Quirinale
Foto: quirinale.it
Politica | Präsidentenwahl

Tauziehen um den Quirinal

Heute beginnt die Wahl des neuen Staatspräsidenten

Am heutigen Montag beginnt die Wahl des neuen Staatspräsidenten. Für Italiens Medien ist das bereits seit Wochen ein vorrangiges Thema. Wer zieht nach dem beliebten Staatspräsidenten Sergio Mattarella in den römischen Quirinalspalast ein, dessen 1500 Prunkgemächer durch Jahrhunderte von Päpsten und Königen bewohnt wurden und Schauplatz legendärer Fehden waren?

Italiens Medien lieben diese Spekulationen. La Stampa widmet dem "Ereignis" heute die ersten 12, der Corriere della Sera di ersten 11 Seiten. Wie gewohnt erfährt man darin ausser Spekulationen nichts, was man nicht schon vorher gewusst hätte. Dass etwa Italiens Parteien sich in den vergangenen Wochen nicht zusammenraufen und auf einen Namen einigen konnten. Und dass derjenige, der dieses Amt unbedingt wollte, das Handtuch werfen musste. Wegen mangelnder integrità morale und weil er mit 85 nicht unbedingt über die Voraussetzungen verfügt, eine 7-jährige Amtszeit unbeschadet zu überstehen. Und wohl auch weil der ehrwürdige Quirinalspalast nicht für Bunga-Bunga-Parties missbraucht werden sollte.

In der Liste der täglich von den Medien wiederholten Kandidaten finden sich keine neuen Gesichter, sondern jene uralter Protagonisten des politischen Lebens - von Pier Ferdinando Casini bis zu Letizia Moratti, von Marcello Pera bis zu Elisabetta Casellati. Das eigentliche Dilemma dabei: der fähigste Kandidat sitzt bereits im Chigi-Palast an den Schalthebeln der Macht.

La Stampa widmet dem "Ereignis" heute die ersten 12, der Corriere della Sera di ersten 11 Seiten. Wie gewohnt erfährt man darin ausser Spekulationen nichts, was man nicht schon vorher gewusst hätte.

Ob Draghi für das höchste Staatsamt zur Verfügung steht, ist unbekannt. Dort, wo er bereits arbeitet, scheint er jedenfalls unersetzlich, wird EU-weit mit Lorbeeren überhäuft und muss als Regierungschef darüber wachen, dass die 200 Milliarden Euro aus dem Wiederaufbau-Fonds der EU zielgerecht, pünktlich und effizient ausgegeben werden. In ihrer Verzweiflung fällt etlichen Parteienvertretern nichts Sinnvolleres ein als eine "Mandatsverlängerung" für den 80-jährigen Sergio Mattarella zu fordern, der in seine Wohnung in Palermo geflüchtet ist und bereits mehrmals erklärt hat, dass sein Ausstieg aus der Politik unwiderruflich sei. Dennoch liegt Mattarella in der Gunst der Wähler deutlich vor Draghi, Berlusconi und der Justizministerin Marta Cartabia.

 

Was sich hinter den Kulissen abspielt, erinnert eher an Goldoni-Possen als an seriöse Politik. Zum Nachdenken bleibt nicht allzu viel Zeit .  Da mag es nützlich sein, zu wissen, dass die ersten drei Wahlgänge wegen der geforderten absoluten Mehrheit auf jeden Fall ergebnislos verlaufen werden - und dass die Anti-Covid-Massnahmen die Wahlen erheblich verlangsamen werden. In den ersten Wahlgängen wird eine Flut weisser Stimmzettel erwartet.

Was sich hinter den Kulissen abspielt, erinnert eher an Goldoni als an seriöse Politik.

Nur ein überraschender Name ist bisher in den Vorschlägen aufgetaucht: der von Andrea Riccardi, Gründer und Vorsitzender der katholischen Organisation Comunità di Sant'Egidio, die sich seit Jahren beispielhaft für Entwickungszusammenarbeit und für die Integration von Flüchtlingen einsetzt. Ein Vorschlag, der von Salvini postwendend abgelehnt wurde. Von demselben Lega-Chef, der vor dem Mailänder Dom zum Ärger des Erzbischofs vor den TV-Kameras einen Eid auf die Bibel geschworen hat.