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Philipp Fallmerayer
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Salto Community

Ein Vorschlag für die Zukunft

Die Salto-Community nach der Corona-Krise
Un contributo della community di Philipp Fallmerayer16.04.2020
Ritratto di Philipp Fallmerayer
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Kürzlich hat salto.bz seinen siebenjährigen Geburtstag gefeiert. Man muss den Initiatoren des Projekts das absolute Kompliment aussprechen, das Wagnis, der vorwiegend aus Südtirol stammenden Leserschaft eine Alternative zur angestammten Medienlandschaft zu bieten, bravourös gemeistert zu haben.

Auch den aktiven und passiven Mitarbeitern, sofern man sie so nennen darf, sprich der Community, gebührt ein kräftiges Lob, werfen Sie doch zeitkritische, nachdenklich machende und berührende Themen auf und bewegen sich hier gekonnt und zweisprachig innerhalb verschiedenster Bereiche.

Der Star im fleißigen Redaktionsteam ist zweifelsohne Christoph Franceschini; es scheint als dürste die Leserschaft quasi nach seinem Enthüllungsjournalismus. Wie wichtig dieser ist, zeigt auch der aktuelle mutmaßliche Skandal im Sanitätsbetrieb. Es gilt selbstverständlich die Unschuldsvermutung, aber die aktuellen Indizien lassen den Schluss zu, dass nicht optimal gearbeitet wurde – und dies zum Nachteil der wichtigsten Einsatzgruppe, die wir im Moment haben.

Wahre Größe hat salto.bz in einer anderen Krise als der aktuellen bewiesen. Bei der Tragödie in Luttach, gelang es – im Unterschied zu allen anderen Medien in Südtirol – auf reißerische Aufmachungen zu verzichten, den Opferstatus beider Seiten angemessen zu beleuchten, ohne die Schuld des Täters zu vergessen und vor allem ohne Namen und Bilder auszukommen, die die widerliche Seite der Sensationspresse offenbaren.

Es scheint somit als sei das Projekt vollkommen gelungen. Die Qualität eines jeden Online-Mediums steht und fällt jedoch auch mit der jeweiligen Community. Während die Mehrzahl der User nüchtern, sachlich und gezielt ihre Meinung zu den vielfältigen Themen einbringen, werden die absolute Mehrzahl der Kommentare selbst durch einige wenige Teilnehmer geliefert. Diese haben das Medium sozusagen zu ihrem Wohnzimmer erhoben, wissen bei jeder Thematik mehr als andere Gesprächsteilnehmer, belehren die Community über “die eine Wahrheit” und steigern sich in einen wahren Rausch an Kommentaren, Belehrungen, Präzisierungen, Verlinkungen auf vorhergehende Kommentare, wissenschaftliche Expertisen und solche, die es nie werden können usw.

Das Lesen des Kommentarbereichs ist mittlerweile zu einem wahren Dschungel von Behauptungen, Formulierungen, Gegendarstellungen, Zitaten von Gegenzitaten usw. geworden – der Fokus auf den eigentlichen Inhalt des Artikels geht zunehmend verloren. Gewisse User posten manchmal 15 – 20 Kommentare pro Tag, zu Themen jedweder Art, begleitet von einem “gute Nacht” oder einem “guten Tag”. Der Respekt anderen gegenüber und die Sachlichkeit, beides Säulen einer Community, werden zur Mangelware. Dieses Phänomen stellt sich in der aktuellen Krise akzentuiert dar, war jedoch bereits vorher auffällig.

Es ist offensichtlich, dass die Kommentarschreiber bei salto.bz vermehrt einer älteren Generation angehören und es gehört auch zu den gesellschaftlichen Aufgaben eines Mediums, Menschen, die für die immer-mehr-Gesellschaft zunehmend an Interesse verlieren, die nötige Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. Auch in punkto Meinungsfreiheit gilt es verstärkt die gegebenen Grundrechte zu wahren; aktuelle Maßnahmen, welche an Polizeistaatsmechanismen dunkelster Diktaturen erinnern, lassen die Wahrung dieses Grundrechts umso wichtiger erscheinen.

Dennoch erscheint ein Paradigmenwechsel nötig, um salto.bz nicht zum Spielball einiger weniger verkommen zu lassen, sondern dem Medium den Charakter eines pluralistischen, für jeden zugänglichen Forums (zurück) zu geben, das auf eine Willkommenskultur setzt, ohne dass die Platzhirsche den Ton angeben.

In diesem Sinne, ist der Vorschlag die täglichen Kommentareinheiten für jeden User auf die Anzahl von 5 zu limitieren, als Wertschöpfung für ein ausgewogenes Medium, das auf Pluralismus und die facettenreiche Meinung möglichst vieler Kommentatoren setzt, zu verstehen. Der Vorschlag ist konform mit dem Recht auf Meinungsfreiheit, da er animiert, die Kommentare besser zu strukturieren, jene, die aus rein emotionalen Gründen getätigt werden, nahezu zu eliminieren und sich vermehrt auf seine eigene Kernkompetenz zu besinnen.

Um den aktuellen Gegebenheiten verständnisvoll zu begegnen, kann die Umsetzung dieses Vorschlags auch auf die post-Corona-Zeit verschoben werden, damit in der aktuellen Notsituation keinem, der den Kommentarbereich wie eine Droge benötigt, diese genommen wird. Die Sonderschichten des SCM wären somit Ausdruck der (pandemischen) Krise.

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Ritratto di gorgias
gorgias 16 Aprile, 2020 - 23:26

Einen User auf 5 Kommentare täglich zu begrenzen ist eine künstliche Einschränkung, die zwar die Quantität von bestimmten Kommentaren limitert aber nicht die Qualität steigert. Auch finde ich nicht wirklich das Problem, wenn jemand mal zu einem Thema auch 15 - 20 Kommentare schreibt, das Problem ist wenn schon wenn Sie zum großen Teil nicht wirklich etwas zur Diskussion beitragen. Wenn es nur darum geht jemandem zuzustimmen, oder wenn jemand drei vier Kommentare in kürzester Zeit abgibt, die man hätte bei ein bischen Besonnenheit in einem zusammenfassen können.

Auch haben in einem Diskussionforum Abschieds- und Begrüßungsformeln nichts zu suchen. Diese machen in einem Echtzeit-Chat Sinn aber nicht in einem Bereich wo sachlichkeit gefragt ist. Besonders unsympathisch ist, wenn jemand mit Abschiedsformeln eine Diskussion abwürgen will. Wer nicht weiter Diskutieren will, der soll es doch einfach lassen. Besonders abgeschmackt war es zu Ostern, wo man mit "Frohe Ostern" ein "Talk to the hand" Manöver veranstaltete.

Auch machen Kommentare keinen Sinn in denen jemand einfach sagt er möchte die Diskussion nicht weiterführen. Denn wenn das der Fall ist, genügt es nicht mehr weiter zu Posten. Auch die Diskussion abzuwerten oder was weiss ich zu sagen und dem Gegenüber als Begründung für das nicht weiterführen der Diskussion sollte eingestellt werden.

Auch sollte man sich sparen in Diskussionen mit Unterstellungen einzusteigen, die gegen einen der Diskutanten gerichtet ist.

Was jeder bemüht sein sollte ist, in einer Diskussion auf die Argumente des Gegenüber einzugehen und diese Versuchen zu widerlegen und nicht wie um das goldene Kalb herumzutanzen und diese zu ignorieren so lange es geht. Damit zieht man auch eine Diskussion unnötig in die Länge.

Auf was man auch acht geben sollte, ist an der richtigen Stelle Antworten zu posten. Oft wird eine Antwort einfach am Ende des Kommentarbereiches gepostet. Das führt zu unnötiger Unübersichtlichkeit.

Und wenn es zuviel wird, kann das SCM eingreifen. So kann es einen Lernprozess auf beiden Seiten geben.

Ritratto di Christoph Moar
Christoph Moar 17 Aprile, 2020 - 08:15

Theoretisch wäre ich persönlich ein Freund von kurzen AGBs und Netiquettes, die lieber Grundprinzipien statt Listen von do's und don'ts beinhalten.

Ich muss aber zugeben, das funktioniert oft nicht leidlich gut. Mehrere der hier genannten Präzisierungen müsste man glatt in eine erweiterte Netiquette packen.

@Fallmerayer, Dank dafür, das Thema hier lanciert zu haben. Bin gespannt, ob und welche Diskussion es initiiert.

Ritratto di Peter Gasser
Peter Gasser 17 Aprile, 2020 - 09:02

Das ist jetzt schwierig, das mit der Diskussion.
Ein Beispiel: Herr Fallmerayer hat an einem einzigen Tag 3 Mal in Kommentaren eine Antwort z.B. von mir eingefordert, am selben Tag zufällig auch 2 andere User: so sind an diesem Tag etwa die Hälfte meiner Kommentare aus Antworten an 3 Kommentatoren entstanden (zu 1em Thema, Corona, nicht zu jedem Thema hier). Das ist eben Diskussion; oder: ich bin in die Diskussionsfalle geraten, um dann von denen, die diskutieren wollten, wegen der Anzahl der Antworten aufs Korn genommen zu werden.
Wenn man diese Diskussionen nicht will, soll man
1. nicht fragen;
2. die Antwort-Funktion entfernen.
Aber Fragen stellen, eine Antwort einfordern, Diskussion wollen, und sich dann über die Anzahl der Antworten (vor allem wenn diese eine andere Ansicht zeigen) zu beklagen, ist zumindest eigen-artig.
Der gegenständliche Beitrag ist ein Vorschlag, dass Leser einen Beitrag zum Artikel als Kommentar schreiben, und damit ist es genug; eine Diskussion soll nicht stattfinden. Das ist auch gut.

Dies jetzt ist 1 Beitrag, wenn ich jetzt einen Kommentar zum Artikel abgebe sind es 2, eine Diskussion mit Gorgias (eigentlich nur: eine Antwort) sind es schon 3.
Nein, eine Diskussion kann leider nicht geführt werden. Wenn ich jetzt bei Gorgias auf den Antwortknopf drücke, um auch meine Sichtweise darzulegen, wird es ein Gespräch mit weiteren Kommentaren; dazu gesellen sich dann sofort einige andere, es wird ein Strang mit mehreren Kommentaren pro Teilnehmer.
Will man diese Diskussion? Nein, eigentlich nicht.
Ich finde z.B. die bestehenden Regeln der Netiquette ausreichend, und es sind nicht die vielen Diskussionsbeiträge vieler User, welche das SCM beschäftigen, es sind die wenigen Beiträge einiger ganz weniger User, welche sich nicht an die Netiquette, oder auch nur ganz allgemein an den guten Ton halten wollen. Oberhandtechniken sind für einige wie das Wasser und das Brot zum Leben.
Eigenartig, dass der Vorwurf, das SCM zu beschäftigen, an jene geht, welche regelkonform kommentieren und kommunizieren, und jene, welche die Verweise, und die blauen, gelben und roten Karten sammeln, als korrekt angesehen werden (wollen). Aber die Welt ist eigen-artig. Oder der Mensch.
Nein, sich an Diskussionen zu beteiligen, ist seit einiger Zeit hier keine gute Idee mehr. Toleranz und Meinungsvielfalt haben abgenommen; leider.
Vielleicht ist dies auch der schwierigen “Corona-Zeit” gewidmet.

Ritratto di Sepp Bacher
Sepp Bacher 17 Aprile, 2020 - 13:21

Ich denke, eine einfache Lösung wäre, auf jene Kommentare, die auf die Nerven gehen, einfach nicht mehr zu antworten! Also den/die andere/n nicht zu belehren und auch nicht das letzte Wort haben zu wollen! So würden viele "Hahnenkämpfe" und Duelle von alleine erlöschen.
Meines Erachtens sind viele Vorschläge von Ihnen Herr Fallmerayer nicht leicht umsetzbar. Es ist logisch, dass in einem sozialen Medium nicht alle das selbe Niveau haben; aber hier eine Label vorgeben zu wollen, wäre wirklich nicht sozial.
Und die Diskussion wo fast eine Meinung schon wissenschaftlich begründet sein sollte, hatten wir schon. Dieser Bereich wurde schon einmal mit einem Stammtisch verglichen. Auch dort kommen bestimmte Teilnehmer regelmäßig und andere nur sporadisch. Bestimmte nehmen sich das Wort mehr als andere; und man schweift auch von Thema ab. Die Foren verlangen doch keine Fachdiskussionen, die zu einem Ergebnis kommen muss.
Es freut mich, dass in letzter Zeit sehr viele neue User und Kommentierer dazu gekommen sind; und einige, so auch Sie Herr Fallmerayer, haben auch schon sehr interessante Beiträge geliefert. Ich habe den Eindruck, dass mehrere Neue, jüngeren Alters sind und das finde ich (Alter) sehr wichtig und bereichernd. Eine Generationen-übergreifende Plattform!

Ritratto di Franz Seiler
Franz Seiler 17 Aprile, 2020 - 13:42

Wenn jeder für sich verinnerlicht, was Herr Defranceschi hier schreibt (https://www.salto.bz/de/article/14042020/transparenz-erfolgt-durch-reche...) -> "weniger reden dafür mehr denken und zuhören", würden sicherlich auch ganz ohne Beschränkung die Kommentare, Diskussionen und Dialoge etwas schärfer und für uns alle gemeinsam bereichernder.

In diesem Sinne kann ich den Herren Fallmerayer und Defranceschi in ihrer Intention nur zustimmen und werde weniger Andere, als vielmehr mich selbst versuchen künftig zurückzuhalten.

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