Elisabeth Tauber & Almut Schneider
Privat
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salto Gespräch

“Die Pandemie als Katalysator”

Warum ist der Corona-Notstand für die westliche Welt so dramatisch? Woran rüttelt er? Antworten und Einschätzungen der Ethnologinnen Elisabeth Tauber und Almut Schneider.
Di
Ritratto di Lisa Maria Gasser
Lisa Maria Gasser26.04.2020
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Ritratto di Waltraud Mittich
Waltraud Mittich 26 Aprile, 2020 - 07:40

Sehr interessant! Mich hat vor allem der Gedankengang zu Grenzen und deren Wahrnehmung angesprochen. Ingeborg Bachmann, deren vorausschauende Fähig keiten ich in dieser Zeit anders und neu zu schätzen gelernt habe, hat dazu einen Vierzeiler geschrieben: Wir aber wollen über Grenzen sprechen/ Und gehn auch Grenzen noch durch jedes Wort/ Wir wollen sie aus Heimweh überschreiten/Und dann im Einklang stehn mit jedem Ort.

Ritratto di gorgias
gorgias 26 Aprile, 2020 - 10:32

Als erstes frage ich mich, warum Tauber und Schneider im unisono sprechen? Haben beide deckungsgleiche Meinungen? Warum kann nicht jede mit eigener Stimme sprechen. Sind doch auch Interviews mit mehreren Partnern üblich in denen sie sich diese amical gegenüberstehen.

Auch spielt das Wirtschaftssystem nur zweitrangig eine Rolle. So entstehen neue Krankheiten durch Kontakt mit (Wild)tieren. Mit Umweltzerstörung hat diese Pandemie rein gar nichts zu tun, sondern höchstens mit der Globalisierung und da nur mit dem Personenverkehr.

Denn die Umwelt kann man auch für wirtschaftliche Zwecke zerstören ohne dass Handel betrieben wird. Sogar der Güterverkehr hat mit dieser Pandemie marginal zu tun. Stirbt der Virus doch nach ca. 8 Stunden außerhalb eines Wirts ab. Containerschiffe sind meist Wochen unterwegs.

Der Gütertransport im Binnenbereich läuft eh wie bisher in den Bereichen in denen der Detailhandel nicht geschlossen hat. Ich kann im Supermarkt keine Änderungen im Sortiment feststellen. Mein Lieblingskaffee ist gerade im Sonderangebot. Das würde er kaum sein, wenn man mit langfristigen Lieferengpässe rechnen würde. Und die Sojasoße ist auch noch nirgends ausgegangen.

An der globalen Arbeitsteilung wird sich kaum etwas ändern, als dass man sich politisch darauf besinnen wird, bestimmte strategische Güter selbst zu produzieren. So ist es in den USA dem Militär gesetzlich verboten Waren von ausländischen Anbietern zu kaufen. Etwas analoges könnte man sich auch in der EU vorstellen, wo es Gesundheitseinrichtungen nicht mehr möglich sein wird bestimmte medizinische Produkte aus dem EU-Ausland zu beziehen. Die Masken werden dann ein paar Cent mehr kosten. Dafür ist man nicht mehr von dritten Abhängig.

Was sehr stark abnehmen werden sind Geschäftsreisen. Diese lassen sich meistgehend durch Videokonferenzen ersetzen. Unternehmen wollen nicht das Risiko eingehen, dass die Produktion unnötig zum Stillstand kommt. Der PR-Schaden für ein Unternehmen im Post-Corona Zeitalter eine Infektionskrankheit aus dem Ausland einzuschleppen kann nicht hoch genug geschätzt werden. Bei Privatreisen wird es nicht so drastisch sein.

Die Vergleiche mit jenen in Afrika hinken an mehreren Punkten. Covid-19 ist in keiner Weise mit Ebola vergleichbar, das eine Letalität bis zu 90% hat. In Afrika ist der Anteil der Subsistenzwirtschaft weitaus höher und ermöglich es Gemeinschaften sich weitgehen zu Isolieren. Auch sind diese Grundsätzlich stärker selbstorganisiert und Verantwortungsträger aus dieser Gemeinschaft, sind in ihrer Rolle entscheidend für Anpassungen, während es bei uns nationale und Institutionen auf Landesebene sind, was zu einer weit geringeren Verankerung ins kollektive Bewusstsein neuer Praxen führen wird.

Soziokulturell wird sich wahrscheinlich kaum was ändern. In ca. 2 Jahren wird die Mortalität des Corona-Virus dank Durchseuchung und/oder Impfung/Therapie mit jene der Influenza vergleichbar sein. Menschen die sich Jahrzehnte lang die Hand gegeben haben, werden es wieder anfangen zu tun. Wer zu Arbeit pendeln muss, wird es weiterhin tun. Eine der wenigen Entwicklungen wird die Digitalisierung der Arbeitswelt/Home Office sein. Diese Änderung wird nachhaltig sein. Nicht wegen des Coronavirus, sondern weil es bereits eine angehende Veränderung war, die durch dieses Ereignis lediglich beschleunigt wurde.

Ritratto di Lisa Maria Gasser
Lisa Maria Gasser 27 Aprile, 2020 - 09:11

Das Interview wurde in schriftlicher Form geführt – die beiden Interviewpartnerinnen haben die Antworten gemeinsam formuliert.

Ritratto di Karl Trojer
Karl Trojer 26 Aprile, 2020 - 11:15

Danke für diese Überlegungen und Vorschläge. Ich denke, dass wir uns auf einige prioritäre Ursachen und Lösungen beschränken sollten die als wesentlich erkannt werden; ansonsten verlieren wir uns mit viel Aufwand in einem Durcheinander von Details. In diesem Artikel wurde m.E. als die zentrale Frage jene nach dem Zusammenhang von Gesellschaft und Wirtschaft gestellt. Die Frage erscheint auch mir als prioritär im Bedarf nach Lösungsfindung. Dabei gilt es die beiden Begriffe "Gesellschaft" bzw. "Wirtschaft" auf nachhaltige, d.h. zukunftsfähige Weise zu verstehen. Dazu ein paar Gedanken:
Zur "Gesellschaft":
- unsere menschliche Gesellschaft darf nicht weiterhin als "Summe von Individuen" verstanden werden, sondern vielmehr als ein lebendiger "Organismus", dessen "Zellen" die Individuen sind;
- unsre Gesellschaft muss sich vom gegenseitigen sich Übervorteilen zu einem solidarischen Handeln im gegenseitige Respekt und bei Wertschätzung der Verschiedenheiten entwickeln;
- die Gleichberechtigung und -Behandlung von Frau und Mann sind auf allen Ebenen, auch in den Religionen (Katholizismus, Islam, Hinduismus, Buddhismus ecc), ehestens umzusetzen;
- die Existenznot Bedürftiger ist durch angemessene, von der Gemeinschaft garantierte Grundeinkommen zu begegnen;
- antidemokratische und rassistische Aktivitäten sind zu orten und rechtzeitig gerichtlich effizient und gesetzlich umfassend zu unterbinden;
- dem Konsumrausch ist zukunftsfähige Lebensqualität für alle Menschen udn Schonung der Resourcen entgegenzustellen und massiv mit fairen Werbemethoden zu propagieren.
Zur "Wirtschaft":
- Realwirtschaft und Finanzwirtschaft verfolgen ganz unterschiedliche Ziele und bedienen sich völlig unterschiedlicher Methoden. Deshalb ist es unbedingt notwendig, sowohl im medialen Dialog darüber, als auch im gesetzlichen Umgang mit diesen beiden Arten, verschieden angemessene Wege zu beschreiten. Derzeit treibt die globale Finanzwelt die Realwirtschaft und ganze Volkswirtschaften mit Casino-Charakter vor sich her; um dies zu unterbinden bräuchte es, vorerst zumindest EU-weit, zwei Maßnahmen: a) der Wiederverkauf von Wertpapieren im 1/1000-Sekunden-Rhytmus ist durch Einführung einer Pause von 2 Tagen zu unterbinden, und b) der Transfer von Wertpapieren ist angemessen empfindlich zu besteuern;
- Geschäfte die übers internet abgewickelt werden, sind mit denselben Steuern zu belegen wie sie der Realhandel, dort wo der Kauf umgesetzt wird, zu tragen hat;
- die regionalen Kreisläufe von Waren und Finanzwerten, sowie die Kooperation und Vernetzung von Klein-u-Mittelbetrieben sind viel stärker als bisher zu fördern;
- die gesamte Wirtschaft und Innovationen sollten nur dann Förderungen erhalten, wenn sie sowohl gemeinwohlorientiert wirken, als auch zum Klima- und Umweltschutz beitragen; ansonsten sollten sie angemessen zusätzlich besteuert werden.

Ritratto di Karl Trojer
Karl Trojer 26 Aprile, 2020 - 11:21

Dazufügen möchte ich noch, dass Europa ehestens Afrika regional effiziente und umfassende Hilfe beim Aufbau von Infrastrukturen, von regionalen Wirtschaftskreisläufen und bei der Aus-u.Weiterbildung anbieten muss.

Ritratto di gorgias
gorgias 26 Aprile, 2020 - 13:24

>- unsere menschliche Gesellschaft darf nicht weiterhin als "Summe von Individuen" verstanden werden, sondern vielmehr als ein lebendiger "Organismus", dessen "Zellen" die Individuen sind;<

Volkskörper?

>- unsre Gesellschaft muss sich vom gegenseitigen sich Übervorteilen zu einem solidarischen Handeln im gegenseitige Respekt und bei Wertschätzung der Verschiedenheiten entwickeln;<

oder wie Kaiser Robert I. sagt: "Ihr müßt auch a bisl brav sein."

>- die Gleichberechtigung und -Behandlung von Frau und Mann sind auf allen Ebenen, auch in den Religionen (Katholizismus, Islam, Hinduismus, Buddhismus ecc), ehestens umzusetzen;<

Dann fangen wir mal damit an die Verfassung anzupassen:
art. 7
"lo Stato e la Chiesa cattolica sono, ciascuno nel proprio ordine, indipendenti e sovrani"
->
"lo stato è un proprio ordine, indipendente e sovrano da ogni istituzione religiosa"

und wenn wir schon dabei sind. Brauchen wir die Kirchensteuer? Wenn es darum geht Gutes zu tun, kann die katholische Kirche doch für die entsprechenden Projekte einen Onolus gründen. Wenn jemand es gerne hat, dass sein Geld für Bischofsstäbe und Sultanen ausgegeben wird, der kann doch aktiv der Kirche spenden.

Ritratto di Karl Trojer
Karl Trojer 27 Aprile, 2020 - 10:09

Giorgias Verdrehkunst ist kaum zu übertreffen,... er sprüht nur so vor kritischer Intelligenz und er kann es nicht lassen, in die Teller anderer zu spucken....

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