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Handfeste Verfilmung

„Der Mann aus dem Eis“ feierte gestern seine Premiere in Bozen. Während der Hauptdarsteller Jürgen Vogel glänzt, bleibt die „Mords“-Geschichte farblos.
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Rund um Ötzi`s Ableben eine spannende Vorgeschichte mit Spielfilmtauglichkeit zu stricken, ist eine Gratwanderung ähnlich den Auffindungsszenarien der Gletschermumie im September 1991. Es reicht dabei nicht einen ausgezeichneten Protagonisten in uriger Landschaft agieren zu lassen, wenn die Handlung unentschlossen ist und nicht so recht weiß wohin. Das schadet dem Film, vor allem dem Finale, das im Kinosaal nicht plötzlich sondern endlich kommt.

Der Mann aus dem Eis beginnt mit einer archaischen Sex-Szene, es folgt eine archaische Geburtsszene, dann eine archaische Bestattung. Es geht dann Schlag auf Schlag weiter – im wahrsten Sinne des Wortes. Mit brachialer Gewalt wird das harte Leben vor 5000 Jahren auf großer Leinwand vor Augen geführt, auch wenn der Regisseur Felix Randau besänftigt: „Es gibt gar nicht so viele Gewaltszenen, aber jene die im Film sind, wurden anderes gefilmt, als wie es der gewöhnliche Zuseher gewohnt sind. Wir zeigen nicht die Popcorn-Gewalt die normal in Filmen gezeigt wird, wo man fast meinen möchte Gewalt mache Spaß. Ich finde unseren Zugang einen ehrlichen Zugang. Alles andere fände ich verlogen und Lügen ist immer Scheiße.“

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Regisseur Felix Randau: Wir zeigen nicht die Popcorn-Gewalt die normal in Filmen gezeigt wird, wo man fast meinen möchte Gewalt mache Spaß. / Foto: Salto.bz

Um dem wissenschaftlichen Anspruch gerecht zu werden, bemüht Der Mann aus dem Eis viele „handfeste“ Fakten. Das dürftige Wissen zum Leben der Menschen in dieser Zeit, hätte dem Plot viel Spielraum für eine phantasiereichere und packendere Geschichte geboten. Sie fehlt. Man beschränkte sich darauf, vor allem akribisch alles nachzukonstruieren.

Wir haben uns vorgenommen, so authentisch wie möglich zu sein, haben uns rückversichert bei Archäologen und Wissenschaftlern.
(Felix Randau)

Der Film bewegt sich auch bei den Dialogen auf dünnem Eis. Die Darsteller sprechen eine aus der Rätischen Sprache rück-konstruierte Sprache, ein künstliches Althoch-Rätisch sozusagen. Das klingt in der Theorie gut und ist wissenschaftlich sicher interessant, für einen Spielfilm braucht es dieses Konstrukt nicht. Im Gegenteil. Es braucht Menschen die ein Miteinander teilen, wenn sie Sprechen und wenn sie Schweigen.
Im Film wird wenig geredet, wenig überlegt, kaum inne gehalten. Es ist deshalb eine auf Spielfilmlänge hingezogene Reenactment-Szene und die Zuschauer warten auf die Ermordung des Ötzi, die ja – so steht es in den Dreh- und Geschichtsbüchern – kommen muss

Trotz aller Kritik: Jürgen Vogel als Kelab/Ötzi darf man sich auf großer Leinwand nicht entgehen lassen. Es gibt wohl keinen, der besser in die Rolle des Eismannes hätte schlüpfen können. Vogel sorgte auch bei den Dreharbeiten immer wieder für Stimmung, als er etwa – wie der Jungdarsteller Raphael Rödel erzählt den Mann aus dem Eis in eine coole Jetztzeit holte: „Bei der Bestattungsszene etwa, als er merkte, dass wir die Szene ohnehin wiederholen müssen, begann er zu rappen, über Ötzi und seine Zeit. Er war witzig und nicht eingebildet.“
Wie seine Schauspielkollegin Paula Renzler hat sich Rödel eigentlich für eine Rolle im Film Die Pfefferkörner beworben. Daraus wurde nichts. Die jungen Darsteller teilen zudem – wie Paula Renzler betont –, den Wunsch im Filmbusiness Fuß zu fassen: „Schauspielen als Beruf wäre natürlich volle cool, im Moment ist es nur eher problematisch, insbesondere bei Dreharbeiten während der Schulzeit.“

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Ötzi-Rap am Ötzi-Set: Raphael Rödel und Paula Renzler / Foto: Salto.bz

„Es gab in den ersten Drehbuchfassungen auch Szenen, die wir beiseitegelassen haben, wie etwa das Tätowieren. Wir fanden, das macht erzählerisch keinen Wert“ meinte Regisseur Randau beim Gespräch mit Salto.
Sicher, es wäre wohl zu platt gewesen, wenn am Ende der Tätowierer Ötzis, auch sein Mörder gewesen wäre. Aber warum nicht? Es ist ja ein Spiel- und kein Dokumentarfilm.

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