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Kritische Meinungen

Auf einem Auge blind

Zwischen Verschwörungstheorien und rational-überheblichen Menschen erschwert sich ein konstruktiver Diskurs. Dabei sind beide in gewisser Hinsicht auf einem Auge blind.
Un contributo della community di Olaf Borghi17.05.2020
Ritratto di Olaf Borghi
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Ich wage mich in den letzten Tagen kaum mehr, Kommentare auf Facebook oder anderen Social-Media-Plattformen zu lesen. Nicht, dass das früher eine Wohltat war. Doch in Coronazeiten scheinen sich auch andere vergangene Pathologien stärker auszuprägen.

Denn das klassische Bild, das sich dort zeigt, ist ein Grabenkampf zwischen der sogenannten Gruppe der Verschwörungstheoretiker und der Gruppe der rational-übergeordneten Menschen. Die einen fordern die anderen dazu auf, beide Augen zu öffnen. Manche der anderen wiederum versehen jeden Denkanstoß, der nicht der offiziellen Linie folgt, als Verschwörungsblödgeschwurbel.

Die einzige Konsequenz, die sich daraus ergibt, ist eine Frontenbildung, die jeglichen konstruktiven Diskurs verhindert. 

Bevor ein konstruktiver Kommentar geteilt wird, überlegt sich in diesen Zeiten so mancher doch, ob es nicht geschickter wäre, ihn sich nur still zu denken. Zu schnell läuft man Gefahr, nicht einen Diskurs anzuregen, sondern bloß dem einen oder dem anderen Lager zugeordnet zu werden, wodurch jeder weitere Kommentar automatisch von einer Gruppe diskreditiert wird. 

Die einzige Konsequenz, die sich daraus ergibt, ist eine Frontenbildung, die jeglichen konstruktiven Diskurs verhindert. 

Die dritte Gruppe, die sich zwischen den zwei Fronten bewegt und die einen rational-konstruktiven Zugang suchen, gehen dabei unter. 

Viele wurden von der Krise vergessen.

So wäre es manchmal durchaus legitim, das zu hinterfragen und zu diskutieren, was von offizieller Seite kommt. 

Viele wurden von der Krise vergessen. Kinder, die sozial isoliert und eingesperrt wurden. Psychisch Kranke, die ohnehin oft schon zu wenig Platz in unserer Gesellschaft finden. Eltern, vor allem Mütter, die zwischen Beruf und Kinderaufsicht in eine Frauenrolle des 19 Jahrhunderts zurückgedrängt wurden. Kleinunternehmer und Selbstständige, die verzweifelt auf Hilfe warten. Überforderte Pflegekräfte. Eine beinahe endlose Liste.

Der Protest in dieser Situation richtet sich vielerorts aber nicht gegen schlechtes Krisenhandling, oder etwa dagegen, dass die Zeit im notwendigen Lockdown zu schlecht genutzt wurde, um eine umfassenden Plan für die Zeit danach zu erstellen.

Stattdessen wird demonstriert gegen Bill und Melinda Gates, gegen internationale Adrenochromnetzwerke oder Impfungen, die uns einen Chip einpflanzen oder uns alle zu Autisten machen wollen, die dann wiederum in derartigen Krisen alleine gelassen werden.

Das große Problem ist, das genau diejenigen, die allen anderen vorwerfen, auf einem Auge blind zu sein, (...) , selber oft auf dem anderen Auge blind sind.

Das große Problem ist dabei nicht, dass diese Menschen das Recht der Meinungsfreiheit umsetzen oder ihre Grundrechte zurückfordern. Das ist in einem gewissen Rahmen ja durchaus legitim.

Das große Problem ist, das genau diejenigen, die allen anderen vorwerfen, auf einem Auge blind zu sein, da sie die Scheinkausalitäten in ihren abstrusen Theorien nicht erkennen wollen, selber oft auf dem anderen Auge blind sind.

Das andere große Problem ist, dass diese Verschwörungstheoretiker*innen oft auch reale Probleme aufgreifen, diese allerdings so verzerren, dass auch hier wieder ein konstruktiver Diskurs verhindert wird. 

So kann man durchaus über die Inhaltsstoffe von Impfungen diskutieren oder darauf achten, dass genaueste Forschungsstandards eingehalten werden. Dann sollte man allerdings nicht aus den Augen verlieren, dass Impfstoffe sehr wohl einiges dazu beigetragen haben, dass die Lebenserwartung von Menschen stetig steigt und sich auch in der Impfstoffentwicklung in den letzten Jahren einiges getan hat (das vermeintliche Quecksilber ist z.B. schon seit Jahren nicht mehr in geläufigen Impfstoffen als Konservierungsmittel enthalten, siehe “Quecksilber in Impfungen?”).

Auch der Zusammenhang zwischen Impfungen und diversen erb- oder umweltbedingten Krankheiten kann recht schnell eliminiert werden, wenn wir beide Augen öffnen. So werden im 21. Jahrhundert große Teile der Bevölkerung geimpft. Ein ganz kleiner Teil der Bevölkerung erkrankt auch noch an anderen Krankheiten. An diesen Krankheiten erkrankten Menschen aber auch schon, bevor es Impfungen gab. Eine gottgegebene Kausalität anzunehmen ist fern von jeglicher Logik. Das bedeutet allerdings nicht, dass überzufällig-auftretende Krankheitscluster schlichtweg ignoriert werden sollen. Sollten derartige Cluster auftreten, so sollten sie dennoch untersucht werden. Eine Kausalität konnte allerdings nicht gefunden werden. Genauso, wie bisher kein kausaler Zusammenhang zwischen der Anzahl an Menschen, die in Swimmingpools ertrinken, und der Anzahl an Filmen, in denen Nicolas Cage erscheint, angenommen werden kann (tatsächlich korrelieren beide Phänome, siehe Scheinkorrelationen).

Man kann durchaus auch über die Rolle der Superreichen in unserer Gesellschaft diskutieren, ja vielleicht sogar darüber, ob es soetwas wie Superreiche überhaupt braucht. Es lohnt sich dabei auch, auf die Interessen zu achten, die hinter einer Investitionen oder Meinungen stehen.

So stimmt es durchaus, dass Bill Gates Milliarden in die Entwicklung von Impfstoffen steckt. Ihm dabei aber gleichzeitig zu unterstellen, dass sein Interesse dahinter ist, möglichst vielen Menschen Impfstoffe zu verkaufen um möglichst viel Geld mit Impfungen zu verdienen, dann aber wiederum die Menschheit auf 500 Millionen dezimieren will, um sich selbst seines Absatzmarktes zu berauben, erscheint zumindest mir etwas widersprüchlich.

Auch mögliche Interessen hinter der Verbreitung derartiger Theorien werden schnell hinter einer Augenklappe versteckt. So wurden Verschwörungstheorien schon seit dem 18 Jahrhundert zum Zwecke politischer Propaganda eingesetzt (z.B. wenn Trump China beschuldigt, das Virus bewusst in die Welt gesetzt zu haben, siehe "Das Virus als Propagandawaffe" und “Interessen hinter Verschwörungstheorien”).

In eine Zwickmühle geraten ist in dieser Frontenbildung auch die Wissenschaft. So sollte sie eigentlich dazu dienen, Verschwörungstheorien und Unsicherheit zu entkräften und eine Vermittlerrolle einnehmen. Doch in den letzten Monaten verbreitete sich bei vielen Menschen eher eine Wissenschaftsskepsis. Diese stammt allerdings nicht daher, dass die Wissenschaft besonders viele Fehler in der letzten Zeit produziert hat. Es mangelt eher am Verständnis, dass Wissenschaft, oder das, was wir darunter verstehen, ein offener Prozess ist, in dem einzelne Forschungsergebnisse für sich noch kaum Bedeutung tragen. Werden solche frühe Ergebnisse von den Medien und der Öffentlichkeit fälschlicherweise als große Durchbrüche rezipiert, so ist die Enttäuschung groß, wenn eine Woche darauf, innerhalb des Wissenschaftsprozesses, ein gänzlich anderes Ergebnis gefunden wird. Erst durch das Big-Picture vieler Forschungen lassen sich abgesicherte Aussagen treffen (siehe hierzu auch “Why Most Published Research Findings Are False”).

Entwicklung ist nicht auf einen besseren oder schlechteren Zustand hin gerichtet, denn es ist unsere menschliche Aufgabe, unsere Entwicklung auszurichten.

Um die Zukunft besser zu gestalten, sollten wir daher lernen, statt auf Frontenbildung, auf Diskurs zu setzen. Statt schnell Beiträge zu teilen, sollten wir reflektieren, was dahinterstecken könnte. Statt Fehler zu vertuschen, sollten wir mit diesen offen umgehen und sie diskutieren. Statt auf einem Auge blind zu sein, sollten wir lernen, innerhalb der Grenzen unserer menschlichen Erkenntnis, möglichst mit beiden Augen zu sehen und zu reflektieren, welche Bedeutung die Sicht auf manche Dinge mit nur einem Auge hat. 

Richte ich den Blick in die Zukunft, so sehe ich einige Herausforderungen, die auf unsere Spezies zukommen werden. Von der Arbeitslosigkeit nach und während Corona bis zur Klimakrise, die sich schon lange als Generationenaufgabe herauskristallisierte. Einiges muss sich ändern, wenn wir diese Aufgaben gemeinsam lösen wollen. Entwicklung ist nicht auf einen besseren oder schlechteren Zustand hin gerichtet, denn es ist unsere menschliche Aufgabe, unsere Entwicklung auszurichten.

 

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Ritratto di Georg Lechner
Georg Lechner 17 Maggio, 2020 - 12:08

Die sogenannten "sozialen Netzwerke", die viel treffender "kommerzielle Kommunikationskanäle" genannt werden sollten, meide ich genau aus diesem Grund. Je krasser ein Posting, desto mehr Klicks bringt es. Je mehr Klicks, desto mehr Einnahmen. Darüber hinaus hat Zuckerberg die Daten verkauft, die von Datenanalysefirmen aufbereitet wurden und zur Stimmungsbeeinflussung von Wahlen in zig Ländern dienten: https://www.wienerzeitung.at/meinung/gastkommentare/2049730-Im-Online-Sh...
Die Skepsis gegenüber Wissenschaft (und gegen seriöse Medien) kommt einerseits aus der Propaganda, die im Interesse der Reichen über Trottoirblätter und kommerzielle Kommunikationskanäle verbreitet wird, zum anderen auch aus der kaum wahrnehmbaren Kritik am Dogma "Staat schlecht, privat gut" und der mangelnden Kritik an den völkerrechtswidrigen Kriegen 1999 und 2003 durch die "Qualitätsmedien".

Ritratto di gorgias
gorgias 17 Maggio, 2020 - 14:29

Es gibt zwei Gruppen: die Verschwörungstheoretiker und die rational-übergeordneten Menschen zwischen denen sich eine Front bildet.
Dann gibt es noch eine dritte Gruppe der rational-konstruktiven.

Warum nicht gleich sagen: Es gibt Menschen die irrational vorgehen und andere die rational sind. Jene die rational sind, sollen nicht überheblich sein, sondern auf die Irrationalen eingehen, denn sie sprechen teilweise auch reale Probleme an, nur in einer verschwurbelten und konfusen Art und die rationalen Menschen sollten ihnen statt dessen lieber unter die Arme greifen anstatt sie von oben herab zu behandeln.

Ritratto di Olaf Borghi
Olaf Borghi 17 Maggio, 2020 - 18:35

Das stimmt, ich habe es wirklich etwas umständlich formuliert. Dein Kommentar bringt das Wesentliche noch einmal gut auf den Punkt!

Ritratto di Georg Lechner
Georg Lechner 17 Maggio, 2020 - 15:12

Ein Teil der "Verschwörungstheorien" ist Nonsens (zum Teil mit propagandistischer Nebenabsicht wie bei den Chemtrails), ein Teil resultiert aus Lügen und Vertuschungen der Behörden (klassisches Beispiel ist die Ermordung von John F. Kennedy, wo die obduzierenden Ärzte aus Angst vor den realen Machtverhältnissen erst nach Jahren bekanntgaben, dass tödliche Schüsse sowohl von vorne als auch von hinten gekommen waren).
Die Sache mit den Chemtrails ist so ein ausgewachsener Unsinn, dass sich selbst der Wortführer der parlamentarischen Anfrage, der damalige Klubobmann und jetzige Parteiobmann Norbert Hofer, später davon distanzierte, nachdem es noch Jahre danach keine Aluplättchen vom Himmel geschneit hatte. Es ist nur betrüblich, dass es niemand der Mühe für wert befand, es damals technisch zu widerlegen. Die Nebenabsicht war, der Öffentlichkeit vorzugaukeln, es gäbe gangbare Möglichkeiten, die Erderwärmung mittels Sonnenlichtreflektion mit Aluplättchen hintanzuhalten oder mit dem Versprühen von Bariumsalzlösungen das Kohlendioxid zu binden.

Ritratto di Hartmuth Staffler
Hartmuth Staffler 17 Maggio, 2020 - 18:52

Ein sehr sinnvoller Beitrag von Olaf Borghi. Leider fehlt mir die Hoffnung, dass er den gewünschten Zweck erreichen könnte. Für viele Menschen, die nicht einmal zwischen Viren und Bakterien unterscheiden können (und auch gar nicht wollen), geht es doch nur darum, ihren Frust artikulieren zu können. Da bietet sich das neuartige Corona Virus gut an. Ein solche Gelegenheit kann man sich nicht entgehen lassen.

Ritratto di Olaf Borghi
Olaf Borghi 17 Maggio, 2020 - 22:50

Danke! Ja, leider ist es oft so, dass auch die vielen anderen Beiträge, die dazu dienen, Verschwörungstheorien zu entzaubern, letztlich nicht bei der Zielgruppe ankommen.

Ritratto di Manfred Klotz
Manfred Klotz 21 Maggio, 2020 - 08:10

"Auch gar nicht wollen", Sie sprechen in nur vier Worten genau den springenden Punkt an.

Ritratto di Klaus Griesser
Klaus Griesser 17 Maggio, 2020 - 19:45

COVID-19 hat gewütet, Regierungen haben reagiert, social distancing wurde schneller oder langsamer eingeführt, es mussten viele Einschränkungen eingeführt werden. Das hat Not, Zwänge, Ängste ausgelöst. Im Großen und Ganzen hat das die Bevölkerung akzeptiert, denn es galt, die Verbreitung des Virus auf ein erträgliches Maß einzubremsen und Leben zu retten.
Jetzt geht es aber um die zweite Phase, den Wiederaufbau. Sofort reagiert z.B. die Lufthansa, gebärdet sich als Opfer und bettelt um staatliche Hilfe, wobei sie dabei geflissentlich übersieht, dass der Massentourismus via Flugzeug einer der größten Verbreiter des Virus war. Für Trump, liegt die Schuld bei der WHO und bei China - die sollen jetzt blechen, wobei jedes Kind weiß, dass er alle frühzeitigen Warnungen beiseitegewischt und Notstandsmaßnahmen abgelehnt hatte. Chomsky bezeichnet ihn berechtigterweise als Hauptverantwortlichen für die verheerend vielen toten, infizierten und arbeitslosen Amerikaner. Bei allen Bürgern wird ebenfalls nach Ursachen gesucht und die erlittenen Nöte und ausgestandenen Ängste verleiten teilweise zu Wutreaktionen und Kurzschlüssen, siehe https://www.nachdenkseiten.de/?p=60980 . Ein Grund dafür ist auch, dass die Wissenschaft die Lösung für das das eigentliche Problem erst finden muß.
Die Lobbys in den Vorzimmern der Regierungen, bei uns der HGV und der SBB, profitieren natürlich von der Verwirrung, und setzen die Regierungen unter Druck, den Massentourismus und die Massenproduktion wieder anzukurbeln. Die BürgerInnen werden sich auf sich besinnen und auf die Hinterfüße stellen müssen, sonst werden sie noch tiefer absinken.

Ritratto di elisabeth garber
elisabeth garber 17 Maggio, 2020 - 20:26

@Olaf Borghi Keine Sorge Ihr Text ist klar und deutlich - eine dritte Gruppe ( "rational-konstruktiv") kann ich beim besten Willen nicht ausmachen -

Ritratto di Olaf Borghi
Olaf Borghi 17 Maggio, 2020 - 22:44

Die Gruppe scheint wirklich leider unterzugehen. Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass sie existiert (vielleicht bin ich da aber auch einfach nur Optimist ;) ).

Ritratto di Georg Lechner
Georg Lechner 18 Maggio, 2020 - 14:28

Es ist sehr wahrscheinlich, dass sie existiert. Aber wie sagte schon Bertrand Russell: "Dass ist der ganze Jammer dieser Welt, dass die Dummen so selbstsicher und die Weisen so voller Zweifel sind."
Daneben sollte nicht übersehen werden, dass es auch ein Interesse an Verdummung und Desinformation der Zeitgenossen gibt.

Ritratto di elisabeth garber
elisabeth garber 18 Maggio, 2020 - 18:42

Allerdings - siehe die USA. Leider äffen die Europäer die Amerikaner eifrig nach und sind in ein duckmäuserisches Abhängigkeitsverhältnis geraten.
PS: Amerikas "Kultur" & "Geistesleben" wurde schon vom großen Norweger Knut Hamsun vor fast genau 100 Jahren in zwei ausführlichen Schriften sarkastisch-einmalig und vor allem zeitlos-treffend(!) beschrieben...

Ritratto di Georg Lechner
Georg Lechner 18 Maggio, 2020 - 20:59

Wobei die auflagenstärksten Rinnsteinblätter (Bild in D.; Kronenzeitung in Ö.) von den USA gesteuert sind. Der Geldgeber für die Wiedergründung der Kronenzeitung 1959, Franz Olah (wegen widerrechtlicher Entnahme von Gewerkschaftsgeldern rechtskräftig verurteilt), hatte enge Kontakte zu Gladio. Als Hans Dichand die Krone an seinen Sohn Christoph übergab (2004), blitzte kurz der Machtkampf zwischen der US-freundlichen Linie der Dichands und den deutschen Miteigentümern (damals WAZ, jetzt Funke-Gruppe) auf.

Ritratto di Harald Knoflach
Harald Knoflach 20 Maggio, 2020 - 22:16

Das ist ein ausgezeichneter Text. Differenziert und klug. Bravo.

Ritratto di Klemens Riegler
Klemens Riegler 20 Maggio, 2020 - 23:59

Herr Borghi --- SUPER!
Zugabe zu Bill Gates;
1.) mit Stiftungen lässt sich Geld ausgeben, welches sonst in den Steuertopf fließen würde. So kann er selbst entscheiden was damit passiert. Warum nicht auch WHO, Medizinforschung oder Obdachlose.
2.) Gates gehört mit MS-Teams und MS allgemein zu den Gewinnern in der Krise. Er könnte dieses "Plus" auch den betroffensten Staaten spenden - speziell jenen in denen er durch Tricks Steuern gespart hat.
3.) eh schon im Beitrag beschrieben: ... Gates kann schon rein wirtschaftlich gesehen kein Interesse an weniger Menschen auf der Welt haben.

Ritratto di Christoph Tappeiner
Christoph Tappeiner 21 Maggio, 2020 - 12:38

Es ist halt ein bisschen schwierig, sich den ganzen auf FB geteilten Käse aus offensichtlich unglaubwürdigen Quellen zuerst durchzulesen - ohne Aggressionen zu entwickeln - um sodann mit gemäßigtem Wortlaut einen gut gemeinten Ratschlag zu platzieren, wie man/frau sich wann und wo besser einem Fact- Checker anvertrauen könnte, bevor er/sie undifferenzierten Müll verbreitet. Würde wohl einen Vollzeitjob abgeben, einen sehr frustrierenden noch dazu. Tut mir leid, aber wem die kritische Fähigkeit abgeht, der stößt bei mir nicht auf Mitleid. Sondern bestenfalls auf Ironie, sollte ich grade gut gelaunt sein.

Ritratto di Georg Niedrist
Georg Niedrist 21 Maggio, 2020 - 14:25

Nein. Wissenschaft ist in diesem Fall nicht dazu da eine Vermittlerrolle einzunehmen. Es gibt keine „Grabenkämpfe“ bei Biologie/Physik- bezogenen Verschwörungstheorien (Chemtrails, Klimawandel, Impfungen. Was Bill Gates macht und nicht macht kann ich nicht beurteilen). Es geht darum, dass eine kleine Gruppe von Menschen fundamentale naturwissenschaftliche Grundprinzipien und Arbeitsweisen ablehnt. Außerdem: Naturgesetze sind keine „offizielle Linie“, die sich irgendwer ausdenkt. Und auf diese Gesetze zu verweisen ist auch keine „Pathologie“. Dass die Gravitationskraft zwischen Äquator und Nordpol unterschiedlich groß ist, ändert nichts daran, dass man/frau nicht ohne Fallschirm aus dem fliegenden Flugzeug springen sollte. Da gibt es keinen Platz für Kompromisse, Alternativen oder „Konstruktion“.
Was hingegen legitim und wichtig ist, ist zu verstehen WARUM Menschen Verschwörungstheorien glauben. Das ändert aber nichts daran, dass zumindest die vorher erwähnten Theorien 100%ig falsch bleiben. Auch dann noch, wenn ihnen auf einem ansonsten seriösen Nachrichtenportal Raum geboten wird ;-)

Ritratto di Martin Koellensperger
Martin Koellensperger 21 Maggio, 2020 - 14:41

Arithmetik ist keine Meinung. Die Physik ist ebenfalls allgemeingültig, zumindest die klassische seit einigen hundert Jahren. In der Quantenphysik ist dann auch nicht mehr immer alles so eindeutig.
Biologie, und vorallem die Medizin hingegen sind im steten Wandel begriffen, was heute richtig ist kann morgen schon wieder falsch sein. Das nennen wir Fortschritt, da wir davon ausgehen, dass wir besser werden. Manchmal sind auch Rückschritte dabei.
Aber anzunehmen, dass das medizinische Wissen von heute umfassend und richtig ist wäre ein großer Fehler

Ritratto di Olaf Borghi
Olaf Borghi 21 Maggio, 2020 - 15:49

Das stimmt, das habe ich so auch nicht gemeint.
In den klassischen Naturwissenschaften gibt es tatsächlich zahlreiche Gesetze, die ziemlich fest stehen und gut abgesichert sind (und wo Verschwörungstheorien weder konstruktiv noch angebracht sind).
Vielleicht könnte man daher "Vermittlerrolle" mit "Aufklärungsrolle" ersetzen.
Es gilt aber auch anzuerkennen, dass auch die klassischen Naturwissenschaften einer falsifizierenden Wissenschaftslogik folgen. Diese Herangehensweise impliziert, dass alle Erkenntnisse nur vorläufig gelten, eben solange sie nicht falsifiziert werden können. Mit jeder gescheiterten Falsifikation wird die Theorie "stärker" und "besser abgesichert".
Es gibt durchaus auch Kritikpunkte am kritischen Rationalismus, dennoch ist er noch immer eine Hauptströmung der Wissenschaftstheorie.
In der Psychologie, Epidemiologie, Medizin (und v.a. in den Sozialwissenschaften) kommt die Prozesshaftigkeit, die diese Herangehensweise impliziert, noch einmal stärker zur Geltung als in der Physik.
V.a. psychologische Studien werden immer wieder widerlegt, es wird in diesem Zusammenhang auch von einer "Replikationskrise" gesprochen.
Genau deshalb braucht es Metaanalysen, Reviews und das Big-Picture statt einzelnen, aus dem Zusammenhang gerissenen Studien, um möglichst zuverlässige Aussagen treffen zu können.
Für die Öffentlichkeit nachvollziehbar darzustellen, warum es auch zu sich ändernden Wissensständen kommt (in Zeiten von Corona oft innerhalb weniger Stunden), ist für mich ebenfalls eine Aufgabe der Wissenschaft und des Journalismus (und in diesem Sinne auch eine "Vermittlerrolle").

Ritratto di Olaf Borghi
Olaf Borghi 21 Maggio, 2020 - 16:00

Das große Problem ist eben, dass Verschwörungstheorien auch daher kein konstruktiver Beitrag sind, da sie gegen alle Versuche einer Falsifikation abgepuffert sind. So sind diejenigen (laut Verschwörungstheoretiker*innen), die nicht daran glauben, eben von den Medien manipuliert, haben sich zu wenig oder in den falschen Quellen informiert etc. .
Das ist auch das was ich meine, wenn ich schreibe, dass Verschwörungstheorien jeglichen konstruktiven Diskurs blockieren.
Das ist eben vor allem dann ein Problem, wenn sich Verschwörungstheorien auf reale Probleme beziehen (eben wie bei Corona und Arbeitslosigkeit, die Auswirkungen eines Lockdowns etc.).
Denn dann passiert es schnell, dass Menschen, die solche Probleme konstruktiv angehen, in die Nähe von Verschwörungstheoretiker*innen gerückt werden (und damit ihre Meinung diskreditiert wird).
Oder eben, dass durch den Diskurs zwischen "Bill Gates ist Schuld an Corona" und "Alle Verschwörungstheoretiker*innen sind so dumm" die Probleme überhaupt untergehen.

Ritratto di Olaf Borghi
Olaf Borghi 21 Maggio, 2020 - 16:05

Und natürlich erübrigt sich diese Diskussion, wenn es darum geht, ob die Erde nun rund ist oder eine Scheibe. Da stimme ich Ihnen vollkommen zu. Das war wie gesagt auch nicht mein Punkt. Auch stimme ich Ihnen zu, dass es wichtig ist, "zu verstehen WARUM Menschen Verschwörungstheorien glauben."
Nur ist es meine Wahrnehmung, dass in Zeiten von Corona nicht nur das klassische Verschwörungstheorien-Klientel sich diesen Theorien widmet, sondern auch viele ganz normale Bürger, die eben besonders großer Unsicherheit ausgesetzt sind.
Ersteres ist schwer zu erreichen. Letztere offen für einen kritischen Diskurs, wenn er denn im öffentlichen Raum einen Platz findet.

Ritratto di Sepp Bacher
Sepp Bacher 21 Maggio, 2020 - 17:16

Es ist gut, dass es zu allen Fragen und Entscheidungen Skeptiker und Kritiker gibt. Warum sollte z. B. alles richtig sein, was Gänsbacher und Kompatscher verkünden? Wir werden es vielleicht später erfahren. Jedenfalls gibt es in der diskutierten Frage auch unter den Wissenschaftlern keine Einigkeit bzw nicht nur eine Wahrheit. Alle Skeptiker und Kritiker zu Anhängern von Verschwörungstheorien zu erklären, ist mir zu billig. Nicht jede abweichende Theorie ist eine Verschwörungstheorie!

Ritratto di Olaf Borghi
Olaf Borghi 21 Maggio, 2020 - 17:26

Da stimme ich Ihnen voll und ganz zu, Sepp Bacher.

Ritratto di Georg Lechner
Georg Lechner 22 Maggio, 2020 - 20:27

Wobei es mitunter ehrenhafter sein kann, als Verschwörungstheoretiker zu gelten denn als Beschwichtigungshofrat.

Ritratto di elisabeth garber
elisabeth garber 21 Maggio, 2020 - 17:40

@Borghi Olaf 15:49 Uhr Sie sagen es - auch die Naturwissenschaften haben ihre blinden Winkel - sind differenziert in ihrer Schwerpunktsetzung, von Nation zu Nation, sehr oft auch von Mensch zu Mensch. Es gibt seit Jahrzehnten(!) dermaßen viele Spezialisierungen, dass vor lauter strammer Baumstämme der durchwachsene Wald verloren gegangen ist.
Dieser Verlust betrifft vor allem die ewige Königin der Wissenschaften & Künste (Jahrhunderte lang als Einheit begriffen und bestens repräsentiert durch das Universalgenie Leonardo da Vinci) namentlich die Philosophie!

Ritratto di Klaus Griesser
Klaus Griesser 22 Maggio, 2020 - 12:10

Was ist der langen Interpretationen kurzer Sinn? Logisch, dass Chaos auch in den Hirnen entsteht, wenn ein für gut gehaltenes System unglaubwürdig wird. Es mag ja interessant sein, all den Theorien die dabei entstehen nachzugehen. Schließlich kommt es jetzt darauf an, gemeinsam zu überlegen, wie ein neues System aussehen kann/soll/könnte/muss/wird, UM ES ZU ÄNDERN. Die Komplizen des alten Systems sind längst schon konkret dabei die altgewohnten Vorteile wiederherzustellen, bauen z.B. Massentourismus und Lufthansa wieder auf, während wir Bürger herumdiskutieren.

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