Ein stimmngsvoller Ort
Foto: Oswald Stimpfl
Gita | Ausflug der Woche

Von Lana zum Hippolytkirchlein

Eine Wanderung auf die kleine Hochebene zwischen Lana und Nals zu dem stimmungsvollen Kraftort von St. Hippolyt.

In der malerischen Mittelgebirgslandschaft über dem Etschtal liegen, erhöht zwischen Lana und Nals, die Ortschaften Tisens und Völlan, eingebettet in Obstgärten, Kastanienhaine und Mischwald. Auf Anhöhen und Felsvorsprüngen finden sich Burgen und Schlösser sowie mehrere, z. T. uralte Höhenkirchen. Grund genug, von Niederlana im Etschtal aus durch die Obst- und Weingärten der Streusiedlung Ackpfeif eine Wanderung auf die kleine Hochebene zu dem stimmungsvollen Kraftort von St. Hippolyt zu unternehmen.

 

Ausgangspunkt ist bei der Kirche von Niederlana, gegenüber vom Brunnen, bei der Raiffeisenkasse, orientieren wir uns an der großen Panoramatafel. Dann gehen wir in den Brandisweg, wandern zwischen Golfplatz und dem Wirtshaus Brandiskeller durch. Der Weg beginnt danach langsam zu steigen, rechts am Hügel stehen die Reste der Burg Brandis. Die altersschwache Burg stürzte zu Beginn des 19. Jh. teilweise ein, worauf die Adelsfamilie Brandis im Tal den neuen Gutshof errichtete und hier nun den Wohnort aufschlug. Unser breiter Kiesweg geht oberhalb der Burg in den Laubwald, es ist ein Kreuzweg, gemauerte Kreuzwegstationen begleiten uns. Nach der Querung eines felsdurchsetzten Hanges erreichen wir die Obst- und Weingüter des Streuweilers von Ackpfeif, dabei erfreuen uns prächtige Ausblicke übers Etschtal und zum Meraner Becken. Bei einer sympathischen und bestens mit Bier, Schnaps, Mineralwasser, Säften und sogar Hygieneartikel ausgestatteten kleinen Hütte mit Selbstbedienung und einer Spendenbox beim Finsterbichlhof genehmigen wir uns eine kleine Pause, dann geht es weiter über einen alten Weg Richtung Tisens. Bei neuen Obstanlagen und einer Pension -die alten Wege wurden ohne viel Rücksicht verbreitert und umgeleitet- biegen wir rechts ab und überqueren die Gampenstraße. Es geht nun auf die Felskuppe mit dem Hippolyte Kirchlein, ein Forstweg schlängelt sich durch Laubwald und eine eigenartige, von abgeschliffenen Felsen und kleinen Terrassen geprägten Landschaft auf den Hügel. Die Gegend ähnelt jener von Castelfeder bei Montan im Unterland. Stationen und Gedenktafeln erinnern uns, dass wir auf einem Besinnungsweg unterwegs, der 2010 zum Gedenken an Papst Johannes Paul II. errichtet wurde und den sinnigen Namen Besinnungsweg zum Lichtreichen Rosenkranz trägt. Ein unmittelbar unterhalb des Kirchhügels stehende Haus wurde renoviert und wird nach jahrelangem Stillstand wieder als Gasthaus geführt, es ist zwar wegen Corona geschlossen, soll aber nach dem Abklingen der Pandemie wieder öffnen. Auch die Kirche ist versperrt. Aber das Schönste ist hier sowieso die unvergleichliche Aussicht zum Meraner Becken und nach Süden übers Etschtal. Bänke laden zur Rast ein. Auf der Nordseite des Kirchhügels folgen wir der Markierung 5 „Lana“ über einen Felsensteig durch Wald zu einem Sattel, an der Wegteilung bleiben wir rechts und folgen immer den Schildern Richtung Lana, bald treffen wir auf Obstwiesen und die Jausenstation Götzfriedkeller. Nun folgt ein Stück schmaler Asphaltstraße, wir queren wieder die Gampenstraße und stoßen auf den Aufstiegsweg. Durch Weinberge und zuletzt Laubwald bringt uns der Feldweg wieder zum Ausgangspunkt in Niederlana zurück.

 

Das Höhenkirchlein von St. Hippolyt

Jungsteinzeitliche Funde wie Schalensteine belegen, dass der exponierte Felshügel bereits vor Tausenden von Jahren besiedelt war, vermutlich befand sich hier auch eine heidnische Kultstätte. Der Kirchenhügel zählt zu den besterforschten prähistorischen Siedlungsplätzen Südtirols, das Kirchlein ist mustergültig restauriert, aber leider nicht zugänglich. Im 6. Jh. wird ein langobardisches Kastell mit Namen „Tesana“ erwähnt, möglicherweise hat es hier gestanden. Die Kirche mit romanischen Stilelementen wird erstmals 1288 schriftlich erwähnt, im 17. und 18. Jh. erfolgte ein Umbau. Der Kirchenpatron Hippolyt (lat. Hippolitus, ital. Ippolito) war einer der ersten Priester, er legte die hl. Schrift streng aus, war im frühchristlichen Rom Bischof einer Sondergemeinde und erster „Gegenpapst“. Im Zuge der Christenverfolgung wurde er ins Exil nach Sardinien vertrieben, musste im Bergwerk arbeiten und starb dort an Entbehrung, weshalb er als Märtyrer verehrt wird. 

 

Die Grafen Brandis

Brandis ist der Name eines alten Tiroler Adelsgeschlechts aus Lana, als Stammschloss gilt die von unserem Weg aus gut sichtbare Ruine Brandis, auch die Leonburg mit den zwei quadratischen starken Türmen nahe der Gampenstraße ist in ihrem Besitz. Flure, Bach, Güter und der Waalweg in Lana sind nach den Grafen Brandis benannt, auch der Golfplatz zählt zu ihrem Besitz.

 

Einkehr

Gasthaus Hippolyt. Auf dem Kirchhügel, in einmaliger Position. Hausmannskost, Gaststube, Terrasse, Mo u. Di Ruhetag. Tisens-Naraun Prissian, St. Hippolyt, Tel. 0473 420037. www.gasthaus-hippolyt. z. Z. coronabedingt geschlossen

 

Brandiser Weinkeller. In Niederlana, neben dem Golfplatz, stimmiges Kellerlokal, schöner Gastgarten unter Weinreben. ab 16.30 geöffnet, Tel. 0473 561303, www.brandiskeller.it, Di Ruhetag, z. Z. coronabedingt geschlossen

 

Länge: 9,1 km

Gehzeit: 3 h 5 min

Höhenmeter: 480

Start: In Niederlana, an der Pfarrkirche

Wenige Parkplätze bei der Kirche, längs der Friedhofsmauer.

Anfahrt über die MeBo, Ausfahrt Lana, den braunen Hinweisschildern "Schnatterpeckaltar" folgen