Herbert Dorfmann
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EU-Wahlen 2019

Dorfmanns Gelbe Karte

Herbert Dorfmann wirft Salto.bz und seinem Chefredakteur „journalistische Unredlichkeit“ vor. Lesen Sie Dorfmanns Mahnung und die Antwort von Christoph Franceschini.
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Sehr geehrter Herr Franceschini, 
 
es ist natürlich Freiheit eines Presseorgans, eine politische Meinung zu haben und ich würde mir nie erlauben, diese Freiheit zu kritisieren. Insofern stelle ich fest und nehme zur Kenntnis, dass sich „salto“ im anlaufenden EU Wahlkampf voll auf eine Seite geschlagen hat und keine Möglichkeit auslässt, diese Position zu vertreten. Was Sie sich aber im Artikel „SVMussolini“ erlaubt haben übertrifft meines Erachtens das Maß der journalistischen Redlichkeit bei Weitem. Auf die inhaltlichen Fehler im Artikel möchte ich nicht eingehen, der Parteisekretär der SVP hat dazu bereits Stellung genommen.
Das Titelbild ist aber keineswegs akzeptabel. Das Bild besteht aus drei montierten Elementen, ein Hintergrund mit „Forza Italia“ Schriftzug, ein Bild von Alessandra Mussolini und ein Bild von mir. Der Gesamteindruck ist, dass Frau Mussolini mich auf einer „Forza Italia“ Veranstaltung belehrt. Dieses gemeinsame Auftreten hat es aber nie gegeben.
 
mussolini-dorfmanni_xcf.jpg
Fotomontage/zucco.inc
 
Was Sie sich im Artikel „SVMussolini“ erlaubt haben übertrifft meines Erachtens das Maß der journalistischen Redlichkeit bei Weitem.
Sie wissen besser als ich, dass dieses Vorgehen alle Elemente beinhaltet, um mich auch rechtlich zur Wehr zu setzen.
Ich möchte das nicht tun. Ich teile Ihnen aber auch mit, dass ich eine derartige Berichterstattung in Zukunft nicht mehr lautlos akzeptieren werde.
 
Mit freundlichen Grüßen,
Herbert Dorfmann
 
 
 
Sehr, geehrter Herr Dorfmann,
 
in meiner 30jährigen Karriere als Journalist habe noch nie einen Einschüchterungs-Brief erhalten, der so freundlich geschrieben ist. Um es gleich vorweg zu nehmen: Ich sehe einer möglichen Klage recht gelassen entgegen.
Denn es wäre interessant zu hören, wie Sie vor Gericht erklären wollen, was auf einem Foto mit einer Forza-Italia-Parlamentarierin diffamierend oder „unredlich“ sein soll, mit der Sie gemeinsamen bei den anstehenden EU-Wahlen kandidieren. Ach so, sie kandidieren ja nicht gemeinsam, sondern nur als „technische Listenverbindung“. Das heißt zwar, dass Alessandra Mussolinis Stimmen und ihre Listenstimmen bei der Mandatsverteilung in einen gemeinsamen Topf geworfen werden und zusammengezählt werden. Aber zu tun haben Sie mit Mussolini sonst nichts.
Natürlich werde ich vor dem Richter auch ein Geständnis ablegen. Dass ich einen Fehler gemacht habe, das von ihnen inkriminierte Foto nicht als Fotomontage kenntlich zu machen. Was ich hiermit nachhole.
Ich bin dabei aber einem einfachen Denkfehler unterlegen. Ich habe mir erlaubt die Fotomontage eigenhändig zu machen und das Ergebnis ist so schlecht, dass selbst mein 14jähriger Sohn gleich gemerkt hat, dass es sich um eine Montage handelt. Ich bin davon ausgegangen und gehe immer noch davon aus, dass die meisten SVP-und Dorfmann-Wählerinnen und –Wähler, das genauso schnell gemerkt haben. Aber anscheinend haben Sie eine andere Meinung über ihre Wähler.
 
Mussolini Berlusconi
Originalfoto: „ Auch was meine diabolische Arglist betrifft, muss ich Sie enttäuschen.“
 
Auch was meine diabolische Arglist betrifft, ich hätte gleich drei Fotos zusammenmontiert und es so dargestellt als würden Sie von Alessandra Mussolini belehrt werden, muss ich Sie enttäuschen. Wie Sie aus dem Originalfoto ersehen können, habe ich Sie nur an den Platz des ehemaligen italienischen Regierungschefs und Forza Italia Patrons Silvio Berlusconi gesetzt. Da Sie und die SVP am 26. Mai zusammen mit Forza Italia kandidieren, muss ich annehmen, dass auch diese Nähe durchaus treffend ist.
Mein Artikel war eindeutig als „Kommentar“ gekennzeichnet und ich muss Ihnen mitteilen, dass ich mir auch in Zukunft erlauben werde, auf salto.bz gegebenfalls meine Meinung zu äußern.
Allein dass Ihr Parteisekretär Andersdenkende als „Lügner“ bezeichnet und Sie unbequemen Kritikern „Unredlichkeit“ vorwerfen, macht deutlich, dass das in diesem Land  von Nöten ist.

Mit freundlichen Grüßen,
Christoph Franceschini

 

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mussolini-dorfmanni_xcf.jpg
Fotomontage/zucco.inc
Kommentar

SVMussolini

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Herr Dorfmann ,sind sie schon so arrogant und weit gesunken,dass sie Journalisten versuchen einzuschüchtern indem sie mit einer Klage drohen???? Meinungsfreiheit scheint bei ihnen kurze Beine zu haben???? Die Alianz Forza Italia und SVP werden sie wohl nicht leugnen können,oder????

Ritratto di Hans Hanser
Hans Hanser 30 Aprile, 2019 - 07:45

Der offensichtliche Versuch einer Gleichschaltung, ein beliebtes Mittel der neuen Freunde der SVP, sei es damals wie heute.

Ritratto di Herta Abram
Herta Abram 30 Aprile, 2019 - 08:11

Danke, Herr Franceschini, für Ihre journalistische „Unbequemlichkeit“!
Herrn Dorfmanns Reaktion, hilft mir noch klarer zu erkennen, welche EU Abgeordnete-Haltung ich wählen werde: „Keine fleißige, stromlinienförmige Pflichterfüllung, sondern einen Menschen mit Verantwortung und Rückgrat, einen Menschen der weggeht vom EGO-System hin zum ECO- System!“

Ritratto di Ralph Kunze
Ralph Kunze 30 Aprile, 2019 - 08:49

Herr Dorfmann,sie machen sich lächerlich, indem sie das Haar in der Suppe suchen! Tatsache ist, dass sie mit der Enkelin des Duce gemeinsame Sache machen um ihren persönlichen Sessel in Brüssel zu behalten.Wäre das nicht der Fall, dann hätten sie dies schon längst mitgeteilt. Franceschini macht nichts anderes, als den Südtirolern diese traurige Wahrheit immer wieder vor Augen zu führen. Dass die SVP den Sitz von der Mussolini und Biancofioretruppe nicht umsonst bekommt ist klar. Die SVP wird auch nach den Wahlen nach der Pfeife dieser Südtirolfeinde tanzen müssen.
Sie und alle in der SVP, welche diese Entscheidung getroffen haben, sollen sich schämen, ebenso eure Wähler.

Ritratto di Lorenzo Albarello
Lorenzo Albarello 30 Aprile, 2019 - 09:40

Grazie, per non temere pressioni e intimidazioni

Ritratto di Franz Linter
Franz Linter 30 Aprile, 2019 - 10:53

Ein Artikel in der Süddeutschen beschreibt die massiven Interessenkonflikte der EU-Parlamentarier am Beispiel Albert Deß:
"Der CSU-Mann, der bei der anstehenden Europawahl nicht mehr kandidiert, hatte stets gleich mehrere Hüte auf. Als agrarpolitischer Sprecher der größten Fraktion EVP bestimmte er seit 2009 im Europaparlament wesentlich über Vorschriften oder die Verteilung von Milliardensubventionen für Bauern mit. Als langjähriger Funktionär des Bauernverbands musste er etwa für höhere Milchpreise kämpfen. Gleichzeitig ist Deß aber auch Vorstandschef des Molkereiunternehmens Bayernland, das Milch naturgemäß möglichst billig einkaufen will."

Die SPD-Abgeordnete Maria Noichl brachte Anfang April einen Befangenheitsantrag ein. Das Ziel: Wer profitiert, muss sich enthalten. Nur so ließe sich auch das Höfe-Sterben aufhalten und die Subventionspolitik ändern, glaubt Noichl. Doch ihr Antrag wurde abgeschmettert.

Wäre doch interessant zu wissen, wie der EVP-Abgeordnete Dorfmann da abgestimmt hat.

Grenzwertig, aber vor allem selbstoffenbarend, wenn unsere besten und freien Text-Journalisten im Süden Tirols, jetzt schon meinen, sie sollten jetzt auch noch gleich Bilder einer Pressekonferenz faken. Hat es hierzulande keine Karikaturisten mehr oder chillen die gerade?
https://m.youtube.com/watch?v=4PiWyKV-O4A&feature=share

Ritratto di Hartmuth Staffler
Hartmuth Staffler 30 Aprile, 2019 - 17:57

Die Fotomontage war eigentlich gar nicht so schlecht. Bei flüchtigem Hinblicken war sie als solche gar nicht erkennbar. Das ändert aber nichts an der durch das Bild symbolhaft zum Ausdruck gebrachten Tatsache, dass die SVP bei dieser Europawahl gemeinsame Sache mit Forza Italia macht, einer Partei, in der der faschistische Diktator Mussolini hoch in Ehren steht. Damit wird die SVP auch in Brüssel, sollte Dorfmann trotz dieses unglaublichen faux pas gewählt werden, im falschen Boot sitzen. Die einzige Partei, die dort Minderheiteninteressen ernsthaft vertritt, ist die Europäische Freie Allianz (EFA), übrigens in einer Fraktion mit den Grünen, die auf europäischer Ebene, im Gegensatz zu den Südtiroler Grünen, stets auf der Seite der Minderheiten stehen. Aber die SVP hat ja bereits bei der Bildung der Landesregierung die Grünen ausgeschlossen und sich lieber nach rechts gewandt.

Ritratto di elisabeth garber
elisabeth garber 30 Aprile, 2019 - 20:15

Die Sache ist, dass die SVP inzwischen für viele (ehemalige) Wähler die rote Karte hat. Dorfmanns gelbe ist sozusagen nur ein Kollateralschaden, wenn ich nicht irre.

Ritratto di elisabeth garber
elisabeth garber 30 Aprile, 2019 - 20:24

Nachtrag: Irgendwo muss man solche gelben Karten wohl los werden?!

Ritratto di Greta Karlegger
Greta Karlegger 30 Aprile, 2019 - 21:08

Ich finde diese Fotomontage mit Frau Mussolini und Herrn Dorfmann von Seiten des Journalisten Franceschini ohne Kennzeichnung derselben nicht gerade korrekt. Selbst meine Tochter, die für eine Schülerzeitung schreibt, hat das besser drauf.

Ritratto di Oskar Egger
Oskar Egger 2 Maggio, 2019 - 16:31

Na, dann auf Ihre political correctness!

Ritratto di Philipp Putzer
Philipp Putzer 1 Maggio, 2019 - 08:38

Fotomontagen haben im Qualitätsjournalismus nichts zu suchen. Egal ob mit oder ohne Kennzeichnung.

Ritratto di elisabeth garber
elisabeth garber 1 Maggio, 2019 - 10:28

Warum die Strenge? Der Text mit kreativer Collage ist dezidiert als Kommentar gekennzeichnet - und meines Wissens dürfen/sollen/können Kommentare auch provokant und nicht ernst (also 'unseriös') sein.

Ritratto di Philipp Putzer
Philipp Putzer 1 Maggio, 2019 - 10:52

Dann muss die Bildsprache aber genauso dezidiert erfolgen. In Form einer Karikatur oder Illustration, nicht aber mit einer Fotomontage oder mit deren Kennzeichnung im Kleingedruckten. Das ist auch keine „kreative Collage“ mehr. Denn je besser die Fotomontage, desto irreführender oder gar heimtückischer. Ein Kaliber wie Herr Franceschini hat das überhaupt nicht notwendig und schwächt dadurch seinen Beitrag.

Ritratto di elisabeth garber
elisabeth garber 1 Maggio, 2019 - 11:37

Ein Kaliber wie Franceschini hat es vor allem nicht notwendig, sich mit Irreführung und Heimtücke zu profilieren.
Die Fotomontage als 'Kunstmittel' (als Karikatur oder Werbeplakat...) und/oder als Ausdrucksmittel politischer Überzeugungen (links wie rechts) ist ziemlich genau 100 Jahre alt!
Warum hier unterschieden wird zwischen zeichnerischer und photographischer Karikatur, ist mir ein Rätsel.

Ritratto di Georg Lechner
Georg Lechner 1 Maggio, 2019 - 15:15

"Denn je besser die Fotomontage, desto irreführender oder gar heimtückischer." Das stimmt - und darüber sollte eine breite Debatte stattfinden. Mittlerweile können auch Videos mit entsprechenden Bildbearbeitungsprogrammen gefälscht werden, was vielen nicht bewusst ist. Ich selbst versuche, der (suggestiven) Macht der Bilder weitgehend auszuweichen und Informationen vor allem in Textform aufzunehmen und weiterzugeben. Ich weiß aber im Prinzip, dass in den kommerziellen Kommunikationskanälen (Facebook, YouTube, Twitter, ...) das genau anders läuft - und oft im Sinne der Populisten.

Ritratto di Oskar Egger
Oskar Egger 2 Maggio, 2019 - 16:37

Vor allem: es ändert ja gar nichts am Inhalt. Hier wird wieder der Teufel mit dem Beelzebub ausgetrieben, denn wer in sich gehen sollte, sucht einen Schuldigen. Herr Dorfmann, ist es das was Sie wollen, für uns, für unsere Landwirte, für unsere Zukunft und Umwelt? Was tun Sie mit Ihrer Macht? Bin äußerst enttäuscht.

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