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„Ich gehöre keinem Lager an“

Der Kammerabgeordnete Manfred Schullian über seine Wiederkandidatur, die harte Nuss Meloni, die politische Zukunft und die zwei Seelen in der Brust der SVP.
Manfred Schullian
Foto: Salto.bz
Salto.bz: Herr Abgeordneter, wird die Ära Schullian in Rom weitergehen?
 
Manfred Schullian: Das kann ich nicht sagen. Denn eines ist klar: Sollte ich kandidieren und von der SVP auf die Liste gesetzt werden, entscheiden das die Wählerinnen und Wähler.
 
Sie wollen bei den Parlamentswahlen am 25. September aber wieder antreten?
 
Grundsätzlich kann ich es mir vorstellen. Ja.
 
Es zeichnet sich ein Stechen von drei amtierenden SVP-Parlamentariern - Albrecht Plangger, Dieter Steger und Ihnen - um zwei mögliche Mandate in der Abgeordnetenkammer ab. Sie gehen davon aus, dass Sie sich SVP-intern durchsetzen können?
 
Ich habe vor allem mit Abi Plangger wirklich ausgezeichnet zusammengearbeitet, deshalb werde ich sicher keinen persönlichen Kampf austragen. Aber ich möchte klar signalisieren, dass ich Interesse habe und da bin.
 
Es geht unter anderem um den Kammerwahlkreis Bozen. Sie stammen aus diesem Bezirk. Wäre es nicht normal, dass Sie in Ihrem Heimatbezirk - so wie Meinhard Durnwalder und Julia Unterberger im Senat oder Renate Gebhard in der Kammer - als gesetzt gelten würden?
 
Das möchte man versucht sein anzunehmen. Aber es ist offensichtlich nicht so.
Ich möchte klar signalisieren, dass ich Interesse habe und da bin.
Laut Medienberichten haben sowohl Landeshauptmann Arno Kompatscher als auch SVP-Obmann Philipp Achammer große Unterstützung für Dieter Steger und seinen möglichen Wechsel vom Senat in die Abgeordnetenkammer angekündigt. Nicht gerade die beste Ausgangsposition für Sie?
 
Ich gehe davon aus, dass sich der Landeshauptmann hier ganz bewusst nicht aktiv einmischen wird. Das ist auch korrekt so. Auch weil er zu allen ein gutes Verhältnis hat und sich das auch bewahren will. Deshalb ist für mich eine gewisse Zurückhaltung hier durchaus verständlich.
 
Sie gelten aber als Mann des Kompatscher-Lagers?
 
Ich gehöre keinem Lager an. Genau das wird mir immer wieder vorgehalten. Man sagt, dass ich zu wenig Partei und zu wenig Lager bin. Aber das ist die Freiheit, die ich mir nehme. Ich habe mir immer erlaubt, unabhängig zu arbeiten. Und ich denke, dass man so auch gut arbeiten kann.
 
Sie können aber auf die Unterstützung der größten Südtiroler Lobby bauen - des Südtiroler Bauernbundes?
 
Das weiß ich nicht. Ich habe kein Gespräch geführt und deshalb kann ich das derzeit nicht beurteilen.
Man sagt, dass ich zu wenig Partei und zu wenig Lager bin. Aber das ist die Freiheit, die ich mir nehme.
Politisch müsste es für die SVP bei dieser Wahl darum gehen, zu verhindern, dass die Rechtsparteien in den Wahlkreisen um Bozen einen Durchmarsch machen. Wäre es deshalb nicht logisch und sinnvoll, dass sich die SVP in diesen Wahlkreisen mit den autonomiefreundlichen Kräften verbindet?
 
Darüber wurde innerhalb der Partei auch diskutiert. Man hat aber in diesem Punkt noch keine Entscheidung gefällt. Deshalb möchte ich hier nicht vorgreifen. Aber es ist sicherlich im Interesse aller Südtirolerinnen und Südtiroler, die für die Autonomie stehen, dass ebenso autonomiebewusste Parlamentarier Südtirol in Rom vertreten.
 
 
Meloni ist eine schwere Nuss, die es zu knacken gilt. Genau diese Situation ist denn auch einer der Gründe, warum ich sage, dass ich nochmals antreten will.
 
Es gibt in der SVP traditionell zwei Seelen. Eine, die nach Mitte-Links schielt, und eine, die nach Mitte-Rechts drängt. Es scheint, dass sich die konservative Volkspartei immer mehr in Richtung rechts durchsetzt.
 
Nein, das kann man so nicht sagen. Es geht darum, mit wem man arbeiten kann. Das aber ist nicht immer eine Frage der Zuordenbarkeit zu Mitte-Rechts oder Mitte-Links, sondern es geht letztendlich darum, wie vernünftig ist der Gesprächspartner. Und da habe ich auf beiden Seiten wirklich vernünftige Gesprächspartner gefunden. Deshalb lässt sich das a priori nicht so sagen. Es ist für eine Sammelpartei  völlig normal, dass es einen Kreis gibt, der eher linksorientiert ist und andere, die eher nach rechts oder mitterechts tendieren. Wobei die Grenzen längst verschwommen sind. Man kann die Menschen nicht mehr so leicht zuordnen, wie es einmal war. Ausgenommen die Partei „Fratelli D’Italia“.
 
Sicher ist, dass Giorgia Meloni in der nächsten Regierung eine zentrale Rolle spielen wird. Kann es sich die SVP leisten, mit politischen Kräften wie Fratelli D’Italia zusammenzuarbeiten?
 
Das wird sicher problematisch werden. Es ist eine schwere Nuss, die da zu knacken ist. Genau diese Situation ist denn auch einer der Gründe, warum ich sage, dass ich nochmals antreten will. Es wird eine spannende Zeit, wo man auf Werte setzen und diese mit Nachdruck vertreten muss. Werte, die unter einer Rechtsregierung unterzugehen drohen.  
 
Sie sagen: „Ich möchte wieder antreten“. Doch damit ist in der SVP noch nichts getan. Wie wollen Sie eine Wiederkandidatur konkret durchsetzen?
 
Zunächst werde ich heute nach Rom fahren, um dort meiner Arbeit als Parlamentarier nachzugehen. Die Bezirksobmänner werden jetzt ein Regelwerk erstellen, das am nächsten Montag von der Partei abgesegnet werden soll. Die SVP-Ortsgruppen haben bei der Kandidatennominierung auf jeden Fall ein Vorschlagsrecht. Aber ich werde jetzt sicher nicht Ortsgruppe um Ortsgruppe kontaktieren. Wer mich kennt, der weiß, dass das nicht meine Art ist.
Ich glaube, dass ich in Rom einen guten Job gemacht habe und das sollte für eine Wiederkandidatur eigentlich reichen.
Sie wollen sich betteln lassen?
 
Keinesfalls. Das ist nicht meine Haltung. Umgekehrt möchte ich mich auch nicht anbiedern. Ich glaube, dass ich in Rom einen guten Job gemacht habe, und das sollte für eine Wiederkandidatur eigentlich reichen.
 
Ihre Gegner werfen Ihnen aber vor, zu wenig in der Partei verankert zu sein?
 
Ich bin immer voll und ganz dort, wo es brennt und wo es sinnvoll ist. Ansonsten bin ich wirklich nicht allzu viel dort.