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Ein Lockdown kommt

Runter vom Gas

Runter vom Gas - Abstand halten ... ist ein Slogan zur Verkehrssicherheit, passt aber auch bestens zur aktuellen Corona-Thematik. Und ein Umdenken kommt.
Un contributo della community di Klemens Riegler25.10.2020
Ritratto di Klemens Riegler
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Gestern war ich beim Wirt meines Vertrauens.  So wie fast täglich morgens. Ein Italiener ist es. Er betreibt diese Bar in Sippschaft. Es gibt dort neben einem guten Café Liscio und dem Glasl Pipenwosser auch Zeitungen zu lesen. Tagblatt, TZ, AA ... Nun, die Aufmacher sind fast überall identisch; Corona, Fallzahlen, Intensivbetten, Aufrufe der Politik, RKI ... und schon wieder Geplärre diverser Sektoren. Diesbezüglich denke ich mir, dass es schon wieder losgeht mit der Wette wer als erster betroffen ist und als letzter wieder raus kommt. Es ist irgendwie der Wettlauf um Aufmerksamkeit um der Politik früh genug zu signalisieren wohin die Förderungen fließen müssen, damit ja nicht der andere Wirtschaftsbereich mehr abkriegt. Kein Wunder, dass schon morgen in denselben Zeitungen der nächste Verband für seine eigenen Mitglieder in die Presche springt.
Während ich mir meinen eigenen Pressespiegel zusammen stelle höre ich im Hintergrund die Betreiber diskutieren wann der Lockdown denn nun kommen wird. Ihnen scheint klar dass er kommt ... mit allen Konsequenzen, auch für sie selbst.
Masken tragen hier fast alle, also zumindest viele, und beim Herein Gehen. Die Plexi-Scheiben am Budel stehen seit zwei Wochen auch wieder. Und trotzdem sehe ich auch Menschen die sich beim Grüßen zu nahe kommen. Sogar Küsschen Links-Rechts. Aber im Prinzip werden die am Boden eingezeichneten Abstände wieder etwas mehr eingehalten als noch vor einigen Wochen. Die Leute scheinen zu wissen, dass es wieder kritischer wird. Einige am Nebentisch ... jüngere Leute ... skandieren allerdings gewaltig. Alles „truffa“ und so. Und dabei denke ich an das Restaurant in welchem ich Mittags zu speisen pflege. Viel zu viele Leute, keine Plexi-Trennscheiben auf den Tischen, die Tische werden mit der „Huder“ abgewischt, die schon vorher einige andere Bakterien, Viren und „Brotbrusen“ am Nachbarstisch aufgesogen hat. Na ja, es muss schließlich schnell gehen; Im Zeitfenster von 11:45 bis 14:00 Uhr so viele Arbeiter-Menüs wie möglich raus zu hauen. Auch da hörte ich vorgestern „Vollgas bis sie ins eh wieder zuaspörren“.
Irgendwie kommt mir der Verdacht, dass, obwohl Conte, Kompatscher, Merkel, Kurz und Co. derzeit noch den Lockdown weg- oder fernreden, sich die Menschen bereits darauf einstellen. Egal ob ich mit Corona-Angsthasen oder mit Corona-Leugnern rede. Für die ersten sind schärfere Maßnahmen längst überfällig, die zweiten finden es natürlich falsch, aber rechnen eh schon damit. 
Eigentlich ist es logisch. Wer in der Mittelschule nicht all zu viel „geschwänzt“ hat oder wenn die Mathe-Lehrerin nicht nur „sekkiert“ hat, dann weiß er und sie wie die Situation in 14 Tagen aussehen wird.
Ich glaube jetzt einfach Mal den Nachrichten im Tagblatt, TZ, AA ... und auch Salto & Rai ... dass die meisten Ansteckungen im Bereich von privaten Feiern und überall dort passieren wo viel und lang gequatscht oder gesungen wird. Und wo man sich über einen längeren Zeitraum in ungelüfteten Räumlichkeiten befindet. Die steigenden Zahlen zeigen, dass es nach wie vor zu viele sind. Und je mehr „Virus-Spuderer“ frei herum laufen umso schlechtere Fallzahlen ergibt das. Dieser komische Prozentsatz an Covid19-Pazienten in den Krankenhäusern und auf den Intensivstationen steigt freilich entsprechend an. Bis zum Limit, an welchem das KH-Personal dann zu entscheiden hat wer das Recht auf Behandlung hat. Die Jüngeren werden den Älteren vorgezogen, die Gesünderen jenen mit Vorerkrankungen.
Und dann denke ich an die nordischen Länder. Nicht dass Schweden bisher besser weg gekommen wäre – ganz im Gegenteil. Aber dort gibt es schon jetzt eine andere gesellschaftliche Meinung zum Thema Gesundheit und Alter. Soweit ich weiß werden dort älteren Menschen über 80 keine Hüftprothesen mehr gesetzt. Ältere Covid-Patienten mit Vorerkrankungen werden ebenso nicht „künstlich“ im Diesseits gehalten. Und es klagt anscheinend auch kein Angehöriger den Sanitätsdirektor an, wenn seine schwerkranke Mutter endlich in die Ewigen Jagdgründe entlassen wird.
Nun ... ich wette, dass auch wir in spätestens zehn Jahren soweit sein werden. Oder wohl schon früher, wenn es das Gesundheitsbudget einfach nicht mehr hergibt Patienten, die vielleicht schon lange „gehen wollten“ mit tausenden von Euros (täglich) im Hier gehalten werden.  Wir kommen damit zur Diskussion um das „Recht auf Würde“ oder das Recht auf würdevolles Sterben.
Na ja, ich bin jetzt vom Thema abgekommen ... oder doch nicht? 
Fest steht jedenfalls schon jetzt, dass irgend ein „Lockdown“ kommt. Ob ihn die Politik dann so bezeichnen wird ist eine andere Frage. Die Antwort auf die Frage Warum das sein muss ist ganz einfach; Weil die Verantwortlichen keine andere Wahl haben und weil die Mehrheit der Bevölkerung das auch mittragen wird.
p.s. diesbezüglich kontraproduktiv sind etwa Aussagen eines Manfred Pinzger (HGV), der kürzlich die Südtiroler aufgerufen hat sich an alle Regeln zu halten um den Tourismus nicht zu gefährden.  Wie kurzsichtig zu glauben, dass alle Südtiroler des Fremden-Verkehrs (so nannte man da mal) wegen alle Corona-Auflagen einhalten würden. 
Uns sollte vielmehr bewusst sein, dass eine Erkrankung mit Covid19 schwerwiegende Folgen haben kann und auch zum Tod führt. So wie viele andere Krankheiten oder Umwelteinflüsse natürlich auch.

Der Luigi in Leifers oder die Tresl in Hinterpasseier mag mir relativ egal sein. Aber wenn es mich selbst, meine Liebste, meine Schwester, meinen Mitarbeiter, meine Mama, meine schwangere Tochter oder meinen 80-jährigen Freund erwischt, dann ist das etwas anderes. Andererseits hat auch der Luigi und die Tresl eine Schwester, einen Mitarbeiter, eine Kollegin, einen Sohn, einen Papi oder eine ältere Freundin.

Sowolla, der Zuckersatz in der Liscio-Tasse ist eingetrocknet, das Pipenwasser-Glas leer, die drei Zeitungen von mir kontaminiert ... ich zahle 100 €-Cent, verlasse das Lokal und zünd mir draußen an Tschigg un.

Update: "Der Wirt meines Vertrauens" und seine Bar steht seit heute (26.10.) unter Quarantäne. So steht es auf dem Hinweis der geschlossenen Eingangstür.

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Ritratto di Georg Lechner
Georg Lechner 26 Ottobre, 2020 - 10:45

Kleine Anmerkung am Rande. Das Virus hat keinen Stoffwechsel, kann sich daher weder bewegen noch von sich aus vermehren. Es kann daher nur durch das Einatmen oder allenfalls noch durch Nasenbohren in die Schleimhäute der Atemwege gelangen.
Es stimmt, je mehr unerkannt Infizierte herumlaufen (man kann andere schon anstecken, bevor man selbst Symptome bemerkt), desto leichter kommt es zu einer Weiterverbreitung. Denn innerhalb der Familie und oft auch am Arbeitsplatz ist man ohne Maske unterwegs. Dann gibt es noch die bekannt Uneinsichtigen....

Ritratto di Sepp Bacher
Sepp Bacher 26 Ottobre, 2020 - 16:23

Wichtig finde ich den Querverweis auf Schweden und dass man dort schon vom Muss, dass alle möglichst alt und bis zum Schluss am Leben erhalten werden. Diesbezüglich ist eine Diskussion schon längst fällig. Anscheinend scheuen sich alle davor.

Ritratto di Klemens Riegler
Klemens Riegler 26 Ottobre, 2020 - 17:07

"... Diskussion längst fällig" ... auch DAS wird kommen. Corona wird diesbezüglich leider auch nachhelfen. Aber eine offene Diskussion wäre wichtig. Diesen Step muss die Kirche ebenso angehen wie Moraltheologen und Ethikexperten ... dann Philosophen, dann wichtige Leute ... und dann sind wir eh bei der Gesellschaft. Politik kann es sicher nicht leisten dieses Thema anzugehen.

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