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Überlegungen zur Autonomie

Autonomie - ein Scherbenhaufen

Nichts wurde in Italien gründlicher dezentralisiert als die Korruption. Die Skandale in den Regionen nehmen kein Ende, gegen 520 Abgeordnete laufen Ermittlungs- und Gerichtsverfahren - ein beispielloser Sumpf.
Von
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Christine Helfer12.03.2014
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Kommentare

Bild des Benutzers Alfonse Zanardi
Alfonse Zanardi 12.03.2014, 22:58
Die These von der Dezentralisierung der Korruption finde ich sehr ansprechend als Argument gegen überzogene Regionalisierung. Wieso jede 50 km ein komplettes parlamentarisches System aufbauen? Bringt das demokratiepolitische Vorteile? Kaum. Verleitet es zur Herausbildung von grotesken, malignen Gewächsen des Machtmissbrauchs, der Verschwendung und Selbstbedienung? Die Antwort ist hinfällig. Und das Individuum? Wird geschwächt und drangsaliert durch die aufdringliche Ausbreitung lokalster Politik und Korruption bis in den allerletzten Winkel. Hinweg also mit den verblendeten Landesfürsten, ihrem Größenwahn und ihrer Inkompetenz - und ihrem devoten Hofstaat von Zuwendungsempfängern. Befreien wir uns von dem Joch provinzieller Anmaßung und lassen wir talentierte und redliche Beamte die Arbeit erledigen. Und wenden wir uns einer Welt zu in der wir nur in großen Strukturen konkurrenzfähig sind. Wird es deswegen keine Korruption mehr geben? Nicht im geringsten. Aber statt hunderter Schlangengruben gibt es dann wenigstens eine zentrale Hydra, der man alle paar Jahre den Garaus machen muss. Over.
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Harald Knoflach 13.03.2014, 08:15
Gibt es Zahlen, die belegen, dass durch die Dezentralisierung die Korruption zugenommen und die Situation sich verschlechtert hat, oder ist das nur eine Beobachtung? Was hat die derzeitige Diskussion um Politikerentschädigungen in Südtirol mit Korruption zu tun? Die (alte überteuerte) Pensionsregelung fußt doch von einer Koppelung mit der zentralstaatlichen her. Ist es nicht so, dass wenn derartige Dinge alleinig in Rom geregelt werden würden, sich ein Protest wie der jetzige kaum formieren bzw. zumindest viel schwerer tun würde?
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Gerhard Mumelter 13.03.2014, 10:57
Mein Beitrag ist ja kein Plädoyer für die Rückkehr zum Zentralstaat. Er will nur aufzeigen, daß sich die Mißwirtschaft von Rom auf die Regionen ausgedehnt hat. Natürlich hat nicht alles direkt mit Korruption zu tun. Die Ermittlungen erfolgen wegen Korruption, Mißbrauchs öffentlicher Gelder, Betrug, Amtsmißbrauch. Es handelt sich um die Vergehen, die mit der sattsam bekannten Selbstdienung und Privilegienwirtschaft zu tun haben, die auch dem Pensionsskandal zugrundeliegen. Früher waren eher Sizilien und Kalabrien davon betroffen, jetzt alle Regionen mit Ausnahme der Toskana. Gegen die Hälfte (!) aller Regionalratsabgeordneten laufen Ermittlungen oder Gerichtsverfahren. Und der große Ndrangheta-Prozeß in Mailand mit 120 Verurteilungen hat in beeindruckender Weise aufgezeigt, wie stark Italiens größte und reichste Region Lombardei von der Mafia unterwandert ist. Der sardische Abgeordnete Carlo Sanjust wurde verhaftet, weil er einen Hochzeitsempfang für 300 Gäste mit Fraktionsgeldern bezahlt hat. Ohne es zu wissen, wohnten die Gäste auch einer anderen Vermählung bei - jener zwischen Autonomie und Veruntreuung.
Bild des Benutzers Manfred Gasser
Manfred Gasser 13.03.2014, 14:47
Sie zählen auf: Korruption, Mißbrauchs öffentlicher Gelder, Betrug, Amtsmißbrauch. Das sind alles Strafbestände, die Sie genüsslich mit einem Skandal gleichsetzen, bei dem kein Gesetz gebrochen wurde! Es ist eine Skandal, da haben Sie recht, aber ein Skandal ist nunmal nicht strafbar. Sie schreiben auch über die Kosten der Politik in Italiens Regionen, sagen uns aber nichts dazu, wo unsere Region steht, ok, dass Sizilien ganz oben steht hätten Sie auch weglassen können, das weiss eh jeder, aber wo stehen wir??
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