit derer, die umweltfreundlich zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs sind. Dies schädigt nicht nur die betroffenen Menschen, sondern verursacht darüber hinaus volkswirtschaftliche Folgekosten im Gesundheitswesen.“

Scharfe Kritik wird im Aufruf daran geübt, dass dem motorisierten Individualverkehr Vorrang eingeräumt werde. „Jede Umfahrungsstraße, die in den letzten Jahren rund um Bozen erstellt wurde, förderte den meist nur mit einer Person bestückten Autoverkehr und dessen Beschleunigung in Richtung Bozen, siehe MeBo, siehe Umfahrungsstraßen nach Leifers, dem Unterland und Richtung Überetsch, siehe Tunnels ins Sarntal und die Straße nach Jenesien. Laut Plänen der Provinz Bozen soll auch in Zukunft intensiv in den Ausbau von Straßen investiert werden“, heißt es in der Pressemitteilung. Darin verlangen die Bürgerinnnen und Bürger nicht zuletzt,  dass „alle um und in Bozen getroffenen Maßnahmen seitens des Landes und der Stadt auf Gesundheit, Sicherheit und Lebensqualität der in Bozen lebenden Menschen rasch und systematisch überprüft werden – unter Partizipation der jeweils betroffenen Bevölkerung.“

Ebenso eindringlich kommt die unmittelbare Forderung der „besorgten BürgerInnen“ herüber: 

An einer lebendigen und gesunden Stadt Bozen interessierte Bürgerinnen und Bürger verlangen, dass ihr Grundrecht auf Gesundheit bewahrt wird. Wir sind nicht länger bereit, ein gesetzwidriges Verhalten der öffentlichen Verwaltung in Stadt und Land zu tolerieren.

Wir, besorgte Boznerinnen und Bozner, wollen eine lebendige, gesunde Stadt. Wir wollen weniger motorisierten Individualverkehr und einen effizienten öffentlichen Verkehr als echte Alternative zum Auto. Wir wollen sichere Straßen für unsere Kinder und älteren Menschen, für uns alle. Und wir wollen mehr Raum auf den Straßen und Plätzen für gesunde Beweglichkeit. 

WIR FORDERN DAHER KURZFRISTIGE, AM GEMEINWOHL UND EINEM GESUNDEN BOZEN ORIENTIERTE LÖSUNGEN.

Deshalb treffen wir uns am Donnerstag, 19. April um 17.00 h auf dem Mazziniplatz zu einer Protestaktion und bewegen uns von mehreren Stadtvierteln aus in Richtung Rathausplatz.

Advertisement

Articoli collegati

Fate il login per scrivere commenti.

Commenti

Ritratto di Ralph Kunze

Das Problem kann ohne weiteres kurzfristig gelindert werden und zwar von den Politikern von Stadt und Land selbst: es muss unterbunden werden, dass die meisten berufstätigen mit dem eigenen Auto, zu ihrem Arbeitsplatz gelangen.
Bei allen allen öffentlich Bediensteten, sei es Landesangestellte, Gemeindebedienstete Lehrer usw. muss es verboten werden mit dem Auto zur Arbeit zu fahren. Schließlich werden diese Kategorien ausschließlich mit Steuergeld bezahlt, also ist das rechtlich möglich. Bei den Berufstätigen in der Privatwirtschaft müssen die Unternehmer schauen, dass die Arbeitnehmer öffentliche Verkehrsmittel oder Fahrgemeinschaften bilden, Denjenigen, die durch Bozen fahren müssen, um ihre Ortschaften zu erreichen, wie die Sarner, Jenesiener usw, muss freie Fahrt gewährt werden, genauso wie den Handwerkern, lieferanten usw. die nach Bozen müssen.
ich bin überzeugt, dass sich der Verkehr um mindestens 30% reduzieren würde.

Ritratto di Martin B.

An min 30% glaub ich auch. Alle die weniger als 3 km fahren zu haben könnten problemlos das Rad nehmen, von 4-6 km pro Strecke sind Elektroräder gut. Also die sollten gefördert und PKW-Stadtverkehr (allein im Auto) könnte z.B. an neuralgischen Punkten mit einer Maut belegt werden. Auch wenn ich gegen solche Datensammlungen bin, aber mit Kennzeichenerkennung und Foto als Beweis, das es keinen Beifahrer gibt, könnte so die Stadt die eigenen Bürger bemauten.

Ritratto di Richter Peter

Ich würde eine City Maut für Autos einführen. Es muss nicht jeder mit seinem Privatwagen hineinfahren. Das ist total irrsinnig.

Advertisement