Cultura | Salto Afternoon

Revisited: Verkaufte Heimat

Wiedersehen mit einem TV-Klassiker: auf großer Leinwand, italienisch untertitelt und mit Anekdoten zu den Dreharbeiten.
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Foto: Filmclub

Sie nennen sich Die brennende Lieb und Leb wohl, du mein Südtirol und klingen in den Ohren wie zwei bemitleidenswerte Titel der volkstümlichen Schlagerszene. Doch die beiden etwas schnulzig tönenden Sentenzen stehen für eine erfolgreiche Aufarbeitung von Südtiroler Zeitgeschichte.
Nach ausfürlicher Recherche erstellte der Schriftsteller Felix Mitterer die Drehbücher für Verkaufte Heimat und ließ sie Ende der 1980er Jahre von Regisseurin Karin Brandauer verfilmen. Die beiden ersten Teile geben einen vorurteilsfreien Blick auf ein historisch umstrittenes Zeitfenster, in welchem Vorurteile, politisch gewollte Fake News und autoritäres Machtgehabe die Südtiroler Gesellschaft entzweien.
Die Geschichtsschreibung hat sich lange Zeit gelassen, sich dem Thema Option wissenschaftlich zu nähern, war doch das letzte offizielle Lager der Südtiroler in Eichat in Absam erst 1969 geschlossen worden.


Das große Schweigen zu diesem Geschichtskapitel wurde vom Journalisten Claus Gatterer gebrochen. Er stellte wichtige Weichen zur längst überfälligen Arbeit. Auch eine TV-Dokumentation des Journalisten Gottfried Solderer zum Thema Option für den Rai Sender Bozen ließ Ende der 1970er Jahre aufhorchen. Junge Südtirolerinnen und Südtiroler mobilisierten sich in diesen Jahren, um eine sprach- und kulturübergreifende Geschichte zu schreiben. Es entstanden mehrsprachige Vereinigungen wie SAAV oder Geschichte und Region...
Im Sog dieses vorsichtigen Miteinanders entstand wahrscheinlich auch Verkaufte Heimat. Natürlich auch durch die finanzielle und kulturpolitische Fürsprache des damaligen Rai-Koordinators Franz von Walther.

 

„Es ist meine wichtigste Arbeit“ meinte Felix Mitterer vor wenigen Wochen bei der Präsentation der ersten Folge von Verkaufte Heimat. Der Spielfilm – mittlerweile auch wichtiger Teil des Schulunterrichts in Südtirol – wurde im Rahmen zweier Matineen in Bozen gezeigt und brachte dem Filmclub unerwartet volle Säle. Erstmals konnten Mitterers Drehbuchdialoge auch in italienischsprachiger Untertitelung (auf großer Kinoleinwand) mitgelesen werden – ein Angebot, das von vielen italienischsprachigen Südtirolerinnen und Südtirolern auch angenommen wurde.


„Verkaufte Heimat? Nicht schon wieder“ lauteten einige Stimmen im Vorfeld der Organisation zu diesen beiden Vormittagsprojektionen. Nichts­des­to­trotz zeigten die beiden Fernsehfilme erneut klar und ohne Übertreibung den Faschismus in Südtirol, die Versuche zur Entnationalisierung, den Widerstand und die Propaganda der Dableiber und Optanten, sowie die Blendung und Rache der dem Nationalsozialismus nahestehenden Südtiroler und Südtirolerinnen.
Felix Mitterer zeigt aber auch andere Sichtweisen, etwa in Sachen Sprache und Unterricht die Persepektive der Kinder (braucht es überhaupt eine Schule?) oder die weisen Überlegungen des Trentiner Straßenkehrers (gespielt von Martin Abram), der einer Narrenfigur entsprechend, den "Müll der Südtiroler Geschichte" zusammenfegt, aber durch sein Schauspiel die Politik der „Mir sein Teitsche“ und „Siamo in Italia“-Fraktionen lächerlich erscheinen lässt. Vielleicht spricht gerade Felix Mitterer selbst aus dieser Figur. Sie steht am Anfang und am Ende des ersten Teils.

 

30 Jahre nach der Erstausstrahlung wurde deutlich, dass neben den weiteren beiden großen Spielfilm-Produktionen zu Südtiroler Zeitgeschichte aus den 1980er Jahren Das Glück beim Händewaschen und Die Walsche (beide Werner Masten/Joseph Zoderer) es bislang keinem weiteren Spielfilm gelungen ist, diesen umstrittenen Teil in Südtirols Geschichte derart vorurteilsfrei, versöhnlich und gerecht nachzuerzählen. 
Dem entgegen steht die Südtiroler Gegenwart, in welcher Touristiker, Deutschrocker und klischeehafte Filme und Literatur das immer gleiche völkische Bild von der treuen Heimatliebe zeichnen, und gemeinsam mit dem ebenfalls vor Jahrzehnten stehengebliebenen Faschismus junger Stadtpolitiker das immer gleiche Lied singen. Sind sie diejenigen, die heute "Heimat verkaufen", auch wenn sie sich mittlerweile das Gegenteil auf ihre Fahnen schreiben?

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Massimiliano Rausa Mar, 01/28/2020 - 00:49

Proprio in questi giorni sto rivedendo i film con mia figlia di 13 anni.
In questo periodo sta studiando la seconda guerra con tutte le implicazioni mondiali e locali, ma vedevo che faceva molto fatica a immaginare il contesto.
Aveva bisogno di una storia di sfondo e questo film è ideale.
Secondo me il grande pregio di questa produzione è appunto quello di riuscire a raccontare la grande storia attraverso il racconto quotidiano di una piccola comunità e viceversa.
Per gli ultimi due episodi aspetterò un altro paio d'anni. Ogni cosa a suo tempo.

Mar, 01/28/2020 - 00:49 Collegamento permanente