Sport | Analyse

Wilder Ritt zum Klassenerhalt

In einem kuriosen Spiel (7 Tore) sichert sich der FC Südtirol den Klassenerhalt. Ternana war nicht gut, aber sehr effizient. Und Südtirol? Etwas glücklich war das schon.
Odogwu 1:0 gegen Ternana
Foto: Ufficio Stampa FCS - Foto Bordoni
  • Der FC Südtirol steigt diese Saison nicht aus der Serie B ab. Das war eigentlich auch schon vor dem Spiel heute gegen Ternana klar. Gewiss, rechnerisch war ein Abstieg noch möglich, aber realistisch ist das nicht gewesen. Die Gäste hingegen sind noch mitten drin im Abstiegskampf. Was also war zu erwarten von der Partie? Ternana zieht sich zurück, Südtirol müht sich im Ballbesitz ab - vielleicht 1-2 Tore durch Standards? Ja und Nein - Jein.

  • Rauf und Runter

    Es ging sehr wild los im Drususstadion: Südtirol hatte erwartungsgemäß mehr vom Ball, hatte aber auch gleichzeitig die immer gleichen Probleme, damit effektiv umzugehen. Die Mittelfeldspieler von Trainer Valente bewegten sich immerzu aus den wichtigen Zonen heraus, um sich anspielbar zu machen: Kurtic und Arrigoni fielen in die erste Aufbaureihe zurück, Casiraghi bewegte sich in den Zwischenlinienraum, um sich sofort wieder von dort fortzubewegen, usw. Sehr oft ließen die Südtiroler den Ball in einer "U"-Formation kreisen - ohne viel Raumgewinn, ohne viel Wirkung. Ternana machte das Beste draus: Weit zurückziehen und auf Fehler der Gastgeber warten. Und die kamen.

  • Südtirol in Ballbesitz: Mangels Ideen ließen sich die Spieler Südtirols aus dem Zentrum in die peripheren Zonen des Feldes fallen. Dadurch wurde eine Anordnung in U-Form hergestellt. Foto: SALTO
  • Südtirol kam also nicht in die Formation Ternanas, war aber zumindest in Folge der Anordnung im "U" für Konter abgesichert - stimmts? Nun...nein. Wurde doch einmal ein riskantes Anspiel in die Spitze versucht und ging der Ball anschließend verloren, waren die meisten Spieler Südtirols zu weit weg von Ball und Gegner, um effektiv ins Gegenpressing zu kommen. Ternana war nun bei weitem keine großartige Kontermannschaft, aber die Gäste zeigten sich hochefffizient: 3-4 Torschüsse reichten für 3 Treffer.

  • Warum es am Ende doch reichte

    Wie kam der FCS am Ende doch zu so vielen (4) Toren und zum entscheidenden Punktgewinn für den Klassenerhalt? Zuerst war da ein bisschen Glück dabei: Gabriele Boloca flog nach 60 Minuten (gelb-rot) vom Platz, dann wurde Odogwu im Strafraum gefoult - den 11. Elfmeter in dieser Saison verwandelte Casiraghi. Aber auch ein bisschen Verstand bei Trainer Valente. Er erhöhte den Druck auf Ternanas Hintermannschaft merklich, befreite seine Spieler von diesem Ballgeschiebe und ließ konsequent hoch pressen (und gegenpressen). Ternana - noch einmal: weiß Gott, keine Übermannschaft - brach unter dem Druck schießlich zusammen. 

  • Südtirol im Gegenpressing: Nach Ballverlust wird der Ballführende sofort wieder unter Druck gesetzt. Das Ergebnis: Ballgewinn für Südtirol Foto: SALTO
  • Fazit und Ausblick

    Der FC Südtirol kann nach wie vor eines ganz gut: Pressing. Unterschiedliche Höhen zu unterschiedlichen Zeitpunkten im Spiel. Das hat Valente seinen Spieler sehr schnell eingetrichtert und dazu auch stetig verfeinert. Auch gegen Ternana war das Pressing (genauer: das Gegenpressing) wieder entscheidend. Mit Ball hat der FCS immer noch große Probleme, und es scheint manchmal, mit fortschreitender Spielzeit habe eine Regression im Ballbesitzspiel eingesetzt. Die "U-Formation" lässt bei allen, die schon einmal etwas von Ballbesitz und Fußball gehört haben, die Alarmglocken schrillen. Hoffentlich auch bei Federico Valente. 

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Georg Markart Do., 02.05.2024 - 08:19

Als FCS Fan ( seit 20 Jahren) freue ich mich für den Verbleib in der Serie B ,und Gratuliere den Spielern und allen Verantwortlichen die dazu beigetragen haben.
Weniger erfreut werden woll jene sein,die hier auf Salto mit ihren Kommentaren ( und nicht nur hier) dem FCS den Abstieg gewünscht haben, sie müssen nochmals ein Jahre hoffen,daß ihr Wunsch in Erfüllung geht.

Do., 02.05.2024 - 08:19 Permalink