David Hofmann
Isacco Gavazzi
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Salto Gespräch

"Es muss Druck entstehen"

Können radikale Lösungen pragmatisch sein? Und wie fügt sich Klimaaktivismus in die bestehende politische Landschaft ein? Der Aktivist David Hofmann im Gespräch.
Di
Ritratto di Valentina Gianera
Valentina Gianera20.03.2022
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David Hofmann ist Neurowissenschaftler und Klimaaktivist. Im Salto Gespräch spricht der Sterzinger darüber, wie wir uns in Südtirols zersplitterten Aktivist:innenlanschaft orientieren können und warum auch systemexterne Lösungen pragmatisch sein können.

 

Salto.bz: David, du hast in den USA Physik und Neurowissenschaften studiert. Jetzt bist du zurück in Südtirol, wo du dich vor allem fürs Klima engagierst. Wie kam es dazu?

David Hofmann: Südtirol ist für mich eine Homebase, wo ich noch immer gut angebunden bin. Nachdem ich meine Arbeit an der Emory University abgeschlossen hatte, bin ich im Herbst 2020 hierher zurückgekommen und arbeite seitdem von Südtirol aus als Datenanalyst im neurowissenschaftlichen Bereich am MIT. Die Frage, wie Menschen Entscheidungen treffen, beschäftigt mich dabei sowohl bei meiner Arbeit als auch in meinem Klimaaktivismus, für den ich mich schon seit dem Studium engagiere.

Vor zwei Jahren hast du die Umweltorganisation Regala Zukunft mitbegründet. Was genau ist das Ziel dieser Gruppe?

Unser Ziel ist es, Bürgerinnen und Bürger für die wichtigen Themen unserer Zeit zu sensibilisieren. Hier drängt sich in erster Linie die Klimakrise auf, wir sind aber eigentlich keine reine Umweltgruppe. In diesem Zusammenhang haben wir im Dezember 2020 zusammen mit Extinction Rebellion einen Flashmob gestartet und heuer schon zum zweiten Mal eine Klima-Fastenaktion organisiert. Diese hat vor allem im letzten Jahr, wahrscheinlich auch aufgrund des Lockdowns, sehr gut funktioniert: Es war einfacher, auf das Auto zu verzichten und man hatte mehr Zeit, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen.

Hofmann und höllriegl
David Hofmann und Janine Höllrigl bei den Toblacher Gesprächen: "Es ist uns allen klar, dass systemische Änderungen notwendig sind." (Foto; Isacco Gavazzi)

 

In Südtirol gibt es eine ganze Reihe an Gruppierungen, die sich für das Thema einsetzen: 1khopes, Fridays for Future, Extinction Rebellion, Mava Seggo, aber auch den AVS und den Heimatpflegeverband zum Beispiel. Warum eine neue Gruppe gründen?

Wir sind als Freundeskreis gestartet. Es geht uns also nicht darum, neue Mitglieder zu rekrutieren, sondern wir möchten andere Gruppierungen durch Kollaborationen und Kommunikation vernetzen und ins Zentrum rücken. Deshalb veranstalten wir unsere Aktionen immer mit Partnerorganisationen. Die Vernetzung hat sich bei den Toblacher Gesprächen, wo das Bündnis Climate Action Südtirol geschaffen wurde, dann beinahe von selbst ergeben!

Apropos Climate Action Südtirol: Hier haben sich die einzelnen Organisationen, die sich fürs Klima einsetzen, unter einer Dachorganisation zusammengeschlossen. Inwiefern macht in diesem Zusammenhang die Weiterführung der einzelnen Umweltgruppen überhaupt Sinn?

Ich glaube, dass Climate Action Südtirol ein sehr zeitgemäßes Bündnis ist: Einerseits reflektiert es den Trend der Individualisierung und Ausdifferenzierung der Gesellschaft. Andererseits antwortet das Bündnis auf die Herausforderung, die einzelnen Trends wieder zusammenzuführen, um als Kollektiv zu funktionieren. Wie in der Wissenschaft gibt es auch im Aktivismus ein Bestreben nach Interdisziplinärität und Austausch.

Gleichzeitig ist es auf diese Weise aber schwer, als Kollektiv eine Position zu ergreifen.

Genau das ist die Herausforderung, der wir uns stellen müssen. Ich glaube nicht, dass das Modell der 70er und 80er-Jahre, wo es vor allem im linken Lager zu Kaderbildungen kam, noch zeitgemäß ist. Die Zersplitterung ist Realität. Wir müssen jetzt versuchen, gemeinsam an konkreten Aktionen und Problemstellungen - wie der Überarbeitung des Klimaplans der Landesregierung - zu arbeiten. Gleichzeitig geht es darum, verschiedene Personengruppen zu erreichen und abzuholen und die einzelnen Diskurse zu überbrücken. Ich habe den Eindruck, dass das im Bündnis Climate Action auch funktioniert. Es ist uns allen klar, dass systemische Änderungen notwendig sind.

Das heißt, der Südtiroler Heimatpflegeverband und FFF sind hier auf einer Wellenlänge?

Jein. In der Kerngruppe sind vor allem die jüngeren Organisationen aktiv, das heißt, Fridays for Future, Mava Seggo, Regala Zukunft und 1khopes. Der AVS oder der Heimatpflegeverband unterstützen uns zwar, sind aber jenseits der 12 Forderungen zum Klimaplan der Landesregierung noch nicht Teil der Kerngruppe. Hier arbeiten wir im Moment daran, eine Struktur aufzubauen, die es uns erlaubt, uns dynamisch zu bewegen und Entscheidungen zu fällen. Bis jetzt hat sich vor allem die Kerngruppe um Entscheidungen gekümmert. Die anderen Organisationen haben darauf vertraut, dass wir keinen Unfug machen. Das hat zwar ganz gut funktioniert, gleichzeitig waren wir so aber viel vorsichtiger. Etablierte Organisationen wie den Dachverband gibt es aber schon. Unsere Arbeit ist es, uns dynamisch und systemkritisch zu bewegen und mit Aktionsformen zu arbeiten, die über den Lobbyismus hinausgehen.

Flashmob
Der Flashmob auf dem Bozner Siegesplatz im Dezember 2020: Regala Zukunft und Extinction Rebellion protestieren gegen das gängige Konsumverhalten. (Foto; sirgulliverart)

 

Du bist nicht nur Mitbegründer von Regala Zukunft, sondern engagierst dich auch in der Lokalgruppe von Extinction Rebellion; eine Gruppierung, die vor allem mit gewaltfreiem zivilen Ungehorsam arbeitet, gleichzeitig aber einen institutionellen Dialog sucht. Wie wird diese Brücke geschlagen?

Extinction Rebellion ist überraschenderweise sehr pragmatisch in ihren Methoden und Zielsetzungen und legt auch gegenüber der Polizei und den Ordnungskräften ein kooperatives Verhalten an den Tag. Wir kündigen unsere Proteste beispielsweise immer an und lassen uns auch von der Straße ohne jeglichen Widerstand wegtragen. Bei den Zielsetzungen fordert Extinction Rebellion drei Dinge: Erstens, dass die Regierungen den Klimawandel wahrheitsgemäß darstellen. Zweitens, Klimaneutralität bis 2025. Und drittens, die Einsetzung von Klimabürgerräten.

Klimaneutralität bis 2025 scheint alles andere als ein pragmatisches Ziel zu sein.

Es ist durchaus legitim, dass Graswurzelbewegungen Forderungen stellen, die weiter gehen als das, was EntscheidungsträgerInnen als realistisch erachten. Klimaneutralität bis 2025 scheint zwar unmöglich, muss es aber nicht sein. Die neuseeländische Regierung hat sich dieses Ziel beispielsweise gesetzt! Im Moment ist der CO2-Fußabdruck der NeuseeländerInnen etwa so hoch wie in Südtirol. Bis 2025 Klimaneutralität zu erreichen ist also auch für sie eine unglaubliche Herausforderung. Aber damit sich etwas bewegt, muss Druck entstehen und je mehr Menschen ihre Energie bereitstellen und in einen Veränderungsprozess investieren, desto mehr kann bewegt werden. Es muss uns bewusst werden, dass vieles, das unmöglich scheint, durch politische Trägheit bedingt ist. Und durch einen Mangel an Fantasie! Vor allem die Entscheidungsträgerinnen wie Jacinda Ardern lassen mich wirklich staunen, was alles möglich wäre. In Südtirol passiert hingegen nichts. Im Gegenteil: Wir laufen weiter in die falsche Richtung. Aber wer weiß, was noch auf uns zukommt.

 

Klimaneutralität bis 2025 scheint zwar unmöglich, muss es aber nicht sein

 

Politischer Druck - vor allem in Form von Straßenblockaden und zivilem Ungehorsam - kann aber auch zu Ablehnung und Verärgerung führen. Inwiefern ist diese Methode wirklich effektiv, um Menschen hinter einem gemeinsamen Ziel zu vereinen?

Viele Menschen rümpfen bei Extinction Rebellion die Nase. Vor allem dann, wenn sie selbst von einer Straßenblockade betroffen sind. Ziviler Ungehorsam ist historisch gesehen aber das probateste Mittel, um Veränderung zu erreichen. Wir erzeugen auf diese Weise einen enormen politischen Druck. Im ersten Moment kann es aber durchaus als antidemokratisch wahrgenommen werden, wenn eine kleine Minderheit darüber bestimmen will, was die gesamte Bevölkerung machen soll. Aber genau deswegen werden die Bürgerräte gefordert. XR fordert keine Maßnahmen, sondern das Erreichen der Klimaneutralität, die ja wissenschaftlicher Konsens ist. Und sie fordern eine vernünftige Revision der Demokratie.

XR hat unlängst mit dem italienischen Umweltminister gesprochen, eine Tatsache, die von den Mitgliedern als großer Erfolg gefeiert wurde. In welcher Relation steht diese Errungenschaft mit den ambitionierten Forderungen von XR?

Die institutionelle Wahrnehmung ist durchaus ein Erfolg - nicht, weil sie sich unmittelbar auf die Politik auswirkt, aber weil sie die Bewegung stärkt, Aufmerksamkeit schafft und auch innerhalb der Bewegung eine Mobilisierung schafft. Und es ist natürlich Teil des Prozesses. In Trient hat man es übrigens geschafft, die Diskussion zu den Klimabürgerräten in den Gemeinderat zu bringen. In Turin hat hingegen ein Hungerstreik dazu geführt, dass das Thema diskutiert wird. 

Sieht man von der kleineren Straßenblockade am letzten Sonntag in Bozen ab, ist XR in Südtirol hingegen kaum aktiv. Und wenn man aktiv ist, dann ohne Gesetze zu brechen. Warum?

Ich glaube, dass wir dem Aktivismus in Südtirol prinzipiell mit Vorbehalten begegnen. Wir halten das vielleicht - eingelullt in unserem paradiesischen Südtirol - noch nicht aus. Ich kann das zwar verstehen, aber die Situation wird sich auch hier unweigerlich zuspitzen. Wir müssen nur an die momentane Trockenheit denken! In diesem Jahr hatte das Vinschgau soweit noch Glück, da aufgrund des vielen Schnees im letzten Jahr noch Wasser vorhanden ist. Aber die Entscheidungsträger scheinen hier recht zuversichtlich zu sein, dass das immer so weiter gehen wird: einmal etwas mehr, einmal etwas weniger Regen. Diese Einstellung wundert mich sehr. Wir müssen uns nur die Reports der Eurac durchlesen, um zu verstehen, dass die Wintermonate zusehends schneeärmer werden, wodurch im Sommer Wasserreserven fehlen. Extinction Rebellion und ähnliche Formen des politischen Widerstands werden angesichts dieser Tatsachen auch immer mehr an Relevanz gewinnen.

Flashmob
Der Flashmob auf dem Bozner Siegesplatz im Dezember 2020: Vom CO2-Fußabdruck der SüdtirolerInnen ist rund ein Drittel auf nicht essenziellen Konsum zurückzuführen. (Foto; sirgulliverart)

 

Inwiefern konnte Extinction Rebellion mit ihren Aktionen in Südtirol ein Publikum erreichen? 

Wir sind überrascht, wie viel mediale Aufmerksamkeit es für unsere Aktionen gab! Beispielsweise für die Nacktaktion am goldenen Sonntag, bei der Extinction Rebellion zusammen mit Regala Zukunft gegen den Konsumexzess protestiert hat. Du musst dir vorstellen, vom Gesamtfußabdruck der SüdtirolerInnen ist rund ein Drittel auf nicht essenziellen Konsum zurückzuführen! Wir waren damals eine sehr kleine Gruppe und haben - da wir keine Gesetze brechen wollten - auf Nacktheit gesetzt, um Aufmerksamkeit zu erzeugen. Das hat wirklich gut funktioniert. Wir waren in Radio, TV und auf den Tagesblättern bis Trient. Dabei haben viele Menschen, auch jene, bei denen wir es uns nicht erwartet hätten, sehr positiv auf die Aktion reagiert.

Zum Beispiel? 

Die Mama einer unserer Mitstreiterinnen hat beispielsweise ihre Tochter auf die Aktion aufmerksam gemacht, wusste aber gar nicht, dass ihre Tochter direkt involviert war. Ganz zum Erstaunen der Tochter war sie wirklich begeistert von der Aktion. Das war köstlich! Vielleicht ein Zeichen dafür, dass die Bevölkerung viel offener wäre, als viele von uns glauben.

 

*Der Artikel wurde am 20. März um 22:23 Uhr ergänzt.

 

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Ritratto di Josef Fulterer
Josef Fulterer 20 Marzo, 2022 - 07:07

Die gegenwärtige Trockenperiode in Südtirol, unterhalb des mit dem Nordtiroler Niederschlägen mit profitierenden Grenzbereichs, sollte dazu anregen, sich wegen der zu hohen CO2 Belastung Gedanken zu machen und das Verhalten zu ändern.
Die gegenwärtige durch den Putinüberfall auf die Ukraine ausgelöste Verunsicherung der ganzen Welt, missbrauchen die Börsenspekulanten um ihre Gier zu befriedigen.
Die deswegen überhöhten Energiepreise lösen aber bei jedem einzelnen Bürger Überlegungen aus, das eigene Verhalten zu hinterfragen.

Ritratto di Peter Gasser
Peter Gasser 20 Marzo, 2022 - 09:22

Ich habe das Interview mit Aufmerksamkeit gelesen, und teile Sorge und Einschätzung zum Klima. Meine Sicht auf die Veränderungs- und Anpassungskompetenz (oder auch Verständnisfähigkeit) der Politik ist durchaus negativ.
Im Artikel steht: “Zweitens, Klimaneutralität bis 2025... Klimaneutralität bis 2025 scheint zwar unmöglich, muss es aber nicht sein”.
Klimaneutralität bis 2025 ist wohl doch eine absolute Illusion, niemand kann dies ehrlich und ernsthaft in Betracht ziehen - hierbei sollte man der Wirklichkeit ins (nackte) Auge sehen, und niemandem, auch sich selbst nicht, etwas vormachen.
Klimaneutralität ist - nicht nur subjektiv als Meinung, sondern auch objektiv als Faktum - auch bis 2035 wohl nicht zu erreichen.
Eine realistische Sicht ist meiner Ansicht nach geeigneter, als eine “aktivistisch” schlagkräftigere, in der Sache selbst aber romantisch-illusorische.
Dasselbe gilt für das 1,5-Grad-Ziel: auch dieser Zug ist nach Betrachtung des Zeitgeschehens meiner Ansicht nach bereits seit längerem abgefahren.

Ritratto di Stefan T
Stefan T 20 Marzo, 2022 - 17:05

Peter Gasser, ich muss Ihnen leider in allen Belangen zustimmen!
Selbst wenn alle ab morgen (was völlig illusorisch ist) massiv auf fossile Energieträger beispielsweise im Verkehr verzichten wollen würden, könnten sie es nicht, bzw. bleiben noch immer riesige Anteile in Industrie, Wärmeversorgung der Haushalte etc.
Strukturelle Änderungen brauchen Jahrzehnte. Um so wichtiger ist es frühzeitig Impulse zu setzten.
Nehmen wir ein Beispiel:
Ein substanzieller Teil der Bevölkerung in Südtirol lebt in Einfamilenhäusern im ländlichen Raum. Das ist energetisch gesehen ein Wahnsinn. Ein Einfamilienhaus braucht pro Person ein Vielfaches an Energie für die Wärmebereitstellung im Vergleich zu einem Mehrparteienhaus. Die Zersiedelung hat einen weiteren Effekt. Alle Notwendikeiten des täglichen Lebens sind ohne Individualverkehrslösungen wie dem Auto schwer, oder zum Teil nicht zu erreichen. ÖPNV ist aber für zersiedelte Landgebiete teilweise unrentabel und aufwendig und nicht selten auf fossile Energieträger angewiesen.
Das Einfamilienhaus ist aber nach wie vor das idealisierte Ziel von vielen Menschen und wird außerdem von vielen Gemeinden in der Raumplanung massiv gefördert. Alleine in diesem Fall wird es unglaublich schwierig für die notwendigen Änderungen die Bevölkerung an Bord zu bringen. Aber ohne ein gemeinsames Verständnis über das Ziel und die Zielerreichung kann in einer Demokratie kein Ziel erreicht werden, und das ist auch gut so.
Außerdem darf nicht außer Acht gelassen werden, dass dieser massive Wandel hin zu Klimaneutralität auch sozial verträglich passieren muss.
Er kann und darf nicht am Rücken der Schwächsten in der Gesellschaft ausgetragen werden. Das aber bedeuted zum Teil Kompromisse.
Wie wir den weiten Weg, technologisch gesehen, in der Industrie, beispielsweise in der Stahlherstellung, bis 2025 bewerkstelligen sollen, würde ich wirklich gerne erfahren.

Ich bin fest davon überzeugt, dass die Erreichung von Klimaneutralität im Rahmen der europäischen Ziele nicht durch realitätsfernen Aktivismus bewerkstelligt werden kann. Im Gegenteil, dieser kann sogar hinderlich sein, wenn es darum geht möglichst rasch und pragmatisch wirksame Maßnahmen umzusetzen. Genausowenig wird es allerdings gelingen ohne die, wie von Herrn Hofman richtigerweise angeführte notwenige Vorstellungskraft und Ambition! Wenn wir es uns als Gesellschft nicht vorstellen können klimaneutral zu werden, werden wir es auch nicht!

Ritratto di gorgias
gorgias 20 Marzo, 2022 - 09:52

>Dabei haben viele Menschen, auch jene, bei denen wir es uns nicht erwartet hätten, sehr positiv auf die Aktion reagiert.<
>Die Mama einer unserer Mitstreiterinnen hat beispielsweise ihre Tochter auf die Aktion aufmerksam gemacht, wusste aber gar nicht, dass ihre Tochter direkt involviert war. Ganz zum Erstaunen der Tochter war sie wirklich begeistert von der Aktion.<

So eine Aktion macht keinen weh. Der Anblick von Menschen in Unterhosen kann heutzutage jeder aushalten. Und eine solche Aktion Gut finden ist im Grunde ein Ersatz etwas selbst zu ändern. So hat man das Gefühl "es wird etwas gemacht" und man kann gleich weiter tun.

Denn was soll so eine Aktion schon bringen? Dass die Menschen informiert werden? Wissen doch schon alle. Dass es Ihnen ins bewusster wird? Wird doch dauernd darüber geredet!

Der letzte Versuch wäre die Menschen wach zu rütteln wäre eine Grüne Armee Fraktion, die analog zur RAF operiert.

Und anstatt Friday for Future sollte man ein Fire for Future gründen, wo junge Menschen die eindlich die Gewisseheit haben, dass es für sie keine Zukunft gibt es den Tibetischen Mönchen oder Mohamed Bouazizi gleichtun.

Aber so weit wird es nicht kommen. Denn wir alle gehen nur ein paar Scheinhandlungen oder finden diese gut, damit wir bis zum kommen der Katastrophe den Konsumgenuss nicht durch ein schlechtes Gewissen verderben lassen. Und dafür eignet es sich eine halbe Stunde in Unterhosen in der Kälte zu stehen gut.

Ritratto di Josef Fulterer
Josef Fulterer 20 Marzo, 2022 - 16:11

Die gegenwärtigen Energiepreise zwingen die ganze Bevölkerung, Energie zu sparen und den CO2 Ausstoß zu reduzieren.
Für die Einhaltung der Erderwärmung von 1,5 Grad zum Bezugsjahr 1960, wird die Bevölkerung der Erde noch mehr Einschränkungen hinnehmen müssen.
Aufgrund der bereits eingetretenen Kipppunkte glaube ich, dass die 1,5 Grad zu angesetzt sind:
> zuviel Klimagas im Rückstrahlungsschirm erhöht die Temperatur
> Rückzug der Gletscher, auch am Nord- und Südpool
> Anstieg des Meeressiegels seit 100 Jahre um 23 cm, letzthin um 4 mm jährlich (das mag für uns die alles abfließen sehen, unbedeutend aussehen, für die flachen Küstengebiete ist das aber bereits eine Katastrophe)
> die Permafrostgebiete in Sibirien und Canada tauen auf. Dadurch werden große Mengen von Methan und CO2 freigesetzt
> es gibt Veränderungen beim Golfstrom, der den Küsten-nahen Gebieten mediterranes Klima beschert
> Unregelmäßigkeiten beim Passatwind und El Nino
> Häufung der langen Trockenperioden. Punktuelle Starkregen mit über 200 Milimeter, verursacht durch Aussetzen der Höhenwinde im Bereich der Wolken
> die Ufer-schützenden Korallenriffe werden durch die Versauerung der Meere angegriffen
> die Verkehrsgewohnheiten der Bürger, der Flugverkehr mit Steuer-freiem Treibstoff und die massenhaften LKW Transporte, setzen Unmengen von CO2 frei und heizen beim Klima mit
> in den wärmeren Zonen nehmen die Tage zu, an denen die Pflanzen wegen Hitze die Assimilierung und damit die Produktion von Sauerstoff einstellen
> Zyklon-artige Stürme walzen auch in Südtirol Wälder nieder und richten bei den Gebäuden Schäden an

Ritratto di Josef Fulterer
Josef Fulterer 20 Marzo, 2022 - 16:14

*Aufgrund der bereits eingetretenen Kipppunkte glaube ich, dass die 1,5 Grad zu hoch angesetzt sind:

Ritratto di Johannes Engl
Johannes Engl 20 Marzo, 2022 - 18:35

Die Klimaneutralität ist das Fernziel, das wir 2045 oder 2050 erreichen müssen. Wir müssen vor allem über die zu erreichenden Zwischenziele sprechen und auf diese hinarbeiten.
Das Ziel von -20% für 2020 wurde erreicht. Das nächste Zwischenziel der EU für das Jahr 2030 ist 55 % Emissionsminderung gegenüber 1990. Das ist sehr ambitioniert und erfordert außergewöhnliche Anstrengungen. Es ist aber erreichbar. Dann erst sollten wir uns mit dem nächsten Schritt, Klimaneutralität bis 2050 befassen.

Ritratto di Ludwig Thoma
Ludwig Thoma 20 Marzo, 2022 - 17:56

Sind die Panzer in die jetzt investiert werden soll auch klimaneutral?

Ritratto di Johannes Engl
Johannes Engl 20 Marzo, 2022 - 18:37

Natürlich nicht. Ihre Polemik nützt aber niemandem.

Ritratto di Johannes Engl
Johannes Engl 20 Marzo, 2022 - 19:12

Wie bei allen wichtigen gesellschaftlichen Veränderungen braucht es alle Kräfte: die Denker und die Schreier, die Macher und die Besonnenen, die Radikalen und die Pragmatiker. Alle diese Akteure sind keine Gegner, sondern ergänzen sich und am Ende bringen alle zusammen den Wandel voran und erreichen das Ziel.
Die Gegner der Klimaschutzbewegung sind jene, die sich und anderen einreden möchten, der Klimawandel sei keine Katastrophe. Oder die meinen, wir können weiter auf Kosten der Zukunft unserer Kinder und Enkel leben.

Ritratto di Ludwig Thoma
Ludwig Thoma 20 Marzo, 2022 - 20:06

Die Polemik sollte ein Denkanstoß sein. Hier nochmal etwas konkreter: ein Leopard 2 Panzer braucht über 500l Diesel/100km, über Katalysator und Partikelfilter verfügt er wahrscheinlich nicht, ist aber auch egal. Ein Kampfjet zwischen 2000 und 6000 l Kerosin in der Stunde. Nun möchte allein Deutschland über 100 Milliarden Euro mehr für Rüstung ausgeben. Gleichzeitig wird dem "kleinen Mann" eingeredet, sein Mittelklassewagen sei Schuld an der Klimaerwärmung. Ich bewundere Ihren Idealismus.

Ritratto di Stefan T
Stefan T 21 Marzo, 2022 - 09:25

Whataboutism vom feinsten. Erklären Sie das mal dem Genossen in der Duma.
Der hat sicher ein offenes Ohr für Klimaschutz!
Nein im Ernst, Sie eklären uns, der fossil gestütze Individualverkehr ist egal, weil Krieg in der Ukraine... Und solange der Krieg und Rüstung existieren, brauchen wir auch nichts zu ändern an unserem Verhalten und uns um Klimaschutz auch nicht bemühen. Wirklich?

Ritratto di Ludwig Thoma
Ludwig Thoma 21 Marzo, 2022 - 18:00

Ich habe nicht geschrieben, dass wir unser Verhalten nicht verändern müssen. Es ist halt so: Wenn 1.000 Pendler eine Fahrgemeinschaft bilden, also idealerweise nur noch mit 200 Autos zur Arbeit fahren, dabei sämtliche Regeln vom Hypermiling einhalten, wäre das eine tolle Sache, keine Frage. Nur wird deren Bemühung, bzw. das, was dadurch in einem Jahr an Treibstoff eingespart werden könnte, von einem Kampfjet in wenigen Stunden hinausgeblasen.
Das wiederum stellt niemand in Frage, "weil Krieg in der Ukraine". Auch das haben Sie geschrieben und nicht ich. Was das nun mit dem "Genossen in der Duma" zu tun hat, (vermutlich meinen Sie den im Kreml? Wie war das mit Whataboutism?) weiß ich nicht. Der liefert nach wie vor die bestellte Menge Gas & Öl in die Ukraine und die EU. Im Grunde unterscheidet er sich von den meisten unserer Öllieferanten nur dadurch, dass er uns den Krieg vor die Haustüre bringt (in Syrien, Libyen, Jemen stört uns das nicht so sehr, dass wir Aufrüstung vor Klimaschutz stellen).

Ritratto di Peter Gasser
Peter Gasser 21 Marzo, 2022 - 18:17

Zitat 1:
“Der liefert nach wie vor die bestellte Menge Gas & Öl in die Ukraine und die EU”:
Ja, der Hitler hat auch verlässlich Autobahnen gebaut.
.
Zitat 2:
“Im Grunde unterscheidet er sich von den meisten unserer Öllieferanten nur dadurch, dass er uns den Krieg vor die Haustüre bringt”:
Durch das viele Geld, das UNS dieser Krieg kostet (Flüchtlinge, Verteidigungsbereitschaft...) und die Gefahr, den Krieg auszuweiten und die atomare Drohung, ist dieser Krieg längst IN UNSEREM HAUS angekommen (und nicht VOR unserer Haustür).
Das verheerende Wörtchen “nur” im zitierten Satz darf mir sauer aufstoßen?

Ritratto di Ludwig Thoma
Ludwig Thoma 21 Marzo, 2022 - 18:50

Hallo Herr Gasser, Ihr Kommentar bestätigt mich, vielen Dank.

Ritratto di Peter Gasser
Peter Gasser 21 Marzo, 2022 - 19:17

Ja eben, er unterscheidet sich von den anderen Öl- und Gaslieferanten dadurch, dass er einen Nachbarstaat mit einem Angriffskrieg überzieht, dass er ein Kriegsverbrecher ist, der mangels militärischem Erfolg das ukrainische Volk zu vernichten versucht mit Bomben- und Raketenangriffen auf Wohnbezirke, Krankenhäuser, Schulen, Entbindungsstationen, nun sogar auf friedliche Demonstranten schießen lässt, und, so muss man leider annehmen, in wenigen Tagen neben bereits verwendeter Streumunition auch chemische und biologische Waffen gegen Zivilisten einsetzen wird: Grozny, Aleppo und jetzt die ukrainischen Städte.
Der Mann hat Blut geleckt, wie ein Serientäter, ein Massenmörder... er wird nicht aufhören, bevor er gestoppt wird.

Ritratto di Dietmar Nußbaumer
Dietmar Nußbaumer 20 Marzo, 2022 - 18:55

Nur wenn das Kapital mitzieht, gibt es eine realistische Chance. Der Normalbürger muss ja eh sparen, wo er nur kann. Wenn die Superreichen dann mal einen Raketenausflug machen, können Normalsterbliche lange mit einem Verbrenner rumdüsen, Flugverkehr inbegriffen. Stichwort: Kostenwahrheit und Bepreisung der ökologischen Kosten.

Ritratto di Josef Fulterer
Josef Fulterer 21 Marzo, 2022 - 06:58

Beim vom Hitler leichtfertig verbrochenen 2. Weltkrieg, ist die Durchschnittstemperatur durch den Einsatz von Sprengstoff und der übertriebenen Verbrennung von fossiler Energie, über die von den Klimaforschern festgelegte Referenz von 1960 angestiegen.
In den Nachkriegsaufbaujahren danach, ist die Durchschnittstemperatur wieder zur Ebene der 30ger Krisenjahre abgesunken.

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