Corona-Screening
Othmar Seehauser
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Corona

Massentests ohne Wirkung bis jetzt

Bei einem Vergleich des Pandemieverlaufs in Südtirol mit anderen Provinzen in Norditalien fällt auf, dass die Massentests anscheinend keine positiven Effekte haben.
Un contributo della community di Jürgen Peukert16.12.2020
Ritratto di Jürgen Peukert
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Wie könnte man überprüfen, wie sich die Massentests auf den Pandemieverlauf in Südtirol ausgewirkt haben? Da müsste man wie bei Medikamententests eine Vergleichsgruppe haben. Also einmal Südtirol mit Massentest und einmal Südtirol ohne Massentest. Das geht natürlich nicht.

Es gibt aber andere Provinzen im Norden Italiens mit ähnlichem Pandemieverlauf, die sich gut mit Südtirol vergleichen lassen.
In Abbildung 1 sind die meisten Provinzen und Regionen in Norditalien eingetragen. Die Fälle mit Covid-19 sind hier auf die Bevölkerungszahl bezogen. Dazu verwendet man die sogenannte 7-Tage-Inzidenz, d.h. alle neuen Fälle in 7 Tagen pro 100.000 Einwohner. Die Inzidenz wird auch hier auf salto.bz erklärt.

7-Tage-Inzidenz vieler Provinzen in Norditalien
7-Tage-Inzidenz vieler Provinzen in Norditalien, von Jürgen Peukert, Daten von Provinz Bozen und Github

Die einzelnen Kurven in Abb. 1 ergeben natürlich ein ziemliches Durcheinander, weil die meisten Provinzen einen unterschiedlichen Pandemieverlauf haben.
Aber wenn man genau hinschaut, kann man erkennen, dass Südtirol und die Provinzen Mailand, Monza und auch in Teilen die Provinz Varese einen sehr ähnlicher Verlauf haben (siehe Abbildung 2).
Alle diese Provinzen waren wie Südtirol rote Zone. Diese Provinzen haben alle um den 10. Oktober einen starken Anstieg der Inzidenz, ungefähr das gleiche Maximum und einen Rückgang der Fälle um den 21. November herum.
In den Provinzen Mailand, Monza und Varese, alle ohne Massentests, gehen die Fälle genauso stark und sogar eher etwas mehr zurück als wie in Südtirol.
Anscheinend hatte die Massentestung in Südtirol vor über 3 Wochen keinerlei positiven Einfluss auf den Pandemieverlauf. Eher im Gegenteil, die Zahlen sind in Südtirol sogar ein wenig schlechter als in anderen roten Zonen wie Mailand, Monza und Varese.

7-Tage-Inzidenz Vergleich mit Südtirol
7-Tage-Inzidenz Vergleich mit Südtirol, von Jürgen Peukert, Daten von Provinz Bozen und Github

Der Einfluss der Massentestung wurde anscheinend von Sanität und Landesregierung im Vorlauf viel zu positiv bewertet.

Über die Gründe des nicht vorhandenen Einflusses der Massentestung kann man nun vermuten:

  • Ein einmaliger Massentest hat wohl grundsätzlich keinen Einfluss auf den Pandemieverlauf. Die Massentests müssten viel öfter durchgeführt werden, vielleicht jedes Wochenende über mehrere Wochen.
  • Es wurden 30% falsch negativ getestet (das liegt in der Natur des Antigentest, diese haben eine Spezifität von 99.9% und eine Sensitivität von 70%). Es wurden ja 3615 Personen beim Massentest positiv getestet. Aber ebenso wurden 1397 Personen falsch negativ getestet obwohl sie infiziert waren. Diese wiegen sich in falscher Sicherheit und stecken andere Personen an.
  • Die Sanität war komplett ausgelastet mit der Durchführung des Massentests und konnte so ihre normale Überwachung der Pandemie nicht aufrecht erhalten.
  • Ein viel zu positives Bild der Massentests wurde vermittelt von Medien und Landesregierung. Als wäre nach Massentestung eine Rückkehr zum gewohnten Alltag möglich. Dadurch waren vieleicht einige zu sorglos nach einem negativen Testergebnis.
  • Durch die geringe Positivquote von 1% ist vielleicht der Eindruck entstanden, dass die Pandemie eh schon zurück gedrängt ist und von daher z.B. keine AHA-Regeln mehr eingehalten werden müssen.
  • ...

Diese Dinge sollten vielleicht berücksichtigt werden, falls ein neuer Massentest in Südtirol geplant werden sollte. Vielleicht wäre es stattdessen besser, mehr Energie in die Kontaktnachverfolgung der positiv Getesteten zu investieren. Diese ist leider seit Wochen in Südtirol nur mehr in Grundzügen vorhanden.

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Ritratto di Paul Schöpfer
Paul Schöpfer 16 Dicembre, 2020 - 20:06

Daten Abott Antigentest: "Affidabile, ad alte prestazioni*: Sensibilità: 93,3% (98,2% per campioni con valori Ct ≤33) / Specificità: 99,4%"
Der SD Biosensor ist erheblich besser. Wie kann man von einer Sensitivität von 70 % sprechen. Ich vermute Mal, Sie haben die Sensivität mit dem Verhältnis der falsch positiv Getesteten zu den gesamt positiv Getesteten verwechselt. Wenn man diese Grundbegriffe nicht verstanden hat, sollte man keine Artikel schreiben. Ihre Schlussfolgerungen sind entsprechend zum Teil nachvollziehbar, zum Teil haltlos und den wahren Grund, warum der Massentest wenig gebracht hat, haben Sie nicht erkannt. Dieser ist die Tatsache daß der R(t)-Wert keine Konstante ist. Asymtomatische stecken logischerweise weniger an als Symptomatische. Dass Sie dass nicht verstanden haben sehe ich Ihnen nach. Da befinden Sie sich mit unserem Landeshauptmann und vielen anderen in guter Gesellschaft.

Ritratto di Martin Koellensperger
Martin Koellensperger 16 Dicembre, 2020 - 21:54

Wie man von einer Sensitivität von 70% sprechen kann?
Indem man sich nicht auf die Angaben des Herstellers verlässt:
Sensitivität 21.95%
Sensitivität 70%
Sensitivität 50%

Ritratto di Günther Schweigkofler
Günther Schweigkofler 16 Dicembre, 2020 - 22:10

"Unter Berücksichtigung dieser Faktoren wurden diese Kits in unserem Labor vorab getestet und für das Antigenscreening als geeignet befunden."
"Dass die Tests zuverlässig waren, berichtete die Primaria des Labors für Mikrobiologie und Virologie des Südtiroler Sanitätsbetriebes Elisabetta Pagani anhand von Details aus dem Labor."
So richtig Details wurden dann nicht präsentiert, Trump lässt grüßen.
Landesmedienkonferenz vom 11.12.2020

Ritratto di rotaderga
rotaderga 16 Dicembre, 2020 - 21:55

"Asymtomatische stecken logischerweise weniger an als Symptomatische".
Dieser Logik kann ich nach dieser langen Zeit der Praxis nicht folgen: Symtomatische wissen um die mögliche Gefahr andere zu infizieren - Asymtomatische nicht.
Also will ich annehmen dass Erstere sich eher isolieren.

Ritratto di Meinhard Ploner
Meinhard Ploner 16 Dicembre, 2020 - 21:58

Herr Schöpfer, der Salto Artikel https://www.salto.bz/it/article/19112020/falk-szenarien-massentests beschreibt ganz gut, warum eine Sensitivität des Antigentests von 96% als Sensitivität von 70% für den Gesamttest interpretiert werden kann. Insofern sind die Annahmen von Herrn Peukert doch nicht so falsch. Ansonsten bin ich persönlich derselben Meinung wie die ECDC im Tech. Report https://www.ecdc.europa.eu/sites/default/files/documents/Options-use-of-..., Figure 1. Sprich: Massentest macht wenig Sinn bei "very low to low prevalence (<= 2%)".

Ritratto di Paul Schöpfer
Paul Schöpfer 16 Dicembre, 2020 - 23:15

Im von Ihnen verlinkten Titel stehen genau die von mir vermuteten 70 Prozent für das Verhältnis effektiv Infizierte zu positiv Getestet. Spezifität wird wissenschaftlich anders definiert.

Ritratto di Jürgen Peukert
Jürgen Peukert 16 Dicembre, 2020 - 22:00

Die Daten zur Sensitivität habe ich vom Biostatistiker Markus Falk von der Südtiroler Eurac Research, der diese Werte auf seinem Telegram Kanal veröffentlicht hat. Und die Werte von der Sensitivität von 70% sind realistisch. Weil es geht um das Erkennen nicht nur von asymptomatischen Infizierten, sondern auch von Präsymtomatischen (die schon Infiziert sind, jedoch erst seit so kurzer Zeit, dass der Test noch nicht anspricht).

Das kann man sich auch so vorstellen, dass selbst ein genauer PCR-Test in aller Regel 2-3 Tage nach Ansteckung positiv ist. Das bedeutet, dass wenn ein Coronatest kurz nach der Ansteckung durchgeführt wird, dieser mit relativ großer Wahrscheinlichkeit negativ sein wird. Ein ungenauerer Antigen-Schnelltest spricht noch später an. Von daher kann ein Test, bei einmaliger Testung, niemals bei allen infizierten eine Sensitivätet von 93,3% bieten, da nach dieser Schlussfolgerung für diesen Wert ausschließlich die bereits länger Infizierten relevant sind.
Der Massentest hat zwar nicht auf die erst seit sehr kurzem Infizierten abgezielt, jedoch haben die präsymtomatisch Infizierten stark dazu beigetragen, dass er bei einmaliger Ausführung keine positive Wirkung auf den weiteren Verlauf der Infektionszahlen gezeigt hat.
Die effektive Sensivität von 93,3% hätte also nur mit einer mehrfachen Wiederholung des Tests erreicht werden können.

Asymtomatische sind genauso ansteckend wie symptomatisch Infizierte. Genau deswegen konnte sich SARS-CoV-2 ja so auf der Welt ausbreiten.

Ritratto di Paul Schöpfer
Paul Schöpfer 17 Dicembre, 2020 - 00:07

Wie schon vermutet und beschrieben haben sie da das Verhältnis effektiv Infizierter zu positiv Getesteter mit Sensitivität der Tests verwechselt.

Zu PCR-Tests sollten Sie vielleicht noch etwas tiefergreifende Studien lesen.

Und zur Aussage:
"Asymtomatische sind genauso ansteckend wie symptomatisch Infizierte." hmm.. Mal CT-Wert Googeln.. Wir könnten eventuell darüber diskutieren ob sie unter ungünstigen Umständen gleich viele anstecken da sie von ihrer Infektion nicht wissen.. aber gleich ansteckend ist absurd.

Ritratto di Christian I
Christian I 17 Dicembre, 2020 - 12:22

Studien hin, Angaben der Herstellerfirmen her, die Berufserfahrung zeigt, dass man bei den Schnelltests einige falsch negative hat. Sind es (zu) viele, sind es (nur) wenige, dass ist schwierig zu sagen. Ich persönlich kenne mehrere Fälle. Auch Dr. Crisanti ist eher kritisch gegenüber Schnelltests. Und so wie man heute im Radio gehört hat, hat LR Widmann auch verstanden, dass man bei den Schnelltests mehrere hintereinander machen muss um eine gewisse Sicherheit zu haben.

Ritratto di Georg Lechner
Georg Lechner 16 Dicembre, 2020 - 20:14

Auch in Ö. sind nach dem Massentest die Neuinfektionen nicht merklich zurückgegangen, in der Slowakei steigen sie mittlerweile wieder. Meine Schlussfolgerung ist, dass es Ansteckungswege gibt, die von den Behörden noch nicht in Betracht gezogen wurden.
Einen gewissen Nutzen sehe ich trotzdem. In Ö. wurden ca 4000 positive (nach Eliminierung der falsch positiven mittels PCR-Test) Tests registriert und somit etliche Infektionsketten früh unterbrochen.

Ritratto di Günther Schweigkofler
Günther Schweigkofler 16 Dicembre, 2020 - 21:54

"Der Einfluss der Massentestung wurde anscheinend von Sanität und Landesregierung im Vorlauf viel zu positiv bewertet."
Das hat bei der Landesmedienkonferenz am 11.12.2020 doch etwas anders geklungen.
"Für den Südtiroler Sanitätsbetrieb waren die Massentests die Rettung, ja nichts weniger als das", betonte der Generaldirektor des Südtiroler Sanitätsbetriebs Florian Zerzer.
Doch nicht nur diese Aussage bei der Pressekonferenz lässt Fragen offen.
http://www.provinz.bz.it/news/de/news.asp?news_action=4&news_article_id=...
http://www.provinz.bz.it/sicherheit-zivilschutz/zivilschutz/coronavirus-...

Ritratto di Luis Durni
Luis Durni 17 Dicembre, 2020 - 09:48

der massentest hat wirklich nix genützt, die wintersaison darf nicht starten.
vielmehr wirkung hatte die wandlung südtirols von der roten in die weisse zone.
den einzigen grossen sprung in der ansteckungskurve nach unten brachte der starke scheefall.

Ritratto di a richter
a richter 17 Dicembre, 2020 - 09:56

Herr Falk hat in seinem Blog geantwortet

https://t.me/c/1430539185/9592

Es werden Birnen mit Aepfel verglichen. Ich kann ja nicht meinen Vergleich (Osttirol im Fall von Herrn Falk) zu belieben auswaehlen.
Es braucht eine repraesentative Stichprobe

Interessant ist nur das Massentest in Tirol und Slowakei durchgefuehrt wurden. Also weder in D F GB oder I.
Ist das Zufall oder schon wieder ein Beispiel "wir sind die Besten" Mentalitaet?

Auf jeden Fall wenn es so weitergeht sind wir auf den besten Weg von R >1

Ritratto di Jürgen Peukert
Jürgen Peukert 17 Dicembre, 2020 - 11:01

Markus Falk hat sich die Mühe gemacht in seinem Blogeintrag, die Kurven für die einzelnen Provinzen nachzubilden und ist zum gleichen Verlauf gekommen. Damit ist da wenigstens kein Fehler drin. Nun frägt er, warum nicht Osttirol mit Verona verglichen wird?
Es wird ja gerade eben nicht Osttirol mit Verona verglichen, weil das ja verschiedene Länder mit ganz anderen Strukturen und ganz anderen Maßnahmen sind. Südtirol, Mailand und Monza waren alles rote Zone im ungefähren gleichen Zeitraum und mit ähnlichen Pandemieverlauf und dem gleichen Maßnahmenkatalog. Nur einmal mit Massentest(Südtirol) und einmal ohne Massentest(Mailand, Monza).
Das Vorgehen mit Vergleich von verschiedenen Provinzen oder Städten ist übrigens nicht so abwegig.
So hat man auch in Studien belegt, dass Maskentragen sehr wohl einen Einfluss auf den Pandemieverlauf hat. So wurde in der deutschen Großstadt Jena schon frühzeitig eine Maskenplicht eingeführt und dies hat wesentlichen Einfluss auf die Pandemie gehabt, als man Jena nachträglich mit anderen Großstädten mit ähnlicher Struktur, nur ohne Maskenplicht, verglichen hat. Man kann ja nicht die gleiche Stadt einmal mit Maskenplicht und dann ohne Maskenplicht untersuchen.
https://www.tagesschau.de/inland/corona-masken-schutz-studie-101.html

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