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„Ändere die Welt, sie braucht es“

In der kommenden Woche finden die 33. Literaturtage Lana statt. Das große Thema: politisches Schreiben und die dichterische Sprache.
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Foto: Bild: Literatur Lana

„Je mehr Einzelne da sind, welche dem Welttheater mit Ruhe und Kritik zuzuschauen vermögen, desto geringer ist die Gefahr der großen Massendummheiten“, wusste schon Hermann Hesse. Trotzdem gab und gibt es immer noch Künstler, die sich in einem elfenbeinernen Turm den Problemen ihrer Zeit scheinbar kategorisch entziehen. Was politisches Schreiben heißt, fragen in diesem Jahr die traditionsreichen Literaturtage Lana, die vom 20. bis zum 23. August im Schallerhof in der Vill stattfinden.

Welche Pflicht, welche Aufgabe, welche Funktion hat Kunst und wie tritt man literarisch den Problemen der Welt gegenüber?

Mit dem Werk und der Person Ezra Pound wurde im letzten Jahr die Frage nach der Rolle von Dichtung in der modernen Gesellschaft bereits gestellt, die beim heurigen Festival noch intensiver behandelt werden soll. Besonderes Augenmerk wird dabei auf die Sprache gelegt, als Werkzeug des Dichters, in der auch immer eine gewisse Haltung und zeitgeschichtliches Bewusstsein zum Ausdruck kommt.

Große Fragen

Das Verhältnis von Kunst und Welt ist eine Frage, mit der sich schon unzählige Literaten und Denker beschäftigt haben. Manche glauben zum Beispiel, beide seien strikt getrennt voneinander zu betrachten. So sagte Nietzsche etwa einst: „Wir haben die Kunst, damit wir nicht an der Wahrheit zu Grunde gehen.“ Also doch nur ein Zeitvertreib, Posse und Schein? Oder hat Literatur immer eine politische Dimension und eine Verbindung zur Gegenwart? Welche Pflicht, welche Aufgabe, welche Funktion hat Kunst und wie tritt man literarisch den Problemen der Welt gegenüber? Hier könnte einem Bert Brecht einfallen, einer der bedeutendsten politischen Schriftsteller der Geschichte und sein flammender Apell: „Ändere die Welt, sie braucht es.“

Prominente Gäste

„Politische Grammatik. Zur Geistesgegenwart der Dichtung“ heißt das Motto der heurigen Veranstaltung, die am 20. August vom chinesischen Schriftsteller und Friedenspreisträger Liao Yiwu eröffnet wird. Der Dichter, staatlich verfolgt und ins Gefängnis geworfen, berichtet über der die Zustände seines Landes, das menschliche Rechte und Würde immer mehr mit Füßen tritt.

Die Schauspielerin Angela Winkler liest aus den Werken des verstorbenen Thomas Brasch, der nach seiner Ausreise in den Westen als Vorzeigedichter der DDR galt, sich aber nie vor einen ideologischen Karren spannen ließ.

Wie Brasch gehört auch Volker Braun zu den scharfsinnigsten Beobachtern der deutschen Geschichte vor und nach der Wende und wird in Lana aus den Tagebüchern und seinem letzten Gedichtband vorlesen.

Weitere Schriftsteller, die in Lana über politische, gesellschaftliche und poetische Themen reflektieren, sind Sergio Raimondi, einer der großen Erneuerer der argentinischen Lyrik, Tomasz Różycki aus Polen und Julian Tânase aus Rumänien. Ebenso anwesend sind beim Festival Sonja vom Brocke und Ulf Stolterfoht, der über die politische Dimension in der experimentellen Dichtung spricht.