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Kuno Prey
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Interview

Rebellische Nachwuchsdesigner

Design-Professor Kuno Prey hat mit Grundschülern aus Flaas eine Installation zur Erkennung der Berge entwickelt und erklärt, was die Aufgaben eines Designers sind.
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Ritratto di unibzone .
unibzone .28.06.2017
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Kuno Prey, wie kam es zu dem Projekt „Kennst du deine Berge“?

Kuno Prey: Alberta Schiefer, Lehrerin für die kreativen und künstlerischen Fächer in der Grundschule Flaas und Absolventin unserer Fakultät, fragte mich, ob ich den Kindern erklären könnte, was ein Designer ist und etwas mit ihnen machen könnte. Dann haben wir uns getroffen und eine Strategie überlegt, wie man den Kindern den Beruf des Designers näher bringen und erklären kann. Beim ersten Besuch haben wir einen Workshop gemacht, bei dem die Kinder aus einer Milchtüte einen Münzbeutel bauten. Gleichzeitig waren wir total fasziniert von dem Ausblick auf die Berge in Flaas. Man sieht wunderbar in die Dolomiten. Es gibt einen Wendeplatz und Aussichtspunkt, an dem immer viele Motorräder und Autos halten und dann fiel mir das Thema „Kennst du deine Berge“ ein. Wir haben die Kinder nach den Bergen gefragt und einige kannten welche, andere weniger.

 

Daraus ist dann die Idee für die "Guckrohre" entstanden?

Dann habe ich gemeinsam mit Alberta Schiefer und meiner Mitarbeiterin Maria Giovanna Diorio überlegt, wie man diese Berge jetzt kennzeichnen könnte. Und wie man den Kindern, den Einheimischen und den Touristen, die vorbei kommen, erklären kann, welche Berge zu sehen sind. Ich habe dann mehrere Bilder gesammelt und geschaut was es alles an Kennzeichnungen für Berge gibt. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die klassischen Tafeln oder Aussichtsplattformen und eben auch Konstruktionen bzw. „Gucker“ mit Löchern, durch die man genau den Berg sieht. Somit haben wir mit diesen Ideen einen Entwurfsprozess gemacht.

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Professor Kuno Prey in seinem Atelier

 

Was sind eigentlich die Aufgaben eines Designers?

Der Designer stellt eine Notwendigkeit fest oder sie wird ihm zugetragen durch einen Auftrag. Er reagiert dann intelligent darauf, das heißt er macht nicht nur einen neuen Stuhl, weil die Firma einen Stuhl möchte mit anderen Stuhllehnen oder anders geformt und formell überarbeitet, sondern er macht sich Gedanken darüber, was bedeutet Sitzen heutzutage. Und dann reagiert er darauf. Wo, in welchen Bereichen und wie sitzt man zum Beispiel beim Arbeiten.  

 

Es geht also nicht nur um das „Design“ eines Produkts?

Design auf Italienisch heißt ja progetto. Es geht nicht nur um die Formgestaltung, um das Schöne, das geht dann eh automatisch. Sondern es geht darum, für wen mach ich es, warum mach ich es und auch wie. Und das Ganze soll natürlich auch vertretbar sein. Heutzutage besonders wegen der wertvollen Ressourcen. Ich verwende zwar Kunststoff, aber was Vernünftiges und nicht einen „Wegwerfgegenstand“. Dagegen sollte man sich auch aussprechen und andere Lösungen, wenn nötig, dem Auftraggeber vorschlagen.

 

Zurück nach Flaas, wie involviert man Kinder in so ein Projekt? 

Wir haben jetzt also dieses wundervolle Panorama und überlegen, wie wir den Besuchern kommunizieren, wie hoch die Berge sind. Wir hatten mit Kindern im Altern von sechs bis zehn Jahren zu tun, das bedeutet, du musst die schon richtig bei der Hand führen. Wir haben ihnen ein kleines Vormodell gebaut. Ein Stück Papier genommen, zusammen gerollt und durchgeschaut, wie ein Fernglas. So konnte man genau die Gipfel erkennen. Dann haben wir überlegt, wie man jetzt diese Ferngläser bauen könnte und aus welchen Materialien. Wir wussten schon, dass es Stahl wird, aber den Kindern haben wir das am Anfang offen gelassen und sie langsam dahin geführt. Das sind gewiefte und intelligente Kinder, da kam von Ihnen schnell, dass es Eisen sein sollte. Dann haben wir gesagt, ja aber Eisen rostet. Dann kam der Vorschlag Edelstahl. Dieses sehr schöne Kommunizieren mit den Kindern war wirklich auch bereichernd und erfreuend, dass es so aufgeweckte Kindern gibt. Das sind richtige „Rebellen“ da oben. Die haben einen Jause- und Pausenbereich, wo sie sich richtig austoben können und in der wilden Natur sind. Man spürt das ganz stark.

 

Wie ging es weiter?

Dann ging es darum, wie und wo man das Rohr befestigt. Wir haben gesagt, ihr seid klein wie kommt ihr da dran. Die Kinder haben vorgeschlagen eine Apfelkiste zu nehmen. Die könnte ja aber kaputt oder verloren gehen. Dann meinten die Kinder, es braucht eine Stufe. Aber wie kann man die realisieren. Dann wussten wir es wird ein Metallbügel. Mit Holzstäben haben wir für die elf Berge im Abstand von achtzig Zentimetern jeden einzelnen Pfahl definiert und ausgemessen. Wieviel Abstand braucht es eigentlich, damit zwei Personen da durch schauen können, ohne sich gegenseitig zu stören. Das haben wir mit den Kindern probiert und ausgemessen. So haben wir uns langsam an die Lösung heran getastet. Jedes der elf Kinder hatte am Ende dann seinen Berg. Dann haben wir mit den  Papierröhrchen und einem Winkelmesser den Winkel ausgemessen. Da waren auch alle begeistert, brav und sehr aufmerksam.

 

Weil es für die Kinder nicht so statisch wie in der Schule war…

Ja, für sie war es eine richtige live Erfahrung des gesamten Prozesses. Die Produktion hat die italienische Berufsschule Luigi Einaudi aus Bozen übernommen. Sie waren sehr froh, sowohl mit der Universität Bozen als auch mit der kleinen Institution Grundschule Flaas zu kooperieren und die Teile für uns zu fertigen. Wir sind mit den Kindern auch zusammen in die Stadt gefahren und haben ihnen gezeigt, wie wir hier an der Fakultät arbeiten. Wie die Studierenden im Atelier arbeiten und wie in den Werkstätten, wo die Ideen umgesetzt werden, gearbeitet wird. Dort haben wir zum Beispiel die Holzpfähle ausgeschnitten. Ich habe dann vor den Kindern auch ein Stück Holz bearbeitet, damit sie das auch mal sehen. Wir waren auch in der Berufsschule, dort haben die Kinder erlebt wie man Metall bearbeitet. Das war für sie ein wahnsinniges Erlebnis, besonders zu sehen, wie der große Laserschneider das Metall zerschnitten hat. Eine tolle Erfahrung für die Grundschüler, die sehr aufmerksam und interessiert mitgemacht haben.

 

Was waren dann die letzten Schritte für die Installation?

Ein einheimischer Handwerker aus Flaas hat dann die fertigen Teile im Boden befestigt. Nun sind da oben diese elf glitzernden Edelstahlrohre, alle vertikal mit ihren T-Teilen oben drauf. Alle verschieden hoch mit den Aufschriften eingraviert. Das ganze gibt ein interessantes vibrierendes Bild und die Leute sind zufrieden. Somit hat der Designer eine gute Arbeit geleistet. Er hat sich überlegt, wie kann ich die Kommunikation fördern und die Bergkultur und Geographie vor Ort vermitteln. Und wie kann ich das mit einem nachhaltigen Material tun.

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Die "Guckies" mit Kennzeichnung
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