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Luftverschmutzung

Chinas Kampf gegen die Luftverschmutzung

Chinas neueste Maßnahme zur Reduzierung der Luftverschmutzung ist ein Produktionsverbot von 553 Automodellen, welche die Grenzwerte der Schadstoffemissionen überschreiten
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Chinas Städte versinken im Smog. In rund 80 Prozent der 300 größten Städte liegt die Luftverschmutzung weit über den offiziell empfohlenen Werten, vor allem in den Wintermonaten. Hunderte Millionen von Menschen sind von der Luftverschmutzung betroffen. Nach einer Studie der medizinischen Fachzeitschrift „Lancet“ wurden im Jahr 2015 in China 1,8 Millionen frühzeitige Todesfälle durch Luftverschmutzung verursacht.

Im Winter 2012 belastete die bislang schwerste und am längsten anhaltende Smogwolke weite Teile Nord- und Zentralchinas. Damals wurde in Peking eine Feinstaubkonzentration von bis zu 1000 Mikrogramm pro Kubikmeter gemessen, laut Weltgesundheitsorganisation sind gerade einmal 30 Mikrogramm unbedenklich. Das ist der Preis für Chinas rasantes Wirtschaftswachstum während der vergangen Jahrzehnte. Die immer stärkere Luftverschmutzung und die daraus resultierenden Folgen für die Volksgesundheit, sowie die ständig steigenden CO2 Emissionen haben China zum Umdenken in seiner Energie- und Umweltpolitik gezwungen, auch weil die Machthaber in Peking soziale Unzufriedenheit und daraus resultierende Unruhen in der Bevölkerung fürchtet.

Die chinesische Regierung hat inzwischen viele Maßnahmen gesetzt, um die Luftverschmutzung zu verringern. Einerseits soll der Kohleverbrauch stark reduziert werden, der zu einem großen Teil für die Luftverschmutzung verantwortlich ist, und andererseits sollen auch die durch den Verkehr hervorgerufenen Schadstoffemissionen verringert werden.

 

Gründe für die starke Luftverschmutzung in China

Kohle ist der Hauptverursacher der Luftverschmutzung in China. Das hohe Wirtschaftswachstum seit Mitte der 1990er Jahre hat zu einem stark steigenden Energiebedarf geführt. Da China über sehr hohe Kohlereserven verfügt, wird Kohle vor allem bei der Stromgewinnung und im Industriesektor (Stahl- Eisen- und Zementproduktion etc.) eingesetzt. Auch im Heizsektor spielt Kohle eine wichtige Rolle. Der Preis für das enorme Wirtschaftwachstum in den vergangenen Jahrzehnten ist die verheerende Luftverschmutzung. 

 

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China bezieht derzeit circa zwei Drittel seiner Energie aus der Kohleverbrennung. Während der Kohleanteil weltweit am Gesamtenergieverbrauch im Durchschnitt 28% ausmacht, liegt er in den OECD Ländern (Industrialisierte Länder) bei 17% und in der EU bei 15%. Kohle trägt, verglichen mit Erdöl und Gas, wesentlich stärker zu CO2 Emissionen und anderen Schadstoffemissionen bei.

 Als Folge der wachsenden Bevölkerung und des zunehmenden Wohlstands, wächst Chinas Automarkt weltweit am schnellsten. Deshalb steigen die CO2 Emissionen und andere Schadstoffemissionen, welche die Luftverschmutzung verursachen, ständig an. Laut neuesten Prognosen wird Chinas Wirtschaft, verglichen mit den Industriestaaten, auch in Zukunft hohe Wachstumsraten aufweisen und deshalb wird auch der Automarkt weiter expandieren.

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Während in den USA im Jahre 2014 auf 1000 Einwohner 816 Fahrzeuge und in Westeuropa 519 Fahrzeuge entfielen, waren es in China gerade einmal 105. Die Volksrepublik hat also noch enormen Aufholbedarf im Vergleich zu den Industriestaaten. Im Zeitraum von 2004 bis 2014 hat China die Anzahl von Fahrzeugen pro 1000 Einwohner verfünffacht, eine enorme Steigerung.  Diese Indikatoren zeigen, welches Potenzial für den Automarkt in China noch vorhanden ist. Sie liefern aber auch einen Hinweis dafür, welche Autolawine mit massiven Schadstoffemissionen auf China zukommen könnte, sollte die Regierung nicht entsprechende Maßnahmen setzen, um dieser Entwicklung entgegenzuwirken.

 

Chinas Maßnahmen gegen die Luftverschmutzung

Dem Thema Umweltschutz wurde in Chinas letzten Fünf-Jahres-Plan viel Platz eingeräumt worden. Im Kampf gegen die Luftverschmutzung wendet die chinesische Regierung zum Teil drastische Maßnahmen an.

Die Kohleverbrennung in Fabriken und Kraftwerken verursacht zu einem großen Teil der Luftverschmutzung. Ungefähr 70 Prozent des Stroms wird aus Kohle gewonnen. Die Regierung hat einen Stopp für den Bau von neuen Kohlekraftwerken verhängt. Zudem sollen mehr als 44.000 kleine Hochöfen geschlossen werden. Die Kohleemissionen sollen bereits bis 2020 um ein Fünftel gesenkt und in den nächsten 10 Jahren noch viel stärker reduziert werden. Viele veraltete Kohlekraftwerke sollen modernisiert oder durch Gaskraftwerke ersetzt werden. Auch im Heizsektor soll weiter von Kohle auf Gas umgestellt werden. Erneuerbare Energien, wie Wind- und Solarenergie und Geothermie sollen stark ausgebaut werden. Vier Städte, darunter Peking und Tianjin, sollen ab 2020 komplett "kohlefreie Zonen" werden.   

Die Stahlproduktion in Peking, Tianjin und Hebei, den Regionen mit der größten Eisen- und Stahlproduktion, soll diesen Winter um die Hälfte, die von Zement um zehn Prozent verringert werden. Als Folge müssen hunderttausende chinesische Arbeiter für vier Monate einen unbezahlten Zwangsurlaub antreten. Tausende luftverschmutzende Fabriken und Baustellen bleiben vom 15. November 2017 bis zum 15. März 2018 geschlossen, um die dramatischen Smogwerte der vergangenen Jahre zu vermeiden. Der Kampf gegen die Luftverschmutzung sei "eine Frage der sozialen Stabilität", begründete der chinesische Umweltminister die drastischen Maßnahmen.

In Peking und Umgebung haben diese drastischen Maßnahmen bereits positive Auswirkungen gebracht. Im 4. Quartal 2017 ist die Luftverschmutzung stark gesunken, wie der Luftqualitätsindex (AQI) zeigt. Von den anderen Regionen Chinas gibt es allerdings keine diesbezüglichen Erfolgsmeldungen.

 

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Im Kampf gegen die Luftverschmutzung setzt China auch auf den weiteren Ausbau von Kernkraftwerken. Laut Internationaler Atomenergiebehörde befinden sich derzeit in China 20 Kernkraftwerke im Bau und noch mehr sind in Planung.  Im Jahre 2025 wird China die USA, welche derzeit weltweit die Nummer eins beim Atomstrom ist, überholen. Diese Entwicklung sehen Gegner der Kernenergie mit großer Besorgnis.

 

Der stark steigenden Verkehr in Chinas Städten erhöht die Luftverschmutzung ständig.  Die Regierung hat bereits diverse Maßnahmen gesetzt oder für die kommenden Jahre geplant, um die Schadstoffemissionen zu reduzieren. So soll die Energieeffizienz von Neufahrzeugen erhöht werden, Millionen schmutzige Autos sollen von der Straße verbannt und der Kauf von Elektroautos gefördert werden. Nach Norwegen hat China weltweit das größte Förderprogramm für Elektroautos. In den kommenden Jahren soll der Absatz von Elektroautos stark gesteigert werden und bis 2025 zwanzig Prozent des gesamten Autoabsatzes ausmachen. Mit hohen Subventionen und Quoten sollen Elektroautos zum Massenprodukt werden. In Chinas Städten ist es inzwischen schwierig geworden ein Auto mit Verbrennungsmotor anzuschaffen, während der Kauf von Elektroautos mit Kaufprämien und Steuervorteilen gefördert wird. Auch bei öffentlichen Bussen und Taxis ist die Elektro-Mobilität bereits stark verbreitet.

 

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Quelle: Wikimedia

Die neueste Maßnahme für „sauberere Autos“ zielt darauf ab, die großen „Spritschlucker“ auf Chinas Straßen zu verbieten. 553 Auto-Modelle, welche die Abgaslimits nicht erfüllen, dürfen ab 1. Jänner 2018 in China nicht mehr produziert werden. Unter den betroffenen Modellen befinden sich auch viele ausländische Marken, wie VW, Audi und Daimler, die in China im Rahmen von Joint Ventures hergestellt werden.  Die ausländischen Autohersteller reagieren noch gelassen, da es sich bei den betroffenen Modellen nur um alte Modelle handle. Doch manche Experten der Autoindustrie gehen davon aus, dass diesem Schritt noch mehr Maßnahmen folgen werden.

China zieht auch ein Verbot von Produktion und Verkauf von Benzin-und Dieselfahrzeugen in Erwägung. Entsprechende Vorarbeiten sind bereits in Ausarbeitung, doch steht ein konkreter Zeitplan für das Verbot noch nicht fest.

 

Schlussfolgerungen

Chinas Regierung hat sich im Kampf gegen die Luftverschmutzung ehrgeizige Ziele gesetzt und bereits erste Erfolge erzielt. Ob es gelingen wird die mittel- und langfristigen Pläne zur Reduzierung des Kohleverbrauchs in den dafür vorgesehenen Zeiträumen einzuhalten, bleibt abzuwarten, denn Chinas Wirtschaft ist immer noch sehr stark von energieintensiven und Kohle-lastigen Industriezweigen abhängig. Eine wichtige Rolle wird auch die Entwicklung des zukünftigen Wirtschaftswachstums spielen.

Im Verkehrssektor setzt die Regierung einerseits auf mehr Energieeffizienz bei Verbrennungsmotoren, mittel- und langfristig sollen emissionsfreie Autos die Luftverschmutzung in Chinas Großstädten reduzieren. Da China der weltweit größte Automarkt ist, beeinflussen die Maßnahmen für eine saubere Mobilität im Reich der Mitte auch die Entwicklung der Autobranche im Rest der Welt.

 

Anmerkung:

Fossile Energien (Kohle, Erdöl und Gas) verursachen CO2 Emissionen, die für die Klimaerwärmung verantwortlich sind. Zudem sind sie für den Ausstoß von anderen Schadstoffen, wie Stickstoffoxide verantwortlich, welche gesundheitsschädliche Luftverschmutzung verursachen. Kohle ist der Hauptverursacher von CO2- Emissionen und ist auch zu einem großen Teil für die anderen Schadstoffemissionen verantwortlich.

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